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Schlagwort: Country

Park Walker (Support: Tom Mess + How I left) im P8 in Karlsruhe am 23.01.2026

Park Walker (Support: Tom Mess + How I left) im P8 in Karlsruhe am 23.01.2026

Park Walker im P8 am 23.01.2026
Park Walker im P8 am 23.01.2026

Das Jahr hat begonnen. Die neuen Veröffentlichungen bringen eine ganze Reihe spannende Konzerte mit sich. Die richtige Zeit Entdeckungen zu machen und geschätzte Helden wiederzusehen. Park Walker haben im P8 ihr neues Album „The Extra Mile“ vorgestellt. Im Support brachten sie Tom Mess und How I left mit. Macht es damit zu einem runden, spannenden Event.

Tom Mess, erdig, direkt von den staubigen Straßen zwischen hier und den Südstaaten, eröffneten hemdsärmelig und gerade heraus. Langjährige Americana Ikone, rockiger als ich die Band in Erinnerung hatte und weit vorne im Publikum. Mit Entschlossenheit, das Ding zum Laufen zu bringen, wagten sie den schweren Stand der Vorband. Zeigten aber, das es geht. Fünf MusikerInnen, tief im Feld zwischen energischen Countryanklängen, nahe an den Roots, aber vor allem mit einem ganz eigenen Material, das von gutem Songwriting und einer tiefen Liebe für die raue Seite der amerikanischen Folkmusic zeugt. Der Stoff, der entsteht, wenn die Fahrt lange genug ist, die Tage im Horizont blutrot verschwinden, und man vor dem letzten Bier nicht heimgehen will. 

Tom Mess im P8 am 23.01.2026
Tom Mess im P8 am 23.01.2026

Steelguitar, Bass, Schlagzeug, Gitarre mit Vokals und Background. Tom Mess brachten alles mit, was die Erwartungen und die Authentizität verlangten. Sie gaben das Tempo vor und legten kraftvoll die Latte hoch. Ein Meter vor der Bühne, im Angesicht des Publikums, stand Thomas Hauf an der Front. Hat funktioniert, hätte länger sein können, hatte Platz für mehr, und mit dieser Energie, da hätte es auf jeden Fall dazu gereicht.

Als zweite Vorband ist der Stand nicht einfach. How I left meisterten es mit Charme, lässigen Geschichten und einem guten Gefühl für Erzählungen, die sich als Anekdoten in ihren Repertoire einfügten. In verschiedenen Traditionen des Songwriting angesiedelt, bewahrten sie sich eine unschuldige Herangehensweise, die den Popsong frönte, und die Eingängigkeit mit einer melancholischen Kantigkeit gefühlvoll nachklingen lässt. Zu dritt – begrenzt auf die klassische Konstellation, die nicht mehr braucht, als ein cooles Bass, eine Gitarre und ein druckvolles Schlagzeug. 

How I left im P8 am 23.01.2026
How I left im P8 am 23.01.2026

How I left schlenderten ausdrucksstark durch ihr Werk, und zeigten, dass sie diejenigen sind, die es verdient haben, dem Abend eine weitere Farbe zu geben. Mehr von dem Sound der kleinen, britischen Insel, mehr von den Songs, die Momente beleuchten, die sonst vergessen wären. Und einiges von dem, was haften bleibt, wenn man es mal gehört hat. Braucht nicht mehr, ist vollkommen ausreichend, kommt gut und darf bleiben.

Park Walker  - vocal- im P8 am 23.01.2026
Park Walker – vocal- im P8 am 23.01.2026

Park Walker. Die Headliner des Abends, boten melodiösen Rock, begleitet von einer ausgebleichten Filmschau. Bergwanderungen, wie aus vergangenen Zeiten. Mit Wucht gespielte, atmosphärisch dichte, aber in den Details sehr differenzierte Werke. Kräftig, mit bewusst gezogener Bremse, die komprimierte, doch die Sicht freiliess. Die große Konsequenz geformter Werke, die dem Songwriting mehr verpflichtet sind, als einem möglichen Genre.

Park Walker gehen dabei einen sehr eigenständigen Weg, der sich an der Betrachtung der klassischen Strukturen im Rock ebenso bedienen kann, wie am zusammengezogenen Gitarrenwerk der härteren Fraktion. Park Walker mag man mit einem Genre einfangen, aber soundtechnisch zeigten sie dann doch eine Verwandtschaft durch die Jahrzehnte. Nichts, was der eindeutigen Bestimmung gefallen will. Das hatte seine festen, starken Komponenten. Aber auch Aspekte, die sich – angelehnt an dem durchaus transparenten Spiel der vier (2 Gitarren, Vokals, Drums, Bass) – eher an der Melancholie und filigranen Handhabung orientieren. 

