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Schlagwort: Americana

Mikk (Support: Slaviniski) im NUN am 28.03.2026

Mikk (Support: Slaviniski) im NUN am 28.03.2026

Mikk (Support: Slaviniski) im NUN am 28.03.2026
Mikk (Support: Slaviniski) im NUN am 28.03.2026

In einigen seltenen Fällen lädt das NUN zu sogenannten Hut-Konzerten an. Das sind jene Konzerte, die vor allem jungen KünstlerInnen eine Plattform geben, bekannt zu werden. Denn der Eintritt entfällt und die Entlohnung findet auf Spendenbasis statt.

Das dieses qualitativ keinen Abbruch tut, und dem wunderbar zusammen gestellten Programm des NUN entspricht, bewiesen die beiden KünstlerInnen Mikk und Slavinski, die am Samstag, dem 28.03.2026 dort gastierten. 

Dabei bestritt die  österreichische Sängerin Mikk nicht nur das Hauptprogramm, doch stellte sie den Headliner des Abends dar, während die Pianistin und Sängerin Slavinski sich als Support präsentierte.

Slaviniski im NUN am 28.03.2026
Slaviniski im NUN am 28.03.2026

Charmant angekündigt von den Kindern des begleitenden Musikers, entwarf Slavinski ein emotional dichtes, aber feingewebtes Konstrukt aus komplexen Melodien. Angelehnt an Folk-Elementen entspannte sich in ihren Werken eine eine atmosphärische Wirkung, die in Dramatik und Ausdruck viele Bezüge und Verweise erkennen liessen. 

Slavinsikis Pianospiel verriet einen großen Erfahrungsschatz, dem ein Sinn für Dramatik, aber auch eine kraftvolle Stimme beiwohnte, mit der sie in der Lage war großflächige Bilder in aller Pracht zu entwerfen. Unterstützt von dem Gitarrenspiel Mikks zeigte sich damit eine Künstlerin, die als Entdeckung zu werten ist, aber aber auch in der Lage war, das ruhige, lauschende Publikum des NUN zu faszinieren.

Die Situation im NUN gleicht damit jenen Konzerten, die ungewohnt für viele MusikerInnen, fast eine Studioatmosphäre nachbilden. Die Intensität, die Teil des Konzepts der kleinen Location ist, wirkte sich auch auf das ruhige Format aus, als Mikk die Bühne übernahm.

Kleine, runde, stimmige Geschichten – „Break-Up“-Songs von ihr selbst genannt – die in einem poppig Gewand mit akzentuierten Americana-Anklängen, allein mit Gitarre, Bass und dem Pianospiel von Slavinski ihren Weg in die Herzen fanden. 

Mikk im NUN am 28.03.2026
Mikk im NUN am 28.03.2026

Mikk hatte das NUN schon mal vor Jahren besucht. Eine gemeinsame Zuneigung formten den Auftritt zu einem intimen Highlight. Der österreichische Klang ihrer Ansagen mit den sympathischen Geschichten aus dem zwischenmenschlichen Bereich taten dabei ihr übriges. 

Mikks Repertoire eröffnete sich als gutdurchdachtes, wohlgeformtes Songwriting, dass stimmig und rund für den Abend, den Morgen, den Tag auf dem Balkon oder Spaziergang durch aufblühende Laubwälder taugt. 

Ausgestattet mit englischen Lyrics fällt die Verortung schwer, gereicht die Qualität doch locker zum internationalen Vergleich und einige Namen mögen in diesem Zusammenhang herum schwirren. Doch hat Mikk eine klare, prägnante, gut verständliche Stimme, die sie leicht erkennbar macht, und auch damit die Eigenständigkeit beweist. 

Mit ihr zeigte sich eine Musikerin, die eingängiges Material scheinbar im Vorbeigehen aus dem Ärmel schüttelt, so leicht und lässig trug sie ihre Stücke vor. Alles in einer verhaltenen, transparenten Umgebung, die sie zu nutzen wußte. 

Zwei Alben liegen auf Bandcamp, aber auch den Streamingportalen vor. Für die schönen Augenblicke. Könnte man nicht nur, sollte man vor allem.

Externe Links:

Mikk – https://mikkmusik.com/

Mikk (Facebook) – https://www.facebook.com/mikkmusik/?locale=de_DE

Mikk (Instagram) – https://www.instagram.com/mikkmusik/

Slavinski (Facebook) – https://www.facebook.com/p/Slavinski-100071333320962/

Slavinski (Instagram) – https://www.instagram.com/slavinski_music/

NUN – https://nun.cafe

Tonspur Nr. 32: Tom Mess „Ford“

Tonspur Nr. 32: Tom Mess „Ford“

Tom Mess "Ford"
Tom Mess „Ford“
  • Gloria
  • Old Shine
  • Rain
  • Just Hell
  • I want to forget
  • Half empty heart
  • Last round
  • Distillers friendly
  • Good for now
  • Grey and blue
  • Bourbon Hills
  • Weak Knees
  • Almost Done
  • Barmirror

Das Album „Ford“ von Tom Mess stammt aus dem Jahr 2014. Mit einem Blick zurück schlüsselt sich hier die Entwicklung auf, die die Band im Laufe der Jahre gemacht hat. Damals noch stark als Soloprojekt definiert, wurden die Stücke vor allem von der Persönlichkeit des Sängers Thomas Hauf geprägt. Mit seiner rauen und kräftigen Stimme gibt er den Stücken jenen kantigen Charakter, den er beibehalten hat.

Stark orientiert an der amerikanischen Singer- und Songwriter-Tradition sind die Songs transparent instrumentiert. Damit auf ihr Optimum reduziert. 

In ihrer ausgeruhten Erzählweise tauglich für Lagerfeuer und kleine Bühnen. Dabei wechseln sie sich locker ab mit rockigen, elektrisch verstärkten Weisen, die in der Scheune zum wilden Tanz auffordern. Gerne auch in einem Tempo, in dem man das Gaspedal einfach mal runter drückt und die Straße frisst.

Tom Mess legte damit einen Weg fest, den er bis heute weiter verfolgt, der so aber auch sein aktuelles Repertoire tauglich macht für kleine, wie große Locations. Mit „Ford“ lieferte er ein Album ab, das immer noch eine Entdeckung wert ist. In seinem Grundton den kleinen, verschrobenen Storys verpflichtet, suggerierte es schon die breite Leinwand .Den großen Horizont für die Western, die nicht nicht in Hollywood produziert werden, aber die besseren Bilder haben. 

Er zeigte mit „Ford“, das er zu jenen gehört, die die das Genre lieben, aufgesaugt haben, die Authentizität voran stellen und das Ding trotzdem noch so lässig durchziehe . Man könnte die Produktion – würde man nicht sehr genau hinschauen – irgendwo in den Staaten ansiedeln. Als hätte er sein ganzes Leben nichts anderes aufgesaugt, und wollte nun, gereift und aus dem Refugium der harten Gitarren kommend, dem Country die Rundungen abschleifen. 

Wer sich für das weite Spektrum des Americana-Sounds interessierte, sollte sich die Reise durch das Oeuvre von Tom Mess gönnen. Es macht Spaß zu sehen, wie die Dinge reiften, und wie der Enthusiasmus der frühen Jahre zum Sound der letzten Produktion führte.

Externe Links:

Tom Mess (Bandcamp) – https://tommess.bandcamp.com

Tom Mess (Instagram) – https://www.instagram.com/dont_mess_with_tom_mess/

Tonspur Nr. 31: Tom Mess „Pretty Messed“

Tonspur Nr. 31: Tom Mess „Pretty Messed“

Tom Mess - Pretty Messed
Tom Mess – Pretty Messed
  • Chord Sherpa
  • Nothin’ Gold
  • Out of the Blue
  • This Trap
  • Troubled Head
  • Cast in Conrecte
  • Liquor Hand
  • Turn on a Dime
  • `bout leavin`
  • Two Sparks

Wenn die Legende stimmt, dann spielte Tom Mess vor vielen Jahren mal Hardcore/Punk mit der Band Madstateworld. Davon wird man in den aktuellen Veröffentlichungen nichts mehr finden. Mittlerweile ist Tom Mess ein sehr authentischer Vertreter der Americana Richtung. Americana steht hier im besten Sinne für jene Richtung, die sich bemüht die gemeinsamen Wurzeln der Countrymusik wieder zu beleben. Jene Mixture, die klare Bezüge zum amerikanischen Folk, aber auch den Nebenlinien aus dem ursprünglichen Blues des Südens hat.

Auf „Pretty Messed“ hört man dann auch genau die kraftvolle Mischung, die zu seinem Markenzeichen wurde. Ehrlich, handgemacht, geradeaus vorwärts, aber melancholisch genug, wenn es sein muss. Mit all den Bildern, die von Wüste, Staub und Straße erzählen. 

Tom Mess hat dabei die Stimme – und das Songwriting – die Stücke auf den Punkt zu bringen. Als ob er in einem vergessenen Dorf, am Rande der Appalachen aufgewachsen wäre, klingen seine Songs nach Benzin, verschneiten Bergen, und langen Ausritten. Da sieht man die Jungs mit den engen Jeans an den Tankstellen und die endlosen Wege durch die Nationalparks. 

Eine Reise, die mit „Pretty Messed“ bestimmt nicht ihren Abschluss gefunden hat, aber einen ihrer Höhepunkte.  Gäbe es in Deutschland eine Welle wie in den skandinavischen Ländern, wäre er einer der bekanntesten Vertreter. Dort feiert momentan „Nordicana“, eine Variante sehr ursprünglicher Countrysongs so große Erfolge, dass man deren MusikerInnen bereits nach Amerika einlädt.

Tom Mess scheut sich nicht vor der sentimentalen, berührenden Weise der Richtung, setzt die Pedal-Steel-Guitar gerne ein, auch das Duett mit einer weiblichen Stimme, und erreicht dadurch aber genau jenen Punkt der Seele, der den Stoff liebt, ihn feiert und immer mal wieder hervor holen wird.

So rund wie das Album ist, so bündig es klingt,  und so zielgerichtet und klar, wie es versucht die ehrlichste, kantigste Seite des Genres zu verkörpern, so gerne landet es immer wieder auf dem Spieler. Weil es einfach funktioniert und zu den besten Sachen gehört, die wir hier in der Region haben. 

Tom Mess - Pretty Messed
Tom Mess – Pretty Messed

Externe Links:

Bandcamp – https://tommess.bandcamp.com

Instagram – https://www.instagram.com/dont_mess_with_tom_mess/

Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026

Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026

Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026
Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026

Ein Erzähler, ein Verkünder der kurzen Geschichten, aber vor allem jemand, der den erdigen Blues mit dem feiner Country-Attitüde in sich vereinigt und wiedergibt. 

All das ist Johnny Dowd, doch auch jemand, der als Legende gelten darf, wenn er auf seinem Stuhl Platz nimmt, fast hinter seinem Notenblatt verschwinde und mit rauchiger, knarziger Stimme zu singen beginnt. 

Johnny Dowd spielt die Gitarre, als müßte er sie bändigen, aber auch als hätte er schon mit ihr geschlafen, während alle Epigonen und Nachfolger nach der Milch verlangten.

Begleitet von Will Sexton am Banjo und Amy Lavere am Bass, sowie Jennifer Dowd an den Drums, verwandelte er das KOHI in einen Salon am Rande der Sümpfe. 

Mit der Ruhe eines Menschen, der viel, wenn nicht sogar fast alles, erlebt hat, teilte er seine Geschichten über die Straße, die Begegnungen, die gescheiterten Beziehungen und Flucht vor dem Leben, dem Gesetz und dem ganzen Rest. 

Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026
Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026

Kleine Mörderstorys, die schwarz und düster in einfacher, akzentuierter Sprache etwas wieder aufleben ließen, was zwischen Bars und billigen Romanen geboren wurde.

Umrahmt von der klaren Stimme Amy Laveres, dem virtuosen Spiel Will Sextons, wurden seine Songs in ihren besten Parts veredelt und in den dunkelsten Tiefen zu faszinierenden, vielschichtigen Erlebniswelten. 

Johnny Dowd machte nicht viele Worte, brachte alles auf den Punkt und meißelte glasklar die Lyrics daraus .Ging dabei so gnadenlos wie nur möglich mit sich selber um. 

Liess sich alle Zeit der Welt. Nutzte den Blues mit Kraft und Würde. 

Mit Will Sexton und Amy Lavere, aber auch mit der gelassenen Unterstützung von Jennifer Dowd, entstand eine Besetzung, die man ihm nicht hätte besser wünschen können. 

Das Zusammentreffen guter Handwerker, schöner Stimmen (Will Sexton hat eine fantastische Soulstimme. Hätte man gerne mehr gehört), liess etwas entstehen, was wie ein Blaupause für alle jene wirken darf, die mal so richtig im Delta  des Mississippis nach den Wurzeln graben möchten.   

Johnny Dowd taugt hier als Fährtenleser. Ein Recke, der mit einer ureigenen Lässigkeit, das alles vereinnahmte, was die amerikanische Musiktradition hergab. 

Eine Reise von Nashville nach New Orleans mit jenen Abstechern, die auf der Strecke möglich sind. Man möchte sich ihn als Hobo vorstellen,  zwischen den Waggons sitzend und spielend. Auf jeden Fall mit jedem Stoff, der angeboten wurde. Flüssig oder wie auch immer.

Spielte er einen Song aus seinen anderthalb Jahren in Berlin, wo er zur Verteidigung der westlichen Freiheit stationiert war, dann wirkte es, als ob er die Gitarre rückwärts anging, die Hippies faszinierte, und die Nymphen zu einem verklärten Tanz verführte.

Er meinte verschmitzt, es seien wilde Jahre gewesen. Glaubhaft in jedem Moment, aber vor allem, in der wohligen Trägheit, die die meisten Songs auszeichnete. 

Amy Laveres Stimme ist der engelsgleiche Zuckerguss, der sich wie eine schützende Hand über das raue Timbre von Johnny legte. Sang sie eigene Songs, bekam man eine Ahnung, was man bisher verpasst hat. Es dürfte sich lohnen, sie zu entdecken. 

Spielte Will Sexton, so hatte man dein Eindruck, er steht mit seinem Instrument auf, geht damit abends wieder schlafen und nimmt es in jede Bar. Vollkommen unmöglich, dass es sich anders verhält. Wahrscheinlich kann er damit auch Feuer machen und Wölfe jagen. Alles drin. 

Jennifer Dowd war so etwas wie der ruhende Pol. Unaufgeregt, mit stoischer Gelassenheit, blieb sie bei der Arbeit an den Percussions und Drums im Hintergrund. Akkurat, mit dem größten Understatement überliess sie die Solos ihren Kollegen und gab das Fundament und den Takt für den gelungenen Abend.

Man möchte Johnny Dowd noch viele Abende mit dem Human Shield wünschen, vor allem eine ausverkaufte Tour. Authentischer bekommt man den Stoff momentan nicht. Und das will etwas heißen.

Externe Links:

Johnny Dowd – https://www.johnnydowd.com

Amy Lavere – https://amylavere.com

Will Sexton – https://www.instagram.com/willsextonmemphis/

KOHI – https://kohi.de