Viktor Pashnyk im Deutsch-Ukranischen Verein e.V. Karlsruhe am 21.05.2026

Viktor Pashnyk im Deutsch-Ukranischen Verein e.V. Karlsruhe am 21.05.2026

Viktor Pashnyk im Deutsch-Ukranischen Verein e.V., Karlsruhe am 21.05.2026
Viktor Pashnyk im Deutsch-Ukranischen Verein e.V., Karlsruhe am 21.05.2026

Zuerst war es das Instrument, dass meine Aufmerksamkeit erregte. Viktor Pashnyk, ein Singer-/Songwriter, besuchte die Räumlichkeiten des Deutsch-Ukrainischen Vereins e.V. mit der Gitarre und der Bandura. 

Der Deutsch-Ukrainische Verein e.V. hatte in den letzten Wochen ein Abend mit jungen, ukrainischen Musiker und Bands veranstaltet, der gut besucht war, aber von dem ich erst im Nachhinein hörte. 

Die Kenntnis, dass es einen regen, aktiven Verein in Karlsruhe gibt, der die Traditionen und kulturellen Entwicklungen der Ukraine repräsentiert, war weitgehend unbekannt. Die üblichen Quellen, die in der Regel Beachtung finden, hatten nicht darüber berichtet. Die Namen der Musiker und Bands fanden sich bisher nicht – obwohl in Karlsruhe ansässig – in der Liste für das Karlsruher Archiv.

Bei Viktor Pashnyk handelt es sich um einen Musiker aus der Ukraine, der aktuell auf seiner Tournee die Kulturzentren in den einzelnen Städten besucht. Der Bandura, die auf seinen Bekanntmachungen als fremdes Saiteninstrument auffällt, darf man eine tiefere Recherche widmen.

Sie ist als altes, ukrainisches Instrument bekannt. Ihre Form gleicht dabei einer großen, breiteren Laute. Ihre Spielweise jedoch ist hochkant, so dass man sie wie eine Harfe verwenden kann. Die Verwandtschaft zur Zither ist schon, aufgrund der Finger, denen kleine Metalringe zum zupfen übergestülpt werden, klar zu erkennen. Die Spielweise erinnert stark an das populäre Instrument.

Im Klang gleicht die Bandura auch der Harfe. Wie die Harfe wird sie auch gestrichen, gezupft, oder angeschlagen. Aufgrund der bis zu sechzig Seiten ist das Spektrum der Möglichkeiten als variantenreich zu bezeichnen. Kompositorisch kann man sich vieles vorstellen, und die Verwendungsmöglichkeiten für experimentierfreudige MusikerInnen dürften unendlich sein.

Geht es nach Wikipedia, dann wird das Instrument auch gerne als „ukrainische Lautenzither“ beschrieben. In der Tradition und im Rückblick offenbaren sich viele Gemeinsamkeiten mit der Laute, daher lassen sich auch Spuren bis in das 6. Jahrhundert feststellen, die auf diesen Bezügen beruhen. 

Die Bandura ist, nach allen Quellen tief in der ukrainischen Kultur verwurzelt und hat in dem Musikgeschehen der Region seit dem Beginn des 20sten Jahrhunderts eine Renaissance erlebt. Das führte dazu, dass sie vor allem im populären Liedgut der ukrainischen Kompositionen die Bandura ihren Niederschlag fand. 

Das Instrument ist so sehr verwurzelt in der Kultur der Ukraine, dass es innerhalb der Sowjetunion als feindlich und problematisch angesehen wurde. Im Rahmen einer Verfolgung wurden viele Musiker um 1935 exekutiert oder verliessen das Land. In Nordamerika findet sich heute noch eine Gemeinschaft aus aktiven Banduristen, die das in gerader Linie aus der damaligen Migration stammen.

Viktor Pashnyk im Deutsch-Ukranischen Verein e.V., Karlsruhe am 21.05.2026
Viktor Pashnyk im Deutsch-Ukranischen Verein e.V., Karlsruhe am 21.05.2026

Ich muss gestehen, dass ich der ukrainischen Sprache nicht mächtig bin. Mein Verständnis für Viktor Pashnyks Lyrik ist daher begrenzt auf Wirkung seiner Darbietung. Dabei zeigte sich Viktor Pashnyk als kraftvoller, sympathischer Troubadour. Barfüssig, leutselig, nahbar für alle Anwesenden, verzichtete er auf jede elektronische Verstärkung oder mögliche Effekte. 

Nur mit einem der beiden Instrumente, vielen Erklärungen und einer tiefen Verbundenheit mit seinem Publikum präsentierte er sich als ein kenntnisreicher Künstler. Gekleidet in einem weiten Blouson, mit den typischen Stickereien seiner Heimat, wechselten seine Stücke zwischen wohlbekannten Volkslieder, einer Interpretation eines deutschen Stückes und Werken, die von schmunzelnden Akzenten durchsetzt waren.

Es war ein besonderer Tag, jener 21.Mai, der schon zu einem Zug der Anwesenden durch die Innenstadt geführt hatte. Man hatte schon im Laufe des Tages die weiten Kleider, Blusen und Hemden mit den bekannten Stickkünsten angezogen und in einem gemeinsamen Zug, auch mit Viktor Pashnyk, präsentiert. So war es nicht verwunderlich, alle in diesem Gewand und der Atmosphäre eines Festtages im Publikum anzutreffen. Die Stimmung war gelöst, die Bereitschaft im Chor mitzusingen und die bekannten Lieder gemeinsam zu interpretieren, gehörten zu den Höhepunkten des Abends. 

Viktor Pashnyk einnehmender Charme, sein Zwiegespräch mit dem Publikum, und auf deren Wünsche einzugehen, gemeinsam etwas anzustimmen, aber vor allem sich als Chansonier und Sänger der Balladen mit einem beachtenswerten Stimmvolumen auf zu treten, gehörte zu seinen erkennbaren Stärken. 

Als Bandurista konnte er die Stärken des Instruments ausspielen. Homogen floss der Sound in sein Programm und unterstützte die verbindenden Elemente. Aber es waren vor allem diese Anteile, die zeigten, das sei zu den emotionalsten gehörten – wenn der vollstimmiger Chor sich erhob und ihn unterstützte.

Man darf ihn Erinnerung behalten, gerne wieder einladen und ihm ein großes Publikum wünschen. Er hat es verdient, kann das locker und braucht dennoch so wenig dafür. 

Respekt.

Externe Links:

Viktor Pashnyk (Facebook) – https://www.facebook.com/viktor.pashnyk/

Viktor Pashnyk (Instagram) – https://www.instagram.com/viktorpashnyk/?hl=de

Deutsch-Ukrainischer Verein e.V – https://ukrainer-in-karlsruhe.org/

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