Rosa Hoelger (+ Hey Moment Aka Stefan Ebert) in Werders Wohnzimmer Konzerte am 03.07.2026

Rosa Hoelger (+ Hey Moment Aka Stefan Ebert) in Werders Wohnzimmer Konzerte am 03.07.2026

Rosa Hoelger in Werders Wohnzimmer am 03.07.2026
Rosa Hoelger in Werders Wohnzimmer am 03.07.2026

Es sind die Hinterhöfe, die der Südstadt ihren Flair verleihen, und dabei ganz ungeahnte Schätze offenbaren. Von außen eher unscheinbar, öffnen sich in unregelmäßigen Abständen in der Werderstraße die Räumlichkeiten von Daniel für rare, aber angenehm kuratierte Wohnzimmerkonzerte. 

Ein Geheimtipp, der sich über Social-Media und Newsletter verbreitet, aber schon einige Namen in seiner kleinen Geschichte vorweisen kann, die lohnenswert sind. Daher eine der Locations, die mir ihren Events zur Vielfalt der lokalen Szene beitragen, aber dabei gar nicht so sehr im Focus sind.

Alles privat organisiert, auf freundschaftlicher Basis, über Mundpropaganda weiter getragen, trifft man sich in einer gemütlichen Runde, die Fenster werden dabei weit geöffnet, der Sommer hereingelassen und man findet Platz im gemütlich ausgestatteten Wohnzimmer, oder draußen, unter den Sternen. Das Publikum ist überschaubar, doch zahlreich erschienen. Eltern mit ihren Kindern, Neugierige, viele Bekannte, und damit alles eher in einem familiären, fast privaten Rahmen, der Neuankömmlinge herzlich begrüßt und aufnimmt. 

Stefan Ebert (Hey Moment) in Werders Wohnzimmer am 03.07.2026
Stefan Ebert (Hey Moment) in Werders Wohnzimmer am 03.07.2026

Wohnzimmerkonzerte können Experimentierfelder und Möglichkeiten sein, den Kulturbetrieb einer Stadt selbst in die Hand zu nehmen. Ihn dadurch zu bereichern, und unter dem Radar den Kunstschaffenden eine Basis ermöglichen.

Stefan Ebert ist ein umtriebiger Liedermacher aus Mannheim. Anzutreffen ist er regelmäßig in den verschiedensten Kombinationen, denn sein Humor wird geschätzt, seine Art kommt an, und sieht man ihn mit seiner Gitarre, dann hat man es eigentlich mit einer ganzen Band zu tun, firmiert er doch selbstbewußt unter dem Namen „Hey Moment“.

Auch wenn er tatsächlich das einzige Mitglied ist. Seine Songs sind lakonische, selbstironische Abrechnungen mit dem Alltag, seine Interpretation der kleinen Geschichten – vor allem in der Art seiner Präsentation – immer mit einem Augenzwinkern versehen. 

So wußte er gekonnt die Rockgriffe einzusetzen und das Publikum, innerhalb weniger Songs, einzubinden, als Chorus zu nutzen, und auf seine Seite zu holen. Der richtige Opener für Rosa Hoelger. 

Rosa Hoelger in Werders Wohnzimmer am 03.07.2026
Rosa Hoelger in Werders Wohnzimmer am 03.07.2026

Rosa Hoelger kommt aus Berlin, genauer aus Eberswalde. Einer Gegend, die sie gerne und ironisierend in einem Song verarbeitet. Soll es dort doch besonders nachhaltig, gechillt und im Geiste der frühen Hippies zugehen. 

Aufgefallen bereits auf Instagram, gehört auch sie – wie Stefan – zu jenen Talenten, die im Umfeld der umtriebigen Dota bereits namentlich genannt wurden. Mit einem Fuß im soliden deutschen Songwriting, mit dem anderen in einer Punkband, auf der man im Laufe des Abends immer neugieriger wurde. 

Mit dem richtigen Charme, Witz und einer entwaffnenden Natürlichkeit ausgestattet, schaffte es Rosa Botschaften in ihren Songs zu verpacken, die anrührend melancholisch, aber auch kämpferisch ihre Entrüstung verpackten.

Innerhalb dieses Formates, das so vieles erlaubt, und in den schönsten Momenten exklusiver nicht sein konnte, nutzte sie den direkten Kontakt zu den Anwesenden beeindruckend spielerisch. 

