Durchsuchen nach
Schlagwort: Niederlande

Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026

Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026

Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026
Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026

Mit Tamara van Esch und Immen begrüßte der NUN, Kulturraum, zwei SongwriterInnen aus den Niederlande. Sowohl mit Tamara van Esch, wie auch mit Immen, verbindet das NUN eine längere Geschichte, die bereits einige Jahre zurück reicht. So war sowohl Immen, wie auch Tamara van Esch schon in unterschiedlichen Kombinationen anwesend. Die aktuelle Konstellation, in der sie derzeit auf Tournee sind, ist dagegen neu. 

Immen besuchte das NUN bereits mit der Band  I am Oak, während Tamara van Esch bei einem ihrer letzten Auftritte von Chima und Kohei Kondo, zwei japanischen KünstlerInnen begleitet wurde. In der Verbindung mit den Letztgenannten zeichneten sich Tamaras Auftritte durch die Livemalerei von Kohei Kondo fast alles multimediale Experimente aus.

Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026
Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026

Hingegen geradezu schlicht gestaltete sich dagegen der diesjährige Auftritt. In Friesisch eröffnete Immen das Doppelkonzert, leitet dabei in einer zerbrechlichen Ruhe den Abend ein, den kaum ein Applaus zu unterbrechen wagte. Immens Kunst zeigte sich in einer gewagten Anmut als eine spartanische Ausdrucksform, die mit den kleinsten Elementen und Klängen zu berühren vermochte. Die Faszination einer musikalischen Poesie, die noch das Brummen der Verstärker als Teil akzeptieren wollte. In der Wirkung gebot es Schweigen und ein andächtiges, berührtes Lauschen. 

Immen Songs beschränkten sich auf ihrer Stimme, die fast sphärisch und transparent ihre fremden Worte transportierten und einem Saitenspiel, das sich wie passende Puzzleteile in ein Gedicht einfügte. Mit großer Ernsthaftigkeit dargeboten, entpuppte sich die Schlichtheit ihrer Werke als glänzendes, beeindruckendes Objekt, das nach Beschreibungen suchen lässt. Um auch nur annähernd die Größe zu erfassen. Immen offenbarte eine ganz eigene Musikalität, die an Dichtkunst erinnert, und die kurze Pause nach ihr benötigte.

Tamara Van Esch präsentierte, neben ihren bekannten Songs aus den vergangen Alben, ein komplexes neues Werk, das auf der Erinnerung einer zukünftigen Frau aus ihrem hundertjährigen Leben beruht. Sollte diese Beschreibung nicht ausreichend sein, so muss man sich ein Klangbild aus ruhigen Elementen vorstellen, die sie auf dem Klavier und mit der Gitarre schuf.

Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026
Tamara van Esch und Immen im NUN, Kulturraum am 18.04.2026

Dazu vorsichtig einfließende Loops, vielstimmige Gesangselemente, die mechanischen Stimmen (vulgo: Robotern) glichen und hypnotische, verzögerte Grundstimmungen, mit hervorgehobenen Tönen. Tamara van Eschs Songs waren damit Teil einer Geschichte, die sich die Zeit nahmen, aus dem geschaffenen Rahmen ein rundes Ding zu machen. Im Aufbau und dem Nutzen der Bestandteile ihres Instrumentariums different, waren beide Künstlerin verbunden durch Wirkung ihrer Werke. Auch in ihrem Part zeichnete sich die Lauschenden durch eine andächtige Zurückhaltung aus. 

Im letzten Stück kam es zu einem Zusammenspiel der beiden Künstlerinnen. Ein Duett, das eine Verwandtschaft in Gestaltung und Stimme zeigte. Stimmen, die in ihrer Ergänzung zur Größe und Verdichtung gereichte. Tamara Van Eschs Gesang und Klavierspiel in Kombination mit Immens Background offenbarte Möglichkeiten für Klangwelten, die man sich noch wünschen könnte. Für den nächsten Besuch. Der kommen wird.

Externe Links:

Tamara van Esch – https://tamaravanesch.nl

Immen – https://www.instagram.com/immennimmen/

NUN – https://nun.cafe

Tonspur Nr. 19: Mathilde Santing „Water under the Bridge“

Tonspur Nr. 19: Mathilde Santing „Water under the Bridge“

Mathilde Santing - Water under the Bridge
Mathilde Santing – Water under the Bridge
  1. Too much
  2. Our days
  3. Turn your Heart
  4. All the fun
  5. Sweet nothings
  6. (I‘m not mending) Broken hearts
  7. It may not always be so
  8. Maggie & Millie & Mollie & May
  9. Water under the Bridge
  10. Boat trip

In den frühen achtzigern Jahren gewann man den Eindruck, dass Mathilde Santing im Rahmen der damals sehr populären Popjazz-Welle eine internationale Karriere angestrebt hatte. Es erschien zu jener Zeit eine 10-inch EP, die gut in das Fahrwasser der KünstlerInnen passte, die wie Anna Domino, Isabel Antena, aber auch Carmel eine Mittelding zwischen dem tanzbaren Jazz der Nachkriegsära und dem New Wave der Achtziger suchten.

Mathilde Santing verfolgte ihren Weg in den Niederlanden weiter. In Deutschland eher unbekannt, sang sie englisch, verfeinerte ihr Songwriting und damit einen durchaus eigenständigen Stil. 

„Water under the Bridge“ ist ein reich, instrumentiertes Werk, das aus dem Vollen schöpft und sich neben dem eigenen Pianospiel erlaubt intensiv all das zu nutzen, was man ihr zur Verfügung stellte. Damit repräsentiert sie sowohl im Gesang, wie im Konstrukt der Melodie die Achtziger, aber auch eine Liebe zur verspielten Akustik – die dann auf vielen Ebenenen zeitlose Elemente einbindet. Vieles kann daher wiederentdeckt werden. Dank ihr ihrer klaren Stimme und Intonation bereitet es heute noch Freude. Mathilde Santings Können hat ihr über die Jahre eine beachtliche, stabile Karriere beschert, die es verdient hätte, überregional – auch außerhalb der Niederlande – größere Beachtung zu finden.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert

Tonspur Nr. 7 : Tim Knol „Long live your Friends“

Tonspur Nr. 7 : Tim Knol „Long live your Friends“

Tim Knol - Long live your Friends
Tim Knol – Long live your Friends

Titelliste:

  1. Brand New Day
  2. Under the Gun
  3. To the Darkness
  4. We‘re gonna make it (ft. Tara Wilts)
  5. Long live your Friends
  6. Being in Love
  7. Dance with me
  8. Maybe
  9. Change
  10. Carry on

Zu Tim Knol überrascht mich vieles. Zum Einen die Menge der Alben, die sich in irgendeiner Form bereits bei mir finden. Zum Anderen die Bandbreite des Outputs. Tim Knol ist ein Singer-/Songwriter aus den Niederlanden. Begegnet ist er mir auf dem letzten Bluegrass Festival 2025 in Rotterdam. Dort trat er mit den Bluegrass Boogiemen auf, und das in einer ausgesprochen traditionellen, geradezu stark in den Wurzeln verhafteten Version. Sehr überraschend, vor allem, weil es sich hier um eine Gruppe Niederländer und nicht um Gang knarziger Appalachen-Gitarristen handelt. „Long live your Friends“ ist dagegen geradezu britisches Songwriting. Vielstimmigkeit, Hall, elektrifiziert und lediglich Anklänge an den amerikanischen Folk. 

Ich fand die Platte im Sale des 3345-Shops in Den Haag. Weil ich ihn kurz vorher gesehen hatte, machte mich das neugierig. Feine Popsongs, die gelerntes Handwerk zeigen. Der Mann hat schon einige Jahre auf der Bühne hinter sich und weiß, wie es funktioniert. Kann man getrost auf Konzerten besuchen. Die Melodien, Refrains, sitzen und er weiß mit einem Studio umzugehen. Verspielte Farben, die er einstreut. Alles rund, auf seine Person zugeschnitten, und wie gesagt, gutes, stabiles Songwriting.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert

Tonspur Nr. 6 : Reinhard Mey „Als de dag van toen.“

Tonspur Nr. 6 : Reinhard Mey „Als de dag van toen.“

Reinhard Mey - als de dag van toen

Titelliste:

  1. Ich wollte wie Orpheus singen
  2. Uit min dagboek
  3. Es gibt keine Maikäfer mehr
  4. Als de dag van toen
  5. Über den Wolken
  6. Mein Testatment
  7. Vertreterbesuch
  8. In Tyrannis
  9. Der Mörder ist immer der Gärtner
  10. Komm, giesz mein Glas nochmal ein
  11. Diplomatenjagd
  12. Goede Nacht Vrienden

Schaut man zurück auf die große Zeit der Liedermacher, die Siebziger Jahre, dann ist eine große Ruhe eingekehrt. Die wenigsten Namen haben überdauert und sind heute noch bekannt. Reinhard Mey ist einer der wenigen, die unermüdlich und regelmäßig Alben herausbringen. Mir war bekannt, dass er auch auf französisch unter dem Namen Frederik Mey veröffentlicht. Bei seiner Liebe zum Chanson war das naheliegend. Und funktioniert auch gut. Hört man sich seine französischen Songs, dann verortet man automatisch seinen Stil in Frankreich. 

Dass er auch niederländisch sang, war mir bisher nicht bekannt. Es finden sich nur wenige Lieder in der entsprechenden Übersetzung auf der Platte, aber es ehrt ihn, denn wir alle wissen: Die Niederländer verstehen und können zumeist deutsch, umgekehrt trifft man es selten.

Reinhard Meys Lieder haben in ihrer persönlichen Sicht eine zeitlose Note, die es einfach macht, sie auch nach all den Jahren zu hören. Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen, war er nicht verhaftet in Wellen und Aufregungen der Jahre, in denen er seine Erfolge schrieb. Die Platte beinhaltet die wichtigsten Werke jener Zeit und ist damit gleichzeitig eine „Best of“. Niemals unangenehmen und manchmal wie heimkommen.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert