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Schlagwort: Americana

Tonspur Nr. 31: Tom Mess „Pretty Messed“

Tonspur Nr. 31: Tom Mess „Pretty Messed“

Tom Mess - Pretty Messed
Tom Mess – Pretty Messed
  • Chord Sherpa
  • Nothin’ Gold
  • Out of the Blue
  • This Trap
  • Troubled Head
  • Cast in Conrecte
  • Liquor Hand
  • Turn on a Dime
  • `bout leavin`
  • Two Sparks

Wenn die Legende stimmt, dann spielte Tom Mess vor vielen Jahren mal Hardcore/Punk mit der Band Madstateworld. Davon wird man in den aktuellen Veröffentlichungen nichts mehr finden. Mittlerweile ist Tom Mess ein sehr authentischer Vertreter der Americana Richtung. Americana steht hier im besten Sinne für jene Richtung, die sich bemüht die gemeinsamen Wurzeln der Countrymusik wieder zu beleben. Jene Mixture, die klare Bezüge zum amerikanischen Folk, aber auch den Nebenlinien aus dem ursprünglichen Blues des Südens hat.

Auf „Pretty Messed“ hört man dann auch genau die kraftvolle Mischung, die zu seinem Markenzeichen wurde. Ehrlich, handgemacht, geradeaus vorwärts, aber melancholisch genug, wenn es sein muss. Mit all den Bildern, die von Wüste, Staub und Straße erzählen. 

Tom Mess hat dabei die Stimme – und das Songwriting – die Stücke auf den Punkt zu bringen. Als ob er in einem vergessenen Dorf, am Rande der Appalachen aufgewachsen wäre, klingen seine Songs nach Benzin, verschneiten Bergen, und langen Ausritten. Da sieht man die Jungs mit den engen Jeans an den Tankstellen und die endlosen Wege durch die Nationalparks. 

Eine Reise, die mit „Pretty Messed“ bestimmt nicht ihren Abschluss gefunden hat, aber einen ihrer Höhepunkte.  Gäbe es in Deutschland eine Welle wie in den skandinavischen Ländern, wäre er einer der bekanntesten Vertreter. Dort feiert momentan „Nordicana“, eine Variante sehr ursprünglicher Countrysongs so große Erfolge, dass man deren MusikerInnen bereits nach Amerika einlädt.

Tom Mess scheut sich nicht vor der sentimentalen, berührenden Weise der Richtung, setzt die Pedal-Steel-Guitar gerne ein, auch das Duett mit einer weiblichen Stimme, und erreicht dadurch aber genau jenen Punkt der Seele, der den Stoff liebt, ihn feiert und immer mal wieder hervor holen wird.

So rund wie das Album ist, so bündig es klingt,  und so zielgerichtet und klar, wie es versucht die ehrlichste, kantigste Seite des Genres zu verkörpern, so gerne landet es immer wieder auf dem Spieler. Weil es einfach funktioniert und zu den besten Sachen gehört, die wir hier in der Region haben. 

Tom Mess - Pretty Messed
Tom Mess – Pretty Messed

Externe Links:

Bandcamp – https://tommess.bandcamp.com

Instagram – https://www.instagram.com/dont_mess_with_tom_mess/

Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026

Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026

Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026
Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026

Ein Erzähler, ein Verkünder der kurzen Geschichten, aber vor allem jemand, der den erdigen Blues mit dem feiner Country-Attitüde in sich vereinigt und wiedergibt. 

All das ist Johnny Dowd, doch auch jemand, der als Legende gelten darf, wenn er auf seinem Stuhl Platz nimmt, fast hinter seinem Notenblatt verschwinde und mit rauchiger, knarziger Stimme zu singen beginnt. 

Johnny Dowd spielt die Gitarre, als müßte er sie bändigen, aber auch als hätte er schon mit ihr geschlafen, während alle Epigonen und Nachfolger nach der Milch verlangten.

Begleitet von Will Sexton am Banjo und Amy Lavere am Bass, sowie Jennifer Dowd an den Drums, verwandelte er das KOHI in einen Salon am Rande der Sümpfe. 

Mit der Ruhe eines Menschen, der viel, wenn nicht sogar fast alles, erlebt hat, teilte er seine Geschichten über die Straße, die Begegnungen, die gescheiterten Beziehungen und Flucht vor dem Leben, dem Gesetz und dem ganzen Rest. 

Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026
Johnny Dowd and the Human Shields im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 07.03.2026

Kleine Mörderstorys, die schwarz und düster in einfacher, akzentuierter Sprache etwas wieder aufleben ließen, was zwischen Bars und billigen Romanen geboren wurde.

Umrahmt von der klaren Stimme Amy Laveres, dem virtuosen Spiel Will Sextons, wurden seine Songs in ihren besten Parts veredelt und in den dunkelsten Tiefen zu faszinierenden, vielschichtigen Erlebniswelten. 

Johnny Dowd machte nicht viele Worte, brachte alles auf den Punkt und meißelte glasklar die Lyrics daraus .Ging dabei so gnadenlos wie nur möglich mit sich selber um. 

Liess sich alle Zeit der Welt. Nutzte den Blues mit Kraft und Würde. 

Mit Will Sexton und Amy Lavere, aber auch mit der gelassenen Unterstützung von Jennifer Dowd, entstand eine Besetzung, die man ihm nicht hätte besser wünschen können. 

Das Zusammentreffen guter Handwerker, schöner Stimmen (Will Sexton hat eine fantastische Soulstimme. Hätte man gerne mehr gehört), liess etwas entstehen, was wie ein Blaupause für alle jene wirken darf, die mal so richtig im Delta  des Mississippis nach den Wurzeln graben möchten.   

Johnny Dowd taugt hier als Fährtenleser. Ein Recke, der mit einer ureigenen Lässigkeit, das alles vereinnahmte, was die amerikanische Musiktradition hergab. 

Eine Reise von Nashville nach New Orleans mit jenen Abstechern, die auf der Strecke möglich sind. Man möchte sich ihn als Hobo vorstellen,  zwischen den Waggons sitzend und spielend. Auf jeden Fall mit jedem Stoff, der angeboten wurde. Flüssig oder wie auch immer.

Spielte er einen Song aus seinen anderthalb Jahren in Berlin, wo er zur Verteidigung der westlichen Freiheit stationiert war, dann wirkte es, als ob er die Gitarre rückwärts anging, die Hippies faszinierte, und die Nymphen zu einem verklärten Tanz verführte.

Er meinte verschmitzt, es seien wilde Jahre gewesen. Glaubhaft in jedem Moment, aber vor allem, in der wohligen Trägheit, die die meisten Songs auszeichnete. 

Amy Laveres Stimme ist der engelsgleiche Zuckerguss, der sich wie eine schützende Hand über das raue Timbre von Johnny legte. Sang sie eigene Songs, bekam man eine Ahnung, was man bisher verpasst hat. Es dürfte sich lohnen, sie zu entdecken. 

Spielte Will Sexton, so hatte man dein Eindruck, er steht mit seinem Instrument auf, geht damit abends wieder schlafen und nimmt es in jede Bar. Vollkommen unmöglich, dass es sich anders verhält. Wahrscheinlich kann er damit auch Feuer machen und Wölfe jagen. Alles drin. 

Jennifer Dowd war so etwas wie der ruhende Pol. Unaufgeregt, mit stoischer Gelassenheit, blieb sie bei der Arbeit an den Percussions und Drums im Hintergrund. Akkurat, mit dem größten Understatement überliess sie die Solos ihren Kollegen und gab das Fundament und den Takt für den gelungenen Abend.

Man möchte Johnny Dowd noch viele Abende mit dem Human Shield wünschen, vor allem eine ausverkaufte Tour. Authentischer bekommt man den Stoff momentan nicht. Und das will etwas heißen.

Externe Links:

Johnny Dowd – https://www.johnnydowd.com

Amy Lavere – https://amylavere.com

Will Sexton – https://www.instagram.com/willsextonmemphis/

KOHI – https://kohi.de

Musik aus der Ladenecke (Teil 39) mit Pete Jay Funk „Perfect Cloudy Day“ (Youtube – Nearly Unplugged Konzert)

Musik aus der Ladenecke (Teil 39) mit Pete Jay Funk „Perfect Cloudy Day“ (Youtube – Nearly Unplugged Konzert)

Musik aus der Ladenecke (Teil 39) mit Pete Jay Funk und Oliver Grauer
Musik aus der Ladenecke (Teil 39) mit Pete Jay Funk und Oliver Grauer

Bekannt ist er als Sänger und Kopf der Band „No Sugar, No Cream“: Pete Jay Funk hat ein Solo-Album veröffentlicht, das in wieder mal als kreativen Americana-Songwriter zeigt. Spröde, sanft vorgetragene Songs, die in dem Video-Format (YouTube, siehe unten) durch gutes Handwerk und einer geradezu intimen Atmosphäre überzeugen können.

Zusammen mit Oliver Grauer am Bass präsentieren die beiden Musiker einen Auszug aus dem Programm, dass auch am 12.03 im Tollhaus vorgestellt werden wird. Dort allerdings mit kompletter Band und Besetzung, wie sie auch auf dem Release zu finden sind.

Das Format „Musik aus der Ladenecke“ ist ein Kind der Corona-Pandemie und damit ein Überbleibsel aus der Zeit, in der solche Auftritte zum Überleben der Kunst notwendig waren. Aufgenommen im Laden Zwei, in der Goethestraße, präsentieren Sandie Wollasch und Rolf Ableiter MusikerInnen aus ihrem Umfeld und Bekanntenkreis. Damit bieten sie einen Raum für neue Interpretationen und kleine, akustische Perlen an, die ein bißchen zwischen den bekannten Tinydesk- und Unplugged-Konzerten angesiedelt sind.

Pete Jay Funk weiß das zu nutzen – sind seine Stücke doch melancholische Erzählungen aus seinem Leben, die in der kargen Instrumentierung einen rauen, aber angenehm abklärten Charme entwickeln. 

Die Liebe zu einer Musik, die mit dem Country die Dramatik teilt und mit dem Folk die Freiheit verschiedenen Einflüsse zulässt, geben Pete Jay Funk eine Basis, auf der er zu erzählen weiß. Und das tut er, mit einer Ruhe, die Vergleiche nicht zu scheuen braucht.

Produziert wurde das alles von einem großen Kenner des Oeuvres von Leonard Cohen (Rolf Ableiter), der sicherlich zu der Authentizität des Werkes beigetragen hat.

Externe Links:

YouTube Link zum Video – https://youtu.be/SkoQB3uIz8k?si=n82WivADWX8Ts3w0

Laden Zwei – http://www.ladenzwei.com/

Pete Jay Funk – https://www.petejayfunk.com

Kendall Lujan im NUN, Kulturraum am 20.02.2026

Kendall Lujan im NUN, Kulturraum am 20.02.2026

Kendall Lujan im NUN in Karlsruhe  am 20.02.2026
Kendall Lujan im NUN in Karlsruhe am 20.02.2026

Es ist im NUN nicht ungewöhnlich, dass Gäste, die schon einmal die Atmosphäre genossen haben, gerne wieder zurück kommen. So gehört auch Kendall Lujan aus Portland, Oregon, zu jenen, die schon vor zwei Jahren – bei ihrer letzten Tournee zur Veröffentlichung Ihres Albums „Lucky Penny“ – vor Ort waren und natürlich wieder einen Stop in Karlsruhe einlegten. 

Es ist fast schon eine gute Tradition, dass die Konzerte von Kendall für ein ausverkauftes Haus sorgten und das kleine NUN bis zum letzten Sitzplatz (vor und hinter der Bühne) gefüllt war. 

Zur Präsentation ihres neuen Albums „My heart needs love“ , das wieder mal sowohl auf CD – wie auch in der Vinyl-Version erhältlich ist – brachte sie eine komplette Band, bestehend aus Schlagzeug, Pedal-Steal-Guitar, Bass und sich selbst an Gitarre und Gesang, mit. 

An der Instrumentierung mag die Richtung schon erkennbar sein. So gehört auch Kendall Lujan zu jener jungen Generation Singer-/SongwriterInnen, die Country und amerikanischen Folk in einer Richtung spielen, die Elemente aus den unterschiedlichsten Richtungen einfliessen lassen. 

Das macht es leicht, hier Americana als Label zu verwenden, doch muss man Kendall Lujan eine ganz eigene, unabhängige Interpretation zugestehen. Mit einer romantischen Neigung zu einer ironischen Betrachtung, und einer kunstfertigen Instrumentierung, sowie einer erstaunlichen Stimme gesegnet, erlaubte sie sich einen sehr spielerischen und einnehmenden Umgang mit den Bildern, die Country einfach mal so erzeugen kann.

Kendall Lujan im NUN in Karlsruhe  am 20.02.2026
Kendall Lujan im NUN in Karlsruhe am 20.02.2026

Kendall Lujan bewies mit Charme und beeindruckender Natürlichkeit, dass sie – trotz der durchaus melancholischen Pedal-Guitar – dem Rock’n’Roll frönen kann. Im Zusammenspiel mit einer sehr detailliert spielenden Band, die in ihren Feinheiten verflixt gutes Teamwork und eine Menge Kenntnisse verriet, offenbarte sie ein Stimmvolumen in ihren Songs, dass unbedingt erwähnt werden muss. Kendall Lujan schreibt nicht nur gute, durchaus eingängige Songs, die einen Wiedererkennungswert enthalten – sie bewies sich auch als deren beste Interpretin. 

Nach zwei Jahren neigt man zur Überprüfung. Kendall Lujans Konzert hatte sichtbar an Professionalität gewonnen. Ihre MitmusikerInnen schufen ein griffiges, sattes Arrangement, das bündig und atmosphärisch von den Wurzeln der Musik zeugte, die Authentizität hervorhoben und Portland, Oregon als Ort darstellte, der Klischees, Tradition und Eigensinn zu kreativen Bild verwoben.

Kendall Lujans Band hat keinen Namen. Braucht sie auch nicht. Dennoch offenbart sich in dem filigranen Spiel des Schlagzeugs eine ganz eigene Persönlichkeit, die mit der Steel-Guitar und der Stimme Kendall einen prägenden Sound erzeugte. Live dargeboten in einer Transparenz, die lobenswert klar und solide daher kam.

Es war das zweite ausverkaufte Konzert im NUN in diesem Jahr, damit ein guter Einstieg in die neue Saison, aber vor allem auch Zeugnis davon, das die Richtung stimmt, das Konzept funktioniert und die Qualität verlässlich ist. Kendall Lujan war ein guter Teil davon.

Kendall Lujan im NUN in Karlsruhe  am 20.02.2026
Kendall Lujan im NUN in Karlsruhe am 20.02.2026

Externe Links:

Kendall Lujan – https://www.kendalllujanmusic.com

NUN – https://nun.cafe