Durchsuchen nach
Schlagwort: Funk

Jimi Tenor im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 15.03.2026

Jimi Tenor im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 15.03.2026

Jimi Tenor im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 15.03.2026
Jimi Tenor im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 15.03.2026

Um es einleitend und in einem Satz zu sagen: Jimi Tenor kam, und das KOHI war heiß, voll und schweißtreibend. Wie ein Alchemist, gekleidet in farbenfrohe Gewänder, rührte er ein faszinierendes Gebräu aus Funk, Jazz und Soul, sowie allen Zwischenbereichen, die man noch nennen könnte, an.

Zusammen mit seiner Band, bestehend aus Percussions, Gitarre, Schlagzeug und einem Bläser, bewies Jimi Tenor – selbst an Keyboard, Querflöte und Saxophon – dass er das alles mit einer Lässigkeit vermischt, die seinesgleichen sucht. 

Da vermengten sich afrikanische Elemente mit glanzvollen Disco-Zitaten, um einfach zu zeigen, hier war jemand, der das aufgesogen und schon gespielt hatte, während andere noch auf Entdeckungstour waren.

Jimi Tenor, aus dem kalten Land der Trolle (Finnland) kommend, brachte mit seiner fünfköpfigen Besetzung Musiker mit, die – genauso wie er selbst immer wieder – zwischen den einzelnen Instrumenten wechseln konnten, stilistisch variantenreich waren, aber gerne wieder zurück kamen,  zu einem Groove, der den Jazz zurück auf die Tanzfläche brachte. 

Jimi Tenor im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 15.03.2026
Jimi Tenor im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 15.03.2026

Erwartungsgemäß sprach Jimi Tenor damit ein breites, vielfältiges Publikum an. Wie kaum ein anderer jonglierte er zwischen den Zitaten, Versatzstücken und Klischees der einzelnen Richtungen. So tauchte durchaus auch mal Manu Dibangos „Soul Makossa“ auf, als wäre es ein Teil des eigenen Werkes, wie instrumentale Parts, die an die Siebziger erinnerten, oder einfach verspielt am Jazzrock angelehnt waren.

Die Einordnung und Bestimmung seines Werkes mag den Journalisten vorbehalten sein; Jimi Tenor hatte sichtlichen Gefallen daran, die Grenzen zerfliessen zu lassen. 

Die Ernsthaftigkeit eines instrumentellen Kleinods, dargeboten und eingeleitet auf der Querflöte, durfte dann einem beschwingten Hit weichen, der  dann eher auf die Füße abzielte. Von der Querflöte zum Saxophone, mit einer Hand am Keyboard, wußte er zu begeistern.  Stand diese Möglichkeit nicht zur Verfügung, so unterstützte der Posaunist, der auch an der Tuba sein Können zeigte, ihn auf den Tasten.

Der Percussionist vertauschte mit dem Schlagzeuger die Sitzplätze, oder gab den Vocals mit seinem tiefen Timbre einen souligen Anstrich. Das harmonische Zusammenspiel war reich an Überraschungen, aber wirkte alles in allem wie aus einem Guss. 

Jimi Tenor erinnerte damit auch an die großen, konzeptionellen Entertainer, die den Jazz – mit all seinen Spielarten – immer als ein Gesamtkunstwerk betrachteten, das nur in Verbindung mit den begeisterten Menschen vor der Bühne vorstellbar war.

Jimi Tenor im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 15.03.2026
Jimi Tenor im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 15.03.2026

Schon in den Bühne-Outfits einer Weltoffenheit verpflichtet, präsentierte sich die Band als bunte Truppe, die dadurch auch in ihrer Optik Bezüge zu klangvollen Namen und der großen Geschichte ähnlicher Bands aufbaute. Das KOHI katapultiere sich damit in eine Zeitlosigkeit, die den Jazzrock fühlbar, dem Acid Jazz huldigte und Discofunk erlebbar machte. 

Was immer man erwartet hatte, Jimi Tenor brachte es mit. 

Und zeigte es mit einer sympathischen Zurückhaltung, die viel Raum für seine Mitspieler ließ. Einer der Guten. Nicht verpassen, wenn er wieder die Region kommt.

Jimi Tenor im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 15.03.2026
Jimi Tenor im KOHI, Kulturraum in Karlsruhe am 15.03.2026

Externe Links:

Jimi Tenor – https://www.jimitenor.com

KOHI – https://kohi.de

Sandrine Neye & Alfred Müller in der Hemingway Lounge am 21.02.2026

Sandrine Neye & Alfred Müller in der Hemingway Lounge am 21.02.2026

Sandrine Neye & Alfred Müller in der Hemingway Lounge am 21.02.2026
Sandrine Neye & Alfred Müller in der Hemingway Lounge am 21.02.2026

Zu einer ungewöhnlichen Zeit, aber in einem durchaus bewährten Format, stellt die Hemingway Lounge Samstags Vormittags ab 11:30 KünstlerInnen vor, die ihren Auftritt in einer Art Hutkonzert bestreiten. Die Hemingway Lounge wird damit zum Anlaufpunkt für Entdeckungen und spannenden Events. Bietet in diesem Rahmen KünstlerInnen einen Raum, deren Namen man sich merken kann.

Sandrine Neye befindet sich aktuell an den Arbeiten für ihr neues (und erstes) Album, kann aber schon auf eine ganze Reihe Auftritte in verschiedenen Formationen zurückschauen. Im Zusammenhang mit den Women’s Choice Konzerte von Sandie Wollasch gehörte sie zu den Interpretinnen, die daran beteiligt waren und auffielen. 

Aber auch in einem der Ladenkonzert von Laden zwei war sie bei einer letzten Episode zu sehen und blieb im Gedächtnis haften.

Mit Alfred Müller an der Gitarre (E- und Bass) gehört sie zu den aufstrebenden Talenten, die zwischen Jazz, Pop, Neosoul und brasilianischen MPB/Bossa Nova-Rhythm eine Sprache und Richtung suchen, die in Groove und Handwerk viel Übung und vor allem Anschluss an die klassischen Namen verrät. 

In einem Konzertformat, das zwischen den Interpretationen bekannter Standards und eigenen Werken pendelte, konnte Sandrine Neye mit ihrem Songwriting überzeugen. Liess es doch viel Platz für verspielte Improvisationen, aber auch einer ganzen Palette Klangfarben, die sie in ihre Stimme legen konnte. Eine Stimme, die sich geschult und mit Leichtigkeit, durch das Repertoire ihrer Vorbilder (Whitney Houston, Adele) bewegte, um eine individuelle Version der Stücke zu kreieren. 

Sandrine Neye & Alfred Müller in der Hemingway Lounge am 21.02.2026
Sandrine Neye & Alfred Müller in der Hemingway Lounge am 21.02.2026

Die Hemingway-Lounge, mit einer Bühne, die sich in gleicher Höhe wie ihr Publikum befindet, gewann damit den Charakter einer fast privaten Jazzsession, die nahbar und kunstvoll zeigte, was allein auf der Basis zweier Gitarren und Stimme zu schaffen ist. 

Der Verzicht auf Effekte, damit bewusst und verlässlich auf die Fingerfertigkeit Alfred Müllers und dem Gesang von Sandrine Neye begrenzt, offenbarten in einigen der vorgestellten Standards eine Modernität und Zeitlosigkeit, wie man sie auch von unplugged-Aufnahmen kennt.

Ihre selbst geschriebenen Werke, die schon digital in den Streamingformaten zu finden sind, machen neugierig auf das was kommt. Das Songwriting verrät ein gutes Händchen für Rhythmus und Melodie, die Wahl der Vorbilder ist gut getroffen und durch die Zusammenarbeit mit Alfred Müller zeigte sich, dass mit den Duettpartnern immer wieder schöne Ergebnisse zu erwarten sind.

Die Arrangements, sowohl in der Zusammenstellung des Programms, aber auch in der Interpretation bewährten Materials, hatten eine Handschrift, die von einer langjährigen Liebe zu den Genres und Richtungen zeugte.

Neo-Soul, diese Richtung, die eine Soul-Variante auf der Basis fast akustischer Harmonien und Instrumentierung sein will, und damit eine Erneuerung aber auch Transparenz der Musik darstellt, möchte man das alles nennen. Aber wie alle Genres engt es langfristig die Möglichkeiten die vor Sandrine Neye liegen doch zu sehr ein. Gibt ja noch den Funk und den Jazz – und das kann sie ja auch.

Insofern wird bestimmt noch eine Menge kommen. 

Externe Links:

Sandrine Neye – https://www.instagram.com/sandrine_neye/

Alfred Müller – https://www.instagram.com/alfred_mueller_guitar/

Hemingway Lounge – https://www.hemingwaylounge.de

Lawrence (Support: Dylan Chambers)  im LKA, Longhorn, Stuttgart am 08.11.2025

Lawrence (Support: Dylan Chambers)  im LKA, Longhorn, Stuttgart am 08.11.2025

Lawrence im Longhorn in Stuttgart am 08.11.2025
Lawrence im Longhorn in Stuttgart am 08.11.2025

Jemand besseren als Dylan Chambers hätten sie für diesen Job wahrscheinlich nicht finden können. Lawrence traten im LKA-Longhorn auf. Dylan Chambers absolvierte seinen dritten Auftritt in Deutschland und überraschte wahrscheinlich alle. 

Das LKA Longhorn hat schon einige Jahre hinter sich. Von seiner einstigen Bestimmung, die auch für den Namen sorgte, ist nicht mehr viel zu sehen. 

Einst die längste Westerntheke diesseits von allem was sich amerikanisch nennt, hat es sich zu einer Veranstaltungslocation für alles und jeden gemausert. So sah ich in den letzten 30 (oder 40?) Jahren dort u.a. Michelle Shocked, Alex Clare, Tom Odell, aber auch Asaf Avidan. 

Mittlerweile ist die Theke nicht mehr ganz so lange, die Pokertische, die einst im Raum standen, sind wahrscheinlich schon vor vielen Jahren im Speermüll gelandet und es dürfen Wetten darauf angenommen werden: Square Dance Abende finden hier schon lange nicht mehr statt.

Das LKA Longhorn liegt etwas abseits von dem Zentrum Stuttgarts. Eingeklemmt zwischen Büros, Lagerhäuser, einer Schnellstraße, sowie religiöse Zentren und Discounter, ist es atmosphärisch im Stadtrandklima. Hat dadurch aber sicher ein bißchen Narrenfreiheit bezüglich der Lautstärke. 

Lawrence sind eine jener Namen und Gruppen, die man das ganze Jahr erwähnen kann, aber keiner kennt sie. In Amerika mittlerweile in den wichtigsten Talkshows zu Gast, ist es hierzulande noch schwer Tonträger jenseits vom Streamingformat zu finden. 

Dann kommt man zum LKA und die Schlange ist 100 Meter lang, die Leute tragen die T-Shirts der aktuellen Tour und kennen die Songs auswendig.

Das ist der Vorteil für all jene, die an den strategischen Konzertpunkten wohnen. Städte mit einem Flughafen. Orte, die eine schnelle Verbindung zur nächstgrößere Stadt anbieten. Tatsächlich waren Lawrence schon regelmäßig in Stuttgart zu Gast.

Dylan Chambers im Longhorn in Stuttgart am 08.11.2025
Dylan Chambers im Longhorn in Stuttgart am 08.11.2025

Doch zuerst: Dylan Chambers. Der Mann, der zu dritt auf der Bühne auftauchte. Einen Bassisten und einen Schlagzeuger anbei, und den Saal zum rocken brachte. Er nahm das Ding an, wandelte es in einer erstaunlichen Geschwindigkeit und ieferte alles mit, was man an Funk, Bluesrock und Rock’n’Roll brauchte. Dabei ausgestattet mit einem selbstbewußten Charme, der einfing, was einzufangen war.

Er hatte die Riffs großer Funklegenden genauso im Gepäck, wie die Standards des Rhythm’n’Blues. 

Und das so, als wären sie gerade aus der Jukebox in New Orleans entsprungen. Ein Glücksgriff für Lawrence.  Schließlich brachte er das Longhorn innerhalb kurzer Zeit zum Mitsingen, tanzen und swingen. 

Als ob er mit seinem Instrument schlafen und aufwachen würde, lieferte er sich mit seinem Bassisten die harmonischsten Duelle und Solis, die in der knappen Zeit möglich waren. Wie gesagt, Vorband, Job, und diesen vollkommen – mit unbändiger Freude und Einfallsreichtum – erfüllt. 

Zuvor hatte ich Lawrence in Rotterdam auf dem North-Sea-Jazzfest gesehen. In einem komprimierten Programm, gebündelt und gestrafft auf Festivalgröße. Nicht mit einer Vorband gerechnet. Und am Schluss (in Stuttgart) das Gefühl gehabt, ich hätte zwei große Bands gesehen.

Lawrence im Longhorn in Stuttgart am 08.11.2025
Lawrence im Longhorn in Stuttgart am 08.11.2025

Für Lawrence war es der richtige Opener am richtigen Ort. Die Erwartungshaltungen sind seit dem letzten Album „Family Business“ gewachsen. Angeführt von den Geschwistern Lawrence (Gracie und Clyde) klettern sie momentan in Amerika in der Beliebtheit, befinden sich gerade am höchsten Punkt in ihrer Karriere und es ist kein Ende in Sicht. Eine Grammy-Nominierung für „Something in the Water (acoustic)“ wurde gerade verkündet.

Sie kamen in gewohnt breiter Besetzung: Eine dreiköpfige Brass-Section, Vocals bei Gracie und Clyde (während er noch die Keyboards bedient), Schlagzeug, Bass, Gitarre und ich hoffe, ich habe niemanden vergessen. Denn die Bühne war voll, und gab sich im Gesamtbild als Büro mit Stühlen, Tischen, Utensilien, Telefon, Uhren und stilisierten Akten. Alles Teil der Show, alles eingebaut. 

Lawrence sind Profis. Daher war das, was sie ablieferten, wie immer eine, verwegene, wilde Mischung, aus Soul, Pop, Funk und Broadway. Sie nahmen die Bühne in ihrer Breite in Beschlag, boten eine gekonnte Choreographie, die Raum für alle und jeden liessen.

Lawrence können mittlerweile auf vier Alben zurückblicken. Das Material ist so vielfältig und breitgefächert, das Team so eingespielt, dass es ihnen möglich ist, spontan auf die Wünsche des Publikums zu reagieren. 

Die Gratwanderung zwischen der Pop-Ballade, der ausgelassenen Soulnummer und den Funk-Elementen, die ihnen den Spagat zwischen Rock und Discobestandteilen erlauben, beherrschen sie. Gracie wirbelte, im angedeuteten Business-Outfit über die Bühne, die Band begleitete sie mit klassischen Bläsersätzen, ungestümen Solis und einem guten Gefühl für Effekt und Einlagen.

Selbst, herunter gebrochen auf akustische Versionen, offenbarten die Songs ein gekonntes Gefühl für den Aufbau und Struktur, den ein Hit, ein Bestseller und ein erinnerungswürdiger Goldie haben sollte. 

Dass Lawrence ein gutes Händchen und Gefühl, aber auch eine versierte Ausbildung, haben, war daher nicht nur bei der Auswahl ihrer Vorband zu spüren, sondern auch in dem Aufbau der Show, sowie der Kommunikation mit dem Publikum.

Lawrence boten eine Show, mit einem Programm, das satt und fesch seine zwei Stunden erreichte – etwas, was nicht mehr allzu oft passiert. Zu erwarten ist: Nächstes Jahr muss man noch früher kommen, die Schlange vor der Tür wird wahrscheinlich die ganze Straße vom Longhorn einnehmen. Wenn der Laden dann nicht schon zu klein ist.

Externe Links:

Dylan Chambers https://www.dylanchambersmusic.com

Lawrencehttps://lawrencetheband.com

LKA Longhornhttps://lka-longhorn.de

Tonspur Nr. 23: Millie Jackson „I Had to say it“

Tonspur Nr. 23: Millie Jackson „I Had to say it“

Millie Jackson - I had to say it
  1. I had to say it
  2. Loving Arms ´81
  3. The Rap ´81 *Stranger*
  4. The Rap ´81 *Reprise
  5. I ain‘t No Glory story
  6. It‘s gonna take some time this time
  7. Fancy this
  8. Ladies Trick
  9. Somebody‘s Love dies here last night
  10. You owe me that much

Man darf gespannt sein, ob Millie Jackson mal irgendwann die Ehren zu teil werden, die sie verdient hätte. Im Grunde hat Millie Jackson nichts falsch gemacht – sie war einfach zu früh dran. Und damit die Wegbereiterin für soviele Frauen vor ihr. Millie Jackson bewegte sich im Soul und Funk-Umfeld. Doch sie war frecher, herausfordernder, konkreter und überall dabei. Millie Jackson hatte keine Angst, die Dinge beim Namen zu nennen. Und sie tat es auch. Ohne Scheu und Angst. Sie eckte an. 

Vergessen wird dabei gerne, dass sie über Jahrzehnte eine fantastische Entertainerin war, immer für ihre eigene Sache einstand, kompromisslos im Thema war, eine Horde begnadeter MusikerInnen um sich scharte und durchaus mit Größen wie Isaac Hayes auf der Bühne war.

Millie Jackson war damit ihre eigene Marke, sie stand für sich selbst und war immer bereit den Weg noch einen Schritt weiter zu gehen. Auf „I had to say it“ steigt sie mit einem Rap ein, um mit einer sanften Soulnummer weiterzu machen. Wie immer mit ausdrucksstarker Stimme, dem etwas rauen Timbre, verstärkt von einem gewaltigen Chor. Das hat alles, was es braucht. Man darf nicht vergessen, Millie Jackson hat dieses und andere Alben selbst produziert. War also auch in Sachen Selbstbestimmung schon 1980 ein Leuchtfeuer. Sie hätte so viel mehr Achtung verdient.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert