Wenn das TOLLHAUS sein ZELTIVAL ankündigt, dann weiß man, es beginnt eine ganz besondere Konzertreihe. Gut kuratiert und vom Ambiente passend zum Sommer knüpft das TOLLHAUS jedes Jahr eine Kette aus bemerkenswerten Acts.
Die KünstlerInnen kommen aus der ganzen Welt, die Genres sind bunt gemischt und es ist genau jenes Cocktail aus Vertrautem und Neuen, das ihnen allen zusammen eine Chance bietet. Es ist das 42. Jahr für das bekannte Format.
Und was am Anfang eher ein Option war, den Sommer auszunutzen und in ein Zelt umzuziehen, hat sich mit der Location im Schlachthof zu einer Mischung aus Biergarten und Barbecue-Party entwickelt.
Nicht nur, dass die große Konzerthalle zur Hälfte in ein Zelt umgewandelt wird, und damit seitlich offen ist, auch der Freiraum neben dem TOLLHAUS gestaltet sich dann als Chillout-Zone. Lampions, Biertische, Liegestühle, die Bepflanzung und eine Art Beach-Atmosphäre sorgen schon vor den Konzerten für einen Bereich, der zum Besuch einlädt.
Somit handelt es sich bei den 31 Veranstaltungen, die das TOLLHAUS angekündigt hat, um kleine Events, die eigenständig für einen runden Abend sorgen. Es gibt kulinarisches zu entdecken, die Getränkekarten sind reichhaltig und abwechslungsreich und die Atmosphäre wird gerne genutzt zum Wiedersehen und Treffen, so dass das angekündigte Konzert durchaus auch eine Entdeckung sein kann.
Um das zu gewährleisten, sind 6 Konzerte preislich in einem Angebot von 15 Euro, die es dann auch erlauben, sich auf KünstlerInnen einzulassen, die aktuell eher unbekannt sind, aber unter der Hand schon vielversprechend erwähnt werden.
Im Laufe der vielen Jahren, in denen das ZELTIVAL zu einer geliebten und geschätzten Tradition wurde, hat sich auch immer wieder gezeigt, dass es gerade für junge MusikerInnen und Bands eine erste, größere Bühne sein kann.
Für manche war es deswegen auch gerne ein Ort, an den sie wiederkehren – obwohl ihre Popularität schon für andere Spielstätten geeignet ist. Erwähnt seien in diesem Zusammenhang MEUTE, die 2025 gerne nochmal zurück gekommen sind.
Das ZELTIVAL ist damit jene Zeit, die auf DAS FEST vorbereitet, es einleitet und den Sommer mit seinen lauen Abenden schon frühzeitig mit Höhepunkten versorgt. Eine Reihe, das jedes Jahr mit abwechslungsreichen Namen aufwarten kann und 2026 eine große Bandbreite mit KünstlerInnen aus Lateinamerika bietet. Doch auch Jazz aus Norwegen mit Jan Gabarek oder Musik aus Südafrika mit Freshlyground gehört zu den diesjährigen Highlights.
Das ZELTIVAL hat sich vor allem als experimentierfreudig und spannend erwiesen. Einem Ruf, der heute verpflichtend ist, und damit auch einen Musical-Gardening-Abend und einem Mitbringfrühstück ermöglicht. Ideen also, die beweisen, dass das Konzept immer ausbaufähig und auch für die nächsten Jahre interessant ist.
Ein Link zum aktuellen Programm findet sich unten.
Anne Pe & Moussa Cissokho im Mikado Kulturhaus am 09.05.2025
Anne Pe fiel mir vor einigen Monaten als Songwriterin auf. Sie geht mit ihrem Konzept einen sehr eigenen Weg, der ihr in der hiesigen Musiklandschaft ein Alleinstellungsmerkmal gibt. So fließen verschiedene Sprachen in ihre Texte, aber auch afrikanische Elemente in die Musik ein. Ihre Stücke, präsentiert mit der Gitarre und der Kora, gespielt von Moussa Cissokho, sowie Tobias Hölscher am Kontrabass, gewinnen dadurch – neben einer überzeugenden Eingängigkeit – ein durchaus interessantes Klangspektrum.
Durch die Vielseitigkeit der Kora ist es möglich, sowohl berührende Harfenklänge, wie auch rhythmische Elemente einfliessen zu lassen. In der Kombination ein Glücksgriff für alle Beteiligten und das Publikum.
Eine Besprechung ihres aktuellen Albums „Songs and Lines“ findet sich, ebenso wie ein Rückblick auf ein Wohnzimmer-Konzert, weiter unten.
Am 09.05. ist sie in Karlsruhe im Mikado zu Gast, und im Vorfeld hatte ich schon mal die Möglichkeit mit ihr in ihrer Heimatstadt Offenburg ein Interview zu führen.
Andreas (Jazznrhythm.com): Zum Einstieg etwas, dass mir auffiel, du singst auf dem Album in mehreren Sprachen?
Anne Pe: Ja, im Song „John Bear“ singe ich überwiegend auf Deutsch, mit einigen Zeilen auf Englisch und am Schluss auf Französisch. In „Malinalli“, dem längsten Stück des Albums, gibt es einen spanischen Abschnitt. Ein neuer Song ist auf Italienisch. Und dann singe ich gelegentlich auch in der Sprache von Moussa Cissokho mit, die ich zwar nicht beherrsche, aber phonetisch gelernt habe.
Andreas (Jazznrhythm.com): Wenn du sagst, dass du Moussas Sprache nicht beherrschst – wie sieht es mit den anderen aus?
Anne Pe: Englisch spreche ich sehr gut, Französisch ebenfalls fließend, auch wenn es bei Spezialthemen anspruchsvoller wird. Spanisch beherrsche ich auf einem touristischen Niveau, sodass ich mich in einem spanischsprachigen Land gut verständigen kann. Italienisch verstehe ich ein wenig und kann mich im Alltag zurechtfinden.
Andreas (Jazznrhythm.com): Ist das Begabung oder hast du längere Zeit in diesen Ländern verbracht?
Anne Pe: Ich war mit Anfang zwanzig zweieinhalb Monate in Spanien. In Berlin hatte ich zuvor spanischsprachige Freunde, von denen ich die Grundlagen gelernt habe. Vor Ort wurde ich dann ins kalte Wasser geworfen – etwa, als ich zehn Tage lang in einem Meditationszentrum mit einer Gruppe Spanier gekocht habe. Da musste ich die Sprache anwenden.
Andreas (Jazznrhythm.com): Ich hatte den Eindruck, dass du Sprachen auch als klangliches Element einsetzt. Jede hat ja ihre eigene Farbe.
Anne Pe: Ja, absolut. Es freut mich, dass du das bemerkt hast. Die Klangfarbe einer Sprache spielt für mich eine große Rolle und beeinflusst meine musikalischen Entscheidungen.
Andreas (Jazznrhythm.com): Wie reagieren die Zuhörer darauf?
Anne Pe: Bislang gab es nur positive oder neutrale Reaktionen. Das dreisprachige Lied „John Bear“ lief sogar mal im französischen Radio und auf einer brasilianischen Spotify-Playlist. Das zeigt, dass Musik oft über die Sprachbarrieren hinaus wirkt.
Andreas (Jazznrhythm.com): Bringt es dir etwas, auf Playlists vertreten zu sein?
Anne Pe: Ja, definitiv. Dadurch erreicht man neue Hörer. Über den Artist-Account kann ich Statistiken einsehen und sehe, wo meine Musik gehört wird. Es ist schön zu entdecken, dass jemand in Stockholm oder Vancouver ein Lied hört.
Andreas (Jazznrhythm.com): Ist das nachhaltig? Wird man durch Playlists populär?
Anne Pe: Das ist schwer zu sagen. Vieles hängt vom Algorithmus ab. Aber die Präsenz sorgt für Sichtbarkeit und neue Kontakte. Wenn etwas im Radio gespielt wird, erfährt man meist davon – etwa über Promoter oder Musikredakteure.
Andreas (Jazznrhythm.com): Welchem Genre würdest du deine Musik zuordnen?
Anne Pe: Am ehesten dem Folk. Allerdings mit Einflüssen aus Indie, Pop und World Music. Ich sehe mich als Singer-Songwriterin mit einer klaren folkigen Heimat.
Andreas (Jazznrhythm.com): Welche Einflüsse haben dich geprägt?
Anne Pe: In meiner Kindheit hörte ich durch meine Mutter Künstler wie Joan Baez, Leonard Cohen, Cat Stevens, Joni Mitchell und Hannes Wader. Später kamen Tracy Chapman, Suzanne Vega und Elliott Smith hinzu. Auch die Grunge-Ära der 90er hat mich geprägt.
Andreas (Jazznrhythm.com): Du hast Hannes Wader erwähnt. Das Genre der Liedermacher gerät zunehmend in Vergessenheit.
Anne Pe: Ja, und es hat mich stark beeinflusst – auch in meiner Wahl der Gitarre. Bei einem Auftritt habe ich sogar ein kleines Hannes-Wader-Set mit neu arrangierten Liedern präsentiert.
Andreas (Jazznrhythm.com): Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Moussa Cissokho und der Kora?
Anne Pe: Ich habe ihn 2018 im Spitalkeller gehört und war vom Klang der Kora fasziniert. Als ich mein neues Album plante, fragte ich ihn an. Er war interessiert, und so entstand die Zusammenarbeit.
Andreas (Jazznrhythm.com): Du kombinierst Folk mit einem westafrikanischen Instrument. Das ist ungewöhnlich.
Anne Pe: Ja, aber es passt sehr gut. Moussa bringt die World-Music-Elemente ein, aber vorallem passt es sehr gut, weil wir ähnliche „musikalische Werte“ und Vorstellungen haben. So auch mit meinem longtime Musikerkollegen dem Kontrabassisten Tobias Hölscher. Diese Mischung ergänzt sich wunderbar.
Andreas (Jazznrhythm.com): Dein neues Album ist dein zweites. Das erste erschien 2017. Warum hat es so lange gedauert?
Anne Pe: Es gab Verzögerungen durch Terminprobleme und die Pandemie. Rückblickend war es gut, denn einige Stücke konnten reifen. So entstand beispielsweise die Zusammenarbeit mit Famoudou Konaté erst in dieser Zeit.
Andreas (Jazznrhythm.com): Was kommt zuerst – Text oder Melodie?
Anne Pe: Meist entstehen beide gemeinsam, immer mit der Gitarre. Nur selten schreibe ich zuerst den Text.
Andreas (Jazznrhythm.com): Ist Songwriting für dich eine Eingebung?
Anne Pe: Ja, oft. Es ist ein besonderer kreativer Zustand, der viele Künstler fasziniert und glücklich macht.
Andreas (Jazznrhythm.com): Du arbeitest auch beruflich mit Musik. Was genau machst du?
Anne Pe: Ich arbeite als Musiktherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie und begleite Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Und ich gestalte Klangreisen und Singkreise
Andreas (Jazznrhythm.com): Beeinflusst diese Arbeit deine Musik?
Anne Pe: Ja. Mir ist wichtig, Musik zu schaffen, die berührt und beruhigt. Meine Lieder sollen Menschen ansprechen und ihnen Raum zur Identifikation geben.
Andreas (Jazznrhythm.com): Wie stehst du zu Social Media?
Anne Pe: Ich nutze es bewusst und dosiert. Es ist eine wertvolle Plattform, um mit meinem Publikum in Kontakt zu treten, darf aber nicht zu viel Raum einnehmen.
Andreas (Jazznrhythm.com): Wie beurteilst du die heutige Musiklandschaft?
Anne Pe: Sie hat zwei Seiten. Streaming erschwert es, vom Verkauf zu leben, bietet aber gleichzeitig große Chancen, unabhängig Musik zu veröffentlichen und ein internationales Publikum zu erreichen.
Andreas (Jazznrhythm.com): Das bedeutet viel Eigenarbeit.
Anne Pe: Ja, das Do-it-yourself-Prinzip ist anstrengend, schenkt aber kreative Freiheit und Selbstbestimmung.
Andreas (Jazznrhythm.com): Was habe ich vergessen zu fragen?
Anne Pe: Ich freue mich, wenn du erwähnst, dass wir im Mikado auftreten werde und dass man uns auch für privat organisierte Wohnzimmerkonzerte buchen kann.
Ankündigung: Joya im Kult-Cafe in Stutensee am 27.März 2026
Wer die Gruppe Joya im Mikado verpasst hat, dem bietet sich nun kurzfristig am Freitag den 27 März 2026 nochmal die Möglichkeit die Band bei einem Konzert zu erleben. Joya setzt sich aus versierten und bekannten Mitglieder der hiesigen Balkanszene zusammen. Ihr Repertoire deckt einen großen Teil der europäischen Musikkultur ab, ist beschwingt, lebensfroh und wird in den Details virtuos vorgetragen.
Joya gehört zu den Karlsruher Bands, die sich in den letzten Jahren und Monaten sukzessiv eine Fangemeinde erspielen, und mit großer Begeisterung ihre Kenntnisse einzusetzen wissen. Ihre Konzerte sind damit vor allem für die Freunde variantenreicher Folkmusik aus den Bereichen Gipsy, Swing, sowie griechischen Anleihen und rumänischen Roots ein Vergnügen.
Sie laden zum Tanz und einem spannenden Abend ein. Das Ganze auf Spendenbasis im Kult Cafe in der Rheinstraße Ost 14 in Stutensee-Friedrichstal.
Manchmal braucht es dann doch ein eigenes Projekt, mit dem man die ganzen Ideen ausspielen kann, die im Kollektiv einer Band als nicht passend erscheinen. Pete Jay Funk, seines Zeiches Kopf und Songschreiber der Americana-Band „No sugar, no cream“ stellt am 12.03.2026 im Tollhaus sein Solo-Debüt vor.
Nicht komplett anders – das hätte man auch nicht erwartet – aber mit dem Rückhalt anderer Musiker – daher in einem ganz eigenen musikalischen Gewand und in gewohnt ausgeruhter Manier präsentiert er seine neuen Werke.
Es wurde schon mal auf diesen Seiten erwähnt. Beim letzten Ladenkonzert im Laden zwei gab es bereits einige Stücke zu hören. Noch in schmaler Besetzung, begleitet von seinem Bassisten, zeigte sich da schon die Erzählweise und den Takt, der – wie im guten Americana üblich – genug Country für die schönen Bilder, eine verhaltene Brise Blues für die melancholischen Untertöne und den richtigen Folk für die Authentizität mitbringt.
No Sugar, no cream gehören zu den fleißigen Bands in der Region, die auf eine Handvoll Alben zurückblicken und heute klingen, als hätten sie schon einige Touren im Süden der USA hinter sich. Oder sich auf eine große Verwandtschaft mit ihren skandinavischen Kollegen eingeschworen.
Da ist es nicht verwunderlich, wenn die Songs von Pete Jay Funk die Bodenständigkeit und das Storytelling der großen Vorbilder mitbringen, aber vor allem auch im Vortrag den Erwartungen entsprechen. Man hat das schließlich mittlerweile in der Feder und im Blut. So darf man sich auf einen spannenden Abend gefasst machen, der die Bilder von Weite und Ruhe entstehen lässt, aber vor allem geerdet und handwerklich sauber daher kommt. Kino für die Ohren. Von Leuten dargeboten, die wissen, wie man damit umgeht.
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