Der Spieler – Teil 6

Der Spieler – Teil 6

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der sechste Teil, in dem ein Hundertjähriger keine wirkliche Rolle spielt und nicht alles eßbar ist. Andreas Allgeyer, 29.01.2026

„Es kommen viele wie du.“ Dieses Lächeln hatte etwas, das mir nicht gefallen wollte.

„Was heißt das? Viele wie ich?“

„Dein Alter. Deine Generation. Aber meistens später.“

„Keine Ahnung, um was es hier geht. Ich brauche wirklich nur eine kurze Info.“

„Normal. Aber ich bin nicht die Auskunft. Frage.“ Es zeigte mir die Handinnenflächen. Ausgesprochen gepflegt. 

Ich konnte das jedoch nicht deuten. 

„Ich suche jemanden.“

„Hmm.“

Zeigte ihm das Bild. „Ich würde ihn gerne sprechen.“ 

„Weißt du, es hatte schon seinen Grund, warum ich sagte, die Jungs sind noch nicht da.“

„Ja?“

„Ja!“ Er stemmte sich auf die Theke. Gut und gerne ein Kopf größer als ich. Oder er stand auf einer Trittleiter. Oberarme wie meine Schenkel. „Jeden Tag schleichen hier solche wie du rum. Fragen mich ob ich den oder den kenne. Aus ihrer verdammten App. Als ob ich deren Zuhälter bin. Das ist ein Club, hergottnochmal. Mich interessiert das einen Scheiß, was ihr daheim macht und was ihr vorhabt. Ich will damit nichts zu tun haben.“ Er wollte sich umdrehen.

„Stopp, stopp!“ Der Lärm machte es nicht einfacher. Ich musste dagegen anbrüllen und verstand sowieso nur die Hälfte. „Ich will den Typen nur sprechen. Nicht abschleppen!“

„Und damit unterscheidest du dich von den anderen?“

„Mir ist das Image total egal. Denke was du willst. Er muss mir helfen. Ich steige nicht durch. Aber er ist Zeuge. Vielleicht. Keine Ahnung.“

„Polizei?“

„Ernsthaft? Zahlen die alle?“

„Ich verstehe nicht, was du willst.“ 

„Ist er hier oft? Kommt er her? Weißt du mehr? Kannst du mir irgendwas zu ihm sagen? Du brauchst nur zu nicken. Reicht vollkommen. Soviel will ich gar nicht.“

Er sah sich um, beugt sich vor und herrschte mich an: „Ich mag dich trotzdem nicht, aber ja, er kommt hierher. Das wars. Trinke dein Pils und verzieh dich.“

„Wann kommt er? Später, mit den Jungs?“

„Die Jungs!“ Lachte er. „Das ist eine Bande von Strichern. Und er ist ihr Häuptling. Glaube ich. Kommen die, kommt er.“

„Wann?“

„Nicht vor elf. Meistens um zwölf. Jedenfalls nicht um diese Zeit. Sind die nicht mal wach. Oder haben noch was zu tun.“ Er nahm mein Pils. „Du gehst jetzt. Komme später wieder. Aber sprich mich nie wieder an! Danke!“

Ich stocherte in der Dönerplatte rum. Das Fleisch sah nicht eßbar aus, sondern wie das, was Cörds Katze aus der Dose bekam. Das Brötchen war von der Soße bereits aufgeweicht. Hatte eine unmögliche Form und Farbe bekommen.

Hinter der Kasse saß ein Hundertjähriger, der es geschafft hat, ohne aufzusehen zu kassieren und trotzdem seinen revolutionären YouTube-Film anzuschauen. Er hatte das aufmerksame, schmale Gesicht eines Falken, der alles schon erlebt hat. Wir waren fast alleine. In einem weitgehend gekachelten Raum. Es gab Schlachthäuser, die mehr Wärme ausstrahlten.

Nur der Jüngling mit den Kopfhörern säbelte an dem großen Brocken vor ihm herum, als würde er die Madonna schnitzen. So ging das jetzt seit einer Stunde. Keine Kundschaft. Trotzdem bearbeitete er das Ding, als müsste er es beseitigen. 

Ich hatte alle Nachrichten von Cörd weggedrückt. Er war furchtbar aufgeregt, wegen seiner Katze. Fand sie nicht mehr. 

Als gäbe es nichts schlimmeres. Die wußte wahrscheinlich sehr genau, welcher Haushalt ihr Asyl gewähren konnte. Sollte er doch mal die Scherben beiseite räumen. Und seine Wunden desinfizieren. Wir waren doch alle nicht so toll beim Impfen. Impfen und Vorsorge. Dazu reichte die Zeit einfach nicht.

Cörds Katze war eine orangefarbene Diva, die mich hasste. War ich da, war sie weg. War ich weg, benahm sie sich anscheinend wie eine Katze und nervte Cörd wegen Futter, einem Schlafplatz, wieder wegen Futter und weil er zu faul war mit ihr zu spielen.

Zwei Stunden musste ich hier noch bleiben. Ich war müde, hatte Hunger, und der Tag gefiel mir nicht mehr.

Autor

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert