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Jon McKiel im NUN (Karlsruhe) am 19.09.2026

Jon McKiel im NUN (Karlsruhe) am 19.09.2026

Jon McKiel im NUN (Karlsruhe) am 19.09.2026
Jon McKiel im NUN (Karlsruhe) am 19.09.2026

Die Sommerpause ist vorbei, das NUN hat sein Programm wieder aufgenommen. Die Termine trudeln wieder ein, das Booking läuft und der Herbst kann damit beginnen. Eingeleitet mit Jon McKiel, offenbarte das NUN am Samstagabend sogleich worin die Stärke seines kuratierten Programms liegt. 

Das NUN hat ein Händchen und Herz für die kleinen Auftritte, die verhältnismäßig unspektakulär daher kommen. Wo andernorts die Lightshow, die Gimmicks aus Rauch und Seifenblasen, sowie die Lautstärke der Boxen triumphieren mag, ist es beim NUN – angesiedelt in einem Wohnhaus – eher die ruhige, zurückhaltende Atmosphäre, eben das Innenhalten. Und die Möglichkeiten andere, vielleicht auch neue Facetten eines Schaffens auszuspielen. Wer im NUN auftritt verzichtet in der Regel auf die verzerrten Gitarren oder die fetten Drums.

Der richtige Platz also für Details, verfrickelte und verspielte Sounds und Songwriter, die ihre Melodien in einem Spektrum zwischen Lo-Fi und Bedroom-Productions entwickeln. 

Jon McKiel hatte genug Balladen im Gepäck, aber auch ein feines Gespür für ein langsames, rhythmisches Herangehen. Ein ausgeruhtes Set aus Americana, Folk-Anklänge und gut gewählten Loops, sowie harmonischen Chorgesang rundeten das Bild, das er mit Colin Crowell (Synthesizer) schuf, ab. Gut gewählter Stoff also, der – beheimatet in Kanada – auf seinem zweiten Konzert in Deutschland, in Erzählweise und Komposition ein eigenständiges Klangbild entwickelte. 

Jon McKiels Auftritt war ein lässiges, zurückgelehntes Event. Im Detail verriet es große Vorbilder, viel Liebe in eine schwungvolle Tanzbarkeit, aber auch eine angenehme, der Location angepassten Bescheidenheit. 

Sitzend, mit einem tragbaren Pult auf den Knien kreierte Colin Crowell sphärische, vielschichtige Sounds, begleitete Jon im Background und schwankte dabei zwischen Tradition, Psychedelischer Tiefe und erfrischender Experimentierfreude. Mit nur einer kleinen Auswahl an rhythmischen Instrumenten – gerade mal einem minimalen Drumsetting – war trotzdem genug Raum und Kraft für die Lust  am Mitwippen und einer Ahnung, von dem was möglich wäre.

Jon McKiel zeigte sich als sonorer, gelassener Erzähler, der mit großer Coolness und viel Liebe für die Kleinigkeiten das Charakteristikum der kleinen Bühne zu nutzen wußte. So zeigte er, dass das klassische Konzept des Songwriting, basierend auf seiner Gitarre und seiner Stimme, mit den aktuellen Möglichkeiten, einem freien Zugang dazu und der Lust an der Eigenständigkeit, Großes schaffen kann.

Die Bedeutung kleiner Bühnen, an ungewöhnlichen Orten ist heutzutage nicht zu unterschätzen. Gefühlt sind mehr Bands unterwegs, als es jemals zuvor waren. Die Ticketpreise bewegen sich aktuell in konträre Richtungen. 

So ist es teilweise verwunderlich, wie hoch sie im populären Bereich unter der Führung großer Firmen klettern, während sich in einem Segment, das vergleichbar mit dem Preis einer Pizza ist, fast schon fallen. Obwohl in dem letzteren Bereich die Anzahl der Bands und MusikerInnen wachsend ist. 

Das im NUN KünstlerInnen aus Übersee auftreten, teilweise nur eine Handvoll Auftritte in Deutschland absolvieren, ist etwas, das für beide Seiten – sowohl beim Publikum wie auch bei den Kreativen – nicht unterschätzt werden sollte.

Im Falle von Jon McKiel handelte es sich um eine Persönlichkeit, die in einem eigenen Sounduniversum auf einem Weg ist, das noch spannende Optionen offen hält. Sollte wiederkommen. Und sollte gehört werden. 

Externe Links:

Jon McKiel Facebook – https://www.facebook.com/jonmckielmusic/

Jon McKiel Instagram – https://www.instagram.com/jon_mckiel_/?hl=de

NUN Kulturraum – https://nun.cafe/

Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe  am 11.Juli 2026

Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe  am 11.Juli 2026

Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe  am 11.Juli 2026
Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe am 11.Juli 2026

Er nennt seine Kunst Americanoir. Abgeleitet von dem Kunstwort Americana, das den Stil – eine Melange aus Country, Western, Folk und Blues – ganz gut treffen würde. Doch Ben de la Cour schätzt die ruhige Stimme, den leisen Ton und die feine Ironie im Text. Er kommt auf stillen Sohlen, mit scharfen Worten.

Ben de la Cours Liedgut ist wie geschaffen für die Räumlichkeiten des NUN. Ganz alleine, nur mit einer Gitarre, damit Mittelpunkt und einziger Protagonist seiner Geschichten, erzählt er sie in einem ruhigen, zurückhaltenden Ton. Das mit aller Zeit, die er sich dafür nehmen kann. Ein gefühlvoller Barde, der die Traditionen aus Amerika pflegt und mit warmer Stimme zu berichten weiß.

Er zeigt sich dabei in einer filigrane Langsamkeit, die transparent über jeden Ton schwebt. Ben de la Cour ist wie einer dieser modernen Helden, die im Bild verharren können, um den Details die notwendige Liebe zukommen zu lassen. Das ist so authentisch wie warmherzig, und verletzlich in den schönsten Momenten. 

Im Rahmen einer ehemaligen Eckkneipe, am Rande eines viel zu warmen Sommertages, war er einer jener umtriebigen Interpreten, die mitnehmen wollten – auf den staubigen Reisen, an die vergessenen Orte, in eine Zeit, die sich dem Trend widersetzen möchte.

Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe  am 11.Juli 2026
Ben de la Cour im NUN, Kulturraum, Karlsruhe am 11.Juli 2026

Melodien, die – fein gesetzt, gut gespielt und seit vielen Jahren geschliffen – ohne Bruch ihren Weg fanden, und eine Intonation, die so klar und deutlich war, dass es nicht aufgefallen wäre, wenn man auf die verstärkende Elektronik verzichtet hätte.

Ben de la Cour nimmt man es ab. Die vielen Orte, die Ehrlichkeit, die Widrigkeiten der Welt, die Verbundenheit mit seiner Musik und der Straße. Wenn er es Americanoir nennt, dann mit einer ihm eigenen Poesie, die der Schwärze im Wort und Ausdruck eine Leuchtkraft verleiht.

Ein ausgesprochen unaufgeregtes Konzert, das sich in einer scheinbar sehr einfachen Weise präsentierte, zeigte wie wenig Musik es braucht, um eine Nähe und Verbundenheit zu erzeugen, aber auch das Publikum zu fesseln und dem Abend jenes zu geben, was er zum Ausklang braucht. 

Ben de la Cour schafft es mit leisen Tönen den Texten eine prägnante Farbe zu geben, die auch Schattierungen berücksichtigt und die Grautöne zur puren Kunst erhebt. Und das alles mit wenigen Gesten und einer natürlichen Bescheidenheit. Ein Konzert, das wie geschaffen war, um das NUN in die Sommerpause zu geleiten. 

Der Herbst kann kommen und spannend werden. Der Sommer hatte den Höhepunkt seiner Lässigkeit fast erreicht.

Externe Links:

Ben de la Cour (Bandcamp) – https://bendelacour.bandcamp.com/album/new-roses

NUN – https://nun.cafe

Fabrizio Cammarata im NUN, Kulturraum am 15.05.2026

Fabrizio Cammarata im NUN, Kulturraum am 15.05.2026

Fabrizio Cammarata im NUN, Kulturraum am 15.05.2026
Fabrizio Cammarata im NUN, Kulturraum am 15.05.2026

Es gibt KünstlerInnen, bei denen man den Eindruck gewinnt, sie kreieren ihre Kunst um ihres Lebens willen. Für das Leben überhaupt und für das Über-Leben insbesondere. Wenn Fabrizio Cammarata singt, dann mit einer Leidenschaft und einem Enthusiasmus, der sich ekstatisch und mit Wucht nach vorne drängt.

Zum zweiten Mal im NUN, nach einem Auftritt, der schon etwas zurückliegt, stand Fabrizio Cammarata auf der kleinen Bühne,  und vollbrachte es – nur mit einer Gitarre, seiner Stimme und einem kleinen Synthesizer, den er sporadisch einsetzte – sein Publikum zu fesseln. 

Das machte er mit einer Ernsthaftigkeit, die seine Gedanken in Metaphern kleidete, sowie einer Energie, die sich neugierig einem klangvollen Spiel aus Italienisch, Englisch und Spanisch bediente.

Verwurzelt in Sizilien, mit einem Blick auf das Leben innerhalb des Mittelmeers, offenbarte sich die Allegorie der Insel für so manches. Aber vor allem für das Miteinander, das Leben der Menschen alleine und in der Gemeinschaft. So ist es auch dieses Bild, das sich durch seine Lyrik zieht. Neben dem Zusammenspiel der Gefühle, die sich unter großer Trauer mit einer gleichzeitigen Liebe vermischen. 

Fabrizio Cammarata schreckte nicht zurück, vor dem was ihm das Leben zu spielte. Er wandelte es, formte es in einen kreativen Ausdruck. Einem, in dem die Tragik, wie auch die Sehnsucht und die Hoffnung, ihren Platz fand.

Fabrizio Cammarata im NUN, Kulturraum am 15.05.2026
Fabrizio Cammarata im NUN, Kulturraum am 15.05.2026

Da war es nicht verwunderlich, dass seine Melodien mit filigraner Dramatik und furiosen Kraft wechselten, ihre Farben änderten, aber auch ihre Sprachmelodie neu formten. Fabrizio Stücke offenbarten sich als kleine, vielgestaltige und wandelbare Kunstwerke, die in ihren bunten Skizzen sehr komplexe Emotionen aufzeigen konnten.

So war er Troubadour, Interpret Anglo-amerikanischer Songstrukturen, aber auch verhaltene Anhänger des Funk und Rock. Die Vermischung der diversen Traditionen machte er sich zu eigen, gestaltete sie zu etwas, was nur ihm gehörte, und wußte damit zu faszinieren. 

Die kleinen Anekdoten, die er zwischen den Songs einstreute, zeigten ihn als sensibler Beobachter seiner Umwelt, als Musiker mit sympathischen Vorbildern, aber auch als jemand der seine weibliche Seite nicht scheut. So sprach er von seiner Trauer über Prince Tod und der Verarbeitung desselben. Stimmte für einen Moment den ikonischen Beginn von Purple Rain an. Zur Freude seines Publikums, das ihm durchaus eine spannende Interpretation zutraute.

Doch Fabrizio Cammarata konnte mit eigenem Schaffen überzeugen. So zog er einen Querschnitt durch einen Stoß Alben,  die bereits von seinem Können zeugt. Der Eindruck bleibt, hier war jemand, der seine Seele offenbarte, sein Leben der Kunst opferte, und aus ihr etwas gewinnt, was ihn voran treibt. Zu neuen Leistungen, beeindruckendem Liedgut, und einer Vortragsweise, die ihm ein Alleinstellungsmerkmal gibt.

Fabrizio Cammarata im NUN, Kulturraum am 15.05.2026
Fabrizio Cammarata im NUN, Kulturraum am 15.05.2026

Ein Singer-Songwriter, dessen Fuß sowohl in der Tradition seiner Heimat steht, die ihn prägte, wie auch mit dem anderen, in jenen Americana-Elementen die sofort beeindrucken und ans Herz wachsen. 

In seiner Liveperformance bleibt der Eindruck der Einzigartigkeit und Unwiederholbarkeit zurück – dadurch eine Form der Dankbarkeit, in kleiner Runde Außergewöhnliches erlebt zu haben.  Wer es verpasst hat, darf sich gerne ein bißchen grämen. Aber es besteht die Chance, dass er wieder kommt. Es schien ihm hier zu gefallen.

Externe Links:

Fabrizio Cammarata – (Bandcamp)-https://fabcammarata.bandcamp.com

NUN – https://nun.cafe

Ryan O’Reilly (mit Andrea Vittozzi und Tali Trow) im NUN, Kulturraum am 17.04.2026

Ryan O’Reilly (mit Andrea Vittozzi und Tali Trow) im NUN, Kulturraum am 17.04.2026

Ryan O’Reilly (mit Andrea Vittozzi und Tali Trow) im NUN, Kulturraum am 17.04.2026

Ryan O’Reilly (mit Andrea Vittozzi und Tali Trow) im NUN, Kulturraum am 17.04.2026

Bündiges, griffiges Songwriting und einer ganzen Menge Humor könnten Ryan O’Reilly beschreiben. Zusammen mit Andrea Vittozzi an der Gitarre und Tali Trow am Bass wußte er das NUN zu nutzen, und erzählte dazwischen Anekdoten von seinen Lectures, Reisen und Beziehungen. 

Genug Material also für seine Stücke, aber auch für alles was ansonsten wichtig ist. So reichten ebenfalls die musikalischen Verweise von Americana bis Irland und – durch Andrea Vittozzis feines Spiel – auch in die klassische, filigrane Kunst des Saitenspiels.

Tali Trow im NUN, Kulturraum am 17.04.2026
Tali Trow im NUN, Kulturraum am 17.04.2026

Tali Trow, der nicht nur am Bass seine Fähigkeiten zeigte, leitete den Abend mit eigenen Werken auf der akustischen Gitarre ein. Zurückgelehnte, prägnante Stücke, die ihrer englische Heimat – im Klang und den Lyrics – problemlos zugeordnet werden konnten. Wie auch Ryan O’Reily gehört Tali Trow zu jenen, die in der langen Tradition gut geschmiedeter Songs stehen. 

In aller Bescheidenheit – mit dem Wissen um die Kunst vertraut – setzten sie die Akzente an den richtigen Stellen, schliffen ihre Werke, bis sie schon beim ersten Hören vertraut wirkten und gehören damit zu jenen Menschen, deren Melodie an den unterschiedlichsten Orten funktionieren mögen. Material also, das am Lagerfeuer, in der geselligen Runde, auf der winzigen Bühne und immer unplugged seine ZuhörerInnen finden kann.

Ryan O’Reilly (mit Andrea Vittozzi und Tali Trow) im NUN, Kulturraum am 17.04.2026
Ryan O’Reilly (mit Andrea Vittozzi und Tali Trow) im NUN, Kulturraum am 17.04.2026

Zusammen gelang ihn einer dieser harmonischen Abende, die von ihrer familiären Atmosphäre leben und von einem ruhigen, zurückhaltenden Publikum geprägt wurden. Ryan O’Reilly präsentierte sich dabei als versierter Songwriter, der seine Werke mit einer sympathischen Leichtigkeit vortrug. Eine Reise durch die Zeit,  sowie Städte wie Berlin, Toronto und Oslo.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass KünstlerInnen wieder in das NUN zurückkehren, wenn sie schon einmal dort gespielt hatten. Auch für Ryan O’Reilly war es ein Wiedersehen. Die Kontinuität in den veranstalteten Konzerten, die neuen Talenten eine Chance geben, aber auch bekannte Gäste immer wieder gerne begrüßen, gehört zu den Pluspunkten der kleinen Location.

Fast unscheinbar im Osten der Stadt angesiedelt, in einer ehemaligen Eckkneipe, bietet sich das NUN gerade für die ruhigeren Abende an. In der Grundstimmung mit einem lauschenden Publikum bedacht, greifen dann auch die leisen, manchmal spontanen Konzepte. Wie jene Zugabe, bei der es zu einem Gastspiel von Laura Eigbrecht (Hier wohnt Rosilein) am Akkordeon kam. 

Ryan O’Reilly (mit Laura Eigbrecht und Tali Trow) im NUN, Kulturraum am 17.04.2026
Ryan O’Reilly (mit Laura Eigbrecht und Tali Trow) im NUN, Kulturraum am 17.04.2026

Als Trinklied, mit dem erhobenen Glas Wein, sangen Ryan O’Reilly und Tali Trow zu den Klängen des Instruments einen traditionellen Abschluss. Es war die Rundung, die der Abend noch benötigte, um den Interpreten den richtigen Rahmen zu geben. 

Ryan O’Reilly zeigte sich als einer, der die neuen HörerInnen zu erstaunen wußte, und die, die ihn kannten, natürlich weiterhin begeistern konnte. Aber vor allem, dass er ein wunderbarer Entertainer ist. Und ein verflixt gutes Händchen bei der Wahl seiner musikalischen Begleiter hat.

Externe Links:

Ryan O‘ Reilly – https://www.ryanoreilly.uk

NUN –https://nun.cafe

Andrea Vittozzi – https://www.instagram.com/andreavittozz/

Tali Trow – https://talitrow.bandcamp.com

Hier wohnt Rosilein – https://www.instagram.com/hierwohntrosilein/