Haphazard sind Wiedergänger oder die Erben einer großen, dicken und fetten Plattensammlung.
Es muss mehr als ein vollgestopftes Regal sein. Sie kommen aus dem Land der Schlaghosen und der ausufernden Solis.
Das Rockverständnis von Haphazard ist beachtlich und fußt irgendwo in einer tiefen und nostalgischen Vergangenheit und Liebe.
Der Sound ist nicht aus dieser Zeit, aber das Image sowieso auch nicht. Haphazard haben den Geist aus der Flasche, der Grube oder sonst wo wiedergeholt, um mit einem Flair zu bezaubern, den man verloren glaubte.
Wer sein den Rhythmus der frühen, goldenen Jahrzehnte der berühmten Jahre verloren glaubt, kommt an ihnen sowieso nicht vorbei. In einer Beschreibung zu dem, was sie auf der Bühne bieten, fließen automatisch jene Namen ein, die heute noch für Bewunderung sorgen. All die Gruppen, die aufgelöst oder mittlerweile schlicht zu alt sind, um eine solche Show zu bieten.
Haphazard im KOHI am 07.02.2026
Sie haben, ohne Zweifel, große Vorbilder, aber auch das handwerkliche Können, um an sie ran zu kommen. Dass sie das so kompromisslos und enthusiastisch verfolgen, gebührt alleine schon Respekt. Muss man mal sagen.
Dabei sind sie so viel jünger als die Zitate, die sie nutzen – und so viel ernsthafter als die Altvorderen. Sie lehnen sich damit gegen den Trend und kreieren ihr eigenes Image. Vor allem sind sie eine entschlossene Liveband, die ihren Weg gehen wird.
Nicht geradlinig, schon wie eine Zeitreise, aber es macht einen Heidenspaß, Ihnen dabei zuzusehen.
Es sind die Hinterhöfe, die der Südstadt ihren Flair verleihen, und dabei ganz ungeahnte Schätze offenbaren. Von außen eher unscheinbar, öffnen sich in unregelmäßigen Abständen in der Werderstraße die Räumlichkeiten von Daniel für rare, aber angenehm kuratierte Wohnzimmerkonzerte.
Ein Geheimtipp, der sich über Social-Media und Newsletter verbreitet, aber schon einige Namen in seiner kleinen Geschichte vorweisen kann, die lohnenswert sind. Daher eine der Locations, die mir ihren Events zur Vielfalt der lokalen Szene beitragen, aber dabei gar nicht so sehr im Focus sind.
Alles privat organisiert, auf freundschaftlicher Basis, über Mundpropaganda weiter getragen, trifft man sich in einer gemütlichen Runde, die Fenster werden dabei weit geöffnet, der Sommer hereingelassen und man findet Platz im gemütlich ausgestatteten Wohnzimmer, oder draußen, unter den Sternen. Das Publikum ist überschaubar, doch zahlreich erschienen. Eltern mit ihren Kindern, Neugierige, viele Bekannte, und damit alles eher in einem familiären, fast privaten Rahmen, der Neuankömmlinge herzlich begrüßt und aufnimmt.
Stefan Ebert (Hey Moment) in Werders Wohnzimmer am 03.07.2026
Wohnzimmerkonzerte können Experimentierfelder und Möglichkeiten sein, den Kulturbetrieb einer Stadt selbst in die Hand zu nehmen. Ihn dadurch zu bereichern, und unter dem Radar den Kunstschaffenden eine Basis ermöglichen.
Stefan Ebert ist ein umtriebiger Liedermacher aus Mannheim. Anzutreffen ist er regelmäßig in den verschiedensten Kombinationen, denn sein Humor wird geschätzt, seine Art kommt an, und sieht man ihn mit seiner Gitarre, dann hat man es eigentlich mit einer ganzen Band zu tun, firmiert er doch selbstbewußt unter dem Namen „Hey Moment“.
Auch wenn er tatsächlich das einzige Mitglied ist. Seine Songs sind lakonische, selbstironische Abrechnungen mit dem Alltag, seine Interpretation der kleinen Geschichten – vor allem in der Art seiner Präsentation – immer mit einem Augenzwinkern versehen.
So wußte er gekonnt die Rockgriffe einzusetzen und das Publikum, innerhalb weniger Songs, einzubinden, als Chorus zu nutzen, und auf seine Seite zu holen. Der richtige Opener für Rosa Hoelger.
Rosa Hoelger in Werders Wohnzimmer am 03.07.2026
Rosa Hoelger kommt aus Berlin, genauer aus Eberswalde. Einer Gegend, die sie gerne und ironisierend in einem Song verarbeitet. Soll es dort doch besonders nachhaltig, gechillt und im Geiste der frühen Hippies zugehen.
Aufgefallen bereits auf Instagram, gehört auch sie – wie Stefan – zu jenen Talenten, die im Umfeld der umtriebigen Dota bereits namentlich genannt wurden. Mit einem Fuß im soliden deutschen Songwriting, mit dem anderen in einer Punkband, auf der man im Laufe des Abends immer neugieriger wurde.
Mit dem richtigen Charme, Witz und einer entwaffnenden Natürlichkeit ausgestattet, schaffte es Rosa Botschaften in ihren Songs zu verpacken, die anrührend melancholisch, aber auch kämpferisch ihre Entrüstung verpackten.
Innerhalb dieses Formates, das so vieles erlaubt, und in den schönsten Momenten exklusiver nicht sein konnte, nutzte sie den direkten Kontakt zu den Anwesenden beeindruckend spielerisch.
Ihr Songwriting zeichnet durch leichte, ungewöhnliche Vergleiche, aber auch durch einen ironischen Einsatz ihrer Stimme aus. Mit einer faszinierenden Aufgeschlossenheit gegenüber Genres und Zitaten, waren es die Brüche in der Interpretation, die genutzten Bilder, aber auch der Dialog mit den ZuschauerInnen, die Rosa Hoelger zu einem gern gesehenen Gast machten.
Jemand, der es schaffte, mit kleinen Geschichten und dazwischen gestreuten Anekdoten, vom Zauber eines lauen Sommerabends getragen, in Erinnerung bleiben wird, um ein Wiedersehen nicht zu verpassen.
Die Heydays (Support: The Sonic Spy) im KOHI am 20.06.2026
Das zweite Deutschlandspiel der diesjährigen WM hing in der Warteschleife, die Public Viewing Areas versammelten die Fans bei der Hitze und das KOHI bot eine klimatisierte Bühne an. Das darf man nicht unterschätzen. So langsam könnte es zur Location der ersten Wahl werden.
Die Heydays standen schon eine ganze Weile auf der Wunschliste. Irgendwie ständig verfehlt, immer nur ein paar Schnipsel mitgenommen, Einladungen lagen ungünstig, und das ging nun schon Monate lang so. Und die Neugier wuchs.
The Sonic Spy machten den Support. Klare Sprache, die richtigen Riffs, nach vorne treibend, in den Lyrics verständlich und die ehrliche Haut, die auf der Bühne alle Kraft in den Opener legte. Aus dem Irgendwo zwischen Calw und Stuttgart angereist, versprachen sie vieles, hielten alles, und das Publikum in Bewegung.
The Sonic Spy im KOHI am 20.06.2026
The Sonic Spy gaben der Schnörkellosigkeit Raum und überzeugten vor allem mit einem fitten, reizvoll genauen Spiel. 3 Männer an den Saiten, einer der im Hintergrund mehr als nur den Rhythmus beherrscht und wie eine Maschine, das Ding am Laufen hielt.
Damit strebten die Jungs nach vorne, bereiteten den fruchtbaren Boden vor und wußten zu begeistern. Die waren aufgeregt, voll dabei, die konnten das und durften das. Geradeaus Rock, der sich in den meisten Genres bedient, aber stark authentisch, glaubhaft und bodenständig war. Kein Zweifel, das funktionierte. Kann man nicht nur lassen, muss man auch mal loben. Haben sie gut gemacht.
Für Die Heydays genau jene, die sie brauchten. Bündig wie Auge und Faust schlossen sie an, spielten ihren Charme aus, zeigten sich in einer gewitzten Stimmung, die zwischen purem Ernst, klugen Lebensregeln und wildem Punk ihr Ziel suchte.
Die Heydays (Support: The Sonic Spy) im KOHI am 20.06.2026
Das ging schnell, fokussiert, mit schierem Spaß am Spiel. Alles sichtbar, alles gleich und jetzt sofort. Mit voller Lakonik, dem Witz im Zitat und der richtigen Mischung aus ungehemmt und ungezügelt.
Die Heydays machten eine Party. Wollten, das alle mitmachen, vorne am Rand, gaben ihr Bestes und wirkten so, als würden sie da gerne noch eins draufsetzen.
Wegen der Sonne, dem Ball und was sonst noch an so lauen Sommerabenden zählte, war das KOHI nur halb besucht, aber das hatte nichts mit den Protagonisten auf der Bühne zu tun. Die hätten ihre Rechnung auch mit einigen Hundert gemacht und auf jeden Fall das Zeug dazu.
Angetan mit weißen Hemden, einem rosa Schlagzeug und einem Frontmann, der sich soweit vorwagte, wie man ihm Raum liess, nahmen sie alles, was irgendwie rumlag, für sich ein und das natürlich in einer urtypischen, klassischen Besetzung. 3 Gitarren und hinten Wumms. Rock’n’Roll vom Feinsten in der modernsten Form. Nennt man Punk, ist Power, hat den Song, die Zeilen und wenn man wollte, konnte man bei den Heydays nach zwei Akkorden auf jeden Fall mitbrüllen. Guter Stoff für solche Abende. Schöne Sache für die Zukunft.
Zum ersten Mal begegnete mir Tembeh auf dem Songslam im Karlsruher KOHI. Im Rahmen des kleinen Contest, der Nachwuchs-KünstlerInnen eine Möglichkeit bietet, sich einem Publikum vor zu stellen, nutzte die junge MusikerIn ihre Chance und präsentierte eine Auswahl ihrer eigenen Songs.
Um vorzugreifen: Ja, sie hatte den kleinen Wettbewerb gewonnen, ebenso wie kurz darauf eine ähnliche Veranstaltung in Heidelberg. Interessant war also, wie würde sie einen ganzer Abend gestalten?
Das sie mit kleinen Melodie und einem bewundernswerten Mut ihr Publikum für sich einnehmen konnte, hatte sie ja bewiesen. Im Rahmen ihrer Performance brachte sie die Anwesenden zum Mitsingen, Klatschen und Teilhaben. Sie tat das mit einem einnehmenden Charme, aber auch einem großen Verständnis für die Wirkung ihrer Musik.
Der +Punkt ist ein ökumenisches Zentrum im Herzen des Neuenheimer Feld in Heidelberg. Wer mit Heidelberg vertraut ist, weiß, das im Neuenheimer Feld, das Universitätsklinikum angesiedelt ist, ebenso wie Deutsche Krebsforschungs-Zentrum.
Es damit eine ganz eigene Welt darstellt, die aus Studentwohnheimen, Schwesternhäuser und ähnlichen Einrichtungen besteht.
Inmitten dieses kleine Ortes, der auch Restaurants, Cafés und eine kleine Ladenkette beherbergt befindet sich, mit Nähe zum angrenzenden Neckar, der +Punkt im Erdgeschoss eines Wohnheims.
Der schlichte Raum, feierlich mit dekorativen Lampen und Blumen an den Mikrofonständern ausgestattet, diente Tembeh für die Vorstellung ihrer eigenen Stücke. Die Detailverliebtheit hinsichtlich der Konzeption, Abfolge und dem Design des kompletten Abends offenbarte, wie viel ihr diese Möglichkeit bedeutete.
Tembeh im +Punkt in Heidelberg am 30.05.2026
Tembeh stammt aus Südafrika. In ihren Liedern, ihrer Ansprache und der hoffnungsvollen Lyrik, in die sie ihre Werke einbettete, nutzte sie die englische Sprache.
Sie flocht aber hin und wieder deutschsprachige Zeilen ein, die zur Verdeutlichung der Texte beitrugen. Damit ging sie einen außergewöhnlichen Weg, der jedoch gleichzeitig ihr tiefes Verständnis für die Klangfarbe und ihren Gesang aufzeigte.
Tembeh zeichnet sich durch eine warme, ruhige Stimme aus, die – nur begleitet von Gitarre, Klavier oder Harfe – eine prägnante Wirkung erreicht.
Getragen von einer positiven Ausstrahlung, die sie sowohl in ihrem Auftritt, wie auch in der handwerklichen Kunst der Kompositionen vermittelte, fiel es ihr leicht ihr Publikum auf eine Reise mitzunehmen. Es war schlicht fasziniert.
Der Wechsel zwischen verhaltenem, geradezu andächtigen Lauschen und einer Beteiligung an ihren Künsten – sei es Grollen oder Klatschen, das Klingeln mit bereit gelegten Glöckchen – man war nur zu bereit ihr zu folgen.
In ihrer Performance vermittelte sie damit nicht nur eine Botschaft, die alle Menschen dazu aufrufen möchte, den Träumen und Möglichkeiten, die man hat, gewahr zu werden, sondern auch eine geruhsame Kraft, die ihrer Spielweise innewohnt.
Tembeh ist eine jener Singer-/Songwriterinnen, bei denen man sehr schnell den Eindruck gewinnt, es gibt tief in ihr eine Harmonie und einen Einklang mit sich und ihrem Können.
Es sind die richtigen Griffe, die richtigen Tasten, und dennoch ist es die Unaufgeregtheit und ihr Wesen, dass aus dem Abend etwas besonderes formt. Da bleibt – zu guter Letzt – der Eindruck, da kommt noch sehr viel, da ist eine Menge Potential.
Denn allein in einem Raum, der schlicht und spartanisch daherkam, formte sie nur mit karger Instrumentierung einen feierlichen Moment.
Und natürlich führte das zu Standing Ovations und zwei Zugaben.
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