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Schlagwort: Ambient

Masou & Leise (Scopeglass Boutique Festival) im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

Masou & Leise (Scopeglass Boutique Festival) im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

Masou & Leise (Scopeglass Boutique Festival) im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026
Masou & Leise (Scopeglass Boutique Festival) im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

Am Rande der Enz, etwas hinter Pforzheim, liegt Neuenbürg. Folgt man zu Fuß dem Flusslauf gelangt man durch einen Talweg, an Pferdeweiden vorbei in das kleine Städtchen. Wie viele Gemeinden, die am Rande einer größeren Stadt liegen, ist auch Neuenbürg gut an Pforzheim angebunden. Mit der Karlsruher AVG über die Nr.6 zu erreichen, kommt man über den Südbahnhof nahe an das Schloss Neuenbürg.

Das Schloss Neuenbürg liegt auf dem höchsten Punkt der Ansiedlung, beherbergt ein Schlossmuseum, ein Restaurant, einen guten Ausblick über die Stadt und die umgebenden Wälder, sowie einen ehemaligen Schlossgarten. Dieser ist mit seiner Ummauerung geradezu prädestiniert in historischer Kulisse, weit oberhalb von der Ortschaft, als Eventgelände genutzt zu werden.

Es bot sich an, die Infrastruktur eines – am nächsten Tag stattfindenden – Electronicfestival für die Vorstellung eines eigenen Konzeptes zu nutzen. Masou & Leise, die es geschafft haben, für ihre detailreiche Musik ein ganz eigenes Genre zu kreieren, wagten in diesem Rahmen einen Konzertabend zu schaffen, der hoffentlich der Startpunkt für eine kleine Tradition darstellen könnte.

Denn, nicht nur, dass die beiden Künstler ein sehr aufwändiges Konzept hinsichtlich ihrer eigenen Musik verfolgen, sie schafften es auch drei befreundete Künstlerinnen mit einzubinden. Drei Namen, die zu den Hoffnungen der hiesigen Singer- und Songwriterinnen-Szene gehören, aber jeweils ganz differente Wege verfolgen. 

Die Auswahl war daher vorbildlich kuratiert, die Location bot mit ihrem weiträumigen Festivalgelände, dem Loungemobilar, aber auch dem fein eingestellten Sound, viel Raum für die Anwesenden, einen gemütlichen Einstieg und einen schon am Nachmittag beginnenden Konzertabend.

Fernanda Tarrech im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026
Fernanda Tarrech im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

 

Fernanda Tarrech ist eine junge Sängerin aus Uruguay. Aufgefallen ist sie in die letzten Jahren und Monaten an verschiedenen Locations in der Umgebung. In einer charmanten Mischung aus Englisch, Deutsch und Spanisch präsentierte sie eigene Songs, traditionelle Anklänge und Coverversionen. Mit wenigen Gesten, einer Leichtigkeitkeit und Ruhe, die ihre Auftritte auszeichnet, scheine ihre Werke so vertraut und bekannt, als wären sie schon den ganzen Sommer da und als Begleiter ausgewählt. 

Irgendwo zwischen der Lässigkeit des Bossa Novas, und der Leichtfüßigkeit des Mestizo interpretierte sie – nur begleitet von ihrem Gitarrenspiel – ein Bündel eingängiger Melodien.

Vor kurzem hatte sie Karlsruhe verlassen und sich Berlin zugewandt. Einer Stadt, die sie sicherlich mit der vertrauten Schwerelosigkeit einnehmen wird. 

Sarah Weiß im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026
Sarah Weiß im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

Ihr folgte Sarah Weiß, die auch schon auf dem letzten Weihnachtskonzert von Masou & Leise in der Schlosskirche Pforzheims, den Abend eröffnete. Wieder begleitet von ihrem Gitarristen Björn Koschnike, stellte Sarah Weiß ein Repertoire vor, dass mit einer einprägsamen Stimme und feinem Gitarrenspiel, Anleihen an Americana, dem guten Storytelling, aber auch der Tradition großer LiedermacherInnen folgt. In ihrem Instrumentarium und ihrer Spielweise gehört Sarah Weiß zu jenen, die sowohl das Klavier, wie auch die Saiteninstrumente virtuos zu nutzen wissen, um eine Grundlage für Songs zu entwickeln, die von den kleinen und großen Dingen, den Missgeschicken und dem Alltag erzählen. 

Sie macht das mit Humor, einem gutem Spiel und Dialog mit ihrem Publikum, aber auch mit einer Farbigkeit und einem Sinn fürs Detail, der viel über ihr Kunst verrät. Jedoch auch zeigt, das ihr Blick geschult ist, die Dinge in einer eigenen Weise kreativ zu interpretieren. Sarah Weiß gehört damit zu  jenen eigenständigen Musikerinnen, die mit ihrem Witz und ihrer Liebe für die Feinheiten, kleine Geschichten in feine Songs verpacken.

Ronja Maltzahn im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026
Ronja Maltzahn im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

Alle drei SongwriterInnen zeigten in ihrer Abfolge und in ihrem Programm die Unterschiede und Möglichkeiten, die ihre Kompositionen ausmachten. Als Ronja Maltzahn auftrat, kündigten sich schon die ersten Wetteränderungen an. Eine einzelne Gewitterwolke bewegte sich auf Neuenbürg zu. Fast zeitgleich zu dem Auftritt von Ronja Maltzahn erschien sie sie über dem Schloss. Ungeachtet dessen zeigte Ronja und ihr Partner mit einem experimentellen Sammelsurium an Instrumenten und Loopstations eine Spielfreude und Begeisterung für die Kommunikation mit dem Publikum. 

Auf dem Cello, auf der Gitarre, einem rosafarbenen Klavier, aber auch einem Ukulele-ähnlichem Saiteninstrument mit zwei Hälsen, zeigten die Beiden eine große Breite, boten dem Publikum die Möglichkeit zum Mitspielen und Mitsingen, banden sie mit Tönen ein, kreierten Songs auf der eigenen Bühne, verknüpften dieses mit Botschaften, und visuellen Kunstwerken.

Ronja Maltzahn zeigte eine Freude am Gesamtkunstwerk, der ganzheitlichen Betrachtung künstlerischer Kreativität und einem Wirken über die Musik hinaus. So waren ihre Songs mehrsprachig, eingängig, aber auch bemüht, neue Wege zu gehen, die sich ihr offenbarte. Eine vielseitige, offene Seele, die ihre Sensibilität für Entdeckungen und Begegnungen zu nutzen wusste. 

Honoriert wurde das mit einem Publikum, dass tapfer den Regen überstand, den Wolken trotzte, und mit dem Auftritt von Masou & Leise belohnt wurde. Der Wind wurde stärker, wirbelte über das Gelände, aber liess auch zu dem Beginn der beiden Künstler noch alles offen. 

Masou & Leise (Scopeglass Boutique Festival) im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026
Masou & Leise (Scopeglass Boutique Festival) im Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

Masou & Leise bezeichnen ihre Musik selbst als Scopeglass. Schwer festzulegen, und in ihrer Aufführung ausgesprochen professionell, zeigten sich die beiden Musiker sehr zurückhaltenden, geben einem kleinen Kammerorchester – das sie begleitet – den meisten Raum, und nehmen selbst eher seitlich und hinten – am Klavier und dem Schlagzeug bzw. den Percussions Platz. Sie bewegten sich mit ihrem Programm in einem traumwandlerischen, fast verführerischem Feld, dass die verschiedenen Stilrichtungen wie Filmmusik, Ambient und Neo-Classic miteinander verbindet. Eigene Kompositionen, die schwebend, raumfüllend, aber in ihrer vorherrschenden Tendenz filigran erscheinen. 

Für einen Sommerabend, noch dazu Open Air, dem Himmel nahe und in einer historischen Kulisse, genau das Richtige. Ein Sound, der in seiner Fülle und seinem Reichtum, sowie dem Spiel zur Entspannung und Erholung einlädt. Die Kompositionen von Masou & Leise kommen unaufgeregt, laden zum Zuhören ein und waren als Ausklang und Höhepunkt des Abends gedacht.

Vorwiegend instrumental, in den verschiedensten Farben ausgeleuchtet, begrüßten sie die hereinbrechende Dunkelheit, untermalten sie mit Klavier und Streicherklängen, nutzten in fein austariertem Ton die Möglichkeiten des Geländes, doch es kündigte sich bereits ab der Hälfte ein Unwetter an, dass sich innerhalb von wenigen Minuten steigerte. Das Schloss Neuenbürg liegt in einer exponierten Lage. Zu groß war das Risiko eines Einschlags. Man wollte 20-30 Minuten warten, ob das Wetter vorbeizog, doch die Wolke war zu breit, der Himmel zu bedeckt, der Regen zu stark. Das Konzert wurde leider abgebrochen. Bis dahin ein außergewöhnliches Event, mit einer faszinierenden Mischung aus künstlerischen Interpretationen und Betrachtungen. Etwas, von dem man sich wünschen würde, dass es sich etabliert und einen Nachfolger im nächsten Jahr findet. Die Namen kann man sich alle merken.  Und die Location hat ihren Charme, um ein wesentlich größeres Publikum aufzunehmen.

Es war, wenn man sich das wünschen darf, ein guter Anfang.

Externe Links:

Fernanda Tarrech – https://www.fernandatarrech.com

Sarah Weiß – https://www.sarah-weiss.com

Ronja Maltzahn – https://ronjamaltzahn.de

Masou & Leise – https://masou-leise.de

Ankündigung: Masou & Leise auf Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

Ankündigung: Masou & Leise auf Schloss Neuenbürg am 31.07.2026

Masou & Leise in der Schlosskirche in Pforzheim am 20.12.2025
Masou & Leise in der Schlosskirche in Pforzheim am 20.12.2025

Die Konzerte von Masou & Leise sind nicht einfach zu fassen. Zu fein abgestimmt, zu umfangreich wirken sie ganz so wie Events. Das Konzept, das wohl überlegt, in seiner Auswahl überzeugend, und reich an Überraschungsmomenten ist, packt ihren ihre Auftritt in einen Rahmen, zeugt von eine langen Vorbereitungsphase und einem beeindruckenden musikalischen Verständnis.

Wenn Masou & Leise ein Festival mit Gästen ankündigen, dann darf man gespannt sein. Im historischen Schloss Neuenbürg laden sie zu einem Scopeclass Boutique Festival, und schon die Gästeliste macht neugierig. Die Songwriterin Sarah Weiß aus dem hohen Norden, war schon bei dem letzten Masou & Leise-Konzert in der Schlosskirche, Pforzheim, dabei. Eine prägnante Stimme, faszinierendes Gitarrenspiel und viel Liebe für das Detail zeichnen die Sängerin aus, die gleichzeitig auch als bildende Künstlerin aktiv ist.

Sarah Weiss in der Schlosskirche in Pforzheim am 20.12.2025
Sarah Weiss in der Schlosskirche in Pforzheim am 20.12.2025

Auch Fernanda Tarrech wurde auf diesen Seiten schon mehrmals erwähnt. Die 1996 geborene Sängerin aus Uruguay hat leider mittlerweile ihre Wahlheimat Karlsruhe in Richtung Berlin verlassen, gehört aber nach wie vor zu den talentiertesten Stimmen im Bereich der lateinamerikanischen Musik. Mit einer erstaunlichen Ruhe und einem Können, das so lässig und einfach scheint, entstehen Songs, die traumwandlerisch einen unvergleichlichen Charme offenbaren. 

Fernanda Tarrech bei den Finca Roasters, Karlsruhe, am 28.02.2026
Fernanda Tarrech bei den Finca Roasters, Karlsruhe, am 28.02.2026

Ronja Maltzahn gehört seit längerem zu den Wunschkandidaten für ein Konzert. Die deutsche Singer-/Songwriterin ergänzt das Trio geladenen Gäste daher perfekt und präsentiert eine sehr eigenständige, charmante Seite, die irgendwo zwischen Folk und Pop auf Cello, Gitarre und Piano angesiedelt ist.

Masou & Leise, die den Abend beschließen, weiten die Spannbreite der Begegnungen bis hin zur Neo-Classic aus. Scopeclass steht hierbei für eine Melange aus klassischen Elementen, Ambient und Zitaten aus der Filmmusik. Es bewegt sich daher in einem kammermusikalischen Bereich, der virtuos Genregrenzen ignoriert und daher offen für vieles ist. Wenn Masou & Leise die Möglichkeiten der Percussion und des Klaviers ausreizen, bleibt viel Raum für neue Elemente und Themen, die berühren. 

Durch ihr ganzheitliche Verständnis darf man gespannt auf eine Show sein, die mit Sicherheit die Möglichkeiten der historischen Location nutzen wird. 

Externe Links

Masou & Leise – https://masou-leise.de

Sarah Weiss – https://www.sarah-weiss.com

Fernanda Tarrech – https://www.fernandatarrech.com

Ronja Maltzahn – https://ronjamaltzahn.de

Ben Böhmer – Bloom

Ben Böhmer – Bloom

Das weite Land, in dem sich Neo Klassik, Ambient, Lounge, Downbeat und ähnliche Genres tummeln, wird ganz allgemein Electronica genannt. Es öffnet damit die Möglichkeit, spielerisch alles in sich zu vereinigen und die Grenzen zwischen U- und E-Musik zerfasern zu lassen. Gottseidank, möchte man sagen. 

Ben Böhmer nimmt mit, was er mitnehmen kann, um ein komplexes Werk zu formen, dass die Unruhe des Clubs in sich trägt, aber trotzdem die Sphären der Ruhe anstrebt. Die Vocals werden dabei von Lykee Li, Jonah, Malou, Erin LeCount und Enfant Sauvage, Max Milner und Oh Wonder bedient. So breitgefächert wie das Personal am Mic, ist daher auch die stilistische Bandbreite. 

Ninja Tune hat der Platte ein sanftes Karamell fürs Auge gegönnt, und ähnlich fluffig angenehm schleichen sich die eröffnenden Stücke ins Ohr. Wie Sonnenaufgänge, die einen angenehmen Tag verkünden, kommen sie daher. „Martin“ auf Seite A, „Memory Cassettes“ auf Seite B möchte man beide gerne anwachsen lassen und begleitend auf die Reise durch die Stadt nehmen. „Rust“ auf Seite C passt gut zu den S-Bahnen deiner Großstadt, und den ersten Schritten aus dem Club am frühen Morgen. Allgemein scheint das Gefühl des Aufbruchs sehr passend.

„Rain“ auf der letzten Seite eröffnet zwar mit Ruhe, und balladeske Konzentration auf die Stimme Max Milners, trägt aber auch den Blick auf das was kommt und hinter sich gelassen wird. Raum und Zeit für eine Betrachtung.

Überhaupt: Wo Stimmen auftreten wird das Konzept erweitert und durchbrochen. „Hiding“ von Lykke Li ist ein atmosphärisch dichtes, von ihr getragenes Werk, das auf verschiedenen Ebenen funktionieren mag. Sowohl in seiner Ruhe  und wie in dem begleitenden Rhythmus. „Best Life“ und „Beautiful“ haben, in ihrem vereinenden Pop-Charakter, das Zeug für Hymnen, während Erin LeCourts verlangsamte Ballade „Faithless“ im urbanen Umfeld seine anklagende Kraft entfalten möchte.

Dagegen wirkt „Riverside“ geradezu geschaffen für sakrale Betrachtungen der Tanztempel. Mit volltönenden, vielschichtigen und verhallenden Klängen einer orchestralen Bearbeitung verwoben, unterstützt es eine Umarmung aus einem Wall of Sound, der die Tanzenden in gleichmäßigen Bewegungen einwickelt. Das kommt und geht in Wellen. Allein die Kürze mag ein Manko sein.

Fast minimalistisch und zurückhaltend mutet „The Sun“ an. Ein kleines folkloristisches Popwerk, das seine Kraft in den Akzenten setzt, die den Gesang in die erste Reihe stellen. So formt das instrumentale „Blossoms“ einen Abschluss, der in das Abendrot mündet. Von seiner Triebkraft entschleunigt, genügt ein letzter Blick über die Felder.

Boozoo Bajou – Grains

Boozoo Bajou – Grains

Es ist ja so, wenn das Ding mit 45 RPM abläuft, dann ist es eine Maxi. So gesehen, ist das Doppelalbum von Boozoo Bajou eine Werkschau, die aus zwei Maxis besteht. 45 RPM ist ein Geschwindigkeit, die mir für das filigrane Intro, dass sich orgelnd heranschleicht, fast zu hektisch wirkt. Mit einem sehr zurückhaltendem Tempo begleitet Boozoo Bajou in die Nacht. Der Rhythmus des Tages ist noch nicht ganz vergangen, aber wir kommen jetzt zum gemütlichen Teil. Da ist der Soul, der verhaltene Jazz, und einfach viel Zeit.

Verlässlich unaufgeregt, mit einer gewohnten Coolness, mündet die erste Seite in einem atmosphärisch dichten Instrumental Teil, der zum Loop und der verharrenden Betrachtung der Welt einlädt. Boozoo Bajou spielen zum gepflegten, aber leisen Swing auf, immer bedacht darauf, dass das Fingerschnippen noch möglich ist.

Boozoo Bajou ist ja immer auch ein Projekt, in dem man alten Bekannten wieder begegnet. Stimmen, die man andernorts schon schätzen gelernt hat. So ist es vor allem Rumer, die in den Vocals und der sehr reduzierten Begleitung in „Same Sun“ angenehm überrascht. Fast akustisch anmutend, leitet die Ballade die zweite Seite ein.

In der Zusammenarbeit erweist sich Rumer als Glücksgriff. Die Vocals, getragen von einem sehr differenzierten, atmosphärischem Sound, der Anleihen in vielen Sparten macht, sind allgemein in ihrer Ruhe und betonten Verlangsamung harmonisch und dicht – so auch Bernd Batke, Eric Dupperay und Stefan Prange – , jedoch ist die warme, klare Stimme von Rumer hervorstechend und wirkt so zugehörig, dass man sich wundert, warum erst hier und jetzt.

„Fürsattel“, der Abschluss der zweiten Seite, bietet, fast als wäre es das Konzept, ein kammermusikalisches, verspieltes Werk, das beschwingt in die zweite Scheibe leitet.

Allgemein gönnt sich Boozoo Bajou eine fast vermisste Länge der Stücke. Heute ist es eher selten, wenn Songs und Werke der Künstler 3 Minuten erreichen. Stream und die Werbung über soziale Medien führt zu einer starken Verkürzung und eine dementsprechenden Aufmerksamkeitsspanne. Der Markt passt sich an. Boozoo Bajou nehmen sich die Minuten, die es braucht, das auszubreiten, was möglich ist. Wenig ist unter 5 Minuten, das Meiste überschreitet locker die 6 Minuten, und man ist froh darüber. Manches darf auch gerne nie enden. Und die Reise kann gerne weitergehen. 

Rumer steigt bei drei Stücken ein und zwei sind umgeben von instrumentalen Werken, als würde es sich fast verbieten, einen direkten Vergleich anzustellen. Sparsam instrumentiert bleibt ihrer Stimme genug Raum um charismatisch einen prägenden Eindruck zu hinterlassen. Das ist faszinierend, und vergleichbar mit einer Sade oder ähnlichen Stimmen, die fast zeitlos an uns haften bleiben. 

Instrumental bleiben Boozoo Bajou immer im Downtempo, immer in der Entwicklung, die behäbig von statten geht, Gewöhnung und Wohlfühlen zulässt. Das kommt in kleinen Schritten mit humorvollen Titeln, wie „Kinder ohne Strom“ und „Tonschraube“.  Wer den Soundtrack auf dem Spaziergang durch die Nacht braucht, die Lichter bewundernd anschaut, und den Herbst genießt, für den ist das was.