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Schlagwort: Pop

Each Vagabond im KOHI am 25.02.2026

Each Vagabond im KOHI am 25.02.2026

Each Vagabond im KOHI am 25.02.2026
Each Vagabond im KOHI am 25.02.2026

Each Vagabond spannen den Bogen weit, kommen aus dem Jazz und verbinden damit Welten und Ideen, die scheinbar so gar nichts gemein haben. Julia Ehninger und Florian Herzog sind tief verwurzelt in der experimentellen, elektronischen Musik, aber stehen gleichzeitig in der Tradition der großen Minimalisten und der Clubkultur. Dass das kein Widerspruch ist, aber die Chance darstellt für eine große Versuchsanordnung, bewiesen sie im KOHI am Mittwoch.

So war das Verständnis über die Möglichkeiten aus dem Jazz geliehen, die rhythmische Verpflichtung kam aus dem Drumcomputer und der Gesang Julia Ehninger bewies nicht nur eine große Stimmleistung, sondern auch einen Bezug zu den vokalen Leistungen, die in der Geschichte der Synthesizer maßgeblich den Charakter vieler Werke beeinflusste. 

Als ob es eine Einladung zum Tanz wäre, kam es zu einem Teil mit leichtem Fuß daher. Wurde aufgeladen von der Stimme Julias, aber überlagert von Florians Gitarre, sowie der Verzerrung und Entzerrung mancher Sequenzen, aber dann wiederum zurück geholt, von dem Beat, der alles begleitete.

Synthie-Pop-Jazz mag ein eigenes Genre sein, das sicherlich nur für die Beiden erfunden wurde, beschreibt aber die kompromissbereite Hingabe ins Detail und die Verzückung über die Möglichkeit. Alles live, viel geloopt, ohne Netz, Fallstricke oder Playback boten Each Vagabond eine variantenreiche und farbige Interpretation der Zwischenräume, die sich in einer Melange aus Pop, Electronica und Willen zum musikalischen Freiraum ergeben.

Each Vagabond im KOHI am 25.02.2026
Each Vagabond im KOHI am 25.02.2026

Wer Spaß daran hat, die Tiefen und Höhen der elektronischen Musik mit einer zurückhaltender Prise Jazz zu erleben, sollte sich darauf einlassen, der erstaunlichen Stimme Julias lauschen und Each Vagabond eine Nische geben, in der sie sich wohlfühlen.

Sie gehen mit so einem professionellen Charme und der Kenntnis des guten Handwerks daran, dass das KOHI bereit war ihnen zu folgen. Und die Reise mitzumachen, um die spannenden Variationen des Spiels anzuerkennen. 

Mit Jazz wäre zuwenig gesagt, mit Pop zuviel, doch mit dem  Synthie an der Front, möchte man das mal mit Wippenden und Tanzenden erleben. Könnte funktionieren. 

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026
Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Berlin ist weit entfernt. So ist es kein Wunder, dass der letzte Besuch schon über ein Jahrzehnt zurück liegt. Masha Qrella war zum zweiten Mal in Karlsruhe. 

Dieses mal im Kohi in kleiner Besetzung. Keyboard ( aber auch Gitarre), die Leadgitarre (Masha selbst) mit Vokals und selbst das Schlagzeug als Background und Chor. Im Gepäck hatte sie: Bezaubernde kleine Popperlen. Ausgeklügelt und in aller Schönheit glänzend. 

Unprätentiös und in alle Bescheidenheit, fast schon mit einer bewundernswerten Lässigkeit, dafür mit wenigen Worten zeigte Masha Qrella, wie man das macht. In den Details gekonnt, mit einer Schnörkellosigkeit, die die Songs in ihrer reinsten Form darboten, erreichte sie ihr Publikum. 

Für einen Donnerstag, fast noch unter der Woche, war das Kohi gut gefüllt. Aber all das hätte ohne Schwierigkeiten auch auf größeren Bühnen funktioniert. Dafür scheint es gemacht. Eingängige, kleine Melodien, die schnell und griffig zum Mitwippen und Tanz einluden. 

Im Sound dennoch größer präsentiert, als es für 3 MusikerInnen möglich war, aber daher auch nahe dran an der abgestimmten Produktion und dem neuesten Album. Mit ihrer aktuellen Platte „Songbook“ stellte Masha ein ausgereiftes Songwriting und ein gute Wahl in der Interpretation von Coverversionen vor. 

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026
Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Mit „I wanna dance with somebody“, einst eine Hymne von Whitney Houston, ging sie den mutigen Weg dieses Werk in ein einfühlsames Indie-Pop-Gewand zu kleiden. Mit ihren eigenen Songs spielte sie humorvoll und rhythmisch das Thema Tanzbarkeit an. Wechselte von Englisch zu Deutsch, und wieder zurück. Was dann auch betonte und zeigte, dass der internationale Vergleich nicht gescheut werden muss.

Gutes Pop-Handwerk, wenn es ernsthaft betrieben wird – die Songs gefeilt und mit Liebe gestaltet sind – macht live zwei mal soviel Spaß, wenn durch das Set und die Zusammenstellung die Begeisterung dafür aufs Publikum überspringt.

Masha Qrella gehen diesen Weg mit einer ungewöhnlichen Zurückhaltung, halten sich fern von Posen, zeigten sich aber vielseitig und versiert in der Wahl und dem Gebrauch ihrer Instrumente.

Überzeugend, mit einem sauberen Sound, dem richtigen Händchen für mögliche Hits und einer Stimme, die unaufdringlich aber klar und deutlich das Songwriting betont, konnte Masha einiges auf der Habenseite verbuchen. 

In Berlin müssen sich die Bands gegenseitig auf den Füßen stehen. Jedes Mal denkt man, wo kommt ihr her? Was habt ihr gemacht, dass man noch nicht von euch gehört hat? Man möchte ihnen die Provinz vorschlagen, die Rückkehr und ein Wiedersehen in kürzerer Zeit. 

Masha Qrella geben dem Pop in seiner schönsten Schreibweise eine Chance, halten die Flagge hoch und machen ihn clubtauglich. In aller Liebenswürdigkeit trotzdem rau und unabhängig.

Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026
Masha Qrella im Kohi, am 29.01.2026

Externe Links:

Masha Qrella – http://mashaqrella.de/

KOHI – https://kohi.de

Das Paradies (Support: Stefanie Schrank) am 24.01.2026 im KOHI, Karlsruhe

Das Paradies (Support: Stefanie Schrank) am 24.01.2026 im KOHI, Karlsruhe

Das Paradies im KOHI am 24.01.2026
Das Paradies im KOHI am 24.01.2026

Sie hebt den Chanson in das neue Jahrhundert. Stefanie Schrank leitete über zu Das Paradies. Im KOHI bot sie den Sound einer Vorband und stand dennoch ganz alleine auf der Bühne. Dabei bediente sie ein kleines Board vor sich, verfremdete, flocht ein, verformte und konstruierte kleine, lyrisches Puzzle. Rhythmische Werke, die sich aus Großstadtgeschichten, Kindheitserinnerungen und waghalsigen Experimenten bildeten. Alles in Bezug auf das was war – und mit einem großen Blick auf das was kommt. 

Durchaus beschwingt, mit Mut zum Pop und der kleinen Melodien, blieb ihr Gesang eine Erzählung aus einem sphärischen Irgendwo, in das ihr das Publikum gerne folgte. Kryptisch, doch deutschsprachig, benutzte sie fast zärtliche und distanzierte Texte, um eine Geschichte nur scheinbar zu enthüllen. Aber dennoch für sich zu behalten. Stefanie Schrank macht Lieder mit der Elektronik. Ist daher im besten Sinne, eine Liedermacherin. Ihr Orchester passte auf ein schmales Brett. Ihre Chöre, großen Töne und kleinen Rhythmen führen in den Science-Fiction-Film von gestern, und in Bar von morgen. Begleitet von einem Fingerschnippen und einer Ahnung vom Tanz. 

Stefanie Schrank am 24.01.2026 im KOHI
Stefanie Schrank am 24.01.2026 im KOHI

Stefanie Schrank gab ihrem Sound eine lyrische, persönliche Stimme, die einen Rahmen an Nahbarkeit und großer Menschlichkeit bot. In diesem Konzept bot sie eine Eigenständigkeit und mögliche Wiedererkennung an, die als Basis für Sympathie und Wiederhören dient. Eine ausgeruhte Nutzung der Klangfarben tat sein übriges. Und wie gesagt: Eigentlich Chansons.

Stefanie Schrank am 24.01.2026 im KOHI
Stefanie Schrank am 24.01.2026 im KOHI

Der letzte Tourtag. Das Album wurde vorgestellt. Der Auftritt im KOHI stellte den Abschluss für Das Paradies dar. Zwei Musiker, die mit einem ganzen Arsenal an Instrumenten, einen Klang-Universum schufen, das breit und lustvoll seine Varianten anbot. Schlagzeug, Vibraphon auf der einen Seite, eine Kohorte an elektronischer Unterstützung und Gitarre auf der anderen. 

Das Paradies, deutschsprachig wie im Namen, spielten sich detailverliebt durch ein Bündel Alben und die Neuheiten. Kleine, verhaltene Popsongs, die mit einem fast nebensächlichen Witz ihre Verliebtheit in übersehen Details offenbaren. Alles ein bißchen verwickelt und mit spielerischen Loops und Einblendungen in die Tanzbarkeit und das Mitschwingen geleitet. Einfach so. 

Das Paradies am 24.01.2026 im KOHI
Das Paradies am 24.01.2026 im KOHI

Das Paradies kam mit leichten Schritten daher, erzählte die Geschichten, die die Melancholie so schreibt, wenn man sie mit positiven Blick einfach lässt. Das war von großer Sympathie gezeichnete, erzeugte Bilder, die im Publikum die Füße bewegte und den Abend mit der richtigen Zufriedenheit füllte. Ein spielerischer, ertüftelter Umgang mit der Komposition. Und ein gutes Gefühl für das was bewegt, zeichnete sie dabei aus. 

Fast eine Playlist für eine Zeit, in der der Winter endlich wieder vorbei ist. Übrigens die schlechteste Zeit für eine Tour, wie sie sagten. Was da alles droht. 

Das Paradies machen die kleinen Songs, die mit ihren Worten so einfach daherkommen. Stoff für die langen Tagen, verrückten Tänze, Küchengespräche und Mixtapes. Sie können das zu einem Abend formen, der schnell vergeht. Haben sie bewiesen.

Externe Links:

Das Paradies – https://www.dasparadies.org

Stefanie Schrank – https://www.stefanieschrank.com

KOHI – https://kohi.de/

Ankündigung: Park Walker (Support: How I left und Tom Mess)am 23.01.2026 im P8

Ankündigung: Park Walker (Support: How I left und Tom Mess)am 23.01.2026 im P8

How I left - Birds in the City
How I left – Birds in the City

Park Walker releasen ein neues Album und stellen es am 23.01.2026 im P8 vor. Sind als Slowcore-Helden angekündigt, aber für mich tatsächlich der unbekannte Act des Abends, daher zwei-drei Worte zu den Support Acts.

Beides Bands, die mir in den letzten Wochen immer wieder in den sozialen Medien, auf Platte, und zum Teil auch live begegnet sind. TOM MESS spielen Americana wie es sein sollte. Kernig und sentimental. Spannend und sensibel, verwurzelt im US-Folk, und nahe genug an der Seite des Countrysongs, der seine Verwandtschaft zum Blues stolz mit sich trägt. 

Das ist rau und erdig, beherzt und authentisch genug um nicht in den hiesigen Landen angesiedelt zu sein. TOM MESS gehört zu den Bands, bei denen ich mich frage, warum ich sie nicht öfters schon live gesehen habe. Schon von daher Grund genug, das P8 zu besuchen.

Zu HOW I LEFT ist zu sagen: Alles bisher verpasst. Leider noch nie begegnet. Das Album „Birds in the City“ verrät ein ruhiges Händchen für stimmige Songs, die cool und frisch auf den nächsten Sommer einstimmen können. 

Die kommen so lässig und leicht daher, als sei sie schon immer dabei gewesen. Schmeicheln sich ein und begleiten mit kleinen, feinen Melodien und  einem zurückhaltenden, erzählenden Gesang durch den Tag. HOW I LEFT haben viel dafür getan, dass die Dinger rund sind und eine spröde Schönheit ausstrahlen. Pop, den es zu entdecken gilt. Grund genug fürs P8.

Abendkasse: 10-15 Euro

Externe Links:

P8 – https://p-acht.org/

How I left (instagram) – https://www.instagram.com/how_i_left/

Tom Mess – https://www.instagram.com/dont_mess_with_tom_mess/

Park Walker – http://www.parkwalker.de