Fabian Willmann Trio im KOHI am 10.12.2025

Fabian Willmann Trio im KOHI am 10.12.2025

Fabian Willmann Trio am 10.12.2025 im KOHI
Fabian Willmann Trio am 10.12.2025 im KOHI

Um es gleich zu Beginn zu sagen: Das Setup war angenehm klassisch. In dieser Konstellation spielten Jazzgrößen. So wurde schon immer das geschaffen, was wir in Erinnerung behalten. Und genau da reihte sich das Fabian Willmann Trio ein.

Bestehend aus Fabian Willman am Saxophon, Arne Huber am Bass und Jeff Ballard an den Drums, bewegten sich sich schnörkellos und gradlinig durch die Nacht. Spielten genau jenen Jazz, der zum Nieselregen, den Autoscheinwerfern und einem Schwarzweßfilm von Woody Allen oder Jim Jarmusch passen würde. Der perfekte Soundtrack für die Straßen von New Orleans und der gewünschte Swing, um Jazz voll Spielfreude auf das zu reduzieren, was er mal war.

Mit gut gesetzten Solis, den richtigen Balladen und einem Gefühl für Breaks und Rhythmus gelang es ihnen, das KOHI in einen Jazzclub der frühen Jahre zu transformieren. Das Fabian Willmann Trio spielte dabei beflissen, detail- und variantenreich in der Modernen, zitiert gerne, aber verzichtet auf Gimmicks und blieb in der Instrumentierung geradezu puritanisch der Tradition verbunden. 

Spannend im Zusammenspiel, aber auch in der Auswahl ihrer Stücke, die fast alle selbstkomponiert und aus der Feder von Fabian Willmann stammten. Ein bündiges, transparentes Gesamtwerk, dass im langsamen wie schnellen Bereich die Möglichkeiten, die sich ihnen boten, zu nutzen wussten.

Fabian Willmann Trio am 10.12.2025 im KOHI
Fabian Willmann Trio am 10.12.2025 im KOHI


Das Fabian Willmann Trio sei all jenen ans Herz gelegt, die gerne dem Saxophon Raum geben, das Bass in all seiner Lässigkeit und Coolness vernehmen wollen und den Schlagzeuger lieben, der seine Drums mit Enthusiasmus, trocken und rührig durch die Melodien trägt. Mit einer hingerissenen Mimik, die alles noch viel fühlbarer macht.

Das Detailreichtum der einzelnen Stücke verlangt Aufmerksamkeit, aber der Groove, der kurz darauf folgt, den wippenden Kopf, die schnippenden Finger und heimliche Ausfallschritte. Das Fabian WIlmann Trio hat eine Herangehensweise und Flexibilität, die gleichermaßen sympathisch und poetisch wirkt. Die 

So locker wie es daher kam – geschlendert fast –  so lyrisch und anmutend konnte das Saxophon einen Part übernehmen, der in seiner Intensität und Klangfarbe den balladesken Stücken eine ganz eigene Melancholie einflößte.

Präsentiert sich das KOHI als Jazzclub, dann ist das immer auch ein starkes Stück Authentizität, das erlaubt Gruppen dieser Größenordnung, eine Bühne zu bieten, die sie so nahbar und erlebbar macht. Die Reduzierung – auf Bass, Saxophon und Drums – wird dadurch mehr als glaubwürdig. Denn, umrahmt von all den Plakaten, bekommt die Räumlichkeit eine Zeitlosigkeit, die dem Jazz, genossen auf schnell aufgestellten Bierbänken, nur gut tut. 

Das Fabian Willmann Trio wußte das zu nutzen. Sie überzeugten auf diesem Release-Konzert für ihr neues Album „Freedom“. Zum schnippen, zurücklehnen, an einem Mittwochabend, während draußen der kalte Regen über das Land zieht, einfach das Beste, was man machen konnte.

Externe Links:

Fabian Willmann Triohttps://fabianwillmann.com

Kohi https://kohi.de

Triosence im Tollhaus am 7.12.2025

Triosence im Tollhaus am 7.12.2025

Triosence im Tollhaus am 07.12.2025
Triosence im Tollhaus am 07.12.2025

In ungewohnter Umgebung zeigte sich Triosence am 7.12.2025 im Tollhaus. Nach all den Jahren, in denen sie an den verschiedensten Orten in Karlsruhe gespielt hatten – und dabei ihr Publikum eroberten – fand sich die Musiker nun in dem kleinen Saal der Kulturstätte wieder.

Triosence sind akribische, detailfreudige Instrumentalisten, die mit einer überschäumenden Spielfreude eigentlich im Jazz angesiedelt sind, aber durchaus andere Genres bis hin zur Neo-Classic einfließen lassen. Das machen sie mit einem Verve und einer Nonchalance, die den Abend zu einem einzigartigen Event gestalten. 

Ihr Können aus der 26jährigen Bandgeschichte offenbart eine Harmonie und einen Zusammenhalt, der das Fundament ihrer Partnerschaft, aber auch ein punktgenaues Spiel erlaubt. Triosence sind akkurate Handwerker, verspielte Musiker und im Kleinen wie Großem mit einer verschmitzten Experimentierfreude unterwegs.

Triosence im Tollhaus am 07.12.2025
Triosence im Tollhaus am 07.12.2025

Angereichert mit Anekdoten des Komponisten und Pianospielers Bernhard Schüler, stellte die Band – unterstützt von dem Bassisten Omar Rodriguez Calvo und dem Drummer und Percussionisten Tobias Schulte – ihr neues Album „Stories of Life“ vor. 

Dabei zeigten sie wieder einmal ein einfühlsames, dennoch swingendes, faszinierend groovendes und differenziertes Werk. Dabei war ganz offensichtlich, dass dem ein Fundament aus Erfahrung und fruchtbarerer gegenseitigen Beeinflussung zugrunde liegt. Denn es gehen – und darauf legten sie Wert-  den Stücken Prozesse der Diskussion und der internen Kritik voraus, die es allen ermöglichen ihren Fähigkeiten eine Bühne zu bieten.

So nutzte Tobias Schulte ein Sammelsurium aus knisternden, raschelnden Percussioninstrumente. Er bespielte sie in allen möglichen Varianten, um sie dann mit allem – was ihm zur Verfügung steht –  ganz überraschend zum Klingen brachte. Während Bernhard Schüler das Piano in gleitenden, verlierenden, aber auch gewaltigen Tönen, sowie an den Saiten gezupft und gestrichen, spielte. 

Dem Reichtum an Möglichkeiten folgte Omar Rodriguez Calvo problemlos. Mit geradezu zarter Vehemenz vermochte er dem Swing, den klassischen Jazz, die wilden Jahre in kurzen Zitaten zu beleben, und den Werken einen Drive zu geben, der viel Raum für Einflüsse und kunstvollen Fahrwassern ließ.

Triosence im Tollhaus am 07.12.2025
Triosence im Tollhaus am 07.12.2025

Triosence gehören seit Jahren zu den schwungvollsten und gleichzeitig berührendensten Jazz-Trios, die sich als Grenzgänger betätigten und ihre Nummern wieder mal humorvoll, gespickt mit kleinen Geschichten und Erzählungen vortrugen. Im Gesamtkonzept bündig, konnten sie auf eine Diskographie zurückgreifen, die zwar homogen mit den Coverbildern des Onkels von Bernhard Schüler eine Galerie schmücken mag, aber in der Vielseitigkeit der Komposition für eine lebendigen, farbigen Abend voll den verschiedensten Elementen stand.

Wie die Documenta in Kassel der Stadt zu einem Namen verhalf, so ist das Jazz-Verständnis von Triosence in ihrer Heimatstadt begründet und trägt ihren Ruf durch die Konzerthallen und Clubs der Region. Im Tollhaus führte Triosence zu einer Atmosphäre, die zwischen aufgeregtem Mitwippen und geschlossen Augen schwankte. 

Was wie eine Unvereinbarkeit klingt, gelang der Band innerhalb der einzelnen Kompositionen. Wege und Wanderungen durch musikalische Erzählungen zu gehen, die ein Reichtum an Möglichkeiten und Zitaten bot. 

So klangen vieles heraus, was bekannt und gewohnt nur für Sekunden aufflammte, um zu berühren und ein Lächeln hervor zu zaubern. Triosence offenbarten einen ganz eigenen Humor, der sie und ihr Publikum begleitete und zum Abschluss unwillkürlich zu Standing Ovations führte. 

So das feststand: Alle werden wiederkommen, und ihrem Charme und Können erliegen.

Externe Links:

Triosencehttps://triosence.com

Tollhaushttps://www.tollhaus.de/

Rene Lober

Rene Lober

Rene Lober (11. September 1963 - 16.November 2025)

11.September 1963 – 16. November 2025

Es sind die vielen, kleinen Anekdoten. Die aneinandergereihten Geschichten, die nicht mehr in der richtigen Reihenfolge erscheinen. Sie tauchen plötzlich aus der Erinnerung wieder auf. Sie lassen Innenhalten. Und erschüttern mit ihrem Wissen: Es wird nicht mehr so sein.

Rene ist gestorben. 

Viel zu früh, viel zu überraschend. Ich dachte immer, wir werden alte, grantige und lässige Männer. Hängen dann in Cafés ab und erzählen uns Geschichten aus der gemeinsamen Zeit. So wie man das macht. René mit der Selbstgedrehten in der Hand und dem Baileys im Kaffee. Ich mit einem Espresso, der in der Milch fast verschwindet. 

Wir hätten viele Themen gehabt. Es gab immer eine Menge zu besprechen. Wir kannten uns aus einer Zeit, in der wir die Nächte durchtanzten und viel diskutierten. Wir tranken so einiges, und dachten wir stünden kurz davor, der Welt einen neuen Drall zu geben. 

Da war dieser gepfefferte Wodka aus Schweden. Mit dem hätte man Löcher ins Eis schmelzen können. Das Zeug brannte. War vernichtet an einem Abend mit Literatur und anderen wilden Sachen.

Schaue ich heute zurück, dann sind es auch diese wunderbare und fast vergessene Momente, die mein musikalisches Verständnis prägten. Gar nicht so wenige davon, verdanke ich René. Er hatte die seltene Gabe, sich auf Töne und Klänge einzulassen. Die vielleicht auch mal borstig, neu und eher ungewöhnlich daher kamen.

Ich schleppte die erste Adam & the Ants-LP zu ihm. War nicht seins, aber er mochte das Getrommel. Zwei Schlagzeuge. Wie schön wild.

Wir stürzten uns in das Pogues-Konzert 1988 in der Schwarzwaldhalle. Er mochte Folk-Punk.. Wir wurden mitgerissen, prallten gegeneinander und gegen die Anderen. Waren beeindruckt, von dem ungestümen Pogo, und der Rücksichtnahme, die damit einherging.

Rene Lober (11. September 1963 - 16.November 2025)

Wir waren uns einig, dass Giora Feidmann eine ganz wunderbare Klarinette spielt. Und Shantel geiles Zeug macht. Wir saßen gemeinsam vor SOHN andächtig auf dem Teppich im Jazzfestival Rotterdam 2014.  Sehr angetan von dessem damals ungewöhnlich dramatischen und abgeklärtem Auftritt. 

Aber Rene’s Liebe gehörte auch Al Jarreau, den er in seiner Jugend gerne musikalisch zitierte (und dabei in der Mimik so sehr ähnlich war, dass es uns beide überraschte, als wir ihn das erste Mal live sahen).

Meine Liebe für Klezmer, mein Zugang zur Balkan Musik, und mein unbefangener Umgang mit der Klassik – haben sehr viel mit René zu tun. Es wird ihm nie bewußt gewesen sein. Denn ich habe es ihm gegenüber wahrscheinlich nie geäußert.

Wir teilten nicht alle musikalischen Vorlieben.  Aber er begegnete den Sachen, die ich gerne anschleppte, vorurteilsfrei und mit Interesse. Seine Neugier war so groß, dass ich ihn nicht abschrecken konnte. Seine Bereitschaft sich auf Neues einzulassen zeichnete ihn aus.

Die Beatles waren seins, Nick Cave war unseres, Tom Waits sowieso, Brian Eno war interessant. R.L.Burnside richtig gut.  Die Cramps verschenkte er, nachdem er sie mal gehört hatte und war verwundert über deren Titel. 

Rene Lober (11. September 1963 - 16.November 2025)

Er mochte Pop, Jazz, Folk, Soul, das klassische Gitarrenspiel, genauso wie die Lyrik Franz Josef Degenhardts, den er sehr verehrte. Alles aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, aber es ist wichtig zu verstehen, wie vielfältig und tolerant sein Verständnis der Kunst war. 

Wir waren bei den Pet Shop Boys im Mannheimer Eisstadion, und hätte es eine Chance gegeben, solche Größen wie Piaf zu sehen, so hätten wir es wohl auch getan.

So wie René mit der Musik umging, so begegnete er auch den Menschen. Er war ihnen schnell vertraut, unterhielt sich mit Ihnen und feierte mit ihnen. Es gab Abende, in denen die Zusammensetzung meiner privaten Feste gewagt schienen. Hinsichtlich der politischen Richtung der Gäste oder ihrem Status. Eine bunte Mischung aus allem, was die einzelnen Fraktionen zu bieten hatten, und es waren die schönsten, entspanntesten und lustigsten Abende. Er konnte mit politischen Gegnern lachen, sie warm in sein Herz schließen, und hilfsbereit zur Seite stehen. Er war bereit Brücken zu bauen, mit jedem erstmal am Tisch zu sitzen und dem Abend eine Chance zu geben. Wir hatten viel Spaß. Die Anwesenden schwärmten von ihm. Sie erinnerten sich. Er blieb ihnen im  Gedächtnis.

René pflegte viele Freundschaften. Manche von einer Intensität, die über viele Jahre und große Distanzen gingen. Seine Bereitschaft zur Hilfe war manchmal größer als die ihm zur Verfügung stehende Zeit. Er half bei Umzügen, Renovierungen, liegengebliebene Autos und Computerproblemen. Es war Teil seiner Legende und Biografie. Ich war manchmal überrascht, in welchem Zusammenhang er plötzlich in der Wohnung ganz anderer Freunde stand und den Farb-Pinsel schwang.

Rene Lober (11. September 1963 - 16.November 2025)

Er stellte mir hunderte von Menschen vor, von denen ich die wenigsten wiedersah. Seine Netze waren groß, seine Bekanntheit unglaublich und es gab immer einen Platz in seinem Herzen und seinem Tisch.

Sein Wissen um Literatur, regionale Künstler und sein Wille über diese zu sprechen, ihren Wert zu vermitteln, war mir eine Freude und Genuss. Unsere Gesprächsthemen, die sich mit zunehmenden Alter auch den Gebrechen zuwandten, waren immer angefüllt mit Inspiration und Ideen, die ich mit heim nahm. Ich werde es schmerzlich vermissen.

Er muss auch Kurt Vonnegut mit seinem Bestseller „Slapstick“ Jahre nach der Veröffentlichung einen kurzen Ruhm verschafft haben. Schenkte er doch jeder Person, die einst mit ihm die Abendschule besuchte, eine Ausgabe des Romans.

Er schenkte gerne. Seine Aufmerksamkeit, sowie sein Hab und Gut. Und Dinge, die eine Erinnerung und eine Idee hervorriefen. Seine Geschenke kamen spontan und überraschend, Kleinigkeiten manchmal, aber hin und wieder auch von einer erschütternden Großzügigkeit, die einen staunen machte.

Meine Jahre in Heidelberg trennten uns praktisch, wir lebten mehrheitlich an verschiedenen Orten, in anderen Freundeskreise. Unsere Ziele, Hobbys, Wege, und unser Engagement waren sehr unterschiedlich. Ich erlebte seinen Einsatz, war fasziniert von seiner Unermüdlichkeit, von der stetigen und fleißigen Präsenz bei bestimmten Themen. Diese Kontinuität in einem durchaus farbigen, bunten und spannendem Leben, flößte mir Respekt und Bewunderung ein. 

Für mich blieb er der Freund, den ich von Tag zu Tag stärker vermissen werden.

Wie gesagt, es gibt Zeiten und Erinnerungen, die mich erschüttern, Auch weil es niemanden mehr gibt, mit dem ich sie in Zukunft teilen werde.  Es wurde mir so abrupt genommen  -sein schmunzelndes Lächeln zu erleben. Wenn wir wieder mal – einem unserer Gespräche – durch die Kultur oder unsere Geschichte reisten. Kreuz und quer, jede Abbiegung zwischen UBU, Cafe Wien und ähnlichen Orten nahmen.

Wir wären tolle, alte Männer geworden. Ein bißchen selbstgefällig, sehr locker und ständig mit Erzählungen aus einer fantastischen Zeit. Wir hätten es uns gemütlich gemacht, in irgendeinem kleinen Straßencafé und alle betrachtet, die keine Zeit dafür haben. Wäre großartig geworden.

Rene Lober (11. September 1963 - 16.November 2025)

The Green Apple Sea & Joe Astray im Kohi am 5.12.2025

The Green Apple Sea & Joe Astray im Kohi am 5.12.2025

Stefan Prange von The Green Apple Sea im KOHI am 5.12.2025
Stefan Prange von The Green Apple Sea im KOHI am 5.12.2025

Finden in diesen Tagen Konzerte im KOHI statt, dann ist es für die Künstler fast normal, darauf zu verweisen, wie bedrohlich die Situation in Karlsruhe für Bühnen dieser Größe ist. Der Haushalt der Stadt und die derzeitige Debatte treibt die Menschen auf die Straße und die Clubs an den Rand der Finanzierbarkeit.

Es sind viele Themen, die aktuell die Kulturschaffenden – vor allem MusikerInnen – bewegen. Der Fortbestand von Einrichtungen, aber auch der Umgang mit dem Ergebnis kreativen Schaffens, verdient mehr Aufmerksamkeit. Nur wo der Boden fruchtbar bleibt, kann Großes wachsen. 

Bands wie „The green apple sea“ – dieses Mal im KOHI vertreten durch ihren Frontmann Stefan Prange – werkeln seit vielen Jahren an handgemachten Songs und beleben damit Orte wie das KOHI und NUN. Auch an dem gestrigen Abend zeigte sich, dass eine kleine Community aus der Nachbarschaft, aber auch angereiste Besucher aus der Umgebung und von außerhalb hier einen Anziehungspunkt sahen.

Stefan Prange konnte auch solo, ohne die Unterstützung der kompletten Band, überzeugen, in dem er die Songs herunter brach zu wohlklingenden Balladen, die irgendwo zwischen Bergen und Tälern ihre Wurzeln hatten. Erzählungen und Geschichten, verknüpft mit Anekdoten und Ansagen, die er mit einem feinen, selbstironischen Humor vortrug, dabei bewies, wie sehr er die Kommunikation mit den Anwesenden beherrschte.

Er zeigte damit, dass er einer der alten Hasen ist, die das Songwriting fast lässig präsentieren, während all das Können und die jahrelange Erfahrung die Dinge erst rund und stimmig werden liessen. „The Green Apple Sea“ haben das Glück und die Geduld in ihrer langen Geschichte nur eine Handvoll Tonträger hervorgebracht zu haben, die aber von einem ausgereiften Handwerk und einem schönen Umgang mit Lyrics zeugen.  Um die Melodien dann auf einen Punkt zu bringen. 

Das greift bei Americana zu, nutzt den Folk, funktionierte solo und lässt dennoch hoffen, ihn bald wieder mit Band zu sehen. Wo auch immer. Denn er kann es – und die Konzerte sind zu angenehm, um sie sich entgehen zu lassen.

Joe Astray im KOHI am 5.12.2025
Joe Astray im KOHI am 5.12.2025

Joe Astray hatte ich schon mal in einem Podcast zu Gast, und viel zu selten live gesehen. Obwohl er auf seinen ständigen Reisen und im andauernden Wechsel zwischen dem Norden und Karlsruhe, das KOHI fast als seine Heimat betrachtet. 

Joe Astrays Songs sind energisch, straßenerprobt. Seine Stimme trägt und funktioniert locker ohne Mikrofon. Seine Lieder beinhalten eine kraftvolle Melancholie, in der sein Gesang außergewöhnlich stimmungsvoll und rückhaltlos die Verletzlichkeit, aber auch Entschlossenheit präsentiert. Im Kohi war es daher nicht ungewöhnlich, dass er hin und wieder ohne Verstärkung und im Publkum sang. 

Er tat dieses selbstverständlich, mit dem Bewusstsein eines Könnens, dass wohl durch seinen Kontakt zur Straße –  und  den Begegnungen –  gestärkt worden ist. 

Joe Astray wußte das KOHI zu nutzen, seine Größe, die Gemeinschaft der Anwesenden, aber vor allem den Raum, der sich ihm dadurch bot. Seine Darbietungen – begleitet von Einführungen, Erzählungen und Hintergründe – wirkten teilweise ebenso rau und energisch, wie die Umgebung der Südstadt, die in ihrer Buntheit und Wärme Widersprüche pflegt und reizvoll macht. 

Joe Astray im KOHI am 5.12.2025
Joe Astray im KOHI am 5.12.2025

Joe Astray verwies eindrücklich auf die am Samstag stattfindende Demo – die Notwendigkeit zum Erhalt der Kultur am Werderplatz. Bewies dabei mit seinem Auftritt, dass es nur in diesem Rahmen die Möglichkeit gibt, ein alternatives Leben zu Spotify und Konsorten zu finden. Musik, die jetzt, live, im Moment stattfindet. Erfühlbar und in der Nähe der Schaffenden. Tauglich für Bier und mehr danach. Stoff für die Erinnerungen.

Externe Links:

The Green Apple Sea bei Bandcamp – https://greenapplesea.bandcamp.com/album/directions-presale-ep

Joe Astray – https://joeastray.com/

KOHI – https://kohi.de/