Simone White und Daniel Benyamin im KOHI am 01.03.2026
In einer gemeinsamen Tournee kündigen sich Simone White und Daniel Benyamin im KOHI an. Simone White gehört zum Spektrum der großen, immer noch zu entdeckenden SongwriterInnen im Americana Genre, deren aktuelle Veröffentlichung sich durch eine schwebende Transparenz auszeichnet. Begleitet von ihrer Gitarre erzählt sie mit ruhiger Stimme poetische anmutete Songs, die sich das richtige Maß an Zeit lassen, um ohne Umwege die Herzen ihrer HörerInnen zu erreichen.
Die Namen, die Zusammenarbeiten und Ähnlichkeiten innerhalb der Veröffentlichungen in Wikipedia genannt werden, gereichen zur Ehrfurcht und Respekt. Erschienen ist aktuell ihr achtes Album, also darf man gespannt sein auf einen Abend mit einem großen Repertoire und langjährigem Können.
Daniel Benyamin ist ein Singer-Songwriter aus Deutschland, dessen Richtung gerne mit Indie-Pop bezeichnet wird. Einem Genre, das bekanntlich nichts und sehr viel sagt, aber vor allem immer dann verwendet wird, wenn sich eine Band oder eine MusikerIn dem üblichen entzieht. Ganz ähnlich sieht es im Fall von Daniel Benyamin aus, der durchaus auch in den Bereichen Klassik wie Jazz seine Wurzeln und Betätigungsfelder hat. Umfassende Kenntnisse mehrere Instrumente runden seine Songs ab und geben ihnen die notwendige Eigenständigkeit, um nach der Arbeit in dem Duo (Sea + Air – mittlerweile aufgelöst) seine Kompositionen im Alleingang vorzustellen. Es verspricht also im KOHI ein Abend für handwerkliches Können und Entdeckungen zu werden. Daniel Benyamin stellt in diesem Rahmen auch sein zweites Album vor.
Achtung: Einlass um 17:00 Uhr, Konzertbeginn um 18:00
Darling West im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 13.02.2026
Erwähnt man Darling West, muss man kurz auf Nordicana eingehen. Unter Nordicana versteht man ein, in den skandinavischen Ländern sehr populäres, Genre, dass sich vor allem von amerikanischen Traditionen beeinflusst sieht. Es entstand dadurch – in den letzten Jahren – eine Richtung, die zwar auf Folk und durchaus gemeinsamen Linien beruht, aber sich in der Gestaltung und Prägung auch von der Americana-Bewegung mehr und mehr emanzipiert.
Die Liebe zum Country ist in Norwegen etwas leidenschaftlicher als in anderen europäischen Ländern. Es ist nicht ungewöhnlich auf einem Country Konzert in Oslo, Cowboys mit Stetson und der typischen Kleidung anzutreffen. So wie man das vielleicht auch in Nashville, Tennessee, erlebt.
Fährt man weiter aufs Land, begegnen einem Pickups, und die Umgebung prägt ein Bild, wie man es aus amerikanischen Serien zu kennen glaubt. Die Nähe zu einem naturverbundenen Lebensstil vermittelt ein gutes Gefühl für die Zuwendung zu der Folklore aus dem Anglo-amerikanischen Sprachraum.
Darling West gehören zu den führenden Gruppierungen der Bewegungen. Verlegt auf dem Plattenlabel Jansen, das so etwas wie die Heimstatt der jungen Singer-/Songwriter in Norwegen ist, sind sie wahrscheinlich die experimentierfreudigsten Tüftler in diesem Bereich.
Darling West im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 13.02.2026
Begründet auf den Talenten des Ehepaars Mari und Tor Egil Kreken, haben sich Darling West zu einem der mistgespielten Acts im Radio Norwegens entwickelt, wurden dort ausgezeichnet und haben sich hierzulande zu einem Geheimtipp entwickelt, der sich nun auch im NUN präsentierte.
Die kleine Bühne des Kulturraums wurde damit bis zum letzten Winkel ausgenutzt. Darling West brachten praktisch eine Wagenladung Instrumente, Effektgeräte und technische Kuriositäten wie einen Cassetten-Laufwerk aus den Siebzigern mit. Die Kunst war und ist, aus all diesen Klangkörpern, darunter Pedal-Stell Guitar und Banjo, einen transparenten, homogenen Sound zu formen. Etwas, was ihnen scheinbar mühelos, mit einer beeindruckenden Virtuosität, gelang.
Darling West blicken auf eine Diskografie zurück, die es ihnen erlaubte, innerhalb der anderthalb Stunden, verträumte, handwerklich sehr saubere Pop-Perlen aneinander zu reihen. Stücke, die immer wieder viel Liebe zum Detail erkannenliesen. Auch die Arbeit am letzten Schliff und einem, fast intuitiven Gefühl für gekonntes Songwriting verrieten.
Nachvollziehbar die Liebe zum Wald. Die Verbundenheit zur Natur, dem Rückzugsort, und der Freude neue Töne zu entdecken und zu verwenden.
Darling West bemühten sich gekonnt, die Qualität ihrer Alben-Produktionen live zu präsentieren. In einem bewundernswert, unübersichtlichem Sammelsurium aus Kabel und Mikrofonen erzeugten sie ein in sich geschlossenes, transparentes Konzept.
Auf der Reise durch ihr Portfolio vermittelten sie den Eindruck eines beachtenswert kreativen Duos, das fest verwurzelt in der Folklore ihrer Wahlheimat ist. Dabei ein Spektrum an Möglichkeiten entwickelt, dessen Inspiration in langen Spaziergängen, großen Weiten, tiefen Nebel und vor allem der Natur liegt.
Darling West im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 13.02.2026
Musikalisch luden sie – mit einem ganz eigenen Charme – dazu ein, sie zu begleiten. Das – mal wieder – ausverkaufte NUN erwies sich für die leise, ruhige und unaufgeregte Musik Darling Wests als Glücksgriff.
Schuf es doch damit einen Rahmen, den Darling West auszufüllen wußten. Und der Harmonie ihrer Musik, wie der Ruhe, die den Stücken innewohnt, entsprach.
Angesichts der Erfolge, die Darling West in Norwegen geniesst, ist dem NUN ein beeindruckendes Konzert in einem angenehm kleinen Kreis gelungen. Die handwerklichen Fähigkeiten der Band zu erleben, machte es dann noch zu einem Ereignis, dessen Wiedersehen man herbei sehnt.
Das Jahr hat begonnen. Die neuen Veröffentlichungen bringen eine ganze Reihe spannende Konzerte mit sich. Die richtige Zeit Entdeckungen zu machen und geschätzte Helden wiederzusehen. Park Walker haben im P8 ihr neues Album „The Extra Mile“ vorgestellt. Im Support brachten sie Tom Mess und How I left mit. Macht es damit zu einem runden, spannenden Event.
Tom Mess, erdig, direkt von den staubigen Straßen zwischen hier und den Südstaaten, eröffneten hemdsärmelig und gerade heraus. Langjährige Americana Ikone, rockiger als ich die Band in Erinnerung hatte und weit vorne im Publikum. Mit Entschlossenheit, das Ding zum Laufen zu bringen, wagten sie den schweren Stand der Vorband. Zeigten aber, das es geht. Fünf MusikerInnen, tief im Feld zwischen energischen Countryanklängen, nahe an den Roots, aber vor allem mit einem ganz eigenen Material, das von gutem Songwriting und einer tiefen Liebe für die raue Seite der amerikanischen Folkmusic zeugt. Der Stoff, der entsteht, wenn die Fahrt lange genug ist, die Tage im Horizont blutrot verschwinden, und man vor dem letzten Bier nicht heimgehen will.
Tom Mess im P8 am 23.01.2026
Steelguitar, Bass, Schlagzeug, Gitarre mit Vokals und Background. Tom Mess brachten alles mit, was die Erwartungen und die Authentizität verlangten. Sie gaben das Tempo vor und legten kraftvoll die Latte hoch. Ein Meter vor der Bühne, im Angesicht des Publikums, stand Thomas Hauf an der Front. Hat funktioniert, hätte länger sein können, hatte Platz für mehr, und mit dieser Energie, da hätte es auf jeden Fall dazu gereicht.
Als zweite Vorband ist der Stand nicht einfach. How I left meisterten es mit Charme, lässigen Geschichten und einem guten Gefühl für Erzählungen, die sich als Anekdoten in ihren Repertoire einfügten. In verschiedenen Traditionen des Songwriting angesiedelt, bewahrten sie sich eine unschuldige Herangehensweise, die den Popsong frönte, und die Eingängigkeit mit einer melancholischen Kantigkeit gefühlvoll nachklingen lässt. Zu dritt – begrenzt auf die klassische Konstellation, die nicht mehr braucht, als ein cooles Bass, eine Gitarre und ein druckvolles Schlagzeug.
How I left im P8 am 23.01.2026
How I left schlenderten ausdrucksstark durch ihr Werk, und zeigten, dass sie diejenigen sind, die es verdient haben, dem Abend eine weitere Farbe zu geben. Mehr von dem Sound der kleinen, britischen Insel, mehr von den Songs, die Momente beleuchten, die sonst vergessen wären. Und einiges von dem, was haften bleibt, wenn man es mal gehört hat. Braucht nicht mehr, ist vollkommen ausreichend, kommt gut und darf bleiben.
Park Walker – vocal- im P8 am 23.01.2026
Park Walker. Die Headliner des Abends, boten melodiösen Rock, begleitet von einer ausgebleichten Filmschau. Bergwanderungen, wie aus vergangenen Zeiten. Mit Wucht gespielte, atmosphärisch dichte, aber in den Details sehr differenzierte Werke. Kräftig, mit bewusst gezogener Bremse, die komprimierte, doch die Sicht freiliess. Die große Konsequenz geformter Werke, die dem Songwriting mehr verpflichtet sind, als einem möglichen Genre.
Park Walker gehen dabei einen sehr eigenständigen Weg, der sich an der Betrachtung der klassischen Strukturen im Rock ebenso bedienen kann, wie am zusammengezogenen Gitarrenwerk der härteren Fraktion. Park Walker mag man mit einem Genre einfangen, aber soundtechnisch zeigten sie dann doch eine Verwandtschaft durch die Jahrzehnte. Nichts, was der eindeutigen Bestimmung gefallen will. Das hatte seine festen, starken Komponenten. Aber auch Aspekte, die sich – angelehnt an dem durchaus transparenten Spiel der vier (2 Gitarren, Vokals, Drums, Bass) – eher an der Melancholie und filigranen Handhabung orientieren.
Noch liegt es nicht in voller Größe vor, das neue Album, aber ausgestattet mit Flügelhorn und weiblichen Background, könnte es noch einiges verbergen. So war es ein spannender Vorgeschmack und eine feine Präsentation der Songs. Park Walker als Wanderung an der Baumgrenze kann man als Bild lassen. Dahinter schneebedeckte Gipfel und ein weiter Ausblick. Geht.
Park Walker releasen ein neues Album und stellen es am 23.01.2026 im P8 vor. Sind als Slowcore-Helden angekündigt, aber für mich tatsächlich der unbekannte Act des Abends, daher zwei-drei Worte zu den Support Acts.
Beides Bands, die mir in den letzten Wochen immer wieder in den sozialen Medien, auf Platte, und zum Teil auch live begegnet sind. TOM MESS spielen Americana wie es sein sollte. Kernig und sentimental. Spannend und sensibel, verwurzelt im US-Folk, und nahe genug an der Seite des Countrysongs, der seine Verwandtschaft zum Blues stolz mit sich trägt.
Das ist rau und erdig, beherzt und authentisch genug um nicht in den hiesigen Landen angesiedelt zu sein. TOM MESS gehört zu den Bands, bei denen ich mich frage, warum ich sie nicht öfters schon live gesehen habe. Schon von daher Grund genug, das P8 zu besuchen.
Zu HOW I LEFT ist zu sagen: Alles bisher verpasst. Leider noch nie begegnet. Das Album „Birds in the City“ verrät ein ruhiges Händchen für stimmige Songs, die cool und frisch auf den nächsten Sommer einstimmen können.
Die kommen so lässig und leicht daher, als sei sie schon immer dabei gewesen. Schmeicheln sich ein und begleiten mit kleinen, feinen Melodien und einem zurückhaltenden, erzählenden Gesang durch den Tag. HOW I LEFT haben viel dafür getan, dass die Dinger rund sind und eine spröde Schönheit ausstrahlen. Pop, den es zu entdecken gilt. Grund genug fürs P8.
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