Larkin Poe im E-Werk, Köln am 26.10.2025 (Support: Son Little)

Larkin Poe im E-Werk, Köln am 26.10.2025 (Support: Son Little)

Larkin Poe im E-Werk, Köln, 26.10.2025
Larkin Poe im E-Werk, Köln, 26.10.2025

Das Erste was auffĂ€llt: Köln ist anders. Ist man es gewohnt mal locker leine halbe Stunde vor dem Einlass zu erscheinen, so steht mann der Schlange des E-Werks schon tapfer eine Stunde zuvor. Es stĂŒrmte, die Absperrung flatterte, und schon der ganze Tag fĂŒhlte sich nach Winter an. Über die Stadt rauschte eine kalte Brise.

Es gibt diese bekannten Drei-StĂ€dte-Tourneen. Eher gedacht als Promotion als tatsĂ€chlich Tour besuchen viele angloamerikanischen KĂŒnstlerInnen gerade mal Berlin, Köln und MĂŒnchen. 

Karlsruhe, Mannheim, der komplette Rhein-Neckar-Raum bleibt da außen vor.

Larkin Poe kamen nach Köln. GeschĂ€tzte 100 Meter schlĂ€ngelten sich die Menschen am E-Werk entlang. Das E-Werk liegt etwas abseits, am Rande von MĂŒhlheim. In einem sich wandelnden Industriegebiet ist es eine der kulturellen Inseln, die versprechen, dass dieser Stadtteil Potential hat und Entwicklung zeigt. Geht seit einigen Jahren so, große Acts landen hier. 

Tom Odell schon vor einiger Zeit  in genau dieser Location gesehen. Mit Empore und einer großen BĂŒhne gleicht es von Ausstattung und GrĂ¶ĂŸe z.B. dem Rockefeller in Oslo.

Die Schwestern Rebecca und Megan Lovell sind so etwas wie die junge Hoffnung im Blues. Im Southern Rock angesiedelt, beherrschen sie die Gangart des stampfenden Blues, die knackigen Solis und traditionellen Spielweisen. GenerationsĂŒbergreifend. So setzte sich dann auch das Publikum zusammen. Alle Altersklassen warteten vor der Halle.

Kann man vereinfacht sagen: AuthentizitĂ€t und Engagement auf den Sozialen Medien bringen Larkin Poe gleichermaßen voran.

Son Little im E-Werk, Köln, 26.10.2025
Son Little im E-Werk, Köln, 26.10.2025

Zuvor jedoch Son Little. Son Little, eigentlich Aaron Earl Livingston, hat die Stimme, den Soul und die Ruhe den Blues in eine gemeinsame Mixture in Richtung Jazz zu fĂŒhren. Vorgetragen mit der VerstĂ€ndnis fĂŒr den klassischen Sound, wie ihn die großen Stimmen vor ihm geprĂ€gt hatten, gab er dem Blues eine Retro-Note und den Stoß zu einer Reise in die Besten aller Zeiten. 

Begleitet von einem Keyboard, das den bekannten Klang zwischen der Wanderung in die Gefilden des Rock, aber auch die Tiefe in den Bars und Tanzcafes prĂ€gte. Dabei formte er aus aus der WĂ€rme seines Vortrags eine schmeichelnde Basis fĂŒr eine Art Geschichte, von der man sich nur allzu gerne verfĂŒhren ließ. 

Son Little ist einer jener ruhigen Songwriter, die den Wurzeln verpflichtet sind.  Machen aus dem, was sie – und wir – kennen,  etwas Neues, sehr eigenstĂ€ndiges. 

Sein Vortrag machte Staunen, seine Spielweise, unterstĂŒtzt nur von Drums und Keyboard, zitierte leichtfĂŒssig die Geschichte. Ohne seine Unverkennbarkeit zu verlieren.

Eine jener Vorbands, die man nicht missen möchte,. Dann als Entdeckung mit sich rumtrÀgt . Von der man gerne berichtet. Tauglich. Gesucht, auf das er mal eigene Konzerte gibt.

Larkin Poe hatten mit Son Little einen guten Geschmack und eine gute Auswahl bewiesen. Die beiden Schwestern machen SĂŒdstaat Rock’n Roll. Tief im Blues verwurzelt. In der Stimmung immer nahe am Sumpf und dem klaren Spiel ihrer Gitarren verpflichtet. 

Die Posen gut gewĂ€hlt, die Riffs gekonnt angerissen, nahmen sie BĂŒhne im Sturm. Zwar sind Rebecca und Megan die Frontfrauen, halten mit E- und Lap-Steelguitar das Ding am Laufen, aber begleitet wurden sie von einem Keyboarder, einer Bassgitarre, sowie dem unverzichtbaren Schlagzeug. 

Der Sound satt, fett und gut geformte, prĂ€sentierte sie in gewohnter QualitĂ€t. Nahe am Album, von Improvisationen und Solis geprĂ€gt.  Nichts wurde vermisst. 

Das letzte Album „Bloom“  strotzte vor Selbstsicherheit.  Dem frechen, VerstĂ€ndnis , sowie einer Kraft, die sich aus dem 15 jĂ€hrigen Weg dahin ergab. 

EinflĂŒsse aus den verschiedensten Spielarten des Americana ( Bluegrass, Country und Country-Swing ) zeigten sich dann auch in einem ausgedehnten Akustik-Set, das mit Mandoline, Banjo und Megans Steelguitare eine der Höhepunkte darstellte. 

Weit weg vom Blues, eher in den Appalachen angesiedelt, prĂ€sentierten sie ihre Herkunft, die Wurzeln ihres Spiel und einen Chorgesang, wie man ihn im Umfeld von Nashville kennt. 

Larkin Poe sind die Erben und Wegbereiter eines Bluesrock, der stampfend seine Herkunft in den SĂŒdstaaten ausspielt, aber alles mitnimmt, was in den letzten 50 Jahren passierten. Alles aufbereitet. Eine neue, unverkennbare FĂ€rbung einfließen lĂ€sst.  Angerichtet und vorgetragen mit einem LĂ€cheln und einer bestimmenden weiblichen Note. 

Das Album „Bloom“ stellt den Höhepunkt einer langer Entwicklung dar. Vor einer geblĂŒmten, mit Pflanzen geschmĂŒckten BĂŒhne, prĂ€sentierten sie ein rundes, rockiges Konzept, das stimmig mit den Klischees spielte, die Eckpunkte festlegte und mit einem LĂ€cheln lĂ€ssig prĂ€sentiert wurde. „Larkin Poe“ spielen einen sauberen, geraden Blues, der das Publikum mitnahm, den Rock’n’Roll feierte und den SĂŒden in den Winter holte. Mehr als genug fĂŒr einen gelungenen Abend.

Jupiter Flynn im NUN, Karlsruhe am 25.10.2025

Jupiter Flynn im NUN, Karlsruhe am 25.10.2025

Jupiter Flynn und Phil Adam im NUN, Kulturraum. am 26.10.2025
Jupiter Flynn und Phil Adam im NUN, Kulturraum. am 26.10.2025

Das NUN hat eine sympathische Sonderstellung in Karlsruhe. TatsĂ€chlich vermisse ich die AtmosphĂ€re, Ruhe und kleinen Konzerte, wenn es lĂ€ngere Zeit TerminĂŒberschneidungen mit anderen Events gab.

Und ich es zu selten besuchen konnte.

Scheint nicht nur mir so zu gehen. Auch Jupiter Flynn trat wiederholt im NUN auf. Voll des Lobes fĂŒr das Team, die Gestaltung und den Abend.

Jupiter Flynn ist eine junge Songwriterin, deren Biografie mit den verschiedensten Orten gespickt ist – geboren in Amsterdam, aber dann taucht auch noch Tokio, Sydney, New York und Frankfurt auf. Und natĂŒrlich Berlin fĂŒr das DebĂŒt-Album „Moon“ (produziert von Pola Roy, dem Schlagzeuger von „Wir sind Helden“). So bunt und so farbig diese Eckdaten klingen, so ruhig, zurĂŒckhaltend und angenehm prĂ€sentierte sich die KĂŒnstlerin.

Jupiter Flynns Songs sind kleine ErzĂ€hlungen, die scheinbar aus dem Alltag, dem Gewöhnlichen die Essenz herausbrechen, den GefĂŒhlen einen Raum geben und einen Ausdruck verleihen. 

Immer verbunden mit einer Einleitung, begleitet von der E-Gitarre Phil Adams, spielen ihre Songs in der Zeit und der Welt der Datings, enttĂ€uschten Beziehungen, glĂŒcklichen Verbindungen und allem, was dazwischen liegt.

Im Gesang dem Pop zugewandt, der Leichtigkeit englischer Kompositionen folgenden, trug sie zur akustischen Gitarre ihr Set fast unpluggend vor. WĂ€ren da nicht die akzentuierten rockigen AnklĂ€nge von Phil, die vo allem durch ihr klares Spiel ĂŒberzeugten. 

Nichts sonst war notwendig, auch wenn ihre Songs auf den Veröffentlichungen (Auch auf Music-Casstte ! ) von einer Band begleitet werden.

Jupiter Flynn bewegt sich mit ihren Songs in den Fußstapfen großer Namen, nimmt sich Zeit und Muse fĂŒr die RĂŒckbesinnung, dem Fazit und der Betrachtungen. Songs, die sich einschleichen, wenn man gar nicht mehr damit rechnet, und in ihrer Stille auf ein lauschendes Publikum trafen. 

Im Nachhallen zeichnet sich ab, dass ihre manchmal fast spröd-anrĂŒhrenden Songs in der EnttĂ€uschung und Wut ĂŒber rĂ€tselhafte Beziehungen und deren Ende, manchmal die energiereichsten und farbigsten Werke sind.

Die Zugabe, ein wenig frĂŒher als geplant  ohne VerstĂ€rkung, innerhalb des Publikums, wĂ€hrend dieses im Chor mitsang, zeigte nicht nur die Sympathie, die ihr entgegen kam, aber vor allem die Kommunikation mit diesem. Beherrschte sie ohne Zweifel. Bescherte schöne Minuten. 

Es ist das Kapital des NUN eine AtmosphĂ€re zu schaffen, in der Raum bleibt fĂŒr zurĂŒckhaltende, handwerklich reiche, aber in Ton und AusfĂŒhrung ruhige Konzerte. Ein Platz, den Jupiter Flynn zum zweiten Mal zu nutzen wußte, und mit Stimme und Vortrag ĂŒberzeugte. Sehen wir wieder. Sicher.

Externe Links:

Jupiter Flynn auf Instagram – https://www.instagram.com/jupiterflynnn/?hl=de

NUN –https://nun.cafe

Black Sea Shipping Company im Tempel, Karlsruhe am 24.10.2025

Black Sea Shipping Company im Tempel, Karlsruhe am 24.10.2025

Die Black Sea Shipping Company am 24.10.2025 im Tempel
Die Black Sea Shipping Company am 24.10.2025 im Tempel

GÀbe es diesen Begriff Klezmer-Fusion,  (und wÀre Klezmer nicht sowieso eine Vermischung der wildesten Stile), dann möchte man die Black Sea Shipping Company eine Klezmer-Fusion-Band nennen. Aber Genres sind Schall und Rauch. SpÀtestens dann hinfÀllig, wenn eine Entwicklung stattfindet.

Die Black Sea Shipping Company spielte im Tempel. Es muss die gut funktionierende Mundpropaganda sein, die aus dem Gemisch aus Social-Media, Tagespresse und  Newsletter entstanden ist, die der Band mittlerweile eine stabile Publikums-Basis verschafft. 

Mit einer Melange, die einiges verbindet – vor allem aber Rhythmen aus dem Balkan, jĂŒdische Musik und StĂŒcke aus dem Französischen – fĂŒhrt die Black Sea Shipping Company die Tanzenden in Songwelten, die viel zitiere und sich an manches anlehnen.

Der Tempel, alle StĂŒhle beiseite gerĂ€umt, die FlĂ€che frei, bot damit den richtigen Ort zur richtigen Zeit. 

Das war eine ganze Menge Swing, eine Verwandtschaft zum Ska und das raue Spiel des Delta-Blues. Der Einfluss ganz unterschiedlicher Richtungen mag auch aus der Instrumentierung folgen. So ist die Band, ausgestattet mit Geige, Saxophone (aber auch Klarinette und Querflöte), sowie Bass und Banjo, und Gitarre, – nicht zu vergessen  – Drums, vielseitig und in manchen Genres zu Hause. 

Alles einend bleibt Klezmer das grundlegende Element. Doch wie schon erwÀhnt: Klezmer ist eine sich wandelnde Richtung, immer auf der Reise, immer Wirrungen, Reisen und den unterschiedlichsten Strömungen ausgesetzt.

Im Tempel zeigte sich die Black Sea Shipping Company in einem wachsenden Selbstbewusstsein. Stilsicher im Repertoire konnte sie daher auch charmant damit umgehen, dass der Steg des Kontrabass mit einem Schlag plötzlich umkippte, eine Pause nötig war, aber kurz darauf nahtlos die Stimmung gehalten wurde.

Es ist ein Wiedersehen und ein Treffen. Lauschte man den Anwesenden, so folgen sie ihnen durch die Veranstaltungsorte von Konzert zu Konzert, kannte sie von jenem Abend und tauschten Anekdoten von einem Anderen.

In Struktur und Zusammensetzung waren die Besuchenden Ă€hnlich vielschichtig wie die Zusammenstellung der Songs. Jung, Alt, bunt gemischt, begeistert vom Walzer, verliebt in den Swing, ausgelassen bei den rockigen AusflĂŒgen, und offen fĂŒr alles was auf der BĂŒhne passierte. 

Die Black Sea Shipping Company befindet sich auf ihrem guten Weg zu expandieren und weitere GewÀsser und BinnenhÀfen zu erobern. Man darf gespannt sein.

Am 10. Januar 2026 treten die Black Sea Shipping Company mit Dobranotch im KOHI, Karlsruhe auf !

Externe Links:

Black Sea Shipping Company – https://www.blackseashippingcompany.de

Tempel, Karlsruhe – https://www.kulturzentrum-tempel.de

Dobranotyh – https://dobranotch.com/english.html

KOHI – https://kohi.de

Ein Jahr Jazznrhythm.com ! – Zeit fĂŒr einen RĂŒckblick

Ein Jahr Jazznrhythm.com ! – Zeit fĂŒr einen RĂŒckblick

Am 15.Oktober 2025 wurde jazznrhythm.com in der aktuellen Version 1 Jahr alt. TatsĂ€chlich jedoch gibt es die Domain allerdings schon viel lĂ€nger. Der richtige Zeitpunkt also, ein bißchen etwas darĂŒber zu erzĂ€hlen.

In regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden frage ich die diversen KĂŒnstlichen Intelligenzen im Internet ab, was an der Seite fehlt oder verbessert werden könnte. GrundsĂ€tzlich sind die Antworten der KI, wie gewohnt, sehr wohlwollend und positiv, aber Kritik taucht ebenfalls auf: hinsichtlich der MenĂŒstruktur, aber auch in die erkennbare Ausrichtung der Seite. 

Was dann heißt: Die MenĂŒstruktur sollte kleiner und ĂŒbersichtlicher sein, und auf der Seite sollte sich – wenn möglich – mehr informationen ĂŒber den Background und die Motivation finden.

Nach einem Jahr versuche ich nun eine Bilanz der Seite in der Form einer FAQ (Frequently Asked Questions – HĂ€ufig gestellte Fragen) aufzubereiten. 

Wie alt ist jazznrhythm.com tatsÀchlich?

jazznrhythm.com wurde als Domain im Jahr 2002 registriert. Ist damit also fast 24 Jahre alt. UrsprĂŒnglich nutzte ich die Domain fĂŒr eine Art Blog, der sich ziemlich ziellos um möglichst Popkulturelle Themen, hauptsĂ€chlich Musik, beschĂ€ftigte. Da ich Jazznrhythm auch gerne als Handle bzw. Pseudonym in den sozialen Medien benutzte, war es ein in der Form immer sehr stark mit mir verbunden und individuell geprĂ€gt.

Was bedeutet der Name Jazznrhythm ?

Der Name Jazznrhythm ist ein Kunstwort. Er setzt sich aus drei Wörter zusammen. Übernimmt damit eine Schreibweise, die es auch im Begriff „Rock’n’Roll“ oder „Rhythm’n’Blues“ gibt. „Jazz and Rhythm“ (Jazz und Rhythmus). 

In der Deutung gehen die meisten Menschen davon aus, dass Jazz das vorherrschende Element auf der Seite ist. Das ist jedoch nicht beabsichtigt. Jazz ist eine Farbe und ein Stil, der sicherlich am meisten Freiheit und Möglichkeiten der Interpretation  und Spielweise erlaubt. 

Allerdings wollte ich, damals als ich den Namen wĂ€hlte, einen Bezug zu Pop-Jazz, Acid Jazz und den ganzen Randerscheinungen aufzeigen. Da Acid-Jazz aber im Grunde keine wirkliche Richtung war, sondern eher eine Art Retro-Soul mit Jazz-Elementen (und vielen weiteren Verweisen) ist, ging es mir darum, ein möglichst breites Spektrum zu schaffen, dass es mir erlaubt alle Genres mit einzubinden. 

Jazznrhythm steht also nicht (nur) fĂŒr Jazz, sondern fĂŒr alles, was möglich ist und in irgendeiner Weise rhythmisch ist.

Gab es außer der Webseite noch andere AktivitĂ€ten mit dem Namen Jazznrhythm?

Das Internet vergisst nicht. Ja, es gab noch andere AktivitĂ€ten. Einige Spuren sind noch zu finden. Unter dem Namen Jazznrhythm veröffentlichte ich einst auf Soundcloud gesampelte Musik, die wahrscheinlich von lediglich drei Leuten gehört wurde. Das Ganze basierte auf einigen Experimenten mit verschiedenen Tools und Tonsplitter, auf die ich mich mit Begeisterung stĂŒrzte. 

Ich bin allerdings in Sachen Musik lediglich enthusiastischer Konsument. Ich spiele kein Instrument, mein Bezug zu Noten und der Musiktheorie ist nicht ausreichend genug, um daran etwas zu Ă€ndern, und ich glaube nicht mal, dass ich ein außergewöhnliches Gehör habe. Meistens stelle ich fest, dass ich mein Leben lang lernen werde und eigentlich nichts weiß.

laut.fm ermöglicht es, dass man einen Radiosender mit seiner Musik erstellt. Eine Zeitlang hat mich dieser Weg fasziniert, und ich habe dort im Zusammenhang mit jazznrhythm.com Playlists zusammengestellt, die rund um die Uhr liefen. 

Das war verlockend interessant, aber nicht lange. laut.fm ist eine faszinierende Plattform mit einem verfĂŒhrerischen  Konzept. Man kann dort sehr einfach Sparten-Sender erstellen, die darauf beruhen, dass man Songs hochlĂ€dt, in eine Bibliothek einfĂŒgt und nach einem Sendeplan abspielt.

Es war ein Experiment, ging nicht lange, und fand dabei nicht die Hörerschaft, die ich mir wĂŒnschte. Einige Adressen im Netz verweisen noch auf den Sender, aber er existiert nicht mehr.

Warum gibt es jazznrhythm.com?

Um es einfach auszudrĂŒcken: Ich schreibe sehr gerne, ich höre sehr gerne Musik.  Das zu verbinden war das Ziel. Mein Musikgeschmack ist breit, oft kurios und in vielen FĂ€llen in meiner Neugierde begrĂŒndet. Manchmal bin ich auf einem Konzert, höre eine Platte und wĂŒrde gerne anderen davon erzĂ€hlen. Weil ich meine, dass die KĂŒnstlerInnen zu wenig Resonanz erfahren oder ein StĂŒck ein „Opfer der Hektik“ ist.

„Opfer der Hektik“ wird es genannt, wenn Songs oder Alben zum falschen Zeitpunkt erscheinen, und einfach ungehört verschwinden. Meine persönlichen Bekannten wissen das, kennen das, aber sind auch leidlich genervt, wenn ich ihnen jede Woche von neuen Namen und Songs erzĂ€hle.  Bleibt also das Internet. Das ist groß und geduldig. 

Das ist der Hintergrund von jazznrhythm.com, aber im Laufe der Zeit haben sich natĂŒrlich noch weitere GrĂŒnde ergeben.

Hast du einen musikalischen Hintergrund? Eine Ausbildung? Bist du Journalist?

Ich habe weder eine journalistische Ausbildung, noch einen musikalischen Hintergrund, auf den ich mich stĂŒtzten kann. Zwar schreibe ich seit Jahren in den verschiedensten Richtungen, aber die Zahl der Ablehnungen wĂŒrden Ordner fĂŒllen. Genauso, wie die Spuren in Tageszeitungen, vergessenen Fanzines und Literatur- bzw. kulturellen Magazinen, im Internet-Archive u. Veröffentlichungen in Anthologien  (unter Pseudonymen) mich wahrscheinlich erstaunen wĂŒrden. Die meisten Veröffentlichungen haben ich vergessen oder in einem Berg Papier begraben.

Als erfolgloser DJ war ich genauso aktiv, wie als Moderator in den sozialen Medien zu ganz unterschiedlichen Themen (Musik, Literatur, Fotografie etc.). Ich arbeitete im pĂ€dagogisch Bereich, in der IT, lernte den Bankkaufmann, verdiente mit IT (in der Administration und Support im medizintechnischen Bereich) und zuletzt als Datenschutzkoordinator in einem großen Forschungszentrum mein Geld. 

Also alles andere als Musik.

Mir wurde eine fĂŒrchterliche Schreibe, ein unverstĂ€ndlicher Stil, aber auch das Gegenteil bescheinigt. Bleibt ein Auf und Ab. Manchmal trifft man mich in Kursen und Workshops fĂŒr AutorInnen. Oft suche ich den Kontakt zur schreibenden Zunft, aber fĂŒr das dicke Buch fehlt mir die Disziplin.

Was ist das Karlsruher Archiv?

Über das Karlsruher Archiv schreibe ich regelmĂ€ĂŸig, aber ich fasse es mal zusammen. Das „Karlsruher Archiv“ ist eigentlich nur ein Arbeitstitel. Im Grunde mĂŒsste es „Karlsruher Musik Archiv“ oder „Karlsruher Band Archiv“ heißen.

Ich bin dabei nur der Chronist. Der Kopf, der das Ding leidenschaftlich am Laufen hĂ€lt, alles sammelt wie ein Besessener ist der geschĂ€tzte Martin Christoph (Tex Dixigas), der mit viel Liebe und einem wahnsinnigen Enthusiasmus seit vielen Jahrzehnten alles anhĂ€uft, was irgendwie mit Karlsruhe zu tun hat. Tex ist Labeleigner, DJ, PlattenhĂ€ndler, Musiker und hat wahrscheinlich schon alles gemacht, was irgendwie mit Musik zu tun hat. Außerdem ist er der Fachmann fĂŒr Lou Reed und Nico. Wirklich DER Fachmann.

Seine Sammlung im Internet abzubilden und öffentlich zugĂ€nglich zu machen, ist das Ziel des Karlsruher Archives. Damit soll eine aktuelle und historische Materialsammlung zur populĂ€ren Musik entstehen. 

Die Grundlage war, dass ich der Meinung war, man mĂŒsste Karlsruhe besser prĂ€sentieren und z.b. die Clubs und Veranstaltungsorte, sowie PlattenhĂ€ndler der Region mal listen. Mittlerweile wird es ein SelbstlĂ€ufer, es geht regelmĂ€ĂŸig Material ein, und wĂ€chst. 

Der Fokus liegt auf Karlsruhe. Wir werden aber exklusives Material aus anderen Regionen selbstverstÀndlich nicht abweisen, wenn es historisch interessant ist. Das Wichtigste am Archiv ist allerdings die Mitarbeit von Allen, die dazu etwas beitragen können. Wirklich jedem, der oder die in Karlsruhe musikalisch aktiv ist oder war.

Wie ist das mit den Podcasts? Die erscheinen unregelmĂ€ĂŸig?

Ja, die Podcast haben keinen regelmĂ€ĂŸigen Termin. Ich bin, was das anbelangt, sehr langsam, hadere mit der Technik und dem Ton. Daher brauche ich immer sehr viel Zeit, um diese vorzubereiten und online zu stellen.

In der Vergangenheit, vor einigen Jahren, lebte ich noch in Heidelberg und etablierte kurz vor Corona eine Webseite und Podcast-Reihe mit dem Titel „Not so urban“. Diese Reihe waren sehr kurze, bĂŒndige Podcasts von ca. 20 Minuten mit Menschen, die sich fĂŒr ein Thema begeisterten und engagierten. Ganz unterschiedliche Bereiche waren dabei vertreten. AutorInnen, Musikerinnen, Alpakafarm-Betreiberinnen und Ă€hnliche. Ich liebte diese Reihe. Leider kam Corona dazwischen. Ich hĂ€tte es online weiterfĂŒhren können, merkte aber bald, das es nicht dasselbe war, mir weniger Spaß bereitete und wĂ€hrend ĂŒberall Podcasts wie Pilze aus dem Boden schoßen, stellte ich die Reihe wieder ein.

Bei dem Thema Podcasts bin ich sehr am Zweifeln, ob es sich um ein nachhaltiges, wichtiges Format handelt. Daher ist es in erster Linie ein unterstĂŒtzendes Medium, dass zur Webseite und Thematik etwas Live-AtmosphĂ€re vermitteln soll. Wie sich das entwickelt, kann ich augenblicklich aber noch nicht sagen. Es wird auf jeden Fall beibehalten und weiter entwickelt.

Wieviele BeitrÀge befinden sich derzeit auf Jazznrhythm.com? Und wieviele Zugriffe hat die Seite?

Es befinden sich aktuell 180 BeitrĂ€ge auf der Webseite. Das „Karlsruher Archiv“ wird, weil es sich um feststehende Seiten handelt, da nicht mitgerechnet. 

Man unterscheidet zwischen BeitrÀge und Seiten. BeitrÀge sind als aktuelle Artikel zu verstehen, die bedingt durch Datum und Zeitbezug irgendwann nach hinten verschwinden. Seiten sind Anteile, die verlinkt und gelistet sind.

Es gibt aktuell 518 Seiten. Diese Seiten enthalten Adressen, Links, Konzerttickets  und – Fotos, sowie weitere Informationen ĂŒber Bands, MusikerInnen und Veranstaltungsorte. 

Die Zugriffe werden zur Zeit nur rudimentĂ€r gemessen. Daher können sie nicht als vollstĂ€ndig und verbindlich betrachtet werden. Ich vermeide den Einsatz von Cookies und Ă€hnlichen Analyse-Tools, die sehr genau auf die Besucher schauen, aber der Zustimmung bedĂŒrfen. Es gibt daher keinen Cookie-Banner. Wahrscheinlich ist das schon aufgefallen. Wie lange das so bleiben kann, weiß ich nicht. Die Einbindung von Fremdinhalten (Musik, Video von Streamingplattformen etc.) wird unweigerlich zu Cookies und dem ungeliebten Banner fĂŒhren.

Die gemessenen Zugriffe (ungeachtet der Roboter von Suchmaschinen und Angriffe durch auslÀndische Server) liegen zwischen 60-100 Zugriffe pro Tag. Das ist, zugegeben, relativ wenig. Nach einem Jahr Betrieb, lediglich durch den Einsatz von Social Media, Mundpropaganda und einem Artikel in der Tagespresse und durch die Begrenzung auf einen regional abgesteckten Bereich, finde ich das persönlich durchaus angenehm. Schnelles Wachstum war nie angestrebt.

Was hat jazznrhythm.com vor?

Die Zukunft ist groß und weit offen. Gewollt ist eine Vernetzung und Übersicht ĂŒber die hiesige und regionale Musikszene. Dabei wird der Kontakt und die Kommunikation mit Aktiven gesucht. Jede/r, der oder die in diesem Bereich tĂ€tig ist, ist als GesprĂ€chspartnerIn gewĂŒnscht. Im Grund wĂ€chst jazznrhythm.com durch die Beteiligung und das Wissen, das dadurch entsteht, aber sich auch dadurch weiter vermitteln lĂ€sst.

Im Normalfall versuche ich Kontakte herzustellen und Fragen zu stellen. Von Zeit zu Zeit gehe ich da zu unbefangen, fast naiv vor. Manchmal drĂ€ngle ich, manchmal nehme ich mir zu viel vor, aber in der Summe geht es immer darum, fĂŒr die Szene eine PrĂ€sentation zu finden und eine Möglichkeit fĂŒr Einzelne einen Überblick zu gewinnen.

Karlsruhe und Umgebung hat eine lange Geschichte mit unglaublich vielen, talentierten Bands. Einiges ist schon von Anderen gut geschrieben, vieles findet sich in den sozialen Medien und wieder einiges verstreut in Wikis. Es geht dabei nicht darum, all das hierher zu transportieren. Das wird auch nicht möglich sein. Eher geht es darum, einen Anlaufpunkt zu bieten, der so gut vernetzt ist, dass alle, die sich darĂŒber informieren wollen, was es gibt, wissen wo sie mit der Recherche anfangen können. Mehr braucht es gar nicht zu sein.

Dabei sind Exponate, Beispiele, Berichte, Anekdoten und Àhnliches wichtig. Aber auf dem Weg dahin, zeichnet sich jetzt schon ab: jazznrhythm.com ist nicht die einzige Seite, die das macht, und es ist wichtig, auch die anderen zu zeigen, die hier schon gute Vorarbeit geleistet haben oder aber auch noch dabei sind, einen wichtigen Beitrag zu leisten.

An dieser Stelle beende ich das ResĂŒmee. Ich hoffe, ich konnte einen kurzen Überblick ĂŒber die Ziele und den Stand der Dinge, so wie die Motivation bieten. Wenn ich etwas vergessen habe, dann dĂŒrft ihr mir gerne Fragen zu senden, die ich hier gerne einfĂŒgen werde.