Black Sea Shipping Company (Foto: Christoph Zimmermann)
Beobachtet man den Werdegang dieser, eigentlich jungen Band, muss man anerkennen, dass sie sich in der Karlsruher Klezmer und Swing-Szene bereits einen Namen erspielt haben. Treten sie auf, dann werden die Stühle weg geräumt, denn die lebhafte Mischung aus den verschiedensten Einflüssen braucht Platz.
Gewohnheitsmäßig steigt das Publikum früh und voll Begeisterung ein. Was ihnen geboten wird, das lädt ein zum Tanz, verführt zur Bewegung und bleibt als gesamtheitliches Erlebnis haften. Die Black Sea Shipping Company spielt die beschwingte Art der jüdischen Tanzmusik, so wie sie Hochzeiten und Familienfesten der Tradition verpflichtet ist.
Klezmer war immer eine Musik auf Wanderschaft, deren Musiker ihr Brot in ganz anderen Stilen verdienten. So ist es kein Wunder, das sich darin Elemente aus dem Swing, dem Jazz, der Musik der Roma und Sinti, aber auch aus sehr viel moderneren Richtung finden.
Die Welt der Black Sea Shipping Company ist also groß und weit. Sie experimentieren gerne, probieren Dinge aus, gehen voll Spielfreude an die unterschiedlichsten Richtungen, lassen diese einfließen, aber finden immer wieder dahin zurück, wo sie ihre Wurzeln haben.
Was sie machen, ist authentisch, lebendig, geht auf das Publikum ein und kommuniziert mit diesem. Schon sehr früh hat sich hier ein Symbiose gebildet, die sich gegenseitig beeinflusst. So ist es kein Wunder, dass man bei ihren Konzerten schon fast in einer familiären Umgebung einem Stamm ihrer AnhängerInnen begegnet, die in der Musik der Black Sea Shipping Company eine Heimat gefunden haben.
Am 24.10. spielen sie – nach verschiedenen Auftritten u.a. im Mikado, Tollhaus, auf dem Ausgeschlachtet Fest – im Tempel. Zeit also sich auf spannende, handgemachte Musik und überschäumende Lebensfreude einzulassen. Nur mal so als Tipp.
Mehr zur Black Sea Shipping Company finden sich natürlich auch auf diesen Seiten.
Ronnie’s Records beherrscht das Understatement eines gut und lang geführten Ladens. Natürlich ist der Laden bekannt, und ganz klar findet man ihn. Aber auf eine Webseite, eine Facebook oder Instagram- Präsenz kann er verzichten.
Ronnie’s Records gehört zu Heidelberg, ist über die Stadtgrenzen hinaus ein Begriff und die Freundlichkeit und der Fleiß des Besitzers arbeiten stillschweigend für ihn. Es ist ein tiefes und zugleich breites Sortiment, dass angeboten wird. Nicht nur Platten, auch Bücher, CDs und DVDs gehören dazu. Wertvolles – meist in den Regalen über der Theke, günstiges – unter den sichtbaren Tischen oder direkt hinter der Eingangstüre, sowie Nischen sind im Angebot.
Rock und Pop ist breit vertreten, Jazz hat eine angenehme Tiefe, die bis in die Schellackzeiten reicht, aber auch Klassik ist mit den wichtigsten Veröffentlichungen der Moderne gleichberechtigt vertreten.
Ronnie’s Records zeichnet ein großes Interesse an Richtungen und Genres aus, die auch gerne mal den Rahmen sprengen. Es macht Sinn zu fragen. Denn ein nicht kleiner Teil verbirgt sich im hinteren Bereich des Ladens, wo sich dann durchaus Themen finden, die eher ungewöhnlich sind.
World, Blues, Country, sowie Soundtracks gehören zum regulären Angebot, aber wenn ich in der Vergangenheit z.b. nach Klezmer, Faso oder Cajun & Zydeco gefragt habe, dann fanden sich plötzlich Veröffentlichungen mit denen ich nicht gerechnet hatte.
Das Angenehme, neben der Freundlichkeit, ist die Aufgeschlossenheit gegenüber Technologien, die fast verschwunden sind (auch Musikkassetten, oder wie gesagt Schellack). Aber auch das große musikalische Wissen, das vor verwirrenden World-Musik-Varianten nicht zurück schreckt, und gerne Wünsche bedient, die ein weites Spektrum abdecken.
Ronnie´s Records ist, auch durch den langjährigen Bestand, und der tiefen Kennntnis einer jener Läden, in denen es Sinn macht tiefer zu graben. Zwischen gewohntem verbirgt sich oft das eine oder andere Juwel.
Wie gesagt: Fragen macht Sinn. Und sollte nicht unterschätzt werden. Die Preislage ist durchweg angenehm, die Atmosphäre gelassen und der Kontakt zum Besitzer hat das Potential sich zu einer langjährigen Freundschaft zu entwickeln.
Das North Sea Jazz Festival in Rotterdam ist auf dem Messegelände auf dem Ahoy angesiedelt. Beim Ahoy handelt es sich um einen Hallenkomplex, der sowohl für Konzerte, wie auch für Kongresse und Fachmessen geeignet ist. Während der Coronazeit waren hier die Impfzentren untergebracht, aber auch Betten um Erkrankte zu isolieren. In diesen Jahren fiel das North Sea Jazz Festival aus.
North Sea Jazz Festival – Ahoy Rotterdam Im Jahr 2018
Ursprünglich, so die Legende, fand das North Sea Jazz Festival nicht in Rotterdam, sondern im nahegelegenen Den Haag statt. Irgendwann wurde der Andrang und die Namen zu groß, so dass sich das Festival schließlich in Rotterdam ansiedelte.
Das North Sea Jazz Festival hat sich im Laufe der Jahre als Veranstaltungsreihe etabliert, so dass auch außerhalb der regulären Festivaltage im Juli, weitere Konzerte unter diesem Label stattfinden. Abgesehen davon gibt es seit einigen Jahren ein zusätzliches Festival unter diesem Namen, dass in Curacao residiert und mit einer ähnlichen Besetzung auftrumpfen kann. Das North Sea Jazz Festival hat sich zu einer erfolgreichen Marke entwickelt. Einige der legendären Aufnahmen, die im Rahmen der Tage entstanden, finden sich heute auf Platte, auf CD oder online. Spektakulär sind z.B. die Konzerte mit dem Metropol Orkestra, die sich oft in ihrer gesamten Länge auf YouTube finden.
North Sea Jazz Festival – Ahoy Rotterdam
Es handelt sich hierbei um sehr exklusive Aufnahmen von Konzerte, die in dieser Form nur hier stattfinden. Das Metropol Orkester studiert dafür mit einigen der größten Stars der Szene großartige Orchesteraufnahmen ein, die nur ein, maximal zweimal aufgeführt werden. Berühmte Namen in diesem Zusammenhang waren Jonathan Jeremiah, Laura Mvula, Joe Bonamassa und zuletzt, 2025, Jacob Collier. Die Chance mit diesem Orchester zu spielen, gehört nicht nur zu einem der Highlights, sondern auch wahrscheinlich zu einem der größten Lockmittel des Festivals.
Das Festival selbst übt über den Zeitraum der drei Tage einen prägenden Einfluss auf ganz Rotterdam aus. Die Stadt ist gefragt, und bietet mit „Jazz around the town“ eine kostenlose Reihe an, die sich über verschiedne Stationen im gesamten Innenbereich der City erstreckt. Überall spielen Bands auf öffentlichen Plätzen, auf Bahnhöfen, vor Restaurants, in Metro-Stationen, auf Straßen, Fußgängerzonen, in Kneipen und vielen anderen Orten. Dabei handelt es sich in der Regel um regionale und lokale Bands aus den Niederlanden, die allerdings von einem erstaunlichen Niveau und einer ausgereiften Spielweise zeugen.
North Sea Jazz Festival – Ahoy Rotterdam
Der Genremix geht dabei weit über Jazz hinaus. Mittlerweile hat das North Sea Jazz Festival ein großes Herz für Weltmusik, Soul, Hip-Hop, ja selbst Electronica gefunden. Also ist auch im Umfeld viel tanzbares, alte Klassiker der Motown – und Philly-Ära und vieles mehr anzutreffen. Ähnlich wie das Festival in Montreux ist, wenn man es von der Position der Jazz-MusikerInnen sieht, die Welt groß und breit und bereit für Crossovers.
Das North Sea Jazz Festival hat sich hier immer bereit für Neurungen, Avantgarde und unabhängige Künstler gezeigt. Es war fast selbstverständlich, dass auf eine der teilweise bis zu 16 Bühnen mindestens eine (das Darling) neuen Künstlerinnen gewidmet war. Hier traten Namen auf, die gerade im Sprung waren, vielleicht einen Hit hatten – diesen aber eher in Instagram oder TikTok – oder sonstwie im Visier auftauchten.
North Sea Jazz Festival – Ahoy Rotterdam
Das North Sea Jazz Festival bietet innerhalb des Hallenkomplexes eine Reihe ganz unterschiedlicher Bühnen. Zum einen gibt es das Maas, mit einem mehrstöckigen über mehrere Emporen verteilter Publikumsbereich, zum anderen das Nile. Bei beiden Bühnen handelt es sich um die Hauptveranstaltungsorte, die für die größten Acts ausgemacht sind.
Missippi dagegen ist eine Außenbühne. Hier finden sich oft Weltmusiker, also Gäste aus Lateinamerika oder solche, die eine Richtung vertreten, die zwar schwungvoll, jedoch nicht ganz so populär ist. Jon Batiste hatte hier seinen ersten Auftritt in Rotterdam, sowie die Amsterdam Klezmer Group oder das Amsterdam Funk Orchestra.
Um alle Bühnen im Einzelnen vorzustellen, werde ich einen weiteren Teil bemühen, in dem ich auch auf die diesjährigen Künstler stärker eingehe. Seid also gespannt auf Teil 3.
Belinas Alben nannten sich immer „Music around the World“, „Lieder aus aller Welt“ oder wir hier „Songs aus aller Welt“. Fast alle ihre Aufnahmen, bis auf ihre späteren Werke, nahm sie mit dem klassischen Gitarristen Siegfried Behrend. Von ihm gibt es auch auf den verschiedensten Labels vorzügliche Aufnahmen spanischer Gitarrenmusik.
Das Projekt Belina und Siegfried Behrend war in den sechziger Jahren außergewöhnlich, weil sie als eine der Ersten in Deutschland, es wagten jüdische Musik wieder zu etablieren. Belina beschränkte sich jedoch nicht nur auf diesen Kulturkreis, sondern traute sich, sprach- und vielseitig begabt, genauso an spanische Tänze, russische Weisen und Indonesische Musik. Ihre Interpretation war in der Regel sehr getragen, sehr ernsthaft und stark in den Traditionen verwurzelt. Sie behandelte die musikalischen Stücke mit Respekt und Hochachtung. Ihre eigene Singweise orientierte sich die authentischste, reinste Form, die möglich war. „Songs aus aller Welt“ ist daher eine eher ruhig, manchmal tragische und dramatische Platte, die durch das zurückhaltende, aber kunstfertige Spiel von Siegfried Behrend unterstrichen wird. Das ist kein Klezmer, wenn es jüdisch wird, keine Aufforderung zum wilden Tanz, aber ein historisch wichtiger Fingerzeig, wer im Deutschland der Nachkriegszeit dem Folk einen Weg schuf.
Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert
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