Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026

Ein Erzähler, ein Verkünder der kurzen Geschichten, aber vor allem jemand, der den erdigen Blues mit dem feiner Country-Attitüde in sich vereinigt und wiedergibt.
All das ist Johnny Dowd, doch auch jemand, der als Legende gelten darf, wenn er auf seinem Stuhl Platz nimmt, fast hinter seinem Notenblatt verschwinde und mit rauchiger, knarziger Stimme zu singen beginnt.
Johnny Dowd spielt die Gitarre, als müßte er sie bändigen, aber auch als hätte er schon mit ihr geschlafen, während alle Epigonen und Nachfolger nach der Milch verlangten.
Begleitet von Will Sexton am Banjo und Amy Lavere am Bass, sowie Jennifer Dowd an den Drums, verwandelte er das KOHI in einen Salon am Rande der Sümpfe.
Mit der Ruhe eines Menschen, der viel, wenn nicht sogar fast alles, erlebt hat, teilte er seine Geschichten über die Straße, die Begegnungen, die gescheiterten Beziehungen und Flucht vor dem Leben, dem Gesetz und dem ganzen Rest.

Kleine Mörderstorys, die schwarz und düster in einfacher, akzentuierter Sprache etwas wieder aufleben ließen, was zwischen Bars und billigen Romanen geboren wurde.
Umrahmt von der klaren Stimme Amy Laveres, dem virtuosen Spiel Will Sextons, wurden seine Songs in ihren besten Parts veredelt und in den dunkelsten Tiefen zu faszinierenden, vielschichtigen Erlebniswelten.
Johnny Dowd machte nicht viele Worte, brachte alles auf den Punkt und meißelte glasklar die Lyrics daraus .Ging dabei so gnadenlos wie nur möglich mit sich selber um.
Liess sich alle Zeit der Welt. Nutzte den Blues mit Kraft und Würde.
Mit Will Sexton und Amy Lavere, aber auch mit der gelassenen Unterstützung von Jennifer Dowd, entstand eine Besetzung, die man ihm nicht hätte besser wünschen können.
Das Zusammentreffen guter Handwerker, schöner Stimmen (Will Sexton hat eine fantastische Soulstimme. Hätte man gerne mehr gehört), liess etwas entstehen, was wie ein Blaupause für alle jene wirken darf, die mal so richtig im Delta des Mississippis nach den Wurzeln graben möchten.
Johnny Dowd taugt hier als Fährtenleser. Ein Recke, der mit einer ureigenen Lässigkeit, das alles vereinnahmte, was die amerikanische Musiktradition hergab.
Eine Reise von Nashville nach New Orleans mit jenen Abstechern, die auf der Strecke möglich sind. Man möchte sich ihn als Hobo vorstellen, zwischen den Waggons sitzend und spielend. Auf jeden Fall mit jedem Stoff, der angeboten wurde. Flüssig oder wie auch immer.
Spielte er einen Song aus seinen anderthalb Jahren in Berlin, wo er zur Verteidigung der westlichen Freiheit stationiert war, dann wirkte es, als ob er die Gitarre rückwärts anging, die Hippies faszinierte, und die Nymphen zu einem verklärten Tanz verführte.
Er meinte verschmitzt, es seien wilde Jahre gewesen. Glaubhaft in jedem Moment, aber vor allem, in der wohligen Trägheit, die die meisten Songs auszeichnete.
Amy Laveres Stimme ist der engelsgleiche Zuckerguss, der sich wie eine schützende Hand über das raue Timbre von Johnny legte. Sang sie eigene Songs, bekam man eine Ahnung, was man bisher verpasst hat. Es dürfte sich lohnen, sie zu entdecken.
Spielte Will Sexton, so hatte man dein Eindruck, er steht mit seinem Instrument auf, geht damit abends wieder schlafen und nimmt es in jede Bar. Vollkommen unmöglich, dass es sich anders verhält. Wahrscheinlich kann er damit auch Feuer machen und Wölfe jagen. Alles drin.
Jennifer Dowd war so etwas wie der ruhende Pol. Unaufgeregt, mit stoischer Gelassenheit, blieb sie bei der Arbeit an den Percussions und Drums im Hintergrund. Akkurat, mit dem größten Understatement überliess sie die Solos ihren Kollegen und gab das Fundament und den Takt für den gelungenen Abend.
Man möchte Johnny Dowd noch viele Abende mit dem Human Shield wünschen, vor allem eine ausverkaufte Tour. Authentischer bekommt man den Stoff momentan nicht. Und das will etwas heißen.
Externe Links:
Johnny Dowd – https://www.johnnydowd.com
Amy Lavere – https://amylavere.com
Will Sexton – https://www.instagram.com/willsextonmemphis/
KOHI – https://kohi.de