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Kategorie: Bands

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026
Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Ohne Zweifel war die Handpan jenes zentrale Instrument, dass den Klang der Sonic Harmonics prägte und damit die Richtung vorbestimmte. Als eines der jüngsten, analogen Instrumente, erlangte die Handpan erst in den Jahren nach 2007 Popularität. Aus der Schweiz kommend, handelt es sich um eine Klangfarbe, die sowohl in ihrer Weite wie Tiefe sehr vertraut wirkt. 

So ist es nicht überraschend, dass sie vor allem in ruhigeren Melodien ihre Anwendung findet, und daher vermehrt in einem meditativen Bereich eingesetzt wird. Zwei auseinandergesetzte Metallschalen, deren Vertiefungen gehämmert wurden, führten dadurch zu einem Objekt, dessen Möglichkeiten erst in den letzten Jahren ständig erweitert wurden. 

Ihre Nutzung im Jazz scheint fast folgerichtig, beweist es doch, dass Beide – der Jazz und das Instrument selber – variantenreich genug sind und es mannigfaltige Optionen der Verbindung geben kann. 

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026
Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Die Sonic Harmonics, geleitet von Klaus Buchner – der eigentlich vom Saxophon kommt und damit bekannt ist, aber hier an den Handpans aktiv war – nutzten als Gruppierung mit sehr individuellen und ganz breit gefächerten Mitgliedern damit einen Sound, der an leicht beschwingte Fusion-Experimente mit Folk-Anteilen erinnert. 

Getragen von Melodien, deren Ursprung und Geschichte Klaus Buchner gerne schilderte, zeigten sich die Sonic Harmonics als Meister eines Grooves, der auf leisen Sohlen daherkommt, sich in Naturbetrachtungen zu verlieren mag, doch gerade zu liebenswert um Wohlklang bemüht ist. 

In der Korrespondenz mit dem Cello Henrik Mumms (auch Kontrabass) konnte die Handpan einen kommunikativen Sound entwickeln, der sie veredelte, den Stücken eine beruhigende Essenz verlieh und spannende Konstrukte erlaubte. 

So gab es ganz unterschiedliche Einflüsse, die zum Tragen kamen. In den Wurzeln ist afrikanische Musik, schon durch die Nähe zu den Steeldrums, naheliegend, aber auch Bezüge zu den Liedern Hildegard von Bingens waren gegeben . Letzteres vor allem mit Sarah Lipfert, die die Gruppierung mit ihrer Stimme unterstützte. 

Überhaupt zeigte sich die Band in ihren Solis und der Wahl der Kompositionen, vielseitig und durch die Persönlichkeiten der Mitglieder geprägt. Marcel Millot an den Drums, die er gedämpft, mit Fellen und Tüchern ausgestattet, akkurat, aber mit einem beeindruckend Understatement bediente, sorgte ebenso wie Henrik Mumms für eine solide, selbst in ruhigen Tönen, angenehm schwingende Basis.  

Mit  Sean Ian Guptill an der Trompete hatten sie sowieso, neben Klaus Buchner selbst, einen Frontmann, der an den richtigen Stellen den Drive zu nutzen wusste, und in den herausragenden Passagen mit Sarah Lipfert eine spannende Duettpartnerin an seiner Seite. 

Präsentierten sich die Sonic Harmonics im ersten Teil vorwiegend als eingespieltes Team mit instrumentalen Stücken, so gewann sie durch den vokalen Einsatz von Sarah Lipfert eine Komponente hinzu. 

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026
Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Sie unterstrich den Ausdruck, bereicherte durch Artikulation und brachte eine erfrischende Abwechslung in das Programm.  Das zeigte sich dann auch vor allem im letzten Drittel –  als das Tempo anzog – und  die Fähigkeiten der Sonic Harmonics nochmal zu einem weiteren Level (z.b. mit einer Komposition von Sean Ian Guptill) angehoben wurden.

Die Sonic Harmonics brachten Steffen Schuhmacher zum ersten Mal an den Keyboards mit, aber offenbarten dieses erst zum Schluss in der Bandvorstellung. Gemerkt hätte das allerdings sowieso niemand. Fügte er sich doch nahtlos in den Sound ein, und konnte sowohl in den leisen, wie in den treibenden Phasen die richtigen Akzente setzen.

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026
Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Selbst wenn innerhalb der Band, die Geschichten hinter den Songs zu einem Running-Gag gestalteten wurden, ist es –  neben der entspannten Atmosphäre durch die Stücke – vor allem der freundschaftliche Nähe zu verdanken, die Klaus Buchner und Sean Ian Guptill, über die Bühne hinaus weitergaben, um die Herzen des Publikums zu erobern. 

So vermittelten sie gekonnt, mit ihrer Musik eine Stimmung, die ja – so die Anekdote und Aussage – die Intelligenz hob, die Menschen zueinander brachte und dem Frieden in der Welt hilfreich sein sollte. Hieß es. Glaubhaft. Unbedingt.

Besetzung:

Klaus Buchner — Handpan und Saxophon
Sarah Lipfert — Gesang
Marcel Millot — Drums
Henrik Mumm — Bass und Cello
Steffen Schuhmacher — Piano und Keys
Sean Ian Guptill — Trompete

Externe Links:

Klaus Buchner & Sonic Harmonics – https://www.klausbuchner.de/

Jazzclub Karlsruhe – https://www.jazzclub.de

Sarah Lipfert – https://www.sarahlipfert.de

Henrik Mumm – http://www.henrikmumm.de

Steffen Schuhmacher – https://keys-n-stix.de

Marcel Millot – https://millot.de

Sean Ian Guptill – https://www.instagram.com/seanguptill/

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026
Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

Lia J hatte wohl nur zwei Tage vorher von ihrer Chance erfahren als Support von Lady Blackbird in Karlsruhe auf der Bühne zu stehen. Ohne Band, nur mit Gitarre und Ukulele, sowie einer virtuellen Begleitung durch ihr Notebook, wagte sie sich auf die Bühne. 

Ein Vorprogramm war nicht angekündigt, ihr Name dem Großteil der Anwesenden unbekannt und dennoch – Lia J wusste die Bühne zu nutzen. Kraftvolle Stimme, ein unbekümmerter Charme und die Möglichkeit auf spontane Zurufe zu reagieren gehörten zu den Punkten auf ihre Habenseite. So war es kein Wunder, dass sie das Publikum, das eigentlich auf Lady Blackbird wartete kurzweilig und erfolgreich unterhielt. 

Als Singer/Songwriterin, normalerweise mit einer Band unterwegs, war es vor allem ihre Stimme, die in den Bann zog und die knappe Stunde, die ihr zur Verfügung stand, zu einem Bündel eingängiger Songs zusammen schmelzen ließ. Lia J bot ein Repertoire an, dass sich sowohl der spanischen, wie englischen Sprache bediente. 

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026
Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

In der dargebotenen Form clever ausbalancierte Popsongs, die mit der prägnanten Kraft ihres Gesangs an Persönlichkeit gewannen und in der Darbietung entsprechend schnell die Anwesenden für sie einnahmen. War dann auch kein Wunder, dass Alle zum mitsingen bereit waren, somit der Boden für Lady Blackbird vorbereitet war und alles qualitativ locker zueinander passte. 

Spricht man von Lady Blackbird, so bleibt es nicht aus, zumindestens in zwei Worten auf ihr Outfit einzugehen. Schon immer waren ihre Auftritte geprägt von ihrer Ausstrahlung und ihren phantasievollen Gestaltungen. Barfuss, bekleidet mit einer bestickten Jacke, an deren Schultern ausladende Pfauenfedern angebracht waren, offenbarte sich in Stimme und Präsenz wieder: Hier ist die Queen des aktuellen Souls, mit einem Können, das nicht viel Begleitung braucht, aber sich mit allen messen kann. 

Nahbar, unaufgeregt, begleitet von 3 Bandmitglieder (Gitarre und Piano, Bass und Drums) bewies sie, dass sie jedem Ruf gerecht werden konnte. So war es eine Reise durch ihre bisherigen Veröffentlichungen, auf den Kern herunter gebrochen, und eine Stippvisite in Cover und Songs ihres nächsten Albums. Material, das ihre gesanglichen Leistungen in den Vordergrund stellte und dem Funk genug Platz ließ.

Mit „Come together“ leitete sie nach der erste Hälfte in einen Instrumentalpart, den ihre Band mit Bravour meisterte, schälten sie doch die groovigsten Anteile heraus, steigerten sie furios, klangen dann eher wie eine Fusion-Band aus dem Jazz-Rock-Lager, die dem Funk nicht abschwören wollten, aber holten Lady Blackbird damit natürlich auch wieder auf die Bühne. 

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026
Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

Im zweiten Teil lockerte sich die Rhythmen auf, nahm das Tempo etwas zu, waren die Riffs tanzbarer – Melodien, die die Füße lockten und die weite Spannbreite ihrer Titel zeigte. Anzumerken ist, wieviel Spaß ihr das Konzert machte, wie locker sie von einer Verwechslung erzählte, die ihr die Niederländer verziehen, als sie sie diese dereinst mit „Hallo Germany!“ begrüßte. 

Die Aufregung der frühen Jahre war sichtlich gewichen und die Bühnenpräsenz vom Augenzwinkern und Flirt mit dem Publikum geprägt. Hier war die Lady, hier war der Soul, und selbst der vielbesungene „Major Tom“ wurde zu einer kleinen Hymne und dunklen Ballade.

Lady Blackbird war die Entertainerin und der klangvolle Paradiesvogel des Neo-Soul. Die Frau, die die Flagge hochhält, der die Sympathie entgegen fliegt und mit einem ausgeklügelten, guten Set aufwarten konnte. 

Externe Links:

Lady Blackbird –https://www.ladyblackbird.com

Lia J – https://lia-j.com

Tollhaus – https://www.tollhaus.de

Nick Wheeldon & St. Moon im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 25.04.2026

Nick Wheeldon & St. Moon im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 25.04.2026

Nick Wheeldon & St.Moon im NUN am 25.04.2026
Nick Wheeldon & St.Moon im NUN am 25.04.2026

Es war klar. Wenn der Drummer das Bett hüten muss und daher ausfällt – dann wird es ruhig. Aber bei St. Moon wirkte es wie die Manifestation eines Konzeptes. Mit Gitarre und Keyboard standen im NUN zwei Musiker auf der Bühne, die die Langsamkeit zelebrierten, alles noch eine Stufe tieferlegten und den Grundtakt eines Schlagzeuges fast nicht vermissen liessen. Mag es für andere eine Aufgabe sein, hier trafen sich die Atmosphäre mit der Ambition, und St. Moon verfingen sich im Geschwindigkeitsverlust, atmeten ihre Stücke in einer Gemächlichkeit aus, die passend zur Location einen weiten, tiefen Klangteppich ausbreiteten.

St. Moon stammen zu einem Teil aus zwei Mitglieder der Band „Lambs and Wolves“, die mit Alex Keiling vereint, dem Slowcore huldigten und sich in ihm die Zeit gönnten, die alles braucht. Mit Julian Tröndle an den Vocals (abgewechselt mit Alex), formten sie Balladen zu verlorenen, fast endlosen Wanderungen, in den sie die Geige genauso wie Loops einfliessen ließen, um ein Sound zu kreieren, der in der langen Nacht den Blick schärfen mag. Irgendwo über die Berge hinaus hat man dann die Zeit alles nochmal zu fokussieren. St. Moon gibt einem die Zeit ganz locker –  das ist alles drin. 

Ohne Percussion ging es dann doch nicht, und so sprang Nick Wheeldon ein. Nur leicht und zurückhaltend formte er einen Rhythmus, der seine Anwesenheit zwar zeigte, aber sich fast nahtlos der ruhigen Trägheit der Kompositionen anschloss.

Nick Wheeldon im NUN am 25.04.2026
Nick Wheeldon im NUN am 25.04.2026

Nick Wheeldon, ein Singer-Songwriter, beherrscht eine ausdrucksstarke, brüchige Stimme, die er verwegen einsetzte um ein Bündel Songs mit einem eigenen Charakter zu belegen. Im Gesang offenbarte sich daher eine Klage, die er leidenschaftlich in einem Umfeld aus Folk als ganz eigenen Blues, etablierte.

Kraftvoller als seine Vorgänger, entschlossener im Detail und nur im letzten Drittel von der Band St.Moon begleitet, zeigte sich Nick Wheeldon als ein Interpret, dessen Charme und Ernsthaftigkeit von purem Understatement geprägt war, aber in der Wucht seiner Aussage Respekt einflösste. Man konnte sich das gut vorstellen, in einem Raum – ganz anders als im NUN – in dem Gläser gehoben, die Gespräche nicht verstummen und Nächte lang sind. Nick Wheeldon würde seine Aufmerksamkeit bekommen.

Er offenbart eine Kraft, die ihm Platz verschaffte. Prägnant, erkennbar – im NUN wäre tatsächlich kein Mikrofon notwendig gewesen, um sein Publikum zu erreichen. Im Zusammenhang St.Moon erreichte er nochmal weitere Optionen. Die zeigten dann, dass der Mann mit einer Band seine Songs nochmal veredeln kann. 

Zurück bleibt der Eindruck seiner markanten Stimme, die mit seinen melancholischen Songs, einer Richtung frönt, die der Melancholie aufzeigte und die Story trotzdem mit einem leisen Witz erzählte.

Nick Wheeldon und St. Moon  im NUN am 25.04.2026
Nick Wheeldon und St. Moon im NUN am 25.04.2026

Externe Links:

Nick Wheeldon – https://www.nickwheeldon.com

St.Moon – https://www.instagram.com/st.moon.band/

NUN – https://nun.cafe

Tonspur 39: Real Turds – Leibstandarte Traci Lords

Tonspur 39: Real Turds – Leibstandarte Traci Lords

Tonspur 39: Real Turds - Leibstandarte Traci Lords
Tonspur 39: Real Turds – Leibstandarte Traci Lords
  1. (You’re the) Ringo Starr
  2. Esoteric Love
  3. Cramps
  4. Change your ways
  5. Sunday on my mind
  6. My Way
  7. Overexposed
  8. Girls
  9. Transistor Radio
  10. Leibstandarte Traci Lords
  11. Uptown Weekend Cruiser
  12. Rubber Doll

Orgeln sich durch den Beat als kämen sie aus der Garage. Ganz dem hippen Sound der vergangenen Jahrzehnte verpflichte klopfen die Real Turds auf einer Vergangenheit rum, die nostalgisch einem ungestümen Jugendkult anhängt. Gewagt im Cover und Titel sind die meisten Titel geschicktes Namedropping. Der Gesang (Tex Dixigas) kommt dabei ungehobelt und frech geradeaus. Punk’n’Roll in bester Tradition. Die Real Turds stehen für Partys, schnelle Zitate und hohe Geschwindigkeiten. Immer Richtung Horizont, immer unter Dampf, trashig genug für jeden Spaß.

Heute der Kult-Kram. Steht bei Dixigas-Records noch im Schrank. Archivware, die fast vergessen ist und nur auf den Seiten von Jazznrhythm.com noch gerne gepflegt wird. Sie holzen und bolzen sich durch 12 Titel als hätten sie vorgehabt einen Stapel Singles rauszuschmeissen. Immer den Fuß auf dem Gas, akzentuierte Gitarrenintros, die sich auf „Hey!“ Und „All right“ etwas zusammen reimen. Passt locker zwischen Bubble-Gum-Bildchen und schreiende Poster. 

Die Real Turds beziehen sich dabei auf die Götter der Bewegung , haben die richtig Vokabeln zusammen gemischt, die Regler an den Anschlag gedreht und gnadenlos alles malträtiert, was an Instrumenten im Proberaum rumlag. Das klingt dann entsprechend ungehemmt nach der Geburtsstunde des Beats, stammt aber aus den Gefilden Karlsruhes im Jahre 2006.

Mag der Titel provokant sein, das Cover nicht durch die Zensur kommen, doch die Produktion ist so sauber, dass die Ohren klingeln dürfen. Wenn ihr das Ding findet, dann dürft ihr es euch ruhig gönnen. Die Schweineorgel schwelgt auch noch schön unter dem aufgeregten Chorgesang z.B. wenn die Jungs von den „Girls“ schwärmen. Für die nächste Fete mit dem richtigen Rückblick auf jeden Fall eine nette Sache, die dem Pogo die Würze geben kann.

Das Artwork, in aller Auffälligkeit, ist von Ray Ahn, mitgewirkt hat damals: Jan Hecking, Patrick Bader, Reinhard Beck, Tex Dixigas (himself) und Tobias Graf Carl.