Der Spieler – Teil 5

Der Spieler – Teil 5

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der fünfte Teil, in dem es tief runter geht. Dort wo es dunkel ist und die Fische schwimmen.

Andreas Allgeyer, 29.01.2026

Keine Ärzte. Wie gesagt. Cörd wollte das nicht. Er hatte mir ein Bild von dem Burschen gezeigt. Blond gefärbt. Viel Make-Up, wahrscheinlich älter als er aussah. Er schickte mir das Porträt. Screenshot aus einer Dating-App, die ich nicht kannte. Sie hatten sich in einem Club getroffen. Eine Kellerbar. 

In einer Nebenstraße der Innstadt. Ein kleines Schild neben der Tür. Alles übermalt. Alles voll Tags. Mit Namen, die man Robotern geben würde. Der Gang hinunter war umgeben von einem ein Wirrwarr aus fünf Schichten Sticker. QR-Codes, die ich niemals nutzen würde. Graffiti-Ausschnitte, Markennamen, Start-Ups, all sowas. Ambiente wie in einer Tropfsteinhöhle, die einen in das Innere eines Darms führte. Es wummerte, es krachte, es klang wie Electronic.  

Wurde wahrscheinlich mit Zeug aus dem Baumarkt komponiert.

Früh am Abend. 5 Meter unter der Erde. Noch nicht die Zeit und der Ort, an dem wirklich etwas los war. Die Einrichtung war mit dem Ausdruck „spartanisch“ luxuriös beschrieben.  Alles schien aus Beton gegosse. Und mit schwarzer Farbe überschüttet. Das Licht tat sein übriges. Ich musste mich anstrengen. Tagsüber ging das noch ganz gut. Konnte ich jede Fehlsichtigkeit kaschieren und auf die Brille verzichten. Das war jedoch ein anderes Level. Keine Ahnung, wer im hinteren Eck stand. Ein Troll, ein Gollum oder ein Riese. Nach zwei Metern wurde das Sichtfeld zu diffus, doch wer immer dort war, achtete mit keiner Bewegung auf mich.

Die Bar war dagegen ein leuchtendes Aquarium. Unter der Theke schwammen Fische, an den Wänden glotzten sie einen schamlos an und dort, wo die Flaschen hingen, schwamm auch irgendwas. In meinen Augen so unförmig, dass ich gar nicht wissen wollte, was es war.

Die Platte war mir egal. Dazu fehlte mir das Verständnis. Ein Backstein allerdings – da fing es an persönlich zu werden. Die Wohnung von Cörd sah aus wie ein Schlachtfeld und die Katze war nicht zu finden. Sein Gesicht machte mir Sorgen, das würde Spuren hinterlassen. Wir hatten viel erlebt. Sind an den schlimmsten Orten aufgewacht. Mir war davon nichts anzusehen, und bei Cörd hielt sich das in Grenzen. Das musste sich jetzt nicht ändern.

Ich steuerte zielstrebig auf den Barkeeper zu. Der liess mich nicht aus den Augen. Muskulös als wäre er im Gleisbau tätig, bärtig als käme er aus dem Wald. Als wäre er nur zufällig an diesem Ort. Man hätte ihn am Rande eines Rodeos oder auf einem Hochsitz vermutet, aber ich habe generell Vorurteile und bin zu wenig unterwegs. 

Er sah mich mit einem Grinsen an. 

„Was ist?“frage ich.

„Die Jungs kommen erst später.“ Wir schrieen uns an. Die Maschinengeräusche durchbrachen alles. Stahl auf Stahl gab den Beat an.


„Welche Jungs?“

Er zuckte mit den Schultern, drehte sich um und widmete sich seiner Kasse.

„Hey! Welche Jungs?“

Sein Blick kam über seine breite Schulter. Das T-Shirt darunter spannte, als wäre es aus Zeltplane. „Was willst du trinken?“

„Ich brauche nur eine kurze Auskunft.“

„Nicht auf der Karte.“

„OK, Pils alkoholfrei.“

„Brauchst du ein Glas?“

„Nein. Alles gut.“ Legte einen Schein auf die Theke. Seine Hand kam schnell, steckte ihn ein. Die Augen waren erstaunlich blau. Aber vielleicht war das auch nur das Licht. Schien von ihnen zu leuchten. Als hätte jemand eine LED dahinter angeschaltet.

Ich nickte.  „Gut, fangen wir nochmal an.“

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