Der Spieler – Teil 64

Der Spieler – Teil 64

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.

Dieses ist der vierundsechzigste Teil und etwas fehlt. Aber das ist ja immer so. Man denkt nichts böses, aber dann fehlt halt was. Das Glück ist nie perfekt.

(Nebenbei: Wenn jemand Vermutungen äußern will, wie es weiter geht – dann würde mich das interessieren. Bitte unten ins Kommentarfeld schreiben)

Andreas Allgeyer, 29.03.2026

Ich schrak zurück.

„Wer hat diesen Wahnsinn eigentlich entworfen?“

Sie deutete den Gang hinunter. „Du wirst es dir denken können, dass diesem Entwurf ein System zugrunde liegt, das wir nicht zu verantworten haben.  Mit Sicherheit hat Blumscheid versucht es dir zu erklären.“

„Die Nazis…“

Sie seufzte leicht. Es war jenes Seufzen, mit dem sie auch Wäschestapel oder Cörd betrachten konnte, wenn er sich nicht anzog.„Wenn es so einfach wäre. Ich vermute, das war das, was er dir vermitteln konnte. Und im ersten Moment logisch klingt.“

Wir ging auf dem roten Teppich einen Flur hinunter, der jenen, die ich bereits verlassen hatte, glich. Rot, Türen am Rand. Ich wußte nicht, was ich erwartet hatte. Zu sagen, ich war erschüttert beschreibt meinen Zustand sehr ungenau. Mein Magen rebellierte, mein Darm drängte auf Entlastung, das ganze System schrie nach einem Neustart und Inge erzählte einfach ruhig weiter.

„Wernher von Braun und seine Kollegen in Peenemünde waren nur ein Glied in einer langen Kette, die weder mit ihnen begann, noch mit ihnen endete. Nur, das muss man leider zugeben, handelte es sich um ein Regime das zum Einen sehr gut dokumentiert ist und zum anderen jeglichen Wahnsinn auf die Spitze trieb.“

„Inge, ich muss jetzt wirklich…“

„Kein Problem, noch zwei Türen. Links. Du kannst gerne schneller gehen.“

Ich konnte nicht schneller gehen. Ich schleppte mich. Mein kompletter Körper hatte nur noch ein Ziel, er schränkte meine Bewegungen ein, verzerrte meinen Gang und fraß sich von der Mitte in mein Hirn. Ich schnaufte, ächzte, stöhnte, bekam nur noch unstet Luft und schluckte sie in mich hinein als befände ich mich in einem Rausch. Alles war besser, als die Konzentration auf meine Körpermitte zu fixieren. 

Dort befand sich – ich spürte es genau – ein brodelnder Vulkan, der meinen Bauch mit Luft blähte und meine Gesäßbacken auseinander trieb. Ich hatte es geahnt. Mir war es bewusst gewesen. Es war ganz klar und entsprach meinen Erfahrungen: Früchte, Zucker, sie schufen die Hölle in mir und malten sie mit bunten Farben aus. 

Ich hätte hier und sofort explodieren können. Wie eine Zeitbombe tickerte ich vor mich hin. Rotes und Schwarzes Kabel. Egal welches jetzt berührt werden sollte – es war das falsche.

Zwei Türen. Ich wartete nicht auf Inge, ich zerrte an der Klinke. Sie sprang automatisch auf. Ein leises Zischen, ein Flupp wie beim Öffnen mit Druckluft, und ich gelangte in einen erneuten, weißen Traum für Designer und Raumgestalter. Wer das geplant hatte, hatte kein Bezug zum Thema putzen. Das Weiß entsprach einer Farbskala in der keine Farbe mehr existent ist. Die Lichtquellen waren nicht zu orten. So gleichmäßig war es ausgeleuchtet, und die Armaturen, sowie  Schüsseln und Urinale sprangen erst bei meiner Ankunft aus den Wänden. 

Auch hier waren Rundungen und die Form einer Halbkugel das vorherrschende Element. Die Verantwortlichkeit musste bei demselben kreativen Kopf gelegen haben, wie der Raum in dem ich Inge antraf. Auch hier gab es mehrere Türen, die erst bei genauer Betrachtung der Wände sichtbar wurden. 

Über den Schüsseln befand sich ein Ansammlung von versenkten, angedeutet Knöpfe, die in verschiedenen, mir komplett unbekannten Zeichen, wahrscheinlich Funktionen erklärten. Das Gefühl in einem Raumschiff zu sein, beschlich mich. Allerdings in einem, dass in den siebziger Jahren mal der feuchte Traum der Ingenieure gewesen sein muss. 

Die Gestaltung war formvollendet, aber alles andere als zeitlos. Ich kannte in meinem eigenen Bekanntenkreis langhaarige Raumausstatter und Menschen, die vor vielen Jahren Küchen entworfen hatten, die irgendwie daran erinnerten. Ein Museum für die entsprechende Kunstgeschichte hätte sich über das Interieur gefreut.

Ich zog die Jogginghose herunter, setzte mich auf die Schüssel und sah mich um. Das würde nicht gut ausgehen. Ich konnte kein Toilettenpapier erblicken.

Autor

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert