Amy Montgomery stampft die Bühne einen Stock tiefer, und hebt die Rhythmen eine Latte höher. Das sofort und mit voller Entschlossenheit. Die Shows von Amy Montgomery sind kraftvoll, archaisch und muten an wie wilde Stammesrituale, an denen sie uns teilhaben lässt.
Amy Montgomery besuchte das KOHI schon 2024, und ihr Auftritt gehörte zu jenen eigenständigen Events, die sich eingebrannt haben, ihren Namen festigten und die Abwesenden neidisch machte. (Rezension weiter unten).
Es ist also geradezu Pflicht, der neuen Formation, an deren Front sie erscheint, eine Chance zu geben, sie bloß nicht zu verpassen und gespannt zu sein, wie sie den Saal nochmal in ihren Bann zieht. Amy Montgomery liefert in ihren Shows ein gewaltiges und kraftvolles Spektrum an Emotionen ab. Wild, ausgelassen, und für viel größere Bühnen bestimmt.
Amy Montgomery am 20.12.2024 im KOHI
Das Genre braucht einen eigenen Namen. Ist aber vor allem intensiver, schlagfertiger Rock, in prägender Detailarbeit und mit viel Sinn für die richtige Wucht. Eben ein ausgelassenen Abend, der über das übliche Fußwippen hinausgeht.
Im KOHI komprimiert, nahbar und mitreißend. So wie sich das gehört, aber vor allem mit der richtigen impulsiven Energie und Begeisterung für den schönsten Lärm.
Das Jahr hat begonnen. Die neuen Veröffentlichungen bringen eine ganze Reihe spannende Konzerte mit sich. Die richtige Zeit Entdeckungen zu machen und geschätzte Helden wiederzusehen. Park Walker haben im P8 ihr neues Album „The Extra Mile“ vorgestellt. Im Support brachten sie Tom Mess und How I left mit. Macht es damit zu einem runden, spannenden Event.
Tom Mess, erdig, direkt von den staubigen Straßen zwischen hier und den Südstaaten, eröffneten hemdsärmelig und gerade heraus. Langjährige Americana Ikone, rockiger als ich die Band in Erinnerung hatte und weit vorne im Publikum. Mit Entschlossenheit, das Ding zum Laufen zu bringen, wagten sie den schweren Stand der Vorband. Zeigten aber, das es geht. Fünf MusikerInnen, tief im Feld zwischen energischen Countryanklängen, nahe an den Roots, aber vor allem mit einem ganz eigenen Material, das von gutem Songwriting und einer tiefen Liebe für die raue Seite der amerikanischen Folkmusic zeugt. Der Stoff, der entsteht, wenn die Fahrt lange genug ist, die Tage im Horizont blutrot verschwinden, und man vor dem letzten Bier nicht heimgehen will.
Tom Mess im P8 am 23.01.2026
Steelguitar, Bass, Schlagzeug, Gitarre mit Vokals und Background. Tom Mess brachten alles mit, was die Erwartungen und die Authentizität verlangten. Sie gaben das Tempo vor und legten kraftvoll die Latte hoch. Ein Meter vor der Bühne, im Angesicht des Publikums, stand Thomas Hauf an der Front. Hat funktioniert, hätte länger sein können, hatte Platz für mehr, und mit dieser Energie, da hätte es auf jeden Fall dazu gereicht.
Als zweite Vorband ist der Stand nicht einfach. How I left meisterten es mit Charme, lässigen Geschichten und einem guten Gefühl für Erzählungen, die sich als Anekdoten in ihren Repertoire einfügten. In verschiedenen Traditionen des Songwriting angesiedelt, bewahrten sie sich eine unschuldige Herangehensweise, die den Popsong frönte, und die Eingängigkeit mit einer melancholischen Kantigkeit gefühlvoll nachklingen lässt. Zu dritt – begrenzt auf die klassische Konstellation, die nicht mehr braucht, als ein cooles Bass, eine Gitarre und ein druckvolles Schlagzeug.
How I left im P8 am 23.01.2026
How I left schlenderten ausdrucksstark durch ihr Werk, und zeigten, dass sie diejenigen sind, die es verdient haben, dem Abend eine weitere Farbe zu geben. Mehr von dem Sound der kleinen, britischen Insel, mehr von den Songs, die Momente beleuchten, die sonst vergessen wären. Und einiges von dem, was haften bleibt, wenn man es mal gehört hat. Braucht nicht mehr, ist vollkommen ausreichend, kommt gut und darf bleiben.
Park Walker – vocal- im P8 am 23.01.2026
Park Walker. Die Headliner des Abends, boten melodiösen Rock, begleitet von einer ausgebleichten Filmschau. Bergwanderungen, wie aus vergangenen Zeiten. Mit Wucht gespielte, atmosphärisch dichte, aber in den Details sehr differenzierte Werke. Kräftig, mit bewusst gezogener Bremse, die komprimierte, doch die Sicht freiliess. Die große Konsequenz geformter Werke, die dem Songwriting mehr verpflichtet sind, als einem möglichen Genre.
Park Walker gehen dabei einen sehr eigenständigen Weg, der sich an der Betrachtung der klassischen Strukturen im Rock ebenso bedienen kann, wie am zusammengezogenen Gitarrenwerk der härteren Fraktion. Park Walker mag man mit einem Genre einfangen, aber soundtechnisch zeigten sie dann doch eine Verwandtschaft durch die Jahrzehnte. Nichts, was der eindeutigen Bestimmung gefallen will. Das hatte seine festen, starken Komponenten. Aber auch Aspekte, die sich – angelehnt an dem durchaus transparenten Spiel der vier (2 Gitarren, Vokals, Drums, Bass) – eher an der Melancholie und filigranen Handhabung orientieren.
Noch liegt es nicht in voller Größe vor, das neue Album, aber ausgestattet mit Flügelhorn und weiblichen Background, könnte es noch einiges verbergen. So war es ein spannender Vorgeschmack und eine feine Präsentation der Songs. Park Walker als Wanderung an der Baumgrenze kann man als Bild lassen. Dahinter schneebedeckte Gipfel und ein weiter Ausblick. Geht.
Die Konzertsaison ist wieder eingeläutet. Damit hat das Jahr 2026 offiziell begonnen. Auch für das KOHI. Am Freitag, dem 09.01.2026 waren daher Nina Jacob und Pippa zu Gast in deren Räumlichkeiten.
Mit Nina Jacob präsentierte sich ein junges Talent, dass mit charmanter Unbefangenheit seit einem Jahr den Weg in die Musikwelt eingeschlagen hat. In der Kommunikation und den Melodien überraschend nahe am Publikum, zeigte sie sich deutschsprachig, tanzbar und eingängig.
Begleitet von einem Gitarristen, der den Begleitsound, sowie die Einspielungen unterstützte, wirkte Nina Jacobs Performance frisch und wie die angenehmste Form des Pops. Party, wo sie passt, durchaus tauglich für den Dancefloor, aber vor allem mit einem guten Gefühl für das, was im Ohr haften bleibt.
Nina Jacob im KOHI,Kulturraum am 09.01.2026
Für die Feier, die Autofahrt, zum Mitsingen, und allem was dazwischen passiert. Genau das, was honoriert, gefeiert wird und auch an diesem Abend funktionierte. Ausgestattet mit der Energie und dieser Begeisterung, wird sie sicherlich in den nächsten Wochen und Monaten wieder auftauchen, denn die Bühne nimmt sie locker. Genauso wie die Tanzenden. Da kommt noch was. Die Songs sind clevere, kleine Popgeschichten, die sich einschmeicheln. Und irgendwie hängenbleiben.
In Wien muss es eine kleine Talentschmiede geben. Es ist angenehm, beachtlich – und wirklich zu würdigen- , wie farbenreich und lyrisch sich die Gruppierungen aus der Region präsentieren.
Pippa im KOHI-Kulturraum, Karlsruhe am 09.01.2026
Pippa pflegt einen spröden, aber berührenden Sound, der stark im unabhängigen Verständnis der deutschsprachigen Bands der letzten Jahrzehnte angesiedelt ist. Wurzeln also im Idependent-Bereich – sowohl was die Sprache, wie auch die melodiöse Basis, und damit das Fundament, anbelangt.
In der klassischen Konstellation einer Gitarrenband (Bass, Gitarre, Vocals, Schlagzeug) schnörkellos, geradeaus, mit einem großem Verständnis für alles, was der Club braucht, der Rock will und im Pop funktioniert, wagten sich Pippa sowohl in die Tanzbarkeit, aber auch in die akustischen Momente.
Mit vier Alben im Gepäck, das Fünfte in der Vorbereitung, hatten sie ein Programm, das ihnen die Erfahrung und Sicherheit erlaubte, ein bündiges Set mit kleinen Hits, abzuliefern. Da nahm in der zweiten Hälfte das Tempo zu. Wurde entschieden kraftvoller, und mit dem Schwung griffiger Rhythmen stand kaum jemand still.
Pippa bewies ein gutes Händchen in der Zusammenstellung und Einbindung des Publikums. Sie ergriff die richtigen Chancen und kommunizierte entwaffnend sympathisch. Sie zeigte sich dabei, von Song zu Song, als versierte Komponistin, die es schaffte einen eingängigen Sound zu kreieren, der seinen authentischen Wurzeln aus dem Club und Probenraum nicht versteckt. Rau genug um der Lyrik einen entschlossenen Druck zu geben, Pop genug, um sich ein Wiederhören und – sehen zu wünschen, schnell genug um in die Beine zu gehen.
Masou & Leise in der Schlosskirche in Pforzheim am 20.12.2025
Die Kombination ist sowohl ambitioniert, wie auch beeindruckend. Die Pforzheimer Schlosskirche St. Michael ist ein Ehrfurcht gebietender, von der Spätgotik geprägter Bau, der in seiner Tiefe und Höhe einen Rahmen bietet, dem man erst einmal gerecht werden muss.
Ohne vorzugreifen, ist es durchaus Respekt einflössend, wenn zwei Musiker ein Projekt dieser Größenordnung auf die Beine stellen. Dieses dann erfolgreich zum Laufen bringen – und auch noch eine zweite Vorstellung für einen Tag anzuberaunen – gilt es zu erwähnen.
Masou (PIano) und Leise (Schlagzeug) sind in diesen Tagen – der Adventszeit – auf einer Weihnachtstour. Untertitel „Zwischen den Zeilen“.
Die Auftrittsorte sind dabei Kirchen. Die Ausstattung ist üppig, dramatisch und ein opulentes Zusammenspiel aus Licht, einem kammermusikalischen Orchester und einer verspielten Farbigkeit in allen Tonlagen mit klassischen, modernen und folkloristischen Elementen.
Doch die Akustik eines sakralen Baus, der in seiner üppigen Räumlichkeit dem Klang schmeichelt, und in seiner Größe eine Weite für Beleuchtung und Klang offenbarte, gab auch der Singer-/Songwriter Sarah Weiss (Flensburg), die Möglichkeit ihre Stücke zu präsentiere.
Sarah Weiss in der Schlosskirche in Pforzheim am 20.12.2025
Ausdrucksstarke, von einer markanten Stimme vorgetragene Werke, die von einer großen Erfahrung, aber auch von einem guten Gefühl für Melodie und Rhythmus zeugten. Begleitet vom Gitarristen Björn Koschnike, stellte sie sich dem Publikum mit Gitarre und Piano vor.
Dabei wurden ihre Songs auf ein Gerüst reduziert, dass die Intensität verstärkte, das Spiel der Instrumente klar herausstellte und der Kraft ihres Gesangs eine Option bot, die sie zu nutzen wusste. Fast bedauerlich nur eine Handvoll ihrer Kompositionen präsentiert bekommen zu haben, doch genug, um den Weg zurück zu finden, und in den nächsten Tagen ihre Alben – zwei sind es, beide auf Vinyl erhältlich – näher zu betrachten.
Masou und Leise schöpften aus dem Vollen. Die Bühne, der Altarraum der Kirche bot Platz für ein siebenköpfiges Streichorchester, einem Dudelsackspieler, einem ausufernden Arsenal an Drums und Percussion, sowie dem Piano von Masou. Es war augescheinlich pures Understatement der Komponisten, Produzenten und Arrangeure, sich selbst in den Hintergrund zu begeben, und dem Sound so die volle Entfaltung zu erlauben.
Was sie boten war ein Zusammenspiel aus den verschiedensten Elementen, die sich harmonisch in einander fügten und kraftvoll aus einer großen Stilbreite schöpften. Der weitgehende Verzicht auf Elektronik in der Instrumentierung, die Begrenzung auf die Akustik und die Entscheidung diesen Klangkörper damit – inklusive dem Gebäude und den beteiligten Musikern – in vollem Umfang zu nutzen, gaben dem Konzert eine Einmaligkeit, die staunen machte.
Licht, Laser, überhaupt das komplette Design der Illumination verrieten akribische Feinarbeit und Abstimmung in Klang und Planung. Was ineinander greifen konnte, das tat genau dieses.
Der Umfang der detailreichen Kleinarbeiten, die zum Gelingen des Projektes beitrugen, verdient schon deswegen große Aufmerksamkeit, weil die beiden Musiker unabhängig und fast unter dem Radar agierten.
Die opulente Inszenierung war beruhigend, spannend und dramatisch gleichermaßen. In den Elementen klassisch, aber auch neo-klassisch, offen für progressive bis volkstümliche Akzente. Es waren Bezüge zum Aufbau der hymnischen Filmmusik ebenso erkennbar, ohne diese zu zitieren oder gar auf eine eigene Handschrift zu verzichten.
Masou und Leise präsentierten ein farbgewaltiges, optisches und musikalisches Werk, das eine große Liebe und Leidenschaft zu diesem Projekt zeigte. Sie erzeugten Bilder, die das Publikum in ihren Herzen heimtrugen. Ein Event, das sicherlich in die Traditionen einfliessen darf.
Masou & Leise in der Schlosskirche in Pforzheim am 20.12.2025
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