Man darf gespannt sein, ob Millie Jackson mal irgendwann die Ehren zu teil werden, die sie verdient hätte. Im Grunde hat Millie Jackson nichts falsch gemacht – sie war einfach zu früh dran. Und damit die Wegbereiterin für soviele Frauen vor ihr. Millie Jackson bewegte sich im Soul und Funk-Umfeld. Doch sie war frecher, herausfordernder, konkreter und überall dabei. Millie Jackson hatte keine Angst, die Dinge beim Namen zu nennen. Und sie tat es auch. Ohne Scheu und Angst. Sie eckte an.
Vergessen wird dabei gerne, dass sie über Jahrzehnte eine fantastische Entertainerin war, immer für ihre eigene Sache einstand, kompromisslos im Thema war, eine Horde begnadeter MusikerInnen um sich scharte und durchaus mit Größen wie Isaac Hayes auf der Bühne war.
Millie Jackson war damit ihre eigene Marke, sie stand für sich selbst und war immer bereit den Weg noch einen Schritt weiter zu gehen. Auf „I had to say it“ steigt sie mit einem Rap ein, um mit einer sanften Soulnummer weiterzu machen. Wie immer mit ausdrucksstarker Stimme, dem etwas rauen Timbre, verstärkt von einem gewaltigen Chor. Das hat alles, was es braucht. Man darf nicht vergessen, Millie Jackson hat dieses und andere Alben selbst produziert. War also auch in Sachen Selbstbestimmung schon 1980 ein Leuchtfeuer. Sie hätte so viel mehr Achtung verdient.
Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert
IRMA – Neue Veröffentlichungen 07/08.2025 (Teil 3)
Ein paar Sachen sind noch in der Pipeline. Das rührige Label IRMA war in den letzen Wochen sehr aktiv. Ich jedoch weniger. Es gibt also einiges nachzuholen:
Vitolino Bellisario – Waiting for the Weekend. Funky, schleifender Disco-Beat mit der nostalgischen Sirene im Background. Schwerer Stampfer für den Tanzboden. Dort wo er noch festgetreten werden muss. Das ist der Spaß am nostalgischen Sound, der Monotonie und dem fettesten Beat. Kickt den Sommer mühelos, braucht aber eine Bar.
Kid Mark – Soul of House – Muss man Zeit lassen, schöne Soul-House-Nummer, klassischer Machart. Feine Stimme, wie man sie aus den geradlinigen Neunziger kennt – als die Rege-nl noch klar und unkompliziert waren. Für den richtigen Raum eine Zeitreise.
J.Soul – Like Me – Ruhig, angefunkte Nummer. Für beschwingtes Cruisen. Hübsch eingespielt, als wäre es Teil eines Albums einer vergessenen Popkönigin. Soulpop mit dem Discofeeling – das zum Rollschuhlaufen einlädt.
Groove on Commission – When the Time is right. Instrumentales, dichtes Werk, das soviel verschlepptes Drum- und Orgelmaterial in sich trägt, dass es für die Disco zu gewagt, aber für den Acid-Jazz-Laden genau das richtige Futter darstellt. Macht enorm neugierig, was die Jungs noch so machen. Das ist verwickelt konstruiert über einem treibenden Beat, der alles hat, vor allem seine Berechtigung. Viele Zitate aus der richtigen Zeit, als der Jazz die Clubs stürmte. Mag ich sehr. Führen sie konsequent und verspielt in allen Nummern der EP fort.
Grindalf – Code. Ganz dem künstlichen Sound verschrieben. Tönesammler und -Tester, die vor nichts zurückschrecken, und die Floors anzünden wollen. Treibendes Material, sehr elektronisch. Flirrend und vielschichtig. Bummert und sucht den Climax. Reizt die Autoboxen aus, und gehört in die schnellen Clubs.
Garcia & Belladonna – Alternative Muffin. Raggastyle. Der Toaster hetzt dadurch, der Rhythmus hat eine schnelle Reise aus Jamaica hinter sich. Dazu ein Tüpfelchen Acid Jazz, die Orgel, die vor nichts zurück schreckt, das Piano mit authentischen Geklimper einer Danceparty. In der Mischung drängt sich der Kram mal kräftig in die Gehörgänge. Klingt, als wäre die Nacht schon am höchsten Punkt, alle schon im Pool und der Rest will noch Tanzen. Hübsche Swingnummer, trotz der ganzen Zutaten. Die Bandbreite reicht aber bis rüber zur Cocktail-Bar. Hübsches Verständnis einer lauen Nacht.
Filippo Perbellini & Ken@Work – Papa was a rollin’ stone. Die Kunst besteht natürlich darin, der Nummer, die wir alle kenne, nochmal etwas Power zu vermitteln. Also etwas schneller, die Geigen fetzen etwas mehr, die Gitarren eine Prise funkiger, und den Chorgesang kräftiger. Aber immer noch so nahe am Original, dass es niemanden erschrickt. Darf man das? Klar. Muss man das? Wenn es funktioniert, aber immer. Satte Bläser, und vor allem – mehr von allem. Klingt so sauber, und straight, als wäre der Remix nötig gewesen. Kann sich mit der historischen Nummer von „Was not was“ durchaus messen, und das will ja auch was heißen.
Danny Losito & Visnadi – Melody. Beginnt fast ein wenig zu zurückhaltend. Scheint nicht zu greifen, um dann – aber dann – dick aufgetragen, die Streicher nur noch als Tragfläche für einen Beat so fest und breit wie Pudding zu nutzen. Kommt und geht wie eine Welle, immer dann, wenn mit nichts böses ansonsten gerechnet wird.
Melody, Alter, die haben Humor. Immer waten, immer eine komplette Mauer errichten. Immer Dampf im Stampf.
Banda Brasileira – Goodbye Stranger. Das sich jemand mal an eine Nummer von Supertramp ranwagt, diese mit einem Samba-Rhythmus unterlegt und damit zu einem Stück Club-Kultur macht, hätte ich jetzt auch nicht gedacht. Kann man anhören, auch wenn das nicht wirklich nötig gewesen wäre, aber so richtig schlimm ist es nicht. Denn irgendwie funktioniert es sogar. Lustig.
Das Amsterdam Funk Orchestra unterschätzt man leicht. Dabei kommen die Truppe möglichst fett und dicht anmarschiert, hat satte Bläsersätze und ist fest verwurzelt in ihrem Genre. 3 Alben gibt es bereits. Vorhergehend ist eine Afrobeat-Scheibe, daraufhin ein komplettes Werk ausschließlich mit Stampfern von James Brown und nun nahm man sich der brasilianischen Musik an. Authentizität an erster Stelle, merkt man dem kompletten Orchester an, dass sie sich tief in die aktuelle und historische Szene um Rio gewagt haben. Nur um dann einen Wall of Sound mit feinem Chor, deftigen Instrumentalparts und möglichst viel Jazzfunk einzuspielen. Und das so erstaunlich professionell, dass Hörtests sie niemals – never – in den Niederlanden vermuten würden. Alles kommt leichtfüssig, swingend, mit der richtigen Brise Tanzbarkeit daher. Das Amsterdam Funk Orchester begeisterte auch Live auf dem diesjährigen North Sea Jazz Festival 2025. Dort mit mehr Afrika im Beat, aber genug Groove aus Brasilien, um jeden zu überzeugen. Gute Truppe. Hat alles verdient.
Amsterdam Funk Orchestra auf der Mississippi-Bühne des North Sea Jazz Festivals 2025
Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert.
MXDMCN sind ein kleines, sehr überschaubares Projekt, in dem drei Musiker aus dem Süden Deutschland versuchen alles aus ihren Instrumenten herauszuholen, was irgendwie möglich ist. Das sind Gitarre, Orgel, Schlagzeug. Vollmundig nennen sie sich unter der Hand „New Organ Trio“ und knüpfen im Sound am verspielten Jazz, manchmal Acid Jazz und einem ausschweifenden Gefühl für Soul an. Das wabbert nostalgisch, groovt schick, ist aber – trotz feinen und zu improvisierenden Arbeit an der Melodie, leider nur 32 Minuten lang. Man würde ihnen mehr gönnen. Könnten sie auch. Fingerschnippen und mitwippen ist durchgehenden angesagt. Das klingt so familiär und heimelig wie auf einer Lavalampen-Party. Mit Flokati und Kugeldrehstühle inklusive ist die Coolness dieser Nostalgie nicht zu überbieten. MXDMCN haben den Sound einer unschuldigen Ära eingeatmet um ihn zu einer hippen Melange in die Jetztzeit zu transportieren. Großes, breites Kino für die Ohren.
Wahrscheinlich gibt es die CD nicht mehr. Egal. iTunes hält den Sound noch bereit. Spotify sicherlich auch.
Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert.
MXDMCN auf dem „Das Fest goes Schlachthof“ am 23.07.2025
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