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Schlagwort: Americana

Tonspur Nr.34: Micor „Redemption“

Tonspur Nr.34: Micor „Redemption“

Micor "Redemption"
Micor „Redemption“
  • Redemption I
  • It’s everywhere
  • Love is deeper
  • Cat’s wouldn’t do it
  • After all
  • I saw the land
  • All in my head
  • Peace of mind
  • Redemption II

Micor nehmen sich alle Zeit der Welt, steigen langsam ein, verdichten es stark und erschaffen damit ein vielschichtiges Werk, dass sich mit orchestralen Klängen einschleicht. 

Ausgestattet mit der Stimme von Robert Besta, der auch Gitarre und Violine spielt, wagen sich Micor in die Gefilde, die zwischen dunklem, schleppenden Liedgut und der Weite des amerikanischen Folk angesiedelt sind. Das kommt mit dunklem Timbre, einer ausgewählten Instrumentierung (mit Marcus Franzke fliessen auch Trompete und Posaune, neben dem Keyboard ein), aber auch mit dem Mut aus dem Vollen zu schöpfen, daher. 

Micor haben sich aufgemacht, den Chanson schwarz zu färben, die Hymne zu feiern und in der Ruhe den Halt zu finden. Das ergibt ein erdiges, festes Konzept, dass unplugged, und auf der wilden Bühne funktionieren kann, aber vor allem viel Raum für Abende mit einem Blick zum Horizont bietet.

Verwurzelt im amerikanischen Songwriting der großen Individualisten, leisten sie sich die Freiheit, einfach die Dinge mal zu verzögern, noch eine Spur verhaltener angehen zu lassen, um eine Färbung aus Fragilität, schwierigen Wahrheiten und einer eigenen Spielart des Blues zu finden.

Für die Reise im Zug, für den Hobo ohne Ziel, den Rast und die Hütten am Wegesrand. Angenehm in der Produktion, tief im Detail und dem Ideenreichtum. 

Ein Album für das man sich die Zeit nehmen kann, aber auch sollte. Es gibt einiges zu entdecken, und die vierköpfige Band hat sich genug Hilfe geholt, um das Ding angenehm rund zu machen. 

Zur Stammbesetzung gehört noch Stefan Breuer am Schlagzeug, und Johannes Frisch, die zeigen, wie man einen Rhythmus unauffällig drunter schippt, aber dann auch nachdrücklich betont. Können sie alles. 

Für alle, die auch schon mal Cowboy Junikes, Lambchop und ähnliches gehört haben.

Externe Links:

Micor https://www.micor.band

Mikk (Support: Slaviniski) im NUN am 28.03.2026

Mikk (Support: Slaviniski) im NUN am 28.03.2026

Mikk (Support: Slaviniski) im NUN am 28.03.2026
Mikk (Support: Slaviniski) im NUN am 28.03.2026

In einigen seltenen Fällen lädt das NUN zu sogenannten Hut-Konzerten an. Das sind jene Konzerte, die vor allem jungen KünstlerInnen eine Plattform geben, bekannt zu werden. Denn der Eintritt entfällt und die Entlohnung findet auf Spendenbasis statt.

Das dieses qualitativ keinen Abbruch tut, und dem wunderbar zusammen gestellten Programm des NUN entspricht, bewiesen die beiden KünstlerInnen Mikk und Slavinski, die am Samstag, dem 28.03.2026 dort gastierten. 

Dabei bestritt die  österreichische Sängerin Mikk nicht nur das Hauptprogramm, doch stellte sie den Headliner des Abends dar, während die Pianistin und Sängerin Slavinski sich als Support präsentierte.

Slaviniski im NUN am 28.03.2026
Slaviniski im NUN am 28.03.2026

Charmant angekündigt von den Kindern des begleitenden Musikers, entwarf Slavinski ein emotional dichtes, aber feingewebtes Konstrukt aus komplexen Melodien. Angelehnt an Folk-Elementen entspannte sich in ihren Werken eine eine atmosphärische Wirkung, die in Dramatik und Ausdruck viele Bezüge und Verweise erkennen liessen. 

Slavinsikis Pianospiel verriet einen großen Erfahrungsschatz, dem ein Sinn für Dramatik, aber auch eine kraftvolle Stimme beiwohnte, mit der sie in der Lage war großflächige Bilder in aller Pracht zu entwerfen. Unterstützt von dem Gitarrenspiel Mikks zeigte sich damit eine Künstlerin, die als Entdeckung zu werten ist, aber aber auch in der Lage war, das ruhige, lauschende Publikum des NUN zu faszinieren.

Die Situation im NUN gleicht damit jenen Konzerten, die ungewohnt für viele MusikerInnen, fast eine Studioatmosphäre nachbilden. Die Intensität, die Teil des Konzepts der kleinen Location ist, wirkte sich auch auf das ruhige Format aus, als Mikk die Bühne übernahm.

Kleine, runde, stimmige Geschichten – „Break-Up“-Songs von ihr selbst genannt – die in einem poppig Gewand mit akzentuierten Americana-Anklängen, allein mit Gitarre, Bass und dem Pianospiel von Slavinski ihren Weg in die Herzen fanden. 

Mikk im NUN am 28.03.2026
Mikk im NUN am 28.03.2026

Mikk hatte das NUN schon mal vor Jahren besucht. Eine gemeinsame Zuneigung formten den Auftritt zu einem intimen Highlight. Der österreichische Klang ihrer Ansagen mit den sympathischen Geschichten aus dem zwischenmenschlichen Bereich taten dabei ihr übriges. 

Mikks Repertoire eröffnete sich als gutdurchdachtes, wohlgeformtes Songwriting, dass stimmig und rund für den Abend, den Morgen, den Tag auf dem Balkon oder Spaziergang durch aufblühende Laubwälder taugt. 

Ausgestattet mit englischen Lyrics fällt die Verortung schwer, gereicht die Qualität doch locker zum internationalen Vergleich und einige Namen mögen in diesem Zusammenhang herum schwirren. Doch hat Mikk eine klare, prägnante, gut verständliche Stimme, die sie leicht erkennbar macht, und auch damit die Eigenständigkeit beweist. 

Mit ihr zeigte sich eine Musikerin, die eingängiges Material scheinbar im Vorbeigehen aus dem Ärmel schüttelt, so leicht und lässig trug sie ihre Stücke vor. Alles in einer verhaltenen, transparenten Umgebung, die sie zu nutzen wußte. 

Zwei Alben liegen auf Bandcamp, aber auch den Streamingportalen vor. Für die schönen Augenblicke. Könnte man nicht nur, sollte man vor allem.

Externe Links:

Mikkhttps://mikkmusik.com/

Mikk (Facebook)https://www.facebook.com/mikkmusik/?locale=de_DE

Mikk (Instagram)https://www.instagram.com/mikkmusik/

Slavinski (Facebook) https://www.facebook.com/p/Slavinski-100071333320962/

Slavinski (Instagram)https://www.instagram.com/slavinski_music/

NUNhttps://nun.cafe

Tonspur Nr. 32: Tom Mess „Ford“

Tonspur Nr. 32: Tom Mess „Ford“

Tom Mess "Ford"
Tom Mess „Ford“
  • Gloria
  • Old Shine
  • Rain
  • Just Hell
  • I want to forget
  • Half empty heart
  • Last round
  • Distillers friendly
  • Good for now
  • Grey and blue
  • Bourbon Hills
  • Weak Knees
  • Almost Done
  • Barmirror

Das Album „Ford“ von Tom Mess stammt aus dem Jahr 2014. Mit einem Blick zurück schlüsselt sich hier die Entwicklung auf, die die Band im Laufe der Jahre gemacht hat. Damals noch stark als Soloprojekt definiert, wurden die Stücke vor allem von der Persönlichkeit des Sängers Thomas Hauf geprägt. Mit seiner rauen und kräftigen Stimme gibt er den Stücken jenen kantigen Charakter, den er beibehalten hat.

Stark orientiert an der amerikanischen Singer- und Songwriter-Tradition sind die Songs transparent instrumentiert. Damit auf ihr Optimum reduziert. 

In ihrer ausgeruhten Erzählweise tauglich für Lagerfeuer und kleine Bühnen. Dabei wechseln sie sich locker ab mit rockigen, elektrisch verstärkten Weisen, die in der Scheune zum wilden Tanz auffordern. Gerne auch in einem Tempo, in dem man das Gaspedal einfach mal runter drückt und die Straße frisst.

Tom Mess legte damit einen Weg fest, den er bis heute weiter verfolgt, der so aber auch sein aktuelles Repertoire tauglich macht für kleine, wie große Locations. Mit „Ford“ lieferte er ein Album ab, das immer noch eine Entdeckung wert ist. In seinem Grundton den kleinen, verschrobenen Storys verpflichtet, suggerierte es schon die breite Leinwand .Den großen Horizont für die Western, die nicht nicht in Hollywood produziert werden, aber die besseren Bilder haben. 

Er zeigte mit „Ford“, das er zu jenen gehört, die die das Genre lieben, aufgesaugt haben, die Authentizität voran stellen und das Ding trotzdem noch so lässig durchziehe . Man könnte die Produktion – würde man nicht sehr genau hinschauen – irgendwo in den Staaten ansiedeln. Als hätte er sein ganzes Leben nichts anderes aufgesaugt, und wollte nun, gereift und aus dem Refugium der harten Gitarren kommend, dem Country die Rundungen abschleifen. 

Wer sich für das weite Spektrum des Americana-Sounds interessierte, sollte sich die Reise durch das Oeuvre von Tom Mess gönnen. Es macht Spaß zu sehen, wie die Dinge reiften, und wie der Enthusiasmus der frühen Jahre zum Sound der letzten Produktion führte.

Externe Links:

Tom Mess (Bandcamp) – https://tommess.bandcamp.com

Tom Mess (Instagram) – https://www.instagram.com/dont_mess_with_tom_mess/

Tonspur Nr. 31: Tom Mess „Pretty Messed“

Tonspur Nr. 31: Tom Mess „Pretty Messed“

Tom Mess - Pretty Messed
Tom Mess – Pretty Messed
  • Chord Sherpa
  • Nothin’ Gold
  • Out of the Blue
  • This Trap
  • Troubled Head
  • Cast in Conrecte
  • Liquor Hand
  • Turn on a Dime
  • `bout leavin`
  • Two Sparks

Wenn die Legende stimmt, dann spielte Tom Mess vor vielen Jahren mal Hardcore/Punk mit der Band Madstateworld. Davon wird man in den aktuellen Veröffentlichungen nichts mehr finden. Mittlerweile ist Tom Mess ein sehr authentischer Vertreter der Americana Richtung. Americana steht hier im besten Sinne für jene Richtung, die sich bemüht die gemeinsamen Wurzeln der Countrymusik wieder zu beleben. Jene Mixture, die klare Bezüge zum amerikanischen Folk, aber auch den Nebenlinien aus dem ursprünglichen Blues des Südens hat.

Auf „Pretty Messed“ hört man dann auch genau die kraftvolle Mischung, die zu seinem Markenzeichen wurde. Ehrlich, handgemacht, geradeaus vorwärts, aber melancholisch genug, wenn es sein muss. Mit all den Bildern, die von Wüste, Staub und Straße erzählen. 

Tom Mess hat dabei die Stimme – und das Songwriting – die Stücke auf den Punkt zu bringen. Als ob er in einem vergessenen Dorf, am Rande der Appalachen aufgewachsen wäre, klingen seine Songs nach Benzin, verschneiten Bergen, und langen Ausritten. Da sieht man die Jungs mit den engen Jeans an den Tankstellen und die endlosen Wege durch die Nationalparks. 

Eine Reise, die mit „Pretty Messed“ bestimmt nicht ihren Abschluss gefunden hat, aber einen ihrer Höhepunkte.  Gäbe es in Deutschland eine Welle wie in den skandinavischen Ländern, wäre er einer der bekanntesten Vertreter. Dort feiert momentan „Nordicana“, eine Variante sehr ursprünglicher Countrysongs so große Erfolge, dass man deren MusikerInnen bereits nach Amerika einlädt.

Tom Mess scheut sich nicht vor der sentimentalen, berührenden Weise der Richtung, setzt die Pedal-Steel-Guitar gerne ein, auch das Duett mit einer weiblichen Stimme, und erreicht dadurch aber genau jenen Punkt der Seele, der den Stoff liebt, ihn feiert und immer mal wieder hervor holen wird.

So rund wie das Album ist, so bündig es klingt,  und so zielgerichtet und klar, wie es versucht die ehrlichste, kantigste Seite des Genres zu verkörpern, so gerne landet es immer wieder auf dem Spieler. Weil es einfach funktioniert und zu den besten Sachen gehört, die wir hier in der Region haben. 

Tom Mess - Pretty Messed
Tom Mess – Pretty Messed

Externe Links:

Bandcamp – https://tommess.bandcamp.com

Instagram – https://www.instagram.com/dont_mess_with_tom_mess/