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Schlagwort: Norwegen

Interview mit DJ Wendelgaard über Soul, Jazz und besondere Locations

Interview mit DJ Wendelgaard über Soul, Jazz und besondere Locations

DJ Wendelgaard
DJ Wendelgaard

Wer Norwegen kennt, vor allem im Winter, wird wissen, wie sehr das Land von geprägt ist von seinen scheinbaren endlosen Wäldern, schneebedeckten Bergen, aber auch welch eine spannende Musikkultur dort möglich ist. Meine Reise durch einen kleinen Teil Norwegens führte mich vor allem durch Konzerthallen und Plattenläden der Städte Oslo und Bergen. Geprägt von einer einzigartigen Metalkultur, hat sich in Norwegen auch eine lebendige Jazzszene und etwas, das sich Nordicana nennt, etabliert.

Im Rahmen meiner Reise lud ich Eindrücke auf diese Webseite, aber auch in Social Media, hoch Und lernte dabei DJ Wendelgaard durch einen Austausch auf den bekannten Plattformen kennen. Sie überraschte mich durch sehr eigene Events in beneidenswerten Locations. Fernab von den Tanzflächen dieser Welt bewegt sich dabei in einem Ambiente, das neidisch und staunen macht. Es ist die nicht zu unterschätzende Aufgabe des kuratierens, die in der Wirkung mit Ort und Gelegenheit einem Event zur entsprechenden Stimmung verhelfen kann. Ich wollte mehr darüber wissen, und wir verabredeten die Aufnahme eines Podcasts. 

Ich bin der langsamste, und unentschlossenste Podcaster, der sich im Netz findet, hadere immer mit der Tonqualität und so kommt es nun zu dazu, dass das, was einst als Podcast geplant war, ein transkribiertes Interview ist. 

Andreas (JAZZNRHYTHM.com): Samanta, ich freue mich sehr, dass wir unser Gespräch wiederholen können. Beim letzten Mal ist die Aufnahme leider verloren gegangen. Umso schöner ist es, dass wir heute noch einmal zusammenkommen. Beginnen wir mit einer einfachen Frage: Wie haben wir uns eigentlich kennengelernt?

Wendelgaard (DJ): Das verdanken wir deiner Norwegen-Reise. Du warst in Oslo und Bergen unterwegs und hast Konzertlocations, Plattenläden und Veranstaltungen porträtiert. Besonders dein Bericht über den Plattenladen Apollon Records in Bergen hat mich angesprochen. Ich habe mir daraufhin deinen Blog und deine Instagram-Seite angesehen und war beeindruckt von deiner Leidenschaft für Musik. So sind wir schließlich in Kontakt gekommen.

Andreas: Ich erinnere mich gut. Aufgrund deines Namens dachte ich zunächst, du würdest aus Norwegen stammen.

Wendelgaard: Das passiert tatsächlich häufig. Ich komme zwar nicht aus Norwegen, aber ich liebe Skandinavien. Seit etwa fünf oder sechs Jahren reise ich regelmäßig dorthin und verbringe viel Zeit in Norwegen und Schweden. Diese Verbundenheit spiegelt sich auch in meinem Künstlernamen wider.

Andreas: Was fasziniert dich so sehr an Skandinavien?

DJ Wendelgaard  bei Brunch and Beats im Cafe am Markt in Marburg
DJ Wendelgaard bei Brunch and Beats im Cafe am Markt in Marburg

Wendelgaard: Es ist die Kombination aus Natur, Kultur und Lebensgefühl. Die Weite der Landschaften, das besondere Licht und die Ruhe inspirieren mich. Gleichzeitig sind die Menschen offen für Kunst und neue musikalische Ideen. Diese Mischung hat mich von Anfang an begeistert.

Andreas: Als ich mich näher mit deiner Arbeit beschäftigt habe, fiel mir auf, dass du an außergewöhnlichen Orten auflegst – nicht in Clubs, sondern in stilvollen und exklusiven Locations. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Wendelgaard: Sehr gern. Ein besonders prägendes Engagement hatte ich in den historischen Frescohallen in Bergen. Dort habe ich klassischen Jazz auf Vinyl aufgelegt. Die Atmosphäre war einzigartig – die Musik fügte sich perfekt in die Architektur und das Ambiente ein. Es war ein unvergesslicher Moment für mich.

Andreas: Wird bei solchen Veranstaltungen getanzt, oder steht die Musik eher im Hintergrund?

Wendelgaard: Beides ist möglich. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Atmosphäre. Die Musik begleitet das Essen und die Gespräche, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Es geht um Genuss und Entspannung.

Andreas: Ein ähnliches Setting hattest du auch in Schweden, richtig?

Wendelgaard: Ja, in Strömstad, das oft als „schwedische Riviera“ bezeichnet wird. Dort habe ich in einem Spa- und Resort-Hotel Lounge-Musik auf Vinyl gespielt. Die Musik fügte sich harmonisch in die Umgebung ein und schuf eine besondere Stimmung.

Andreas: Wie kommst du zu solchen Engagements?

Wendelgaard: Sowohl durch eigene Initiative als auch durch Anfragen. Wenn ich eine Location entdecke, die mich inspiriert, spreche ich die Betreiber an. Oft entsteht daraus eine Zusammenarbeit. Gleichzeitig melden sich Veranstalter bei mir über Social Media oder Empfehlungen.

Andreas: Für viele Veranstalter dürfte das ein Experiment sein.

Wendelgaard: Das stimmt. Der erste Auftritt ist immer eine Art Versuch. Doch die Resonanz ist meist sehr positiv. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn Menschen die Musik genießen und gemeinsam besondere Momente erleben.

DJ Wendelgaard In der SPIN Bar - Listening Bar in München
DJ Wendelgaard In der SPIN Bar – Listening Bar in München

Andreas: Welche Rolle spielt Vinyl in deiner Arbeit?

Wendelgaard: Eine sehr große. Vinyl hat eine besondere Klangqualität und vermittelt ein Gefühl von Authentizität. Außerdem verleiht es den Veranstaltungen eine zusätzliche Wertigkeit. Das bewusste Auflegen von Schallplatten passt hervorragend zu stilvollen und ruhigen Settings.

Andreas: Welche Künstler finden sich typischerweise in deinen Sets?

Wendelgaard: Vor allem Klassiker des Jazz: Nina Simone, Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, Nat King Cole und Blossom Dearie. Auch Frank Sinatra und Dean Martin gehören dazu. Ergänzend spiele ich Künstler wie Gregory Porter, Norah Jones oder George Benson.

Andreas: Du bist musikalisch sehr vielseitig.

Wendelgaard: Ja, ich bleibe offen. Selbst Fleetwood Mac integriere ich gelegentlich in Lounge-Sets. Stücke wie „Dreams“ passen hervorragend in eine entspannte Atmosphäre.

Andreas: Das zeigt, wie fließend die Grenzen zwischen Jazz, Lounge und Pop sein können.

Wendelgaard: Genau. Entscheidend ist die Wirkung eines Songs. Wenn er zur Stimmung beiträgt, findet er seinen Platz im Set.

Andreas: Wie reagieren die Gäste auf deine Musik?

Wendelgaard: Oft sprechen sie mich an, wenn sie ein Stück wiedererkennen. Viele verbinden persönliche Erinnerungen mit der Musik. Das macht solche Momente besonders emotional und schön.

Andreas: Zu welchen Tageszeiten finden deine Auftritte statt?

Wendelgaard: Meist tagsüber – zum Frühstück, Brunch oder Dinner. Jazz ist vielseitig und eignet sich für viele Gelegenheiten.

Andreas: Spricht deine Musik ein bestimmtes Publikum an?

Wendelgaard: Nein, sie ist generationsübergreifend. Die gleichen Menschen, die abends im Club tanzen, genießen tagsüber entspannte Jazzmusik.

Andreas: Wie bist du selbst zur Musik gekommen?

Wendelgaard: Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem Musik allgegenwärtig war. Das Radio lief ständig, und ich wurde mit unterschiedlichsten Genres vertraut. Musik war immer ein Bestandteil des Lebens.

Andreas: Gab es einen konkreten Moment, der dich zum Auflegen brachte?

Wendelgaard: Ja, in Schweden. In einem Secondhandladen entdeckte ich rund dreißig Jazzplatten für jeweils einen Euro. Ich nahm sie alle mit und fragte mich anschließend, was ich mit ihnen tun sollte. Mir wurde klar, dass Musik gehört werden muss – und so begann meine Reise als DJ.

Andreas: Wann hattest du deinen ersten Auftritt?

Wendelgaard: Ein Bekannter vermittelte mir einen Gig in einer Bar in Köln. Dort konnte ich erstmals auflegen und merkte sofort, wie viel Freude mir das bereitete.

Andreas: Deine Musik richtet sich eher an Genießer als an Tänzer.

Wendelgaard: Genau. Wenn getanzt wird, dann eher langsam – und manchmal hilft auch ein Glas Wein. (lacht)

Andreas: Du verbringst viel Zeit in Skandinavien. Wie verteilt sich das?

Wendelgaard: Etwa 30 Prozent meiner Zeit verbringe ich in Norwegen und Schweden, den Rest überwiegend in Köln und Umgebung.

Andreas: Wie erlebst du die Jahreszeiten im Norden?

Wendelgaard: Die Winter sind lang und dunkel, während die Sommer von nahezu endlosen Tagen geprägt sind. Beide Extreme haben ihren eigenen Reiz und inspirieren mich auf unterschiedliche Weise.

Andreas: Bergen hat dich besonders beeindruckt.

Wendelgaard: Ja, es ist eine echte Jazzstadt mit einem eigenen Jazzfestival. Die Offenheit gegenüber neuen Klängen ist faszinierend.

DJ Wendelgaard
DJ Wendelgaard

Andreas: Während meiner Norwegenreise fiel mir auf, dass das Land stark von Heavy Metal geprägt ist. Umso überraschender war deine Jazzpräsenz.

Wendelgaard: Das macht den Reiz aus. Skandinavien ist musikalisch vielseitig – von Metal bis Free Jazz. Diese Vielfalt ist inspirierend.

Andreas: Welche musikalischen Einflüsse prägen dich besonders?

Wendelgaard: Neben den Jazzklassikern schätze ich auch Bossa Nova, Swing und Lounge-Musik. Entscheidend ist für mich die emotionale Wirkung.

Andreas: Gibt es besondere Momente, die dir in Erinnerung geblieben sind?

Wendelgaard: Ja, wenn Gäste lächelnd zuhören oder sich für die Musik bedanken. Diese Augenblicke sind unbezahlbar.

Andreas: Du schaffst also Klangräume, die Erinnerungen entstehen lassen.

Wendelgaard: Das ist ein schönes Bild – und genau das ist mein Ziel.

Andreas: Zum Abschluss eine Gegenfrage: Welche musikalische Entdeckung hat dich zuletzt überrascht?

Wendelgaard: Eine musikalische Entdeckung, die zwar schon ein paar Jahre her ist, aber mich bis heute immer wieder begeistert, ist die US-amerikanische Jazz-Pop-Band Lake Street Dive. Die Musiker mischen herausragend Jazz, Pop und auch Soulelememte und setzen mit ihren guten Texten noch einen oben drauf. Ich bin nachhaltig begeistert von der musikalischen Leichtfüßigkeit und Authentizität. Welche musikalische Entdeckung ist es denn bei dir?

Andreas: Mich beeindrucken immer wieder junge Bands in kleinen Karlsruher Locations wie dem KOHI oder dem nun. Zuletzt haben mich Flora Falls, Paula Paula und die Punkband Sexbeat nachhaltig beeindruckt. Außerdem freue ich mich auf ein Wohnzimmerkonzert der Singer-Songwriterin Anne P.

Wendelgaard: Das klingt wunderbar. Ich bin gespannt auf deinen Bericht.

Andreas: Samantha, vielen Dank für das inspirierende Gespräch.

Wendelgaard: Ich danke dir. Es hat mir große Freude bereitet.

Andreas: Bis zum nächsten Mal.

Wendelgaard: Sehr gern. Auf Wiedersehen!

Externe Links:

DJ Wendelgasard – https://linktr.ee/dj.wendelgaard?

Mildfire (Support: Antoní) im NUN, Kulturraum, in Karlsruhe am 21.03.2025

Mildfire (Support: Antoní) im NUN, Kulturraum, in Karlsruhe am 21.03.2025

Wenn der Support Act damit angekündigt wird, dass man an einem Abend eigentlich in den Genuss zweier Konzerte kommt, dann spiegelt genau das die freundliche Atmosphäre des NUN wieder. 

Antoní ist eine junge Songwriterin aus Leipzig, die allein mit Ihrer Gitarre und ihrer Stimme, den Abend einleitete. Kleine Anekdoten, vieldeutige Titel und Geschichten, die persönlich, anrührend und auch mit einem Schmunzeln vorgetragen wurden. Beziehungen, Kanufahrten, Videodrehs mit historischem Material. Was sie dazwischen erzählte, trug und belebte die ruhigen Stücke, boten Ihnen Raum und Kontext. 

Ihren Gitarrenspiel war variantenreich, an sich schon eine Erzählung und melodiös genug, um auch alleine zu funktionieren. 

Es ist vielleicht zu betonen, dass viele KünstlerInnen, so auch Antoní ihre Stücke in einer stark abgespeckten, akustischen Version anboten. Ihre CD, und ihre LP, die demnächst rauskommt, bieten das gesamte Spektrum an, in dem die Stücke aufgenommen werden konnten. Eine Menge Instrumente, die ich aus dem Gedächtnis nicht aufzählen kann.

Wie auch immer – tatsächlich funktionierte die ruhige, besonnene und vereinfachte Instrumentierung runter gestrippte Variante ausgesprochen gut und zeichnete sie aus. Umrundet vom Publikum, nur Stimme und Gitarre, so klar und durchsichtig um sich in einzelne Melodien zu verlieben. Sie fand ihr Publikum, und ganz ehrlich: Ich bin gespannt auf das Vinyl-Album.

Mildfire im Kulturraum Nun, in Karlsruhe am 21.03.2025

Mildfire sind das poppige Kunstlied oder der künstlerischer Pop. Als Duo, Multinstrumental, ausgestattet mit Keyboard, Synthesizer, Cello, Mandoline, Ukulele und Effekten jeder Art, präsentierten sie frickelige, kleinteilige Songs. Die sich noch dazu beliebig zu bedienen schienen. Folk-Pop,Pop-Folk, Minimal und Electro und dennoch irgendwo in den Jahren davor oder ganz weit weg beheimatet.

Schon weil sie aus Norwegen kommen, hätte ich sie im Visier haben müssen. Der Norweger, so lehrte man mich, fährt am Wochenende auf eine Hütte. Eine Hütte oder seine Hütte. Auf jeden Fall in eine Einsamkeit, in der der See vor der Tür liegt, man von niemanden gestört wird, und Wälder und Bären und Elche und Schnee und Eis die Umgebung darstellen.

Man kann sich gut vorstellen, wie in einem solchen Umfeld Songs entstehen. Die beinhalten dann  Teile, Experimente, und Effekte. Auf die man viel Zeit verwendet. Und die dann einen Hang zum Individuellen und Außergewöhnlichen haben. Mildfire könnte man Postpop nennen. Denn sie haben alles aufgesaugt, was der Pop an Harmonien und griffigen Akkorden bietet, um es dann zu zerlegen, zu dramatisieren, auf einen ernsten Boden zu legen. Nur um es mit einem charmanten Lächeln zu den griffigen Akkorden, den schönen Refrains und einfachen Melodien zurück zu führen.

Im NUN traten sie in Strümpfen auf, schon um nicht nur mit den Fingern, sondern mit all ihren Zehen, den Klängen, die sie irgendwo hineingewoben hatten, eine berechtigte Chance zu geben. Die wahre Kunst, also das was übrig bliebt, war dann, aus all diesem etwas zu machen, dass im Klangebilde eine Einheit darstellte, die homogen, schmeichelnd ihren Weg in die Ohren und Herzen und das Publikum fand. Mildfire waren eine dieser Gruppen, die dem NUN seit Jahren  Wunsch waren, und sie passten daher wie eingenäht und logisch in das Programm. Musste ja so kommen. War ja klar. Warum nicht gleich so? Und warum zogen hier Jahre übers Land? 

Mildfire könnte man in dem sehr authentischen Nordicana Umfeld als die Variante sehen, die Genres durchbrechen, trotzdem Pop, sein will und auf den eigenen Weg und die ganz klare Instrumentierung beharrt. Mag man, weil Eigenständigkeit immer belohnt wird, weil das Cello ein berührendes Instrument ist, und Mitsingen bei kurzen verständlichen Refrains natürlich alle einbindet. 

Mildfire boten eine Show voll Charme, Wärme und kleinen Kunstwerken, die mehrmals gehört werden wollen, um alle Details zu durchschauen. War schon clever.

Externer Link: Mildfire –linktr.ee/Mildfireofficial

Externer Link: Antoní- https://linktr.ee/antonimusic_

Externer Link: NUN http://Nun.cafe

Plattenladen in Bergen: Apollon

Plattenladen in Bergen: Apollon

Externer Link: https://apollon.no/

Adresse: Nygårdsgaten 2A, 5015 Bergen, Norwegen

Für gebrauchte Platten gibt es in Bergen verschiedene Adressen. Allerdings waren es die Öffnungszeiten, die nicht ganz in die Tagesplanung passten. Anders sah es bei Apollon aus. Apollon hat von morgens um 10:00 bis morgens am nächsten Tag um 0:30 offen.

Das Konzept von Apollon ist bemerkenswert. Tagsüber ein normaler Plattenladen, spezialisiert auf Neuheiten. Nachts jedoch eher eine Bar, die gut gefüllt ihre Gäste neben den Plattenregale bedient. Platten kann man weiterhin kaufen, doch der Barbetrieb ist vorherrschend. 

Apollon führt auf den ersten Blick ein gepflegtes Sortiment Pop/Rock, hat aber auch eine breite Sammlung Heavy Metal, Hip-Hop und Electronic. Was nicht sofort auffällt und ich nachts beim ersten Besuch fast übersehen habe, war der große Anteil norwegischer Musik aller Richtungen, der sich in Schubladen unterhalb von Pop und Rock verbarg. Lokale MusikerInnen haben eine eigene Schublade, in der ich zum Beispiel „Embla & the Karidotter“ fand. 

Aber auch Silja Sol, deren Auftritt ich vor einigen Tagen verpasste.

Apollon ist ausgesprochen gut ausgestattet, die wichtigsten Veröffentlichungen sind in Fächern rund um die Bar und oberhalb der Platten eingeordnet. Auch Jazz ist im hinteren Bereich präsent und ebenfalls ausgewiesen ist der Norsk-Anteil.  Ich hatte es in einem anderen Bericht schon erwähnt: Skandinavischer, aber vor allem auch norwegischer, Jazz hat in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen. Doch – bedingt durch das umtriebige ACT-Label – ist der Bezug in Deutschland nicht sonderlich schwer. Die Platten sind gut vertreten, leicht auffindbar, und in jedem gepflegten Handel erhältlich.

Die Idee, eine Plattenhandlung an eine Bar zu koppeln, ist verführerisch. Tagsüber und nachts schienen beide Konzepte voneinander zu profitieren. Zugegeben, wenn die Bar voll ist, dann übersieht man so manches. Aber atmosphärisch absolut eine Empfehlung. 

Plattenläden in Oslo – 2ter Teil

Plattenläden in Oslo – 2ter Teil

Neseblod Records

Schweigaards Gate 56

Externer Link: https://neseblodrecords.bigcartel.com/

Neseblod Record Store, Oslo,2025

Wenn man es nicht übertreiben will, und auch verspricht, nichts internationales zu kaufen – sich nur auf die lokalen Acts zu konzentrieren – dann darf Neseblod Records nicht dazwischen kommen. 

Neseblod Records ist legendär, wichtig und einen Besuch wert. Es gibt Stimmen, die besagen, das genauso ein Plattenladen aussehen muss. Klein, eher eng, vollgestopft bis zur letzten Ecke, mit einem Keller der Katakomben gleicht. 

Die Grundfarbe der T-Shirts, die überall hängen, der Tasche und überhaupt allem ist schwarz. Und das aus gutem Grund. Neseblod ist ein Tempel und Museum, aber auch eine wichtige Anlaufstelle, für alle, die die härtere Gangart mögen. Metal in allen Spielarten, Punk, Hardcore, sowie alles außen rum und mittendrin, ist der Schwerpunkt.

Die Platten stehen gepresst in den Regalen, die Kassetten und CDs klettern zur Decke hoch, und dazwischen finden sich Bücher über obskure Punkfanzines, der Geschichte des Metals allgemein, des Death- und Blackmetals sowieso und T-Shirts, T-Shirts, TS-Shirts. 

Natürlich sind alle großen Namen vertreten, und man muss in den Keller runter, weil da unten ein Thron aus Stein steht, komische Bereiche mit abgesperrten Gittertüren sind, Schilder, die auf Black-Metal verweisen, und Spuren eines Brandes zu sehen sind.

Neseblod Record Store, Oslo, 2025 Basement

Es geht das Gerücht um, das Neseblod abgebrannt sei. Das Internet erzählt davon. Tatsächlich, so der Besitzer ist das ein Jahr her, und es ging nur um den Keller. Als ich letztes Mal darin war, wurde im Keller noch gearbeitet. Es sieht nicht viel anders aus, aber die Arbeiten scheinen beendet. Man muss Zeit mitnehmen, die Muse sich tief einzugraben, und sollte Kenntnis von der Sache haben. 

Mitgenommen habe ich eine Platte von den Cramps. Damit natürlich meinen eigenen Schwur gebrochen. Die Cramps sind definitiv nicht regional, aber mindestens so legendär wie der Laden und, verflixt, ich vermisse sie immer wieder.

Ob ihr ein Faible für die Richtungen habt, die hier angeboten werden, oder nur mal reinschnuppern wollt – gönnt euch Neseblod. Es ist dunkel, es ist heimelig, es ist pure und wichtige Geschichte. Eine Lektion, die man in Oslo einfach mitnehmen muss.

Neseblod Record Store, Oslo 2025