Ihr Songwriting zeichnet durch leichte, ungewöhnliche Vergleiche, aber auch durch einen ironischen Einsatz ihrer Stimme aus. Mit einer faszinierenden Aufgeschlossenheit gegenüber Genres und Zitaten, waren es die Brüche in der Interpretation, die genutzten Bilder, aber auch der Dialog mit den ZuschauerInnen, die Rosa Hoelger zu einem gern gesehenen Gast machten.  

Jemand, der es schaffte, mit kleinen Geschichten und dazwischen gestreuten Anekdoten, vom Zauber eines lauen Sommerabends getragen, in Erinnerung bleiben wird, um ein Wiedersehen nicht zu verpassen. 

Externe Links:

Rosa Hoelger – https://rosahoelger.de

Stefan Ebert (Hey Moment) – https://www.instagram.com/heymoment.musik/

Werders Wohnzimmer Konzerte – https://www.instagram.com/werders_wohnzimmer_konzert/

Embryo im Kohi 23.06.2026

Embryo im Kohi 23.06.2026


Embryo im Kohi 23.06.2026

Nun liegt der Auftritt von Embryo schon einige Tage zurück. Doch, wenn eine solche legendäre und geschichtsträchtige Band ihren Weg ins KOHI findet, dann sollte das nicht unterschlagen werden.

Der Name Embryo ist fast schon ein Synonym für jene hohe Zeit der deutschen Rockmusik, die weltweit unter dem Begriff Krautrock firmierte. 1969 gegründet, gehört Embryo zu den dienstältesten immer noch aktiven Bands.

Sichtlich verjüngt, aber nicht nicht weniger enthusiastisch und ekstatisch, sind Embryo auch in diesen Tagen auf den Bühne anzutreffen. 

Embryo war dabei immer mehr als eine Band. Es war ein Kollektiv.  Vor allem eine Idee. Diese erlaubte es, spannende Fusion-Experimente in aller Breite auszuspielen. 

Einst gegründet von Christian Burchard ist es heute seine Tochter Marja, die das Erbe in seinem Sinn und Verständnis fortführt. 

Reduziert auf die fast spartanische Dreierbesetzung ( Marja Burchard, Maasl Maier und Jakob Thun) bereiteten sie an einem mehr als lauen Vorsommerabend einen breiten, tanzbaren Teppich aus Weltmusik und Jazzrock-Elementen aus. 

Embryo zeigten durch ihre Konzeption schon immer ein großes Verständnis und Vermögen an Tönen. Ein Sammelsurium nicht nur aus Instrumenten, sondern auch aus Klängen, die ihren Ursprung irgendwo auf der Welt haben. 

Ein Kapital, mit dem es Ihnen zu hypnotischen, fesselnden Rhythmen und ausufernden Improvisationen gereichte. Das Ihnen aber auch die Möglichkeit bot, aus dem Vollem zu schöpfen.  Wie der Titel der wahrscheinlich wichtigsten LP unter all den unzähligen Veröffentlichungen, ist Embryo vor allem eine Reise durch Sounds und Eigenheiten. 

Wenn Marja Burchard das Vibraphon bearbeitete, Jakob Thun die Percussion-Möglichkeiten ausnutzte und Maasl Maier an der Querflöte, die Grenzen zwischen Jazz und World verschwimmen liess, dann war er spürbar. Jener faszinierende Sound, der seit den frühen Siebzigern, die Fusionexperimente geprägt hatte. Aber vor allem in den letzten Jahren eine verdiente Wiedergeburt und Wertstellung erlebt hatte.

Krautrock galt lange Zeit als schweres, in sich gekehrtes Konstrukt. Dabei enthielten sie sowohl die Wurzeln zum Rare Groove, die Grundlage für den Acid Jazz und eine lockere Verbindung zum Soul. Extrem tanzbar in den wildesten Details, geradezu träumerisch in seinen Einleitungen und dennoch mit aller Zeit der Welt ausgestattet,  führten Embryo – auch wenn sie nur zu dritt waren – durch ein Erbe, dass farbig und kraftvoll in die Jetztzeit übertragen wurde.

Der Bandbus litt unter einem Transportschaden. Im Grunde war es also nur die Hälfte der Mannschaft, die es ins KOHI schaffte. Tat der Musik keinen Abbruch. Alle Mitwirkenden auf der Bühne waren versierte Mulitinsitrumentalisten, die zwischen Keyboard, Bass und weiteren Elementen wechseln konnten.

Aber nicht zu vergessen sei: Zum Schluss hin wurden sie von einer lokalen Größe an der Gitarre verstärkt, kamen daher rockiger und improvisationsreicher in die Endphase, um geradezu furios im letzten Drittel den Geist des Fusions zu huldigen. 

Embryo stehen mit beiden Füßen in der Moderne, schleppen genug mit sich rum, um Generationen zu vereinen, lassen Erinnerungen entstehen und sind in der Lage den Sound der Zukunft zu prägen. Spannende Konstellation mit exzellenten MusikerInnen.

Externe Links:

Embryo – https://embryo.jimdosite.com

KOHI – Kohi.de

Blind Delon (Support: Roma Deserta) im Kohi am 17. Juni 2026

Blind Delon (Support: Roma Deserta) im Kohi am 17. Juni 2026

Blind Delon (Support: Roma Deserta) im Kohi am 17. Juni 2026
Blind Delon (Support: Roma Deserta) im Kohi am 17. Juni 2026

Geht man unbedarft an Blind Delon ran, muss man anerkennen: Andere haben mehr Ahnung und sind näher dran. Das KOHI war gut besucht, das Publikum bunt gemischt und die Stimmung auf dem besten Level, dass man sich wünschen konnte. Was immer da in der Luft lag, dass war schon eine gute Ahnung von dem was kommen durfte.

Eröffnen konnte Roma Deserta, allein, nur mit der Gitarre, aber unterstützt von einem Sammelsurium an Klängen, Sounds und eingespielten Instrumenten. Material, das komplex und dicht wirkte. Ein eigenes, kleines Reich, in dem sich sein orchestralen Wave-Verständnis widerspiegelte. 

Roma Deserta verfolgte ein Konzept. Eine Art Plan, der sich nicht nur in einer Multimedia-Show hinter ihm manifestierte, sondern auch in ausschweifenden, tanzbaren Rhythmen, den langen Einleitungen, und die fehlende Angst vor Überlängen. 

Roma Deserta am 17 Juni 2026 im Kohi, Karlsruhe
Roma Deserta am 17 Juni 2026 im Kohi, Karlsruhe

Das offenbarte eine sympathische Sturrheit, die der aktuellen Zeitbegrenzung nicht unterliegen wollte – aber vor allem auch eine Akribie, die aus einem Song so viel wie möglich heraus holen mochte.

Nicht der Balladensänger, sondern der Multiinstrumentalist und Tüftler standen auf der Bühne. In diesen Rollen holte er sein Publikum mit einem breiten, fetten Sound ab. 

Wurde zwar nur zum Teil live dargeboten wurde, aber bot in seinem dichten Konstrukt eine rhythmische Grundlage für Variationen.

Roma Deserta am 17 Juni 2026 im Kohi, Karlsruhe
Roma Deserta am 17 Juni 2026 im Kohi, Karlsruhe

Roma Deserta befindet sich damit in einem anspruchsvollen Spannungsfeld, bot aber genug Bodenständigkeit, um die Beine zu bewegen, die Hüften zu schwingen und den Abend kraftvoll einzuleiten.

Blind Delon kamen mit all der Wucht und Kompromisslosigkeit, die diese Mischung aus harten Gitarren, metallenen Percussions, elektronischen Beats und tiefem Gesang zuliessen. Was sich abzeichnete, wurde durchgezogen. Ekstatische Monotonie gepaart mit enthusiastischen Riffs. Wildes Gemenge aus den Besten aller Teile.

Blind Delon (Support: Roma Deserta) im Kohi am 17. Juni 2026
Blind Delon (Support: Roma Deserta) im Kohi am 17. Juni 2026

Mathis Hauray und Corentin Thibur, beide an den Saiten, liessen die Beats einspielen, arbeiteten konzentriert am Rhythmus und schoben alles mit Kraft und Würde in die Nacht. Kernige, akzentuierte Botschaften, die auf die Füße zielten und dem Kopf Pause gönnten. 

Eine Verweis auf alles, was schon da war, was noch kommen kann, und damit so viel zeitgemäßer als viele andere Protagonisten, wenn sie zitieren. Eben jene Momente, die in den Clubs geboren wurden, dorthin gehören und genau an diesen Orten ihren Impuls erleben. 

Mit einer bewundernswerten Energie, und der richtigen Entschlossenheit, dem Ding keine Ruhe zu gönnen, präsentierten Blind Delon eine rasante Mischung, die begeistern konnte. Das zuckte, das krachte, das lebte, dass hatte den richtigen Schlag und die Konsequenz um in die Beine zu gehen, im Nacken spürbar zu bleiben und nicht mehr los zu lassen.

Blind Delon gehören zu jenen Bands, die die Nacht dunkler machen, die Kühle vertreiben und für all das in Erinnerung bleiben. Rock’n’roll der elektronischen Jahre, selbständig genug um im Gedächtnis zu haften . Hat ja auch bisher gut funktioniert.

Externe Links:

Blind Delon – https://www.instagram.com/blindelon/?hl=de

Roma Deserta – https://www.instagram.com/roma_deserta_music/

KOHI – https://kohi.de

Die Heydays (Support: The Sonic Spy) im KOHI am 20.06.2026

Die Heydays (Support: The Sonic Spy) im KOHI am 20.06.2026

Die Heydays (Support: The Sonic Spy) im KOHI am 20.06.2026
Die Heydays (Support: The Sonic Spy) im KOHI am 20.06.2026

Das zweite Deutschlandspiel der diesjährigen WM hing in der Warteschleife, die Public Viewing Areas versammelten die Fans bei der Hitze und das KOHI bot eine klimatisierte Bühne an. Das darf man nicht unterschätzen. So langsam könnte es zur Location der ersten Wahl werden. 

Die Heydays standen schon eine ganze Weile auf der Wunschliste. Irgendwie ständig verfehlt, immer nur ein paar Schnipsel mitgenommen, Einladungen lagen ungünstig, und das ging nun schon Monate lang so. Und die Neugier wuchs. 

The Sonic Spy machten den Support. Klare Sprache, die richtigen Riffs, nach vorne treibend, in den Lyrics verständlich und die ehrliche Haut, die auf der Bühne alle Kraft in den Opener legte. Aus dem Irgendwo zwischen Calw und Stuttgart angereist, versprachen sie vieles, hielten alles, und das Publikum in Bewegung.

The Sonic Spy im KOHI am 20.06.2026
The Sonic Spy im KOHI am 20.06.2026

The Sonic Spy gaben der Schnörkellosigkeit Raum und überzeugten vor allem mit einem fitten, reizvoll genauen Spiel. 3 Männer an den Saiten, einer der im Hintergrund mehr als nur den Rhythmus beherrscht und wie eine Maschine, das Ding am Laufen hielt. 

Damit strebten die Jungs nach vorne, bereiteten den fruchtbaren Boden vor und wußten zu begeistern. Die waren aufgeregt, voll dabei, die konnten das und durften das. Geradeaus Rock, der sich in den meisten Genres bedient, aber stark authentisch, glaubhaft und bodenständig war. Kein Zweifel, das funktionierte. Kann man nicht nur lassen, muss man auch mal loben. Haben sie gut gemacht.

Für Die Heydays genau jene, die sie brauchten. Bündig wie Auge und Faust schlossen sie an, spielten ihren Charme aus, zeigten sich in einer gewitzten Stimmung, die zwischen purem Ernst, klugen Lebensregeln und wildem Punk ihr Ziel suchte.

Die Heydays (Support: The Sonic Spy) im KOHI am 20.06.2026
Die Heydays (Support: The Sonic Spy) im KOHI am 20.06.2026

Das ging schnell, fokussiert, mit schierem Spaß am Spiel. Alles sichtbar, alles gleich und jetzt sofort. Mit voller Lakonik, dem Witz im Zitat und der richtigen Mischung aus ungehemmt und ungezügelt. 

Die Heydays machten eine Party. Wollten, das alle mitmachen, vorne am Rand, gaben ihr Bestes und wirkten so, als würden sie da gerne noch eins draufsetzen. 

Wegen der Sonne, dem Ball und was sonst noch an so lauen Sommerabenden zählte, war das KOHI nur halb besucht, aber das hatte nichts mit den Protagonisten auf der Bühne zu tun. Die hätten ihre Rechnung auch mit einigen Hundert gemacht und auf jeden Fall das Zeug dazu. 

Angetan mit weißen Hemden, einem rosa Schlagzeug und einem Frontmann, der sich soweit vorwagte, wie man ihm Raum liess, nahmen sie alles, was irgendwie rumlag, für sich ein und das natürlich in einer urtypischen, klassischen Besetzung. 3 Gitarren und hinten Wumms. Rock’n’Roll vom Feinsten in der modernsten Form. Nennt man Punk, ist Power, hat den Song, die Zeilen und wenn man wollte, konnte man bei den Heydays nach zwei Akkorden auf jeden Fall mitbrüllen. Guter Stoff für solche Abende. Schöne Sache für die Zukunft.

Externe Links:

Die Heydays https://www.dieheydays.de

The Sonic Spyhttps://thesonicspy.com

KOHIhttps://kohi.de