Noch liegt es nicht in voller Größe vor, das neue Album, aber ausgestattet mit Flügelhorn und weiblichen Background, könnte es noch einiges verbergen. So war es ein spannender Vorgeschmack und eine feine Präsentation der Songs. Park Walker als Wanderung an der Baumgrenze kann man als Bild lassen. Dahinter schneebedeckte Gipfel und ein weiter Ausblick. Geht. 

Externe Links:

Tom Mess – https://tommess.bandcamp.com/

How I left – https://howileft.bandcamp.com/album/birds-in-the-city

Park Walker – http://www.parkwalker.de

P8 – https://p-acht.org/

Gipsy Rufina im Musikhaus Schlaile am 27.11.2025

Gipsy Rufina im Musikhaus Schlaile am 27.11.2025

Gipsy Rufina im Musikhaus Schlaile am 27.11.2025
Gipsy Rufina im Musikhaus Schlaile am 27.11.2025

Es ist fast ein Jahr her, als ich Gipsy Rufina zum ersten Mal sah. Seit dem habe ich seinen Werdegang mit einem halben Auge verfolgt. Der Mann hat wirklich eine aufwändige Zeit hinter sich mit einem stolzen Tourprogramm. Von Europa nach Amerika und wieder zurück. Seit einigen Tagen ist er auch in Deutschland unterwegs.

Anfang dieses Jahres besuchte ich ein Bluegrass Festival in Rotterdam. Als ich Yes Ma’am dort sah, erinnerte ich mich an Gipsy Rufina. Sein enthusiastisches Banjo Spiel, die Authentizität, die er ausstrahlte und die Art und Weise, die sehr nahe an dem, was ich vom Bluegrass und Blues erwartete, passte perfekt zu dieser Band. 

Tatsächlich erfuhr ich später, dass Yes Ma’am, die wirklich eine großartig, energische Bluegrass Band sind, genau mit ihm in den USA unterwegs waren. Eine Konzertreihe, die ich gerne miterlebt hätte. 

Ähnlich wie Yes Ma’am spielt Gipsy Rufina eine sehr ehrliche, klare Variante der Americana Musik. In Ausstrahlung und auf die Lyrik seiner Songs reduziert, sind es die prägnanten Elemente der Countrymusik, die stimmig und kompakt genau die Bilder erzeugen, die von Weite und dem Blues erzählen.

Es war mir daher fast schon eine Ehre und Freude ihn auf einem kleinen Konzert in den Räumen des Musikhauses Schlaile zu sehen. Gipsy Rufina kommt ursprünglich aus Italien. Seine Songs, teils italienisch, teils englisch, berichten von seinem Leben, der Liebe, klingen nach Reisen, Erfahrungen und den Ursprüngen, die irgendwo zwischen hier und den Appalachen liegen. 

Er spielt die Gitarre und das Banjo, als wäre er in den Bergen Amerikas oder an den Ufern des Mississippis aufgewachsen. Der Sound des Country, eigentlich Bluegrass, färbte seine Songs. Sie werden begleiten von seinem kantigen Timbre und einer überzeugenden Leidenschaft für diese Musik

Er klingt nach Staub und Sonne als wäre er in die Fußstapfen der Barden Amerikas getreten. Gipsy Rufina kam alleine, ohne Band. Gradlinig, nur mit Gitarre und Banjo trug vor den Anwesenden seine Songs vor. Es war ein kleine, andächtige Runde, die seinen Lieder lauschen durften. Fast ein Geheimkonzert. 

Gipsy Rufina ist aktuell noch unterwegs. Der Mann hat es verdient. Wer für eine klare Stimme, virtuosen Gitarrenspiel und vor allem für das Banjo ein Herz hat, der sollte seine Konzerte besuchen. 


Für eine kurze Zeit sitzt man am Lagerfeuer, in einem Folkschuppen in den Staaten und lauscht den Geschichten eines fahrenden Barden. Fast zeitlos fühlt sich das an, und taugt dazu es durch die kalte Zeit zu tragen.

