Hier wohnt Rosilein im Linden’s Irish Pub am 21.12.2025
In der hiesigen Musikszene sind„Hier wohnt Rosilein“ ein Unikat. Fernab aller Gewohnheiten gehen Laura Eigbrecht und Daria Schirmer ungewöhnliche Wege. Sie brechen die Auftrittsrituale mit Spontanität, Charme und einer anarchischen Freude an ungewöhnlichen Konstellationen auf, beweisen damit aber eine umfassende Kenntnisse in der Handhabung ihrer Instrumente und dem stimmlichen Vermögen.
Ein Akkordeon, die Orgel der arbeitenden Klasse – einst ausgewählt um möglichst laut und kräftig zu unterhalten -, sowie Darias vokale Leistungen reichen , um das Ding zum Laufen zu bringen. Doch Hier wohnt Rosilein sind mehr als ein Projekt, das zu überraschen vermag und die Grenzen auslotet. Hinzugezogen wird alles, was Musik taugt, was der Harmonie nicht schaden kann und der Unterhaltsamkeit dient.
Im Cafe Noir präsentieren sie sich am 13.Februar zusammen mit Esels Alptraum um 20 Uhr. Letztere sind bestimmt eine Entdeckung wert, aber allein „Hier wohnt Rosilein“ ist die Empfehlung, die ich schon mal aussprechen will. Sollte man nicht verpassen, vor allem weil sie die Bandbreite der lokalen Richtungen faszinierend erweitern, und einen sympathischen Abend in der richtigen Umgebung versprechen.
Esels Alptraum (Jodel Punk aus Berlin) und Hier wohnt Rosilein (Lyrisches Akkordeongemetzel aus Karlsruhe) im Cafe Noir (P8) um 12 Uhr am 14 Februar 2026
Hier wohnt Rosilein im Linden’s Irish Pub am 21.12.2025
Wäre ja vieles möglich gewesen. Komplett eingeschneit. Von Stürmen umtost. Vom Frost verriegelt.
Und was noch alles.
Aber alles hätte funktioniert. Irgendwie.
Das Jahresabschlusskonzert im Linden’s Irish Pub mit „Hier wohnt Rosilein“ ist schon eine nahezu familiäre Tradition. Am Rande der Hektik, wenn es ausklingen sollte – aber eben immer noch am 4. Advent – durften alle ihre Blockflöten, Stimmen, Texte und andere Instrumente mitbringen.
Sie betonten mehrmals, das sei nicht ihr eigentliches Konzertprogramm, hätten auch wenig geprobt, und so ein bißchen Anarchie war fortan dabei. Die Zugabe kam zuerst. Der Rest in spontaner, aus dem Hut gezogener Abfolge. Aber bot der Phantasie genug Raum für alles, was möglich war.
Angekündigt als interaktives Konzert, war das Publikum aufgefordert, Wunschtitel, Texte und Karaoke-Beiträge ein zu bringen. Viel Platz für manches, aber auch für erstaunliche, charmante Improvisationskunst, die Hürden vermied, Hänger nicht aufkommen ließ und selbst englischsprachige Buchtexte – wild herausgegriffen – stimmgewaltig interpretierte.
Daria Schirmer und Laura Eigbrecht liessen ein Konzept wie Chaos wirken. Um dann daraus ein Programm zu formen, dass ihr Publikum fesselte, einband und zu einem Teil des Chors wandelte.
Fast folgerichtig war der Einstieg einer spontanen Besucherin aus Lettland. Sie kam schnell mit der Geige, spielte drei Weihnachtslieder , und verschwand danach wie Schneewittchen.
„Hier wohnt Rosilein“ nennen, das was sie machen, ein lyrisches Akkordeongemetzel. Sie bewegen sich dabei in der Tradition des Kabaretts, der Kneipengesänge und den wilden Momenten der Volksmusik.
Beeindruckend vor allem wegen der gut ausgebildeten Stimme Darias, aber auch Lauras kenntnisreichen Akkordeonspiel. Da war kein Zurückschrecken vor Anforderungen, ungewöhnlichen Musikwünschen, traditionellen Klassikern, oder den Schlagern, die wir alle lieben.
Sie sind frech, ausdrucks- und meinungsstark, vertreten die richtige Positionen. Haben die Hymnen, die alle brauchen und machen das mit einem Instrumentarium, das sowohl durcheinander gewürfelt, wie bescheiden wirkt.
Die richtige Mischung aus Guggemusik, Lokalrunde, dem Biss des Varietes, aber auch mit einem verflixt hohen Kenntnisstand in der Kunst des Musizieren und der Nutzung der Stimme. Flösste Respekt ein. Vor allem in der offensichtlichen Lässigkeit der Darbietung.
„Hier wohnt Rosilein“ gehören damit zu jenen, kleinen Bands, die irgendwo auftauchen und viel zu spannend sind, um sie zu verpassen.
Und wahrscheinlich überall spielen können. Weil es dann doch so wenig braucht. Ohne Verstärker, umringt von den richtigen Leuten, entfalteten sie eine erstaunliche Kraft an Witz und Humor. Alles getragen von einer beeindruckenden Angstfreiheit und vor allem guter Laune.
Das macht Spaß, das bindet ein, ist vielfältig, bunt und divers, rund und authentisch.
„Hier wohnt Rosilein“ treten am 13.Februar mit ihrem regulären Programm im Cafe Noir im P8 auf. Notieren. Vorbeischauen. Eigentlich Pflicht.
Louisa Lyne & di Yiddishe Kapelye am 30.10.2025 im Tollhaus
Man darf den Einfluss Leonard Cohens auf die Entwicklung der populären Musik nicht unterschätzen. Singer-/Songwriter, Poet, Autor und vor allem Interpret eines ganz eigenen Stils, war er in der Lage die unterschiedlichsten Persönlichkeiten der aktuellen Musikgeschichte zu beeindrucken.
Es gibt nicht wenige Interpreten, die innerhalb der Szene ein ewiger, geschätzter Geheimtipp blieben, und es gab Leonard Cohen, der in seinem Wirken und Schaffen, sowie Leben immer auch ein Mysterium blieb. Obwohl jedem bekannt.
Das er Jude war, mag nur eine weitere, fast unbekannte Fußnote sein. Das er auch jüdische Musik auf seinen Konzerten vorstellte, eher eine seltenes Ereignis. Aber immerhin dokumentiert auf Yoube (Wien, 1976)
Louisa Lyne & di Yiddishe Kapelye widmen ihm nun ein Projekt, das so ungewöhnlich, wie zauberhaft in seiner Darbietung ist. Die Umsetzung des Werkes in eine jüdische Fassung.
Dabei gehen sie nicht nur den Schritt einer möglichst originalgetreuen Übersetzung seiner Worte, sondern lassen in das Spektrum der Instrumentierung auch die jüdischen Traditionen und Varianten der Klezmermusik einfliessen.
Das es trotz allem homogen, geschlossen und folgerichtig scheint, ist der einfühlenden Spielweise der Yiddishe Kapelye, aber vor allem der Deutung und dem Gesang durch Louisa Lyne zu verdanken. Sie macht Leonard Cohen damit zu einem ganz eigenem – ihrem – Thema.
So wirkt es fast, als seien Cohens Songs just für diese Vorgehensweise geschaffen.
Eingewoben in das Spiel der Yiddishe Kapelye (Piano, Gitarre -akustisch/elektrisch -, Stehbass, Cello, Geige und Akkordeon) brach das Konzert mit der Americana-Tradition, der man ihn doch eigentlich zuordnen möchte.
Vielmehr floß dadurch alles ein, was Cohen Zeit seines Lebens begleitet haben mag. Die oft traurige, meist melancholische Stimmung, die in seinem ruhigen Vortrag eine bestimmende Note darstellte, wich in dem Konzert einer Vielzahl an Verweisen. Sie brachen die Klage, den Schwung, aber auch die Lebensfreude seiner Liebe auf.
Als wären sie in einer Schale eingeschlossen. Und hätten nur darauf gewartet. Um damit Cohens Werk einen anderen, neuen Fokus zu geben.
Louisa Lyne ging mit sichtbarer Begeisterung an das Thema, las aus seinen Gedichten, und liess der Band Raum für eigene, solistische Abweichungen und Erweiterungen. So waren es auch die instrumentalen Parts, die kammermusikalisch das Phänomen des Liedermachers einkreisten und die Zeilen seiner Texte unterstützen. Die Band liess viel Platz für eine klangliche Reisen, neue Wege und Deutungen der einzelnen Stücke.
Cohen war und ist als Autor ebenso geschätzt wie als Sänger und Komponist. Seine Bücher, Gedichtbände und Erzählungen, sind oftmals mutiger, radikaler, aber manchmal auch in ihrer Wirkung auf wenige Worte begrenzt und damit kraftvoller.
Seinen Gedichten einen musikalischen Ton zu geben, ihnen eine Komposition zu unterlegen, und sie erfahrbarer zu machen, schien ein weiteres Anliegen. Ebenfalls ein Höhepunkt des Konzertes, als zwischen dem Pianisten Anders Thorén und Louisa Lyne ein Gedicht in einem Duett überraschend frisch dargeboten wurde.
Die Kraft des Vortrags lag vor allem darin, dem sehr männlichen, zurückhaltenden Ton des Gesamtwerks, die Möglichkeiten des kammermusikalischen Kunstliedes ebenso zu erschließen, wie die Weite der jüdischen Musik – und damit eine Reise zu den Wurzeln anzubieten. Noch dazu mit einer weiblichen Stimme in einer scheinbar ungewohnten Sprache.
So dass es dann so klang, als hätte es schon immer so sein sollen. Eine Erweiterung und wunderschöne Reise – auch und vor allem für all jene, die mit Cohen vertraut sind.
Wenn Clifton Chenier der König der Zydeco Music ist, dann ist Al Rapone zweifellos der Botschafter. Ursprünglich aus Kalifornien, als Bruder der ebenso bekannten Queen Ida, war Al Rapone umtriebig und überall unterwegs, wo er willkommen war.
Da Zydeco, egal wo außerhalb Louisianas, immer einen kleinen Exoten-Bonus hat, muss man anerkennen, dass es z.B. sehr gute Aufnahmen Al Rapones aus der DDR gibt.
„Cajun Creole Music“ ist dabei ein Album, dass bei der Vermischung der französischen Tanzmusik mit anderen Einflüssen, einen weiten Bogen spannt. So zeigen sich Spuren der Polka, des spanische-italienischen Einflüsses, um dann wieder zur zur ursprünglichste Form der Cajuns zurück zu kommen.
Al Rapone, der sich auch als Songschreiber hervortat, unterscheidet sich in seinen Wurzeln etwas von den typischen Komponisten seines Genres. Die Grundzüge seines Spiels tragen die farbenreichen Facetten der europäischen Akkordeonkultur. Zwar bedient er sich den Zydeco- und Cajuntypischen französischem Klang, doch wer die Reisen des Instruments durch die Länder verfolgt, der weiß, dass nichts für sich steht, und viele Töne aus einem reichen Fundus schöpfen. Und Al Rapone gehört zu den Zydeco-Musikern, die das zu nutzen wußten.
Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert
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