Vielleicht muß man es einfach feststellen: Österreich ist doch ein bißchen anders. Yasmo & die Klangkantine haben das KOHI besucht.
Die Band um der Sängerin und Poetry Slammerin Yasmin Hafedh stammt aus Wien. Also aus aus dem Herzen der Kaffehaus-Kultur und einer ganz eigenen Lässigkeit. So zeigte es sich wieder mal, wie eine regionale Variante dieser Musikrichtung eine Prägung erhält, die kunstvolle Lyrik österreichischer Gangart mit einem ausgesprochen satten Groove vermischt.
Die Klangkantine präsentierte sich damit als versierte, kraftvolle, aber vor allem relaxte Band. Ausgestattet mit Gitarre, Bass, Drums und Keyboard und Yasmins Sprechgesang, traten zwar nur fünf Mitglieder der bis zur neunköpfigen Band auf – daheim blieben die Bläser – , aber trotzdem vermittelten sie einen guten Eindruck von dem, was möglich war.
Entschieden, fordernd, engagiert, und vor allem mit schlagkräftigen Interpretation ihrer eigenen Texte schon über zehn Jahre auf den Bühnen, beherrschte Yasmin eine charmante Wortgewandheit. In kleinen Portionen eingebaut – und erklärt – war der Wiener Dialekt, jenes bunte Element einer liebenswerten Sprachfarbe, natürlich ein sympathischer Weg in die Herzen des Publikums.
Aber es scheint den österreichischen Rap auszuzeichnen, dass die Musik handgemacht, zwischen Jazz, Soul und lockeren Disco-Reminiszenzen angesiedelt ist. Es bewegte sich auf leichten Füßen, forderte zum Tanz auf, ließ den Fuß wippen, der Cooleness ihren freien Lauf.
Yasmo und die Klangkantine haben eine Botschaft, eine Message und ein Ziel. Ganz klar für Gleichheit, auf jeden Fall gegen die Unterdrückung und immer für die Freiheit. Doch so entschieden ihre Sprache ist, so klar und deutlich ihre Worte gewählt sind, scheint es eine Tradition der gewählten, akzentuiert und gut gesetzten Reime zu geben. Die österreichische Variante, so wirkt es, ist ein Bemühen um Verständlichkeit und ein Weg in die Herzen und Beine.
Yasmo & die Klangkantine im KOHI am 4.12.2025
Yasmo & die Klangkantine machten Lust auf mehr. Der Sound enthielt Versprechen, die die Abwesenheit der Bläser zwar verkraften liess, aber eine Vorstellung bot, wie fett es wohl klingen mag, wenn sie dabei sind.
Sie wagten dabei den Kunstgrif, einen sehr entspannten, aber dennoch vor allem aufbauend Abend zu bieten. Bewegte die Grenzen in den Köpfen. Erfreute die Seele. Aber blieb vor allem beschwingt. In den Ansagen, aber auch in den kurzem Ausflug, des reinen Vortrags – ohne musikalische Begleitung – auf den Punkt und die Stimme gebracht, konnte Yasmin mit dem Gesamtkonzept aus natürlicher Überzeugungskraft, einer guten Modulation, verbindlichen Sprache, sowie klugen Punkten überzeugen.
Die Verbindung aus einer Band, die durchaus instrumental zur Größe gereicht, und in einem solchen Part die Wurzeln aufzeigte, mit eindrucksvollen Texten, die bühnenerprobt und dementsprechend geschliffen, dargeboten werden, sind ihr Vermögen und ihre Kunst. Und natürlich das, was den Abend ziemlich rund machte.
Dürfen gerne bleiben. Wollten ja sowieso ins KOHI einziehen. Können sie machen. Hausband. Willkommen.
Sie sagten es frühzeitig an. Sie hätten auch ein paar Uptempo-Nummern. Man dürfte ruhig tanzen, wenn man wollte. Dabei ist es die doch dunkle Entschleunigung, die die Musik von Micor prägt.
Sie stellten ihr erstes Album vor. Eine Premiere im Kohi. Eine Geburtstagsparty also. Für ein Werk, dass sich aufmachte, sein Publikum zu erobern.
Spürbar ist eine ausgiebige, vielschichtige Beschäftigung mit den Arrangements. Konstruktionen, die den Musikern Zeit und Raum liessen, die Dinge langsam, fast geruhsam anzugehen.
