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Schlagwort: Folk

Song-Slam Contest (mit Paula Höll)im KOHI am 13.05.2026

Song-Slam Contest (mit Paula Höll)im KOHI am 13.05.2026

Song-Slam Contest (mit Paula Höll) im KOHI  am 13.05.2026 (mit Tembeh und Lukas Mi-Sa Nguyễn Egger)
Song-Slam Contest (mit Paula Höll) im KOHI am 13.05.2026 (mit Tembeh und Lukas Mi-Sa Nguyễn Egger)

Während der Eurovision Song Contest in großen Schritten anrollt, die Plakate und Events allerorten davon zeugen, und die Bedeutung der Musik im Gewirr aus Politik und Gemeinsamkeit erzählen will, sind es oftmals die kleinen Veranstaltungsorte, die mit einem liebenswerten Charme die Vorarbeiten für die großen Leidenschaften erzeugen.

Es ist nicht zu unterschätzen, was eine ModeratorIn wie Paula Höll leisten, wenn sie mit fröhlichen Leichtigkeit durch ein Programm führt, das gebündelt und straff erstaunliche Talente anbietet. Das KOHI gehört schon immer zu jenen Orten, in denen ein Freiraum für viele Dinge geschaffen wird. Ausstellungen, Lesungen, politische Diskussionen, Poetry- und Song-Slams können hier stattfinden. 

Ein Song-Slam ist nur in erster Linie ein Wettbewerb. Im Grunde jedoch ist es eine Bühne, die jungen KünstlerInnen eine Chance bietet in mehreren Runden, eigene Werke zu präsentieren. Sieben Minuten sollte die Performance nicht überschreiten, die Instrumentierung ist dabei weitgehend freigestellt, das Genre darf so phantasievoll oder traditionell wie möglich sein.

Das ist der Rahmen, in dem das Publikum bewerten darf. Einige – eher zufällig – Ausgewählte betätigen sich als Jury, in dem sie Tafel mit Wertungen hochheben, andere klatschen, jubeln, feiern ihre Favoriten. Und damit wären die Regel beschrieben. Gefeiert werden sowieso alle, die Auswahl fällt schwer, denn diejenigen, die auf der Bühne stehen, hätten den Preis alle verdient. Was schon viel über die Qualität der ganzen Show aussagt.

Denn es ist eine Show. Wenn Paula Höll durch den Abend leitet, mit der Ukulele zur Einstimmung und Überbrückung selbst etwas musikalisch darbietet, dann ist klar: Es geht darum zueinander zu finden, Fan zu werden und Tipps zu erhalten. Alle werden in Worten gedrückt, gelobt, im Applaus gewürdigt und gefeiert für ihren Mut sich einfach mal den Bewertungen zu stellen. Denn darum soll es ja gehen, die Künste und Community zu stärken, gemeinsam einen schönen Abend zu erleben und den Songs Gehör zu verschaffen.

So lernte man die Erste Unsichere Verallgemeinerung kennen, ein junger Singer-Songwriter, der mit handfestem Folk-Punk engagiertes Liedgut entschlossen vortrug, den Witz nicht vergass und nur mit seiner Gitarre ausgestattet zeigte, dass Ehrlichkeit, eine klare Haltung und Aufbegehren zusammenpasst. Jemand, dem man anmerkt, wie er es in raueren Umgebungen und so manchen Straßen mit eigenen Stücken zum rocken bringen kann. Punktgenau und klar formuliert in der Botschaft, griffig im Rhythmus, trocken im Humor. 

Song-Slam Contest (mit Paula Höll) im KOHI  am 13.05.2026 (mit Der ersten unsicheren Verallgemeinerung)
Song-Slam Contest (mit Paula Höll) im KOHI am 13.05.2026 (mit Der ersten unsicheren Verallgemeinerung)

Felix Ferenz, ebenfalls nur mit Gitarre und Stimme, präsentierte sich ungleich sanfter mit versöhnlichen Songs, die humorvoll auch Details aus seinem Alltag aufgriffen. So verarbeitete er amüsante Anekdoten aus dem Kindermund der anvertrauten Menschen, die ihm in seinem Berufsleben als Erzieher begegnen. Das war lehrreich, spaßig, mit einem nachdenklichen Unterton und einer sympathischen Präsentation.

Song-Slam Contest (mit Paula Höll) im KOHI  am 13.05.2026 (mit Felix Ferenz)
Song-Slam Contest (mit Paula Höll) im KOHI am 13.05.2026 (mit Felix Ferenz)

Am Keyboard saß Isaac Bankart. Englische Wurzeln, die sicherlich auch seinen feinen Humor geprägt haben, spielte er wunderbare kleine Geschichten vor, die in Spannung und Aufbau sehr poppige Attribute einpflegten und zum Mitsingen vorzüglich geeignet waren. Das war in Dramatik und Intonation durchaus variantenreich – und, wie bei allen, zeigte sich auch bei ihm ein hohes Niveau und Können.

Song-Slam Contest (mit Paula Höll) im KOHI  am 13.05.2026 (mit Isaac Bankart)
Song-Slam Contest (mit Paula Höll) im KOHI am 13.05.2026 (mit Isaac Bankart)

Lukas Mi-Sa Nguyễn Egger präsentierte sich als Wortkünstler. Jemand der, in seinen Details und Verweisen, sowohl am Keyboard wie später bei einer improvisierten Ukulele-Spielerei, vielschichtig und in schönen Metaphern, Namen einfliessen ließ, die die richtigen Punkte berührten. Das machte er mit einem beindruckenden Gefühl für ruhige Melodien und akzentuierter Lyrik. 

Song-Slam Contest (mit Paula Höll) im KOHI  am 13.05.2026 (mit Lukas Mi-Sa Nguyễn Egger  )
Song-Slam Contest (mit Paula Höll) im KOHI am 13.05.2026 (mit Lukas Mi-Sa Nguyễn Egger )

Die Endrunde, die zwischen zwei Kandidaten die letzte Hürde bildete, bestand aus einem aktuell, schnell verfassten Stück, dass fünf zufällige Wörter enthielt, die das Publikum in den Ring warf. Tretmülleimer, Friedrich Merz, Zweihörnchen, Kuddelmuddel gehörten dazu, ein weiteres ist mir entfallen. Lukas und Tembeh meisterten es mit Bravour, so dass die Entscheidung schwer fiel. 

Zuletzt entschied man sich, knapp, aber mit großem Applaus, dann für Tembeh. Eine junge SongwriterIn aus Südafrika, die zum Einen mit der Gitarre, zum Anderen mit dem Keyboard ihre Werke darbot. 

Song-Slam Contest (mit Paula Höll) im KOHI  am 13.05.2026 (mit Tembeh  )
Song-Slam Contest (mit Paula Höll) im KOHI am 13.05.2026 (mit Tembeh )

Tembehs Kompositionen erwiesen sich als ausgereift, tauglich für den gemeinsamen Chorus und in ihren Melodien auf dem schmalen Grat einer transparenten Fragilität und einem guten Gefühl für Eingängigkeit. Sowohl in ihren mitgebrachten Werken, wie auch in der Skizze, die sie aufgrund der Begriffe nutzte, behielt sie eine sympathische Leichtigkeit bei, die die Anwesenden auf ihre Seite zog. 

Alle Beteiligten bewiesen mit ihrer Freude und ihrem Spaß, dass es mehr davon braucht. Von Ihnen und solchen Shows. Als Talentschmiede sind sie unerlässlich. Mit Paula Höll meistert das jemand, die ihr Herzblut und Begeisterung in den Ring wirft, um alle damit anzustecken. Nur zu empfehlen.

Externe Links:

Paula Höllhttps://www.instagram.com/paula.hoell/

Tembehhttps://tembeh.world/

Lukas Mi-Sa Nguyễn Eggerhttps://www.instagram.com/_lukasmisa_/

Erste Unsichere Verallgemeinerung https://www.instagram.com/euv161/

Felix Ferenz https://www.youtube.com/@sabberlatz9540

Isaac Bankart https://www.instagram.com/isaacbankart/

KOHI – https://kohi.de/

Nick Wheeldon & St. Moon im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 25.04.2026

Nick Wheeldon & St. Moon im NUN, Kulturraum in Karlsruhe am 25.04.2026

Nick Wheeldon & St.Moon im NUN am 25.04.2026
Nick Wheeldon & St.Moon im NUN am 25.04.2026

Es war klar. Wenn der Drummer das Bett hüten muss und daher ausfällt – dann wird es ruhig. Aber bei St. Moon wirkte es wie die Manifestation eines Konzeptes. Mit Gitarre und Keyboard standen im NUN zwei Musiker auf der Bühne, die die Langsamkeit zelebrierten, alles noch eine Stufe tieferlegten und den Grundtakt eines Schlagzeuges fast nicht vermissen liessen. Mag es für andere eine Aufgabe sein, hier trafen sich die Atmosphäre mit der Ambition, und St. Moon verfingen sich im Geschwindigkeitsverlust, atmeten ihre Stücke in einer Gemächlichkeit aus, die passend zur Location einen weiten, tiefen Klangteppich ausbreiteten.

St. Moon stammen zu einem Teil aus zwei Mitglieder der Band „Lambs and Wolves“, die mit Alex Keiling vereint, dem Slowcore huldigten und sich in ihm die Zeit gönnten, die alles braucht. Mit Julian Tröndle an den Vocals (abgewechselt mit Alex), formten sie Balladen zu verlorenen, fast endlosen Wanderungen, in den sie die Geige genauso wie Loops einfliessen ließen, um ein Sound zu kreieren, der in der langen Nacht den Blick schärfen mag. Irgendwo über die Berge hinaus hat man dann die Zeit alles nochmal zu fokussieren. St. Moon gibt einem die Zeit ganz locker –  das ist alles drin. 

Ohne Percussion ging es dann doch nicht, und so sprang Nick Wheeldon ein. Nur leicht und zurückhaltend formte er einen Rhythmus, der seine Anwesenheit zwar zeigte, aber sich fast nahtlos der ruhigen Trägheit der Kompositionen anschloss.

Nick Wheeldon im NUN am 25.04.2026
Nick Wheeldon im NUN am 25.04.2026

Nick Wheeldon, ein Singer-Songwriter, beherrscht eine ausdrucksstarke, brüchige Stimme, die er verwegen einsetzte um ein Bündel Songs mit einem eigenen Charakter zu belegen. Im Gesang offenbarte sich daher eine Klage, die er leidenschaftlich in einem Umfeld aus Folk als ganz eigenen Blues, etablierte.

Kraftvoller als seine Vorgänger, entschlossener im Detail und nur im letzten Drittel von der Band St.Moon begleitet, zeigte sich Nick Wheeldon als ein Interpret, dessen Charme und Ernsthaftigkeit von purem Understatement geprägt war, aber in der Wucht seiner Aussage Respekt einflösste. Man konnte sich das gut vorstellen, in einem Raum – ganz anders als im NUN – in dem Gläser gehoben, die Gespräche nicht verstummen und Nächte lang sind. Nick Wheeldon würde seine Aufmerksamkeit bekommen.

Er offenbart eine Kraft, die ihm Platz verschaffte. Prägnant, erkennbar – im NUN wäre tatsächlich kein Mikrofon notwendig gewesen, um sein Publikum zu erreichen. Im Zusammenhang St.Moon erreichte er nochmal weitere Optionen. Die zeigten dann, dass der Mann mit einer Band seine Songs nochmal veredeln kann. 

Zurück bleibt der Eindruck seiner markanten Stimme, die mit seinen melancholischen Songs, einer Richtung frönt, die der Melancholie aufzeigte und die Story trotzdem mit einem leisen Witz erzählte.

Nick Wheeldon und St. Moon  im NUN am 25.04.2026
Nick Wheeldon und St. Moon im NUN am 25.04.2026

Externe Links:

Nick Wheeldon – https://www.nickwheeldon.com

St.Moon – https://www.instagram.com/st.moon.band/

NUN – https://nun.cafe

Tonspur Nr.34: Micor „Redemption“

Tonspur Nr.34: Micor „Redemption“

Micor "Redemption"
Micor „Redemption“
  • Redemption I
  • It’s everywhere
  • Love is deeper
  • Cat’s wouldn’t do it
  • After all
  • I saw the land
  • All in my head
  • Peace of mind
  • Redemption II

Micor nehmen sich alle Zeit der Welt, steigen langsam ein, verdichten es stark und erschaffen damit ein vielschichtiges Werk, dass sich mit orchestralen Klängen einschleicht. 

Ausgestattet mit der Stimme von Robert Besta, der auch Gitarre und Violine spielt, wagen sich Micor in die Gefilde, die zwischen dunklem, schleppenden Liedgut und der Weite des amerikanischen Folk angesiedelt sind. Das kommt mit dunklem Timbre, einer ausgewählten Instrumentierung (mit Marcus Franzke fliessen auch Trompete und Posaune, neben dem Keyboard ein), aber auch mit dem Mut aus dem Vollen zu schöpfen, daher. 

Micor haben sich aufgemacht, den Chanson schwarz zu färben, die Hymne zu feiern und in der Ruhe den Halt zu finden. Das ergibt ein erdiges, festes Konzept, dass unplugged, und auf der wilden Bühne funktionieren kann, aber vor allem viel Raum für Abende mit einem Blick zum Horizont bietet.

Verwurzelt im amerikanischen Songwriting der großen Individualisten, leisten sie sich die Freiheit, einfach die Dinge mal zu verzögern, noch eine Spur verhaltener angehen zu lassen, um eine Färbung aus Fragilität, schwierigen Wahrheiten und einer eigenen Spielart des Blues zu finden.

Für die Reise im Zug, für den Hobo ohne Ziel, den Rast und die Hütten am Wegesrand. Angenehm in der Produktion, tief im Detail und dem Ideenreichtum. 

Ein Album für das man sich die Zeit nehmen kann, aber auch sollte. Es gibt einiges zu entdecken, und die vierköpfige Band hat sich genug Hilfe geholt, um das Ding angenehm rund zu machen. 

Zur Stammbesetzung gehört noch Stefan Breuer am Schlagzeug, und Johannes Frisch, die zeigen, wie man einen Rhythmus unauffällig drunter schippt, aber dann auch nachdrücklich betont. Können sie alles. 

Für alle, die auch schon mal Cowboy Junikes, Lambchop und ähnliches gehört haben.

Externe Links:

Micor https://www.micor.band

Tonspur Nr. 32: Tom Mess „Ford“

Tonspur Nr. 32: Tom Mess „Ford“

Tom Mess "Ford"
Tom Mess „Ford“
  • Gloria
  • Old Shine
  • Rain
  • Just Hell
  • I want to forget
  • Half empty heart
  • Last round
  • Distillers friendly
  • Good for now
  • Grey and blue
  • Bourbon Hills
  • Weak Knees
  • Almost Done
  • Barmirror

Das Album „Ford“ von Tom Mess stammt aus dem Jahr 2014. Mit einem Blick zurück schlüsselt sich hier die Entwicklung auf, die die Band im Laufe der Jahre gemacht hat. Damals noch stark als Soloprojekt definiert, wurden die Stücke vor allem von der Persönlichkeit des Sängers Thomas Hauf geprägt. Mit seiner rauen und kräftigen Stimme gibt er den Stücken jenen kantigen Charakter, den er beibehalten hat.

Stark orientiert an der amerikanischen Singer- und Songwriter-Tradition sind die Songs transparent instrumentiert. Damit auf ihr Optimum reduziert. 

In ihrer ausgeruhten Erzählweise tauglich für Lagerfeuer und kleine Bühnen. Dabei wechseln sie sich locker ab mit rockigen, elektrisch verstärkten Weisen, die in der Scheune zum wilden Tanz auffordern. Gerne auch in einem Tempo, in dem man das Gaspedal einfach mal runter drückt und die Straße frisst.

Tom Mess legte damit einen Weg fest, den er bis heute weiter verfolgt, der so aber auch sein aktuelles Repertoire tauglich macht für kleine, wie große Locations. Mit „Ford“ lieferte er ein Album ab, das immer noch eine Entdeckung wert ist. In seinem Grundton den kleinen, verschrobenen Storys verpflichtet, suggerierte es schon die breite Leinwand .Den großen Horizont für die Western, die nicht nicht in Hollywood produziert werden, aber die besseren Bilder haben. 

Er zeigte mit „Ford“, das er zu jenen gehört, die die das Genre lieben, aufgesaugt haben, die Authentizität voran stellen und das Ding trotzdem noch so lässig durchziehe . Man könnte die Produktion – würde man nicht sehr genau hinschauen – irgendwo in den Staaten ansiedeln. Als hätte er sein ganzes Leben nichts anderes aufgesaugt, und wollte nun, gereift und aus dem Refugium der harten Gitarren kommend, dem Country die Rundungen abschleifen. 

Wer sich für das weite Spektrum des Americana-Sounds interessierte, sollte sich die Reise durch das Oeuvre von Tom Mess gönnen. Es macht Spaß zu sehen, wie die Dinge reiften, und wie der Enthusiasmus der frühen Jahre zum Sound der letzten Produktion führte.

Externe Links:

Tom Mess (Bandcamp) – https://tommess.bandcamp.com

Tom Mess (Instagram) – https://www.instagram.com/dont_mess_with_tom_mess/