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Schlagwort: Akkordeon

Louisa Lyne & di Yiddishe Kapelye am 30.10.2025 im Tollhaus

Louisa Lyne & di Yiddishe Kapelye am 30.10.2025 im Tollhaus

Louisa Lyne & di Yiddishe Kapelye am 30.10.2025 im Tollhaus
Louisa Lyne & di Yiddishe Kapelye am 30.10.2025 im Tollhaus

Man darf den Einfluss Leonard Cohens auf die Entwicklung der populären Musik nicht unterschätzen. Singer-/Songwriter, Poet, Autor und vor allem Interpret eines ganz eigenen Stils, war er in der Lage die unterschiedlichsten Persönlichkeiten der aktuellen Musikgeschichte zu beeindrucken. 

Es gibt nicht wenige Interpreten, die innerhalb der Szene ein ewiger, geschätzter Geheimtipp blieben, und es gab Leonard Cohen, der in seinem Wirken und Schaffen, sowie Leben immer auch ein Mysterium blieb. Obwohl jedem bekannt. 

Das er Jude war, mag nur eine weitere, fast unbekannte Fußnote sein. Das er auch jüdische Musik auf seinen Konzerten vorstellte, eher eine seltenes Ereignis. Aber immerhin dokumentiert auf Yoube (Wien, 1976)

Louisa Lyne & di Yiddishe Kapelye widmen ihm nun ein Projekt, das so ungewöhnlich, wie zauberhaft in seiner Darbietung ist. Die Umsetzung des Werkes in eine jüdische Fassung. 

Dabei gehen sie nicht nur den Schritt einer möglichst originalgetreuen Übersetzung seiner Worte, sondern lassen in das Spektrum der Instrumentierung auch die jüdischen Traditionen und Varianten der Klezmermusik einfliessen.

Das es trotz allem homogen, geschlossen und folgerichtig scheint, ist der einfühlenden Spielweise der Yiddishe Kapelye, aber vor allem der Deutung und dem Gesang durch Louisa Lyne zu verdanken. Sie macht Leonard Cohen damit zu einem ganz eigenem – ihrem – Thema. 

So wirkt es fast, als seien Cohens Songs just für diese Vorgehensweise geschaffen. 

Eingewoben in das Spiel der Yiddishe Kapelye (Piano, Gitarre -akustisch/elektrisch -, Stehbass, Cello, Geige und Akkordeon) brach das Konzert mit der Americana-Tradition, der man ihn doch eigentlich zuordnen möchte.

Vielmehr floß dadurch alles ein, was Cohen Zeit seines Lebens begleitet haben mag. Die oft traurige, meist melancholische Stimmung, die in seinem ruhigen Vortrag eine bestimmende Note darstellte, wich in dem Konzert einer Vielzahl an Verweisen. Sie brachen die Klage, den Schwung, aber auch die Lebensfreude seiner Liebe auf. 

Als wären sie in einer Schale eingeschlossen. Und hätten nur darauf gewartet. Um damit  Cohens Werk einen anderen, neuen Fokus zu geben.

Louisa Lyne ging mit sichtbarer Begeisterung an das Thema, las aus seinen Gedichten, und liess der Band Raum für eigene, solistische Abweichungen und Erweiterungen. So waren es auch die instrumentalen Parts, die kammermusikalisch das Phänomen des Liedermachers einkreisten und die Zeilen seiner Texte unterstützen. Die Band liess viel Platz für eine klangliche Reisen, neue Wege und Deutungen der einzelnen Stücke.

Cohen war und ist als Autor ebenso geschätzt wie als Sänger und Komponist. Seine Bücher, Gedichtbände und Erzählungen, sind oftmals mutiger, radikaler, aber manchmal auch in ihrer Wirkung auf wenige Worte begrenzt und damit kraftvoller. 

Seinen Gedichten einen musikalischen Ton zu geben, ihnen eine Komposition zu unterlegen, und sie erfahrbarer zu machen, schien ein weiteres Anliegen. Ebenfalls ein Höhepunkt des Konzertes, als zwischen dem Pianisten Anders Thorén und Louisa Lyne ein Gedicht in einem Duett überraschend frisch dargeboten wurde.

Die Kraft des Vortrags lag vor allem darin, dem sehr männlichen, zurückhaltenden Ton des Gesamtwerks,  die Möglichkeiten des kammermusikalischen Kunstliedes ebenso zu erschließen, wie die Weite der jüdischen Musik – und damit eine Reise zu den Wurzeln anzubieten. Noch dazu mit einer weiblichen Stimme in einer scheinbar ungewohnten Sprache. 

So dass es dann so klang, als hätte es schon immer so sein sollen. Eine Erweiterung und wunderschöne Reise  – auch und vor allem für all jene, die mit Cohen vertraut sind. 

Externe Links:

Louisa Lynehttps://louisalyne.se

Tollhaushttps://www.tollhaus.de

Tonspur Nr. 22: Al Rapone and the Zydeco Express „Cajun Creole Music“

Tonspur Nr. 22: Al Rapone and the Zydeco Express „Cajun Creole Music“

 Al Rapone & the Zydceo Express - Cajun Creole Music
  1. Fu Ils sal
  2. It‘s be that way sometimes
  3. La Cié
  4. Juste par que
  5. Zydeco Express
  6. Sa moi fait du mal
  7. Troubled Woman Blues
  8. L‘il by l‘il
  9. Bayou Polka
  10. (Play that) Good ol Cajun Music (One more time)

Wenn Clifton Chenier der König der Zydeco Music ist, dann ist Al Rapone zweifellos der Botschafter. Ursprünglich aus Kalifornien, als Bruder der ebenso bekannten Queen Ida, war Al Rapone umtriebig und überall unterwegs, wo er willkommen war. 

Da Zydeco, egal wo außerhalb Louisianas, immer einen kleinen Exoten-Bonus hat, muss man anerkennen, dass es z.B. sehr gute Aufnahmen Al Rapones aus der DDR gibt.    

„Cajun Creole Music“ ist dabei  ein Album, dass bei der Vermischung der französischen Tanzmusik mit anderen Einflüssen, einen weiten Bogen spannt.  So zeigen sich Spuren der Polka, des spanische-italienischen Einflüsses, um dann wieder zur zur ursprünglichste Form der Cajuns zurück zu kommen.

Al Rapone, der sich auch als Songschreiber hervortat, unterscheidet sich in seinen Wurzeln etwas von den typischen Komponisten seines Genres. Die Grundzüge seines Spiels tragen die farbenreichen Facetten der europäischen Akkordeonkultur. Zwar bedient er sich den Zydeco- und Cajuntypischen französischem Klang, doch wer die Reisen des Instruments durch die Länder verfolgt, der weiß, dass nichts für sich steht, und viele Töne aus einem reichen Fundus schöpfen. Und Al Rapone gehört zu den Zydeco-Musikern, die das zu nutzen wußten. 

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert

Tonspur Nr. 21: Clifton Chenier „King of Zydeco“

Tonspur Nr. 21: Clifton Chenier „King of Zydeco“

Clifton Chenier - King of Zydeco
  1. My Baby she‘s gone to stay
  2. Driftin‘ Blues
  3. Tutti Frutti
  4. Love me or leave me
  5. Old time waltz
  6. Zydeco Boogie
  7. What‘d I say
  8. Moon is rising blues
  9. Zydeco Jazz
  10. Zydeco is back again
  11. Mama told Papa
  12. Tired of being alone

Man muss zuallererst sagen: Im Grunde heißen fast alle Platten von Clifton Chenier so: „King of Zydeco“. Man tut dem Mann natürlich damit nicht unrecht. Es ist vollkommen klar, dass es nur einen gibt, dem diese Ehre gebührt. 

Zydeco ist die ungezogene Sippschaft, die sich die Cajuns mit dem Blues ins Haus holten. Um den kurzen Abriss zu wiederholen: Cajun ist die Kultur der französischen Einwanderer, die sich in den Sümpfen Lousianas an den Tänzen und der Musik ihrer Heimat orientierten. Zydeco ist dagegen eine spätere Melange, die sich aus den Einflüssen entlassener Sklaven, also dem afrikanischen Blues und eben jenem bildeten, was die Cajuns eingeführt hatten. Zydeco wird also französisch gesungen, hat in der Regel ein leitendes italienisches Akkordeon und eine starke Affinität zum Rhythm‘n‘Blues. Führend in dem Metier, und daher überall vertreten, wo Zydeco nur ansatzweise erwähnt wird: Clifton Chenier.

Das Album ist daher ein Best-of-Stampfer, Partytauglich und wegen den bekannten Melodien zum Mitsingen geeignet. Clifton darf hier zeigen, worum es geht, was den Zydeco ausmacht, und warum wir ihn alle mögen. Nichts falsch zu machen damit. Verschwitzt, aufregend und der richtige Einstieg.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert

Akkordeonale im Tollhaus, Karlsruhe am 23.04.2025

Akkordeonale im Tollhaus, Karlsruhe am 23.04.2025

Die Akkordeonale ist Familientreffen, Werkschau und aktuelle Bestandsaufnahme eines Instrumentes, das verschrien ist und gleichzeitig geliebt wird. Am Akkordeon scheiden sich die Geister. Ungeachtet aller Widrigkeiten hat es dieses Instrument geschafft, alle Migrationsbewegungen, Auswanderungen und Zusammentreffen verschiedener Kulturen zu bereichern. Dem Akkordeon ist in die Vita geschrieben, dass es laut, kräftig, wütend, klagend, aber auch ungemein offen für neue Wege ist. So findet es sich in fast allen Kreisen, in denen Menschen zusammenkommen, tanzen und ihr Leben feiern. Es ist fester Bestandteil der Cajun- und Zydeco-Musik, des Klezmer und vielen weiteren Volksmusiken. 

So ist es nur folgerichtig, dass Servais Haanen in schöner Regelmäßigkeit, einen Abend ganz alleine diesem Instrument und seiner Vielseitigkeit widmet.  Seit 2009 präsentiert er, selber aktiver Musiker und Komponist auf diesem Instrument, eine bunte Truppe aus allen Ländern und Stilrichtungen, die innerhalb eine kleinen Tournee die Varianten und Möglichkeiten aufzeigen. Es steckt viel in dem Instrument. Und so manches erstaunt immer wieder.

Das Akkordeon ist die volksnahe Orgel. Das wuchtige Instrument, dass in seiner Lautstärke dominieren kann, aber gleichzeitig klassischen, kunstvollen Pfaden aufgeschlossen ist. 

Andrew Waite aus Schottland schwelgte in den Jigs – den lebhaften, heiteren Tänzen seiner Heimat – gab mit dem Fuß den Takt an und das war fast mehr als eine Aufforderung.

Auch Peppino Bande, aus Sardinien, der begleitet wurde von Roberto Tangianu auf der Launeddas, stellte mit flirrenden Fingern seine sardischen Tänze vor.  Ungemein schwungvoll, energisch, entschlossen, mit einer Kraft, die in den Bann zog,.

Die Launeddas wurde launig von Servais vorgestellt. Sind es doch Rohrpfeifen, die aus drei, gleichzeitig zu spielenden Elementen bestehen, und allein die Beschreibung klang kompliziert genug, um Anerkennung zu zollen.

Es sind die Anekdoten, die kurzen Vorstellungen der Musiker, die dem Abend einen Teil seiner Einmaligkeit verliehen. In der Kuration der Titel, in der Auswahl seiner Musiker, und dem Mut der Zusammensetzung bewies Servais wieder einmal ein glückliches Händchen. Aber das, was es zusammenhält, war wie immer die Liebe zum Detail, der Spielfreude und dem versteckten Witz in den Erzählungen. Die oft unvermittelt Momentaufnahmen aus dem Charakter der Beteiligten darstellten.

Ergänzt wurde das Ensemble von Johanna Stein, die schon bekannt aus den vorhergehenden Tournee, sich als Bereicherung am Cello erwiesen hat, und das Spiel von Franziska Hatz (Österreich) sowie Helena Sousa Estevez ergänzte.  Helena Sousa Estevez erstaunte und faszinierte mit einer Scarletti -Interpretation, aber auch mit dem Wagnis eines neueren Werkes japanischer Komposition. 

Die Spannbreite zwischen dem österreichisch geprägten Spiel von Franziska Hatz , das die alpenländische Tradition erweiterte, und diesen eher klassisch beeinflussten Werken zeigte die Möglichkeiten auf. Aber auch, dass die Reise noch nicht zu Ende ist. 

Die Akkordeonale zieht nach all den Jahren ein beflissenes Stammpublikum an. Spieler, Interessierte, Fans. Man kennt sich, man kehrt zurück, es ist ein Wiederkennen. Doch ändern sich die Mitmusiker um Servais Haanen jährlich. Allein Johanna Stein am Cello bleibt. Die Auswahl an jungen Talenten, die ihn auf der Tournee begleiten, zeigt auch, dass das Akkordeon aktueller denn je ist. Und schon lange seinen Platz in der Kunst gefunden hat, um trotzdem noch auf dem Tanzboden zu verharren. Man ist gespannt, wie es weitergeht. Denn wie immer wird es, unter der Leitung des bisherigen Moderators, ein virtuoser Abend mit Talenten werden, die es verdient haben, dass man sich ihre Namen merkt. 

Externer Link: Akkordeonale – https://www.akkordeonale.de/

Externer Link: Andrew Waite – https://andrewwaitemusic.co.uk/

Externer Link: Helena Sousa – Estevez –https://helenasousa.com/

Externer Link: Franziska Hatz – https://www.franziskahatz.at/

Externer Link: Peppino Bande – https://www.instagram.com/peppinobande/?api=1

Externer Link: Roberto Tangianu –https://www.instagram.com/launeddas/reels/

Externer Link: Johanna Stein –https://www.johannasteincello.com/

Externer Link: Tollhaus Karlsruhe – https://www.tollhaus.de/