Den Stücken eben das zu geben, was sie brauchten. Und den Instrumenten einen Spielraum zu verschaffen, der der Dramatik ein Fundament – für die Lyrik und die damit verbundenen Stimmungen – zu schaffen.
So erzählen sie von den Katzen, die uns in ihren Entscheidungen voraus sind. Auch der Liebe, wie sie Brecht einst beschrieb. Als temporäre, wichtigste Quelle des Lebens.
Transportieren in ihren Worten eine durchaus positive Botschaft, die sie in einem Soundgewand kleideten, das eine Spannbreite zwischen Americana und dem rührigen Gitarrengewitter großer Barden aufwies.
Sie traten zu fünft auf. Drums, Bass, Geige, Stimme mit Gitarre, sowie Keyboard und Posaune. Präsentierten auf diesem Weg eine instrumentale Breite, die die prägnante Stimme von Robert Besta ein Konzept mit oft sehr verhaltenen Drums, klagenden Geigentönen und akzentuierten Keyboardklängen schufen.
In den intimsten Phasen von Tragik durchzogen, konnte man durchaus Vergleiche wagen. Die schleppenden Rhythmen, die Verlangsamung als Element – das zeichnet auch all jene aus, die detailverliebt die Methodik der Rockmusik in ihre Bestandteile zerlegen. Um zurück zu den Wurzeln des Schreibens eines Songs zu kommen. Wo einem die Melancholie übermannt, und die Uhr einfach stehen bleibt. So lange bis es zur Erlösung führt. „Redemption“ (Erlösung) ist auch der Titel des Albums. Diese kann dann ja durchaus in einer Eruption erfolgen.
Micor nutzen die Möglichkeit, mit Bläsereinsatz und Geige, in verschiedenen Graustufen und Schattierungen, ihrer Melodik eine bestimmte Farbigkeit zu geben. Sie verlieh den Brüchen in der Stimmung eine wichtige Fragilität.
Micor im Kohi am 29.11.2025
So könnte es der langsame Walzer sein, ein verhaltener Two-Step oder das Verharren vor einer Steigerung, das den angekündigten Tanz ausmachte.
Aber doch, sie hatten recht, der Tanz ist möglich.
In den Zugaben noch mal beschleunigt, verarbschiedeten sich Micor mit einer Entschlossenheit, die sie krachend, lautstark, und einer anderen Facette präsentierte. Uptempo. Tatsächlich, das geht. Sie können auch das.
Zwei Bands an einem Abend. Die regionale Helden um Themis (eigentlich Themistoklis Theodoridis) – beheimatet in Stuttgart – füllten nach der gestrigen Demo gegen die geplanten Einsparungen in der Kulturförderung zusammen mit Sex Beat aus Berlin das KOHI.
Alles noch im Kontext der Stimmung vom Stephansplatz, begleitet von einem Fernsehteam, war die Location fast komplett voll und in der besten Laune.
Themis im KOHI am 15.11.2025
Themis, eigentlich ein Projekt um den Sänger, präsentierte sich als Band (Bass, 2 x Gitarre, Schlagzeug) mit einem Konzept, dass verschiedene Elemente vereint: die Melancholie, Tanzbarkeit und die Düsternis der Übergänge und die Verspieltheit im Schrägen. Charmant präsentiert, mit einer liebenswürdigen Freundlichkeit, ein gern gesehener Gast im KOHI.
Wo Themis eine Gratwanderung durch die Zitate wagte, sich der Harmonie verpflichtete, und dem Punk Tribut zollte, durchbrach Sex Beat später alle Bezüge zu diesen süß-sauren Kompositionen.
Themis sind damit zwar nahe an den Geräuschen und unsteten Werken früherer Protagonisten einer aufbrechenden Zeit – aber frönen auch dem vielschichtigen Klang dreier Saiteninstrumente, die zu einem verschmelzen. Der Bass, gespielt von Yoko, immer nahe am Pop der sperrigen Sorte,- und damit treibende Kraft . Die begleitende Gitarre neben dem Sänger Themis, akzentuierte dagegen zwischen dem Groben und Feinfühligen. Da offenbarte sich viel Potential, viel Mut und viele Möglichkeiten, die bereits einfließen, aber auch schon Bestandteil sind.
Themis schöpfen damit aus dem Vollen, sind einer dunklen Grundstimmung verpflichtet, die sie Ansagen und Spielweise aber gerne mit einem Leuchten füllen. Man möchte sie fast höflich nennen, mit einem schmunzeln, und daher gerne wiedersehen.
Sex Beat im KOHI am 15.11.2025
Bands aus Berlin sind härter. Ohne Frage. Rauh, wild, ungebändigt, stark am Limit – Sex Beat gaben dem KOHI, was das KOHI wollte.
Die Melodie ist eine Struktur. Eine Struktur hat einen Beat. Ein Beat braucht nicht mehr. Runtergebrochen, auf den Nenner gebracht, muss das Ding treiben und alle schwitzen. Dann ist gut. Sex Beat sehen die Grenze nicht, sie durchbrechen sie trotzdem.
Dabei rissen sie ihr Set runter. In Hochgeschwindigkeit. So schnell wie möglich, so laut wie brachial. Immer mit dem Beweis: Mehr braucht es nicht. Ein Sänger der sich verausgabt, der schreit und tanzt, und springt und hüpft, der den einzelnen raus deutet, das Publikum auswählt, den Takt selbst bestimmt und dann nur noch Bass, Gitarre und Schlagzeug. Das war dicht, das war verlässlich.
Florian Püh (voc) ist schonungslos mit sich selbst und jedem der vor ihm steht. So wie Rosa Merino Claros fast cool und stoisch die Bassaiten anschlägt. Das funktioniert auch und vor allem, weil Christoph Hossbach, das Schlagzeug bearbeitet, als bräuchte er es morgen nicht mehr. Der Gitarrist hatte sowieso vom Metal gelernt. Weiß wie man düster und laut die Backings rausschmettert, wenn man sein Instrument in höchster Eile abschrubbert.
Wer heute noch den Zeiten von 76 nachtrauert, in denen die Clubs klein, beklebt, eng und die Bühne nah, aber die Sänger am Schluss vollkommen am Ende waren – na, der, der hat etwas verpasst. Sex Beat leben die Authentizität, die nur durch eine Zeitreise zustande kommen kann. Sie feierten nochmal die Ursprünge, lebten die neuen Einflüsse und lieben die klare Linie. Da geht auch nichts anderes, als irgendwann die Ansage: „Wir spielen noch vier Songs. Keine Zugabe.“
Rücksichtslose Tempo. Einmal durch. Nahe dem Zusammenbruch. Keine Zugabe. Gehalten. Versprochen. Konsequent. Klare Kante. Gut ist es. Respekt.
Das Thema klingt abstrakt, die Situation überspitzt und die Argumentation überrascht. Karlsruhe hat sicherlich mehr Probleme als nur die Club- und Eventkultur. Eine Kürzung um weniger als 10% in diesem Bereich scheint dabei marginal und vertretbar.
Der Haushalt für das nächste Jahr sieht im Bereich der Kulturförderung eine pauschale Reduzierung vor. Eine ausführliche Aufstellung der Mittel und weiteres Material zum Thema findet sich auf der Seite https://gehtsnochkarlsruhe.de/ .
Faktisch wäre damit der Komplex erklärt und aufgezeigt. Einzelne Location empfinden die Situation, je nach ihrer Finanzierung, different. Treffen tut es alle. In verschiedenen Artikel versuchten die „Badischen Neuesten Nachrichten“ die Lage für einzelne Einrichtungen dar zu stellen. Es gab dabei Aufstellungen über die individuellen Ausgaben, ein Hinweis auf die Engpässe, die Variablen, die teilweise noch zum Jahresbeginn unkalkulierbar bleiben und einen groben Überblick über die Szene in Karlsruhe.
Das Problem muss allerdings im Kontext der zur Zeit stattfindenden Entwicklungen gesehen werden. Dafür ist es notwendig etwas weiter auszuholen.
Karlsruhe hat eine sehr reiche – in manchen Punkten auch einzigartige und – gepflegte Kultur an Livelocations. Es gibt ein kollegiales, fast familiäres Nebeneinander der Veranstaltungsorte, die gerne auch übergreifend und gemeinsam operieren. Je nach Größe mancher Events wird auf die Option zurückgegriffen, eine Veranstaltung zu verlegen oder weiter zu reichen. Das macht Karlsruhe sehr flexibel und attraktiv für seine Gäste.
Städte in der Größenordnung Karlsruhes werden gerne von Bands mitgenommen, sind aber nicht der Anziehungspunkt für internationaler Superstars. Hier rangieren Berlin, Hamburg, München und Köln in wechselnder Rangfolge auf den ersten Plätzen. In Städten wie Karlsruhe ist es daher notwendig, eine kleine, flexible Szene aufrecht zu halten. Diese macht die Stadt für den Zuzug, den Studenten, aber auch Touristen attraktiv.
Eine lebendige Konzertszene belebt Stadtviertel, lässt im Umfeld Lokale, Restaurants, Hotels entstehen und vermeidet Ghettosituation. Stadtteile werden dadurch als lebendig wahrgenommen und wandeln sich nicht in reine Schlafstätten. Live-Events binden Menschen an ihr Viertel und beleben die Nachbarschafts- und Vereinsstruktur aktiv.
Soll heißen: Die Arbeit an einer lebendigen Kulturszene ist ein wertvolles Gut, das eine Stadt der Größe Karlsruhes auf der Habenseite verbuchen kann. Es ist stellt keine Ausgabe dar, deren Gewinn nicht berechenbar ist.
Mit ein bißchen Vorstellungskraft, darf man gerne davon ausgehen, was die Kaiserpassage ohne den Jazzclub, der Werderplatz ohne das KOHi, der Schlachthof ohne die Alte Hackerei, das Substage und das Tollhaus wäre.
Die Anziehungskraft des Schlachthofs, die gemeinsame Identifikation mit dem zur Verfügung gestellten Raum, ergibt sich aus der Möglichkeit, den Bereich Tag und Nacht zu nutzen. Also Arbeit und Freizeit in Einklang zu bringen.
Eine solche, einzelne Institution – wenn sie sich etabliert hat – und zum Anziehungspunkt für Auswärtige und Einheimische geworden ist, in Frage zu stellen, in dem man die Existenz mancher Lokalitäten bedroht, ist auch eine Variante sich selbst (als Stadt) in Schieflage zu bringen.
Es dauert Jahrzehnte eine lebendige Kulturszene aufzubauen
Wichtig ist dabei zu bedenken: Die meisten Kulturstätten, die aufgrund eines privaten Einsatzes, meist ohne Entgelt, aufgebaut und geführt werden, haben lange Jahre und Durststrecken hinter sich. Eine Basis und ein Publikum als Fundament zu finden, bedarf viel Kommunikation, Einfühlungsvermögen und die entsprechende Sensibilität, für das was funktioniert und genau hier passt.
Wenn es heute einen Unterstützerkreis gibt, die Publikumszahlen nach Corona wieder ein interessantes Niveau erreichen, dann verbergen sich dahinter Jahre, teilweise Jahrzehnte an mühevolle Arbeit Kultur zu etablieren und einem Publikum nahezubringen.
Dieses gilt – ohne Ausnahme – für jeden Veranstaltungsort. Alle haben mit Fingerspitzengefühl bewiesen, dass sie es geschafft haben, einen Bereich zu schaffen, der charakterlich in sein Umfeld passt, sich arrangiert und einem Genre und ganzen Generationen an MusikerInnen eine Heimat zu bieten.
Es ist nahezu unmöglich innerhalb eines Jahres so etwas in diesem Kultur-Bereich zu etablieren. Es bedarf Vertrauen, Erfahrung, einem Netzwerk im Hintergrund und ein Umgang mit den Kreativen, der sich über diesen Zeitraum aufbaut.
Clubbesitzer, ehemalige, aber auch gegenwärtige, die das Thema stemmen wollten, können davon ein Lied singen. Was heute verschwindet, das wird für die nächsten Jahre nicht wieder auftauchen oder erneuert werden können.
Der Schaden, der durch verschwundene Kultur, entsteht, wird beträchtlich sein. Wenn sich Restaurants und Lokale im Umfeld von Kulturstätten ansiedeln, dann mag das zufällig wirken, aber die Beziehungen sind bei genauer Betrachtung erkennbar. Die Schließung einer solchen Stätte wird unwillkürlich – fast ohne Verzug – auch zu einer merklichen Veränderung der Gastronomie führen. Im schlimmsten Fall zu einer Verödung.
Der Werderplatz und das KOHI
Als Beispiel sei der Werderplatz genannt. Ein Sorgenkind der Stadt. Im Laufe der Jahre gab es verschiedene Versuche die Attraktivität zu erhöhen, mit Verboten, Verwarnungen, Einsätze und auch Hilfsangebote. Die zunehmende Erhöhung der Attraktivität durch Biergärten, Lokalitäten, Kulturangebote haben den Werderplatz mittlerweile wieder zu einem Anziehungspunkt gemacht, der auch für Außenstehende und über die Grenzen der Stadt interessant ist. Das KOHI in der Mitte des Platzes ist mittlerweile bei aufstrebenden MusikerInnen und KünstlerInnen, aber auch als Galerie ein Begriff. Es wird geschätzt, gelobt und mit Preisen erwähnt. In seinem Umfeld legen DJs in den umliegend Lokalen auf, haben sich Events auf dem Platz etabliert, fungiert mittlerweile eine lebendige Szene.
Das NUN in der Oststadt
Das NUN in der Oststadt erfüllt ähnliche Zwecke. Es bietet einen kleinen experimentellen Rahmen für ruhige, zumeist akustische Konzert in einer Atmosphäre, die in dieser Form einmalig ist.
Ist damit ein Ort, der vor allem für ruhige, junge Künstler aus aller Welt zu einem Begriff wurde.
Etwas wie das NUN, das immer noch- nach Jahren – als geschätzter Geheimtipp fungiert, arbeitet ausschließlich auf einer Vereinsbasis, die vom Aufwand nahe an der Selbstausbeutung ist. Niemand wird bezahlt, alles, was dort – in einer freundlichen, zuvorkommenden Atmosphäre – geschieht, passiert freiwillig. Abends, nach dem jeweiligen Broterwerb der Mitglieder!
Es belebt die Oststadt, stärkt ihre Position als kulturell interessanter Ort und hilft bei der Attraktivität für alle Bewohner des Stadtteils.
Die Coronajahre
Doch die Thematik ist noch um einiges größer: Die Coronajahre waren für die Kulturbranche ein Fiasko und führten vielerorts zum Zweifel an der Sinnhaftigkeit – daran sich von seiner Leidenschaft zu ernähren.
Die Situation wurde, trotz versuchter Unterstützung, teilweise prekär und unverhältnismäßig hart. Man merkt es auch, dass – obwohl wir uns heute alle so fühlen, als ob das weit in die Vergangenheit liegt – es für Künstlerinnen sich so verhält, dass dasThema nach wie vor präsent ist. Es hat Einzug gefunden hat in Songs, Bücher und Bilder.
Die Coronajahre waren ein Einschnitt. Manche fanden da nicht mehr raus. Das Publikum brauchte sehr lange, um wieder wie gewohnt in Konzerte zu gehen. Einige machen das bis heute nicht mehr.
Die Coronajahre sind in der Biografie vieler KünsterlerInnen verlustbehaftete Einschnitte, die noch lange, auch weit über die Zeit hinaus, spürbar sein werden. Den Faden wieder aufzunehmen, den Anschluss wieder zu finden, das war und ist nicht einfach. Bands hatten sich aufgelöst, Veröffentlichungen floppten, weil Tourneen nicht stattfinden konnten und manche InterpretInnen verloren ihre Stimme und fanden sie nicht wieder.
Nach den Coronajahren sind vor allem die kleinen Clubs und Locations sozusagen Auffangstationen, um Schritte in die Normalität zu wagen. Für Künstlerinnen wurde es unfassbar wichtig, eine Vielfalt an Auftrittsorten zu haben, die sie wieder nutzen konnten. Es ist den meisten eben nicht vergönnt Hallen zu füllen, sie müssen Orte finden, an denen sie die Näherung ans Publikum wieder testen, ausprobieren und sich finden konnten.
Aber auch das Publikum brauchte – und braucht immer noch – diese sanfte Hinführung zu einem normalen Weiterführen des Kulturbetriebes. Das Thema ist fragil, aber noch immer scheuen Menschen große Ansammlungen und größere Hallen wegen der durchaus berechtigten Gefahr vor infektiösen Krankheiten. Normalität wieder zu lernen, diesem auch eine Basis zu geben und eine Plattform zu schaffen, auf der sich KünstlerInnen erproben testen und wiederfinden können, ist auch eine Aufgabe der kleinen, mutigen Orte.
Streamingdienste !
Gleichzeitig boomten Streamingdienste. Der Tonträgermarkt (CDs und Vinyl-Veröffentlichungen) dagegen brach fast komplett weg. Für KünstlerInnen, die sich auf dem Weg befinden, und noch nicht die erhoffte Popularität erreicht haben, ist der monatliche Erlös aus Streamingdiensten nicht ausreichend, um ein Leben zu finanzieren.
Die Erträge sind in den seltensten Fällen ausreichend zu nennen. Oft erfüllen diese Plattformen maximal einen Werbeeffekt, aber zum Erhalt einer Kultur leisten sie in der Regel nichts.
MusikerInnen finanzieren sich über Auftritte bzw. über den sogenannten Merch-Verkauf (T-Shirts, Tonträger etc.) , der bei Auftritten möglich ist.
Auftritte, verbunden mit Merch, sind die Haupteinahmequellen vieler Bands und Solo-KünstlerInnen. Selbst wenn ihre Namen ausgesprochen bekannt sind, kann man sagen: Wer in den Karlsruher Clubs und Auftrittsorten unterwegs, finanziert sich in der Regel genau über diese Optionen. Und nicht über die Klicks bei Spotify und Konsorten.
Fällt nur einer dieser Auftrittsorte weg – und das ist keine gewagte Rechnung – kann man pauschal sagen, dass ca. 75 MusikerInnen und Bands im Jahr weniger in Karlsruhe auftreten werden.
Das mag wenig erscheinen. Ist aber sehr niedrig angesetzt.
Das gilt für all jene jungen Gruppen, die sich augenblicklich noch in einen Tourbus setzen, teilweise stundenlange Fahrten auf sich nehmen und davon ausgehen, dass es sich für sie lohnen könnte, in unserer Stadt aufzutreten. Setzt sich dieser Trend zur Kürzung der Kulturförderung durch, dann müssen wir damit rechnen, dass Karlsruhe unattraktiver wird für besuchende KünstlerInnen, weil weniger davon leben können. Aber auch, weil Karlsruhe nicht mehr soviel zu bieten hat.
Ich sprach nur von einem Auftrittsort. Die Zahl lässt sich locker fortführen und um jeden weiteren, sterbenden Auftrittsort nach oben fortsetzen.
Die Einschnitte betreffen dann nicht nur Clubs, Locations, Auftrittsorte und die begleitende Gastronomie, sondern und vor allem aufstrebende, hoffnungsvolle Talente.
Wenn es unattraktiv wird, sich in diesem Metier auszuprobieren, werden erstmal regionale Bands verschwinden und sterben, aber selbstverständlich ist Karlsruhe nur eine von vielen Gemeinden, die auf diese Weise versucht Geld zu sparen. Die Kultur – weil scheinbar nicht wirklich gewinnbringend für eine Region (und sicherlich in der Lage von sich selbst zu leben) – ist immer einer der Posten, den man gerne beschneidet.
Aber es macht einen Beruf, der eher Berufung ist – denn er ist selten mit materiellen Anreizen verbunden – zunehmend unattraktiv und führt damit zu einem Flaschenhalseffekt. Am Schluss werden eben nur noch jene bleiben, die tendenziell doch von den Streamingdiensten leben können. Das sind dann nicht die jungen, experimentellen, wagemutigen KünstlerInnen, sondern ganz klar chartsorientiere ,Marketing-erprobte und KI-generierte, sowie videotaugliche Stücke, die einen Kompromiss in Sachen Geschmack darstellen.
Was Musik für Karlsruhe bedeuten könnte
Für die Städte wie Karlsruhe würde es bedeuten: Eine Verödung der Kulturlandschaft, Einbußen in den begleitenden Lokalitäten, Plätze und Stadtteile, die darunter leiden werden, sowie eine zunehmende Anonymisierung in der Kulturszene und das über Jahrzehnte hinaus.
Es ist die Entscheidung, die momentan noch gefällt werden kann, die aber in ihren Folgen scheinbar nicht richtig eingeschätzt wird. Es wäre an der Zeit, das Karlsruhe seine Musikszene als Kapital erkennt, dass über die Stadtgrenzen hinaus Potential zur Profilierung hat.
Karlsruhe hat eine lebendige, fruchtbare Szene und es wäre an der Zeit, dass man stolz darauf ist. Es ist etwas, mit dem sich zu werben lohnt, denn es bringt weit mehr Kapital in die Stadt und in das Umfeld der Örtlichkeiten als man auf dem ersten Blick sieht.
Karlsruhe hat es über viele Jahre versäumt, seine Geschichte der populären Musik aufzuarbeiten und zu pflegen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sich um Versäumnisse handelt, deren Aufarbeitung erst mal zeigen, wo Karlsruhe noch Optionen hat, seine Vorteile für Investoren, Studenten und Touristen zu zeigen. Das darf nicht einfach so zerstört werden.
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