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Kategorie: Heidelberg

Tembeh im +Punkt in Heidelberg am 30.05.2026

Tembeh im +Punkt in Heidelberg am 30.05.2026

Tembeh im +Punkt in Heidelberg am 30.05.2026
Tembeh im +Punkt in Heidelberg am 30.05.2026

Zum ersten Mal begegnete mir Tembeh auf dem Songslam im Karlsruher KOHI. Im Rahmen des kleinen Contest, der Nachwuchs-KünstlerInnen eine Möglichkeit bietet, sich einem Publikum vor zu stellen, nutzte die junge MusikerIn ihre Chance und präsentierte eine Auswahl ihrer eigenen Songs. 

Um vorzugreifen: Ja, sie hatte den kleinen Wettbewerb gewonnen, ebenso wie kurz darauf eine ähnliche Veranstaltung in Heidelberg. Interessant war also, wie würde sie einen ganzer Abend gestalten? 

Das sie mit kleinen Melodie und einem bewundernswerten Mut ihr Publikum für sich einnehmen konnte, hatte sie ja bewiesen. Im Rahmen ihrer Performance brachte sie die Anwesenden zum Mitsingen, Klatschen und Teilhaben. Sie tat das mit einem einnehmenden Charme, aber auch einem großen Verständnis für die Wirkung ihrer Musik.

Der +Punkt ist ein ökumenisches Zentrum im Herzen des Neuenheimer Feld in Heidelberg. Wer mit Heidelberg vertraut ist, weiß, das im Neuenheimer Feld, das Universitätsklinikum angesiedelt ist, ebenso wie Deutsche Krebsforschungs-Zentrum. 

Es damit eine ganz eigene Welt darstellt, die aus Studentwohnheimen, Schwesternhäuser und ähnlichen Einrichtungen besteht.

Inmitten dieses kleine Ortes, der auch Restaurants, Cafés und eine kleine Ladenkette beherbergt befindet sich, mit Nähe zum angrenzenden Neckar, der +Punkt im Erdgeschoss eines Wohnheims.

Der schlichte Raum, feierlich mit dekorativen Lampen und Blumen an den Mikrofonständern ausgestattet, diente Tembeh für die Vorstellung ihrer eigenen Stücke. Die Detailverliebtheit hinsichtlich der Konzeption, Abfolge und dem Design des kompletten Abends offenbarte, wie viel ihr diese Möglichkeit bedeutete. 

Tembeh im +Punkt in Heidelberg am 30.05.2026
Tembeh im +Punkt in Heidelberg am 30.05.2026

Tembeh stammt aus Südafrika. In ihren Liedern, ihrer Ansprache und der hoffnungsvollen Lyrik, in die sie ihre Werke einbettete, nutzte sie die englische Sprache.

Sie flocht aber hin und wieder deutschsprachige Zeilen ein, die zur Verdeutlichung der Texte beitrugen. Damit ging sie einen außergewöhnlichen Weg, der jedoch gleichzeitig ihr tiefes Verständnis für die Klangfarbe und ihren Gesang aufzeigte. 

Tembeh zeichnet sich durch eine warme, ruhige Stimme aus, die  – nur begleitet von Gitarre, Klavier oder Harfe – eine prägnante  Wirkung erreicht. 

Getragen von einer positiven Ausstrahlung, die sie sowohl in ihrem Auftritt, wie auch in der handwerklichen Kunst der Kompositionen vermittelte, fiel es ihr leicht ihr Publikum auf eine Reise mitzunehmen. Es war schlicht fasziniert.

Der Wechsel zwischen verhaltenem, geradezu andächtigen Lauschen und einer Beteiligung an ihren Künsten – sei es Grollen oder Klatschen, das Klingeln mit bereit gelegten Glöckchen – man war nur zu bereit ihr zu folgen. 

In ihrer Performance vermittelte sie damit nicht nur eine Botschaft, die alle Menschen dazu aufrufen möchte, den Träumen und Möglichkeiten, die man hat, gewahr zu werden, sondern auch eine geruhsame Kraft, die ihrer Spielweise innewohnt. 

Tembeh ist eine jener Singer-/Songwriterinnen, bei denen man sehr schnell den Eindruck gewinnt,  es gibt tief in ihr eine Harmonie und einen Einklang mit sich und ihrem Können. 

Es sind die richtigen Griffe, die richtigen Tasten, und dennoch ist es die Unaufgeregtheit und ihr Wesen, dass aus dem Abend etwas besonderes formt. Da bleibt – zu guter Letzt –  der Eindruck, da kommt noch sehr viel, da ist eine Menge Potential. 

Denn allein in einem Raum, der schlicht und spartanisch daherkam, formte sie nur mit karger Instrumentierung einen feierlichen Moment. 

Und natürlich führte das zu Standing Ovations und zwei Zugaben. 

Externe Links:

Tembeh – https://tembeh.world

+Punkt – https://pluspunkt-hd.de

NESS im Karlstorbahnhof, 23.05.2025

NESS im Karlstorbahnhof, 23.05.2025

NESS im Karlsrtobahnhof, 23.05.2025

Alle Hoffnung auf NESS. Oder anders gesagt: Wenn es so bleibt, dann kann es nur besser werden. 

NESS im Karlstorbahnhof. Fast ein Heimspiel. Selten ein Konzert erlebt, in dem das Publikum so textsicher war. Von der ersten Sekunden bis zur letzten Minuten. Viele mit dem richtigen T-Shirt. Erkennbar eine Rückkehr, ein Wiedererkennen, etwas wie ein Treffen.

Eine junger Österreicherin, textlich zwischen Zerbrechlichkeit und erfrischender Frechheit, angstlos im deutschen Text angesiedelt. NESS gehört zu jenen jungen, selbstbewußten Menschen, die die Klaviatur des Internets beherrschen, im Streaming und den Videos firm genug sind, um zu einem Phänomen zu werden. Eines, das nun einfach auftaucht und erstaunt. 

Ihre Lyrics erzählen von der Liebe, der Enttäuschung, sind trotzig, entschieden, schwankend und damit beeindruckend nahe dran. Ihre Fans, die sich tapfer sammelten, liebten sie, verehrten sie, unterstützten sie, wenn sie lachend den Text vergaß, sich entschuldigte und gemeinsam mit ihnen zusammen weiter sang. Ihr flogen dabei alle Sympathien zu. 

Selbstsicher, energisch, begleitet von einem Schlagzeug und einem Gitarristen/Keyboarder, griff sie hin und wieder selbst zur akustischen Gitarre, nutzte die Möglichkeiten des Raps, des Gesangs, aber auch der ruhigen Töne. NESS hatte – ohne Vorgruppe, mit einem entschlossenen Einstieg – eine beeindruckende und charmante Beziehung zu jenen, die ihre Lichter schwenkten und die Party unbedingt mit ihr feiern wollten.

Der Karlstorbahnhof hatten die Halle zur Hälfte abgegrenzt, aber ihr die ganze Größe der Bühne gelassen. Was sie gerne nutzte. Daher im Kontakt zu den ersten Reihen, hin und hersauste, sprang, außer Atem geriet, aber mit Charme alles ausglich.

Die Eingängigkeit und Hittauglichkeit, aber auch ihre Bühnenpräsenz, die auf Freundlichkeit und Authenzität beruhte, offenbarten ein nachvollziehbares Potential. NESS hatte sie Alle auf ihre Seite. 

Ohne Zweifel könnten es auch mehr sein. Festivals, große Stadien, die richtigen Vorprogramme und es wird noch einiges folgen. 

Bisher aufgefallen durch Kooperationen (Kontra K, Unheilig etc.) gibt es vieles, was noch kommen kann. NESS hat die Energie, die Möglichkeiten, die Entschlossenheit und die Bereitschaft, sich auf all das ein zu lassen. 

In diesem Jahr eines der Konzerte, das vor allem durch seine Freundlichkeit auf beiden Seiten aufgefallen ist. Wer die Chance hat, sie in einem solchen kleinen, liebenswerten Rahmen zu sehen – mitnehmen. Wenn es größer wird, bleibt es spannend. Aber dann geht alles viel schneller. 

Externer Link:

NESS- Instagram – https://www.instagram.com/eyitsness/?hl=de

Karlstorbahnhof – https://www.karlstorbahnhof.de/

Queer Festival Heidelberg – https://queer-festival.de/programmuebersicht-2025/

Das Klezmer Quartett Heidelberg im Kultur Fenster, Heidelberg, am 11.05.2025

Das Klezmer Quartett Heidelberg im Kultur Fenster, Heidelberg, am 11.05.2025

Das Klezmer Quartett Heidelberg im Kulturfenster, Heidelberg am 11.05.2025

Fast schon eine Institution. Immer im Sinne der Aufklärung. Das Klezmer Quartett Heidelberg gastierte, eine Tradition, im Kulturfenster Heidelberg.

Der erste Auftritt vor 25 Jahren fand ebenso in diesem Rahmen statt, wie die jährliche Wiederkehr. Das Kulturfenster Heidelberg ist eins der ambitionierten, kleineren Veranstaltungsorte. Ausgestattet mit einer überschaubaren Anzahl Sitzplätzen, rangiert es immer noch etwas versteckt unter den Geheimtipps, aber ist in Professionalität und familiärer Atmosphäre auf jeden Fall einer der angenehmeren Orte.

Das Klezmer Quartett Heidelberg gehört nicht nur zu den geschätzten Stammgästen, sondern ist auch verbunden mit seiner wechselvollen Geschichte, die begründet im Tod eines Bandmitglieds beinahe vor Jahren das Aus der Formation hätte bedeuten können. 

Sie machen seit einigen Jahren entschlossen weiter und schauen dabei auf ein vielseitiges Repertoire zurück. Erlaubt es ihnen doch, geübt und nonchalant mit Witz und Anekdoten, durch die Geschichten der Band und der Musik des Klezmer zu führen.

Akkordeon, Trompete, Saxophone, Klarinette, sowie Stehbass dienen dabei als Grundlage für eine virtuose Reise durch die Historie des Musikstils. Vor allem Ausgrabungen, frühe Veröffentlichungen, fast vergessenes und neu interpretierte Klassiker liegen ihnen am Herzen. Namen, die eher nicht geläufig sind, aber für die Reichhaltigkeit der ganzen Richtung stehen. Vier Musiker, alle individuell und solistisch stark genug, die Akzente der unterschiedlichen Varianten zu betonen.

Das Klezmer Quartett sind die fröhlichen Forscher und gewitzten Übersetzer der Vielseitigkeit. Sie wagten sich an die Transkription einer Dudelsackgruppe (die ausgesprochen groß und fett geklungen haben muss). Aber genauso jedoch an eine verschollene Aufnahme, die titellos auf einem Tape seinen Weg in die Setliste gefunden hatte. Das „Stückle“. Weil kurz, prägnant und unbekannt.

Gefeiert, angenommen, und gerade zu enthusiastisch begrüßt In diesem Rahmen, war es für das Klezmer Quartet Heidelberg die Heimkehr in das eigene Wohnzimmer. So fanden sich selbstverständlich Klassiker, bekannte Melodien, Jazz-Sprengsel, aber auch die schwungvollen Einflüsse des Balkans in ihrem Spiel. 

Dabei eingespielt, geübt, gewappnet mit Zitaten, blieb der Band zwischen all Spielfreude, und dem ausgedehnten Programm, Zeit und Besinnlichkeit auf den aktuellen Zustand der Demokratie, wie auch dem bedauerlichen Tod der letzten Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer hinzuweisen.

In einer Zeit, die von eine anstrengende, politische Situation geprägt ist, macht es Sinn die Geschichte des Judentums, dessen Vertreibung und Migration, immer im Kontext zu der Entwicklung ihrer Musik zu sehen ist. Und auch eben hinsichtlich der Aktualität zu betrachten.

Das Klezmer Quartett bewegt sich mit der Gradwanderung geübt auf einem geradezu schwierigen Feld.  Der Charme der jüdischen Musik war ja immer gezeichnet von der Diaspora und der Offenheit für Orchesterwerke. Manchmal auch nur dem Broterwerb dienend, hatten fremde Stücke nichtsdestotrotz ihre Wirkung auf das Schaffen der Musiker. So ist auch aus dem Spiel des Klezmer Quartetts Heidelberg, die Tanzmusik des frühen 19. Jahrhunderts, genauso wie der Sound der kräftigen Big-Bands, ausgedrückt im lauten, überschäumende Spiel aus Trompete und Akkordeon, nicht wegzudenken.

In all den Jahren, und sie sind ja nun schon einige dabei, haben die vier Musiker es geschafft ihr Publikum zu festigen, in ihrer Bühnenpräsenz und dem Zusammenspiel mit einem Augenzwinkern alle Klippen zu umschiffen und der Selbstironie für einen sympathischen Abend viel Raum zu lassen. Das Klezmer Quartett bleibt auch nach all der Zeit erfrischend, und das Einzige, was man sich vielleicht nach 14 Jahren wieder wünschen würde, wäre sie – mit all ihrem Wissen und ihrer Kunst, sie mal wieder ins Studio zu schicken, um eine weitere Veröffentlichung auf CD zu wagen. Aber sie haben ja noch Zeit. Kein Grund die Hoffnung aufzugeben.

Externe Links:

Das Klezmer Quartett Heidelberg – https://www.klezmerquartett.de/

Das Kulturfenster Heidelberg – https://www.kulturfenster.de/

Yara in der Halle 02, Heidelberg am 05.04.2025

Yara in der Halle 02, Heidelberg am 05.04.2025

Yara in der Halle 02 am 05.04.2025

Ein Heimspiel. Für Yara. Quasi, da Yara eine Heidelberger Band sind. Keyboard, Gitarre, Bass, Schlagzeug. Momentan noch ein Streaming Wunder, aber auf einem bewundernswerten klaren Weg in die Eigenständigkeit. Genres sind was für Langweiler, Vergleiche für die, die es nicht besser wissen. 

Yara arbeiten sich an der Tradition ab. Deutsches Liedgut, das seinen Platz sucht zwischen dem Chanson, dem Folk (hier Volkslied) und einer modernen Tanzbarkeit. Da wurde der Eisbär von Grauzone neu interpretiert. Und die Geige auf die Bühne geholt. Honoriert und gefeiert wurde alles. 

Yara spielen die Songs, die in tiefer Melsncholie einen versoffenen Trotz entwickeln. Jetzt erst recht. Jetzt noch lauter. Kleine, abstrahierte Geschichten, die in kurzen Blicken und Phrasen von dem Verlust oder der Unerreichbarkeit der Liebe erzählen. Sie ist halt nicht mehr da. Weg. Verflucht. Was bleibt, das ist natürlich Sehnsucht. Und diese Sehnsucht schwappt immer wieder durch. Und über. Yaras Songs lassen sich singen, summen und gröhlen. Die Stimme des Sängers ist immer etwas rauer als die unsrige. Was ihm beim „ Champagner aus dem Aschenbech“ die notwendige Authentizität verleiht.

Man nimmt ihnen das ab, dass ihre Nächte länger, ihre Tage kürzer und die Gefühle dafür tiefer sind. Poesie und Straße sind die Mischung, die das Publikum zum mitsingen, feiern und johlen brachte. Ihre erste Tour – ihr Tonträger kommt irgendwann im Laufe des Jahres raus und überhaupt scheint alles sehr, sehr gut für die Lokalhelden zu laufen. 

Es mag gerade ein Jahr her sein, als sie in meine Timeline gespült wurden. Nun spielten sie vor einem Publikum, dass ihre Songs auswendig kannte, sowie willig und bereit war alles mitzumachen. Die Halle 02 kann eine schwierige Bühne sein, die Zusammensetzung in Heidelberg fluktuierte stark. Unistadt. Man könnte sagen, wer es hier schafft, dessen Name wird hinaus getragen in die große, weite Welt.

Yara haben das Zeug dazu. Was sie in der Tradition der großen Namen, die vor ihnen kamen, mitnehmen konnten, haben sie drauf, aber gleichzeitig die Schnoddrig- und Respektlosigkeit des Punks. Trotzdem bleibt es klassisch, rund und genau die Songs, die angestimmt werden, wenn die Bar schließen will und man echt noch keinen Bock darauf hat. Das ist frech, das ist zeitgemäß, wild genug um dir vorwärts zu schieben, und so wie es aussieht, wird der kleine Saal der Halle 02 nicht mehr ausreichen.

Externer Link: Yara – https://www.yaramusik.de/

Externer Link: Halle 02 – https://www.halle02.de/