Gipsy Rufina im Musikhaus Schlaile am 27.11.2025
Gipsy Rufina im Musikhaus Schlaile am 27.11.2025

Berichte vom Konzert von Tom Mess mit Gipsy Rufina:

Externe Links:

http://www.gipsyrufina.com

Larkin Poe im E-Werk, Köln am 26.10.2025 (Support: Son Little)

Larkin Poe im E-Werk, Köln am 26.10.2025 (Support: Son Little)

Larkin Poe im E-Werk, Köln, 26.10.2025
Larkin Poe im E-Werk, Köln, 26.10.2025

Das Erste was auffällt: Köln ist anders. Ist man es gewohnt mal locker leine halbe Stunde vor dem Einlass zu erscheinen, so steht mann der Schlange des E-Werks schon tapfer eine Stunde zuvor. Es stürmte, die Absperrung flatterte, und schon der ganze Tag fühlte sich nach Winter an. Über die Stadt rauschte eine kalte Brise.

Es gibt diese bekannten Drei-Städte-Tourneen. Eher gedacht als Promotion als tatsächlich Tour besuchen viele angloamerikanischen KünstlerInnen gerade mal Berlin, Köln und München. 

Karlsruhe, Mannheim, der komplette Rhein-Neckar-Raum bleibt da außen vor.

Larkin Poe kamen nach Köln. Geschätzte 100 Meter schlängelten sich die Menschen am E-Werk entlang. Das E-Werk liegt etwas abseits, am Rande von Mühlheim. In einem sich wandelnden Industriegebiet ist es eine der kulturellen Inseln, die versprechen, dass dieser Stadtteil Potential hat und Entwicklung zeigt. Geht seit einigen Jahren so, große Acts landen hier. 

Tom Odell schon vor einiger Zeit  in genau dieser Location gesehen. Mit Empore und einer großen Bühne gleicht es von Ausstattung und Größe z.B. dem Rockefeller in Oslo.

Die Schwestern Rebecca und Megan Lovell sind so etwas wie die junge Hoffnung im Blues. Im Southern Rock angesiedelt, beherrschen sie die Gangart des stampfenden Blues, die knackigen Solis und traditionellen Spielweisen. Generationsübergreifend. So setzte sich dann auch das Publikum zusammen. Alle Altersklassen warteten vor der Halle.

Kann man vereinfacht sagen: Authentizität und Engagement auf den Sozialen Medien bringen Larkin Poe gleichermaßen voran.

Son Little im E-Werk, Köln, 26.10.2025
Son Little im E-Werk, Köln, 26.10.2025

Zuvor jedoch Son Little. Son Little, eigentlich Aaron Earl Livingston, hat die Stimme, den Soul und die Ruhe den Blues in eine gemeinsame Mixture in Richtung Jazz zu führen. Vorgetragen mit der Verständnis für den klassischen Sound, wie ihn die großen Stimmen vor ihm geprägt hatten, gab er dem Blues eine Retro-Note und den Stoß zu einer Reise in die Besten aller Zeiten. 

Begleitet von einem Keyboard, das den bekannten Klang zwischen der Wanderung in die Gefilden des Rock, aber auch die Tiefe in den Bars und Tanzcafes prägte. Dabei formte er aus aus der Wärme seines Vortrags eine schmeichelnde Basis für eine Art Geschichte, von der man sich nur allzu gerne verführen ließ. 

Son Little ist einer jener ruhigen Songwriter, die den Wurzeln verpflichtet sind.  Machen aus dem, was sie – und wir – kennen,  etwas Neues, sehr eigenständiges. 

Sein Vortrag machte Staunen, seine Spielweise, unterstützt nur von Drums und Keyboard, zitierte leichtfüssig die Geschichte. Ohne seine Unverkennbarkeit zu verlieren.

Eine jener Vorbands, die man nicht missen möchte,. Dann als Entdeckung mit sich rumträgt . Von der man gerne berichtet. Tauglich. Gesucht, auf das er mal eigene Konzerte gibt.

Larkin Poe hatten mit Son Little einen guten Geschmack und eine gute Auswahl bewiesen. Die beiden Schwestern machen Südstaat Rock’n Roll. Tief im Blues verwurzelt. In der Stimmung immer nahe am Sumpf und dem klaren Spiel ihrer Gitarren verpflichtet. 

Die Posen gut gewählt, die Riffs gekonnt angerissen, nahmen sie Bühne im Sturm. Zwar sind Rebecca und Megan die Frontfrauen, halten mit E- und Lap-Steelguitar das Ding am Laufen, aber begleitet wurden sie von einem Keyboarder, einer Bassgitarre, sowie dem unverzichtbaren Schlagzeug. 

Der Sound satt, fett und gut geformte, präsentierte sie in gewohnter Qualität. Nahe am Album, von Improvisationen und Solis geprägt.  Nichts wurde vermisst. 

Das letzte Album „Bloom“  strotzte vor Selbstsicherheit.  Dem frechen, Verständnis , sowie einer Kraft, die sich aus dem 15 jährigen Weg dahin ergab. 

Einflüsse aus den verschiedensten Spielarten des Americana ( Bluegrass, Country und Country-Swing ) zeigten sich dann auch in einem ausgedehnten Akustik-Set, das mit Mandoline, Banjo und Megans Steelguitare eine der Höhepunkte darstellte. 

Weit weg vom Blues, eher in den Appalachen angesiedelt, präsentierten sie ihre Herkunft, die Wurzeln ihres Spiel und einen Chorgesang, wie man ihn im Umfeld von Nashville kennt. 

Larkin Poe sind die Erben und Wegbereiter eines Bluesrock, der stampfend seine Herkunft in den Südstaaten ausspielt, aber alles mitnimmt, was in den letzten 50 Jahren passierten. Alles aufbereitet. Eine neue, unverkennbare Färbung einfließen lässt.  Angerichtet und vorgetragen mit einem Lächeln und einer bestimmenden weiblichen Note. 

Das Album „Bloom“ stellt den Höhepunkt einer langer Entwicklung dar. Vor einer geblümten, mit Pflanzen geschmückten Bühne, präsentierten sie ein rundes, rockiges Konzept, das stimmig mit den Klischees spielte, die Eckpunkte festlegte und mit einem Lächeln lässig präsentiert wurde. „Larkin Poe“ spielen einen sauberen, geraden Blues, der das Publikum mitnahm, den Rock’n’Roll feierte und den Süden in den Winter holte. Mehr als genug für einen gelungenen Abend.

Tonspur Nr. 15: Flatt & Scruggs „Lester Flatt & Earl Scruggs“

Tonspur Nr. 15: Flatt & Scruggs „Lester Flatt & Earl Scruggs“

Flatt & Scruggs - Lester Flatt & Earl Scruggs

Titelliste:

  1. Pike Country Breakdown
  2. Doin’ my time
  3. I’ll be going to Heaven sometime
  4. Theme from Bonnie and Clyde
  5. Cora is gone
  6. Roll in my Sweet Baby’s Arms
  7. No Mother or Dad
  8. Why don’t you Tell me so
  9. Bouquet in Heaven
  10. My Little Girl in Tennesse

Wer sich für Bluegrass interessiert, wird an Flatt & Scruggs nicht vorbeikommen. Hochgeschwindigkeitsspiel auf dem Banjo und der Gitarre. Reinste Form. Schnörkellos. Immer geradeaus. Country in seiner Tragik und Liebe zur Natur.

„Everest Records“ bieten hier einen sehr groben Überblick über ihr vielfältiges Schaffen, mit einem Abriss über ihr Wirken bis dahin. „Everest Records“, die hierzulande eher nicht bekannt sind, firmieren als Archiv of Folk & Jazz. Und genau dort muss man die Musik von Flatt & Scruggs ansiedeln. Bluegrass war immer eine Randerscheinung in der Country Music.  Kam irgendwie aus den Bergen, hatte einen Teil der Wurzeln bei den Angelsachsen und deren Tänze, aber auch – mit dem Einfluss des Western Swing – eine ganze Prise Blues und artverwandtes aus dem Süden. So sausen Flatt & Scruggs mit einer unglaublichen Freude und rasantem Vergnügen durch die Songs, um – verstärkt mit Geige – einen Soundtrack für Zugfahrten zu bieten, aber gleichzeitig sentimental an irgendwelchen Liebesgeschichten dahin zu schmelzen. 

Das hat alle Klischees, aber auch alle großartigen Momente dieser Musikrichtung, und man kann sich alles vorstellen: Wilde, ausgelassene, stampfende Tänze und alte verknöcherte Greise, die vor Hütten zusammensitzen, um sich gegenseitig in Tempo und Geschwindigkeit zu überbieten. Ich mag den Stoff einfach.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert