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Autor: Andreas Allgeyer

Redakteur und Autor auf Jazznrhythm.com. Interessiert an jeder Art Musik, lernt gerne dazu, möchte alle Konzerte erleben und alle Platten gehört haben. Klappt nicht. Aber auf dem Weg dahin sollen alle mitkommen. Weitere Infos (Bild, FAQ, Mail etc.)


Bisher schon in allen möglichen Berufen tätig gewesen (DJ, Zeitungsausträger, Hydraulik-Fachverkäufer, Autor, Bankkaufmann, pädagogische Arbeit, IT-Verkauf, IT-Administrator, IT-Support, Support in der Medizintechnik - Ophthalmologie -, Community-Administration - Musik, Literatur, Foto etc. -, Datenschutzkoordinator, Datenschutzauditor etc. etc.), aber immer noch neugierig auf die nächsten Jobs. 


Hört gerade folgendes (Externer Link): Jazznrhythm auf Last.FM

Flavian Graber bei Dixigas-Records am 30.03.2022

Flavian Graber bei Dixigas-Records am 30.03.2022

(Mit Interview)

Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records
Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records

Flavian Graber, vielen noch bekannt als Mitglied und Frontman der Band „We invented Paris“ ging die Dinge schon immer ein kleines bißchen anders an. War „We invented Paris“ unter anderem dafür bekannt, dass sie gerne unter dem Begriff Künstler-Kollektiv angesiedelt wurden, so versucht auch er selbst – nun auf Solopfaden – Wege und Möglichkeiten jenseits des gewohnten Kulturbetriebs zu finden. 

Wo „We invented Paris“ legendär die Möglichkeiten des Couch-Surfings für eine Tour nutzten, sind es nun bei Flavian sogenannte Küchentourneen oder Wander-Konzerte. Wie wichtig ihm diese gemeinsamen und verbindenden Erlebnisse sind, zeigte sich auch bei dem Konzert in den Räumlichkeiten von Dixigas-Records. So konnten sich Interessierte per Mail melden, um einen der raren Plätze zu ergattern, wurden aber auch gebeten, etwas zum Buffet beizutragen.


Dadurch entwickelte sich das kleine Ladenkonzert wie ein gemeinsames Fest, zu dem jeder etwas mitbrachte. Das Konzert selbst wurde allein auf Spendenbasis (also ohne Eintritt) finanziert. Unter diesem Gesichtspunkt lag Flavian Graber viel daran,  das Publikum mit ein zu beziehen, und somit zur gemeinsamen Gestaltung zu laden.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen und sprengte den bekannten Rahmen. Nicht nur, dass allerlei und sehr verschiedene Zutaten auf den bereit gestellten Tischen zum Gelingen beitrugen, es gab auch die Option in seinen Rezeptbüchern, dem Künstler die Beschreibung einer eigenen Kreation zu hinterlassen. Er versprach doch tatsächlich, sie hinterher nach zu kochen.

Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records
Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records

Zusammen mit Nico Schnepf (Keyboard und Akkordeon, Mitglied des Vereinsheims) bestritt Flavian Graber einen Abend an der Gitarre mit schweizerdeutschem Gesang. Das er sie zuvor übersetzt vorlas, betonte die lyrische-poetische Komponente, aber zeigte auch, dass das Wort und ihre Verwendung für Flavian einen wichtigenTeil des Gesamtkonzeptes darstellte.

Es war die Bereitschaft und das Vermögen alle Sinne anzusprechen, die den Abend auszeichnete. Flavian nahm die Anwesenden auf eine Reise zu den Augenblicken und Momenten mit, die er mit eingängigen Kompositionen abrundete. Unterlegt wurden sie dabei  mit den Fotografien (auf einem Lichtkasten) von Nico Schnepf

Glich das Vortragen der gesprochene Teil seiner Texte einer Dichterlesung, so vermittelte der Charme seines Gesangs – in dem Timbre und Ton seiner Heimat – eine Färbung, die die Ruhe und Naturverbundenheit vermittelten. 

Auf diesem Weg zeichnete ihn vor allem die Offenheit aus, die den melancholisch-nachdenklichen Texten eine sympathische Natürlichkeit gaben. 

Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records
Flavian Graber (mit Nico Schnepf) am 30.03.2026 bei Dixigas-Records

Flavian nutzt die Sprache gerne. Sein Spiel ,und die Gestaltung damit, verraten eine lange Liebe, die er mit der Gitarre zu betonen weiß.  In der Zusammenarbeit mit Nico Schnepf am Keyboard gewann es eine fast sphärische und liebevolle Basis – vor allem und auch wegen dem eingesetzten Akkordeon. Nico Schnepf wusste mit ruhiger Hand den Charakter der vorgetragenen Werke zu ergänzen und zu verdichten. 

Wie gesagt, die Anwesenden mitzunehmen, sie kennenzulernen und einzubinden, war ihm Anliegen. Somit kein Wunder, dass es sich am Schluss tatsächlich um eines seiner „vielgerühmten Küchenkonzerte“ handelte, als er den Abschluss genau dort hinverlagerte: In die kleine Küche des Plattenladens. Eine Gestaltung, die an tausendundeine Party erinnert. Jener Ort, an dem dann die besten Gespräche stattfinden, die coolsten Leute zusammenstehen und die Getränke am Nächsten sind.

Flavians Konzerte sind kleine, wunderbare Events, die die Musik wieder als kommunikatives Element pflegen wollen, und man darf gespannt sein, welche Ideen ihn für die Zukunft noch kommen. Denn einen Teil davon will ich gar nicht erzählen, damit es noch die überraschenden Momente für jene gibt, die ihn in den folgenden Monaten nicht verpassen sollten.

Interview mit Flavian Graber (vor dem Konzert)

Interview mit Flavian Graber Graber (ChatGPT- clean Fassung)

Andreas (Jazznrhythm): Hallo, Flavian. Willkommen in Karlsruhe.

Flavian Graber: Danke.

Andreas (Jazznrhythm): Im Vorfeld habe ich mich ein wenig über dich informiert – unter anderem über deine Website und Wikipedia. Dabei ist mir ein Begriff aufgefallen: „Feinkost“. Das kennt man ja eher vom Metzger oder aus dem Delikatessenladen. Was bedeutet das in deinem Zusammenhang?

Flavian Graber: Ich glaube, es hat tatsächlich genau damit zu tun. Feinkost bedeutet ja nicht einfach nur, etwas zu essen zu haben, sondern etwas Besonderes zu genießen. Und so verstehe ich auch meine Musik: nicht als „Fast Food“, das nur sättigt, sondern als etwas Eigenes, Spezielles, das man bewusst hört und genießt.

Andreas (Jazznrhythm): Du hast früher mit We Invented Paris auf Englisch gesungen, jetzt singst du auf Schweizerdeutsch – und zwar ausschließlich. Wie kam es dazu?

Flavian Graber: Das hatte mehrere Gründe. Zum einen hatte ich das Gefühl, dass es Zeit war, We Invented Paris zu beenden. Ich bin älter geworden und an einem anderen Punkt im Leben.
Dann habe ich mich gefragt, wie es weitergehen soll, und vieles ausprobiert. Unter anderem wollte ich herausfinden, ob ich einen Song in meiner Muttersprache schreiben kann, der mir nicht peinlich ist. Ich hatte lange eine ambivalente Beziehung zum Schweizerdeutschen. Es gab einzelne Dinge, die ich mochte – etwa Züri West oder Stefan Eicher – aber insgesamt hatte ich keinen richtigen Zugang dazu.
Als ich dann angefangen habe, auf Schweizerdeutsch zu schreiben, hat mir das unglaublich viel Freude gemacht. Ich kann viel differenzierter ausdrücken, was ich sagen will, und auch den soziokulturellen Hintergrund  mitnehmen, was mir im Englischen so nicht möglich waren. Und gesungen fühlt sich das einfach am direktesten an.

Andreas (Jazznrhythm): Wie reagieren denn deutsche Zuhörer darauf?

Flavian Graber: Ich war selbst überrascht. Anfangs dachte ich, das funktioniert wahrscheinlich gar nicht. Deshalb habe ich auch versucht, auf Hochdeutsch zu schreiben. Aber wenn ich zwischendurch einen schweizerdeutschen Song gespielt habe, kam oft das Feedback, dass der sogar besser ankommt.
Ein wichtiger Punkt war dann der Tipp, die Texte vorher übersetzt vorzulesen. So bekommen die Leute einen Zugang, fast wie bei einem Gedicht. Danach finden sie sich viel leichter in der Sprache zurecht.

Andreas (Jazznrhythm): Ihr habt ja immer wieder ungewöhnliche Tourkonzepte entwickelt – zum Beispiel Couchsurfing-Konzerte oder jetzt deine Wanderkonzerte. Ist das aus der Pandemie entstanden oder ein Konzept, das du weiterverfolgst?

Flavian Graber: Es ist tatsächlich in der Pandemie entstanden. Zum einen, weil klassische Konzerte nicht möglich waren. Zum anderen, weil meine neuen Songs ein aufmerksames Publikum brauchen.
Ich hatte schon früher die Erfahrung gemacht, dass unverstärkte Momente mitten im Publikum oft die intensivsten sind. Daraus ist die Idee entstanden, Konzerte in die Natur zu verlegen.
Man läuft gemeinsam mit einer Gruppe – etwa 30 bis 50 Menschen – durch die Landschaft und hält unterwegs an verschiedenen Orten an, um Lieder zu spielen. Das Besondere ist, dass währenddessen nicht gesprochen wird. Die Leute hören zu und nehmen die Umgebung sehr bewusst wahr. Dadurch entsteht ein durchgehender Spannungsbogen.
Das hat sich inzwischen etabliert – ich gehe jetzt in die sechste Saison und lade auch immer wieder Gäste ein, etwa aus dem Bereich Spoken Word.

Andreas (Jazznrhythm): Wie lang sind diese Wanderungen?

Flavian Graber: Eher Spaziergänge. Meist fünf bis sechs Kilometer, also etwa eine Stunde reine Gehzeit. Es gibt leichtere und etwas anspruchsvollere Strecken, aber alles bleibt im Rahmen.

Andreas (Jazznrhythm): Findet das hauptsächlich in der Region Basel statt?

Flavian Graber: Die regulären Touren ja – etwa 17 Konzerte über den Sommer. Aber ich werde auch immer wieder eingeladen, das an anderen Orten zu machen, zum Beispiel in den Alpen oder am Bodensee.

Andreas (Jazznrhythm): Du spielst hier heute im Plattenladen mit Keyboardbegleitung. Wie sieht das sonst auf Tour aus?

Flavian Graber: Meistens sehr reduziert. Ich nenne das „Küchenkonzerte“. Ich reise mit der Gitarre und spiele unverstärkt, oft in privaten Wohnungen.
Die Konzerte sind öffentlich zugänglich, aber die Adresse bekommt man erst nach Anmeldung. Die Gäste bringen Essen mit, sodass eine gemeinsame Tafel entsteht.

Andreas (Jazznrhythm): Finden diese Konzerte tatsächlich auch in Küchen statt?

Flavian Graber: Ja, durchaus. Der Begriff ist für mich auch inhaltlich wichtig. Er knüpft wieder an das Thema „Feinkost“ an, aber auch an den Küchentisch als Ort.
Für mich ist das ein zentraler Ort – dort passieren Gespräche, Konflikte, Alltägliches. Viele meiner Texte entstehen gedanklich an so einem Tisch. Und es ist ja oft so: Wenn man bei jemandem zu Besuch ist, endet alles in der Küche.

Andreas (Jazznrhythm): Du hast schon bei We Invented Paris mit Fotografie, Film und Design gearbeitet. Spielt dieses Gesamtkonzept für dich weiterhin eine Rolle?

Flavian Graber: Ja, auf jeden Fall. Ich sehe mich zwar als Singer-Songwriter im klassischen Sinne, aber eigentlich versuche ich eher, Räume und Momente zu schaffen, in denen Menschen etwas erleben können.
Mich interessiert es sehr, verschiedene Kunstformen zu verbinden. Oft sprechen unterschiedliche Disziplinen ja über ähnliche Dinge – nur auf ihre eigene Weise.

Andreas (Jazznrhythm): Wenn man deine Musik einordnen möchte – fällt das überhaupt leicht?

Flavian Graber: Nicht wirklich. Am ehesten ist es wohl Popmusik, vielleicht irgendwo zwischen Indie und Folk. Aber durch die Sprache und die Art der Präsentation kommt noch eine andere Ebene dazu, etwa durch die gesprochenen Texte.

Andreas (Jazznrhythm): Zum Schluss noch eine Frage zu Social Media: Wie stehst du dazu?

Flavian Graber: Sehr ambivalent. Ich merke, dass es mir persönlich nicht immer gut tut. Es hat oft etwas Oberflächliches oder auch Toxisches.
Gleichzeitig ist es natürlich ein wichtiges Werkzeug. Wenn ich es professionell betrachte, geht es darum, die Menschen zu erreichen, die wirklich etwas mit der Musik anfangen können.
Ich glaube nicht, dass es einfacher geworden ist als früher – nur anders. Früher gab es klarere Kanäle. Heute kann man theoretisch sehr viel machen, aber es ist auch ein Fass ohne Boden.
Für mich funktioniert es am besten, wenn ich Social Media als Werkzeug begreife und nicht versuche, dort ständig präsent zu sein.

Andreas (Jazznrhythm): Hast du deinen Frieden damit gemacht?

Flavian Graber: Für den Moment, ja. Wenn ich gar nicht präsent wäre, würde ich den Menschen, die meine Musik entdecken könnten, auch keinen Gefallen tun.

Andreas (Jazznrhythm): Vielen Dank für das Gespräch.

Flavian Graber: Danke dir.

Externe Links:

Flavian Graberhttps://flaviangraber.com

Dixigas-Recordshttps://dixigas-records.de

Tonspur Nr. 37: Codamine – Codamine/ Ghosts,too…/ Last Exit

Tonspur Nr. 37: Codamine – Codamine/ Ghosts,too…/ Last Exit

Codamine - Codamine
Codamine – Codamine
Codamine - ghosts, too..
Codamine – ghosts, too..
Codamine - Last Exit
Codamine – Last Exit

Codamine – Codamine (2003)

  • Black Spirit Motel
  • Solitaire
  • Around the Bonfire
  • Hail
  • Haven
  • The Book of Fence
  • Cloudbuzz
  • #_1
  • Low
  • Coalpot
  • Neon Highway

Codamine – Ghosts, too… (2006)

  • Myself in brackets
  • Sunset
  • Solitaire
  • Too
  • Cloudbuzz
  • Spiderwebs
  • Anvil
  • Low
  • Hail
  • Hell are the others
  • The Book of Fence
  • Tidewater
  • Stumblesong (Bonustrack)

Codamine – Last,exit… (2006)

  • Shadowboxer
  • Baby can I hold you tonight
  • Song for the lonesome

Die Geschichte der Karlsruher Band Codamine (2002-2006 ) war angefüllt mit guten Rezensionen, viel Lob, aber währte dann doch nur eine Handvoll Jahre. Und in diesen brachten sie eine kleine, erinnerungswürdige Diskografie ans Licht.

Mit aller Kraft arbeiteten sie an der Verlangsamung der Popmusik und schufen damit auf einem breiten Nebenstrom etwas, das immer noch funktionieren will. So wurde kurz nach dem Jahrtausendwechsel etwas kreiert, dass sich wie eine schillernde Raupe nach oben kämpft und vergessen macht, das in all der Zeit sich die Welt x-mal gedreht hat, manches von unten nach oben gestülpt wurde und eine komplette neue Generation die Musik beherrschen will.

Ein schleppendes, schlurfendes Schlagzeug, das abwägend einen Beat vorgibt, eine Stimme, die verharrend die Atmosphäre dehnen möchte und spartanisches Spiel aller weiteren Instrumente – als ob sie sich die Wertigkeit ihres Einsatzes überlegen – gibt der Musik eine verruchte Trägheit, die zur längeren Betrachtung einlädt. 

Auf ihrem einleitenden Debüt-Album „Codamine“  – im Sommer und Dezember 2002 auch zum Teil live im Substage aufgenommen – präsentierten sie schon ein bündiges Konzept, das sich beharrlich weigerte den Trend zur Beschleunigung mitzumachen. Wunderschöner Starrsinn, der die einzelnen Passagen hervorhebt, einfach mal hergeht und alles zerlegt, um der Dehnung ihren Raum zu geben. Fast schon Kammermusikalisch im Ergebnis, aber vor allem gezeugt aus dem trüben Folk und dem Weg, den die voraus gegangen sind, die in Kirchen und versoffenen Bars das Ende und den Anfang des Lebens besangen. Egal in welcher Reihenfolge.

Verpasst haben wir sie wahrscheinlich alle, trotzdem macht es Sinn, nochmal danach zu graben. Codamine gaben dem Nebeltag eine Schönheit, die sie in lyrischen Kompositionen komprimierten. Dabei opferten sie alles der Melancholie, gingen keine Kompromisse ein und riskieren den verwunderten Blick, ob die Platte nicht zu langsam läuft. Ausgeklügelte Handwerk, das sich eher am Verzicht als an der Überfrachtung probierte. 

Sie sind dafür zu loben, dass sie dem Zeitgeist eine lange Nase gezeigt hatte, und heute schwer einzuordnen sind. In einer Welt in der Lambchop, Tindersticks und Slowcore/Emo-Gruppen um die Verminderung der Geschwindigkeit wetteifern, hätten sie einen der vorderen Ränge belegt und wären in den Topf gekommen, den wir brauchen, um wieder die Ruhe zu geniessen.

Schönes, raues Material für die schlaflosen Nächten und andere Momente mit geschlossenen Augen.

Man möchte den Suchenden ein gutes Händchen wünschen, und den Alben eine Neuauflage.

Schreiborte: Einleitung oder An welchen Orten lässt es sich in Baden-Württemberg schreiben

Schreiborte: Einleitung oder An welchen Orten lässt es sich in Baden-Württemberg schreiben

Lern- und Arbeitsflächen bei der Bibliothek des Zentrums für Kunst und Medien
Lern- und Arbeitsflächen bei der Bibliothek des Zentrums für Kunst und Medien

Ich gehöre zu jener Sorte Mensch, die – wenn sie dann mal zum Schreiben kommen – eher außerhalb ihres Wohnbereiches kreative Texte verfassen. Das können Beiträge über Musik sein, aber auch der Fortsetzungsroman, der sich in den Tiefen dieser Webseite befindet.

Ich ziehe es dabei vor, ruhige Orte zu finden, die es mir ermöglichen über einen längeren Zeitraum Texte zu verfassen, ohne dass ich jemanden dabei störe. Cafés stellen in diesem Sinne eine Notlösung da, und werden auch gerne genutzt, aber länger als einen Kaffee möchte ich es mir tatsächlich nicht erlauben, ein kommerzielles Unternehmen für meine Schreiberei zu nutzen. Auch weil es durchaus nicht immer gern gesehen wird, und manche GastwirtInnen schon eine Notbremse gezogen haben. Nicht überall ist die Nutzung eines Notebooks durchgehend gewünscht und erlaubt. In bestimmten Fällen wird es auch als störend empfunden. 

Es liegt mir viel daran dieses zu respektieren. Aber ich persönlich fühle mich auch nicht wohl, wenn ich weiß, dass es nicht zu den Gepflogenheiten gehört, weil man atmosphärisch doch lieber Menschen bedient, die sich in ihrer Freizeit zum Gespräch treffen oder auch mal einzeln ein Buch lesen.

Dieses Thema führt vor allem in Universitäts-Städten zu ganz unterschiedlichen Lösungen. So wird auf der einen Seite zusätzlicher öffentlicher Raum zum Lernen und Arbeiten (ohne kommerziellen Hintergrund) geschaffen, aber auch die Bibliotheken haben sich vermehrt darauf eingestellt, ihre Räumlichkeiten als Lernorte anzubieten. 

Als ich in meiner Heimatstadt Karlsruhe nach entsprechenden Möglichkeiten suchte, war es vor allem spannend zu sehen, dass ich die bekannten Cafés, die als Franchise in allen Fußgängerzonen anzutreffen sind, zwar nett fand, aber sie in der Regel auch zu wenig Platz boten, um ein dauerhaftes Angebot zu sein.

Der andere Punkt ist, und das sollte nicht unterschätzt werden: Wer täglich in Cafés ein Getränk und vielleicht eine Speise geniesst, muss dieses im eigenen Budget einplanen und diesen Etat auch zur Verfügung haben. Es ist ein bequemer Luxus, den ich gerne auch geniesse, aber man sollte vor allem in der schreibenden Zunft nicht davon ausgehen, dass sich das bei allen so verhält.

In Karlsruhe ist das Bemühen um die Lernorte sehr umtriebig und auch auf verschiedenen Seiten dokumentiert. Ich werde in den Beschreibungen die jeweiligen Links an den Bericht anfügen. Doch mir geht es nicht darum eine Art Lexika oder trockene Verweise der Leistungen anzubieten, ich möchte mit dieser neuen Kategorie eine ganz subjektive Möglichkeit zeigen neue Orte kennen zu lernen. 

Es stellt also eine Art Reise-Tagebuch durch Bibliotheken und ähnliche Räumlichkeiten dar, und ist eher als ein Produkt zu sehen, das automatisch entsteht, wenn ich Recherchen anstelle und dafür sowieso unterwegs bin. Ich werde diese Kategorie nicht sonderlich hervorstechen lassen, keine weitere Bewerbung in Social Media vornehmen, sondern sie soll einfach wachsen und entstehen.

In erster Linie werde ich mir in den nächsten Wochen und Monaten, eventuell das ganze Jahr 2026, in Baden Württemberg um sehen, was es hier so gibt. Manches werde ich nicht ganz so detailliert betrachten können, wie es zum Beispiel Einheimische machen. Manches sollte daraufhin ergänzt werden, zu manchen werden ich nochmal zurückkommen. Wie auch immer: Ich bin dabei natürlich auch darauf angewiesen, dass ich Tipps und Hinweise bekomme. Ich freue mich daher über alle Kommentare, jeden Beitrag und Ideen, die hilfreich sein könnten.

Externe Links:

Räume der Badischen Landesbibliothek – https://www.blb-karlsruhe.de/service/raeume

Räume in der Stadtbibliothek Karlsruhe – https://stadtbibliothek.karlsruhe.de/angebote/lernort-bibliothek

Räumlichkeiten im Zentrum für Kunst und Medien – https://zkm.de/de/projekte/learning-libraries-karlsruhe

Räumlichkeiten im KIT (Karlsruher Institut Für Technologie) – https://www.bibliothek.kit.edu/freie-lernplaetze.php

Tonspur Nr. 36: Park Walker „The Extra Mile“

Tonspur Nr. 36: Park Walker „The Extra Mile“

Park Walker - The extra Mile
Park Walker – The extra Mile
  • Open Sea
  • Bill Gates
  • Heavy Hearts
  • Strong Stuff
  • Harbours
  • Pour la vie
  • Summer
  • Swarm of Birds
  • Truly

Auf ihren Konzerten zeigen sie Videos mit Wanderungen in einer Berglandschaft. Suggerieren damit Weite und die Ruhe, die in der Natur liegen kann.

„The Extra Mile“ präsentiert sich daher auch als kraftvolles Statement, dass wie ein gezähmtes Biest die Landschaft zurück erobern will. Relaxt in den schönsten Momenten, aber mit all der Wucht, die in den Muskeln lauert.

Park Walker schlendern mit den heimlichen Hymnen durch ein Refugium, dass kultiviert und mit tiefen Wurzeln von einer großen Liebe zur Natur zeugt. Man lässt sich Zeit, das Schlagzeug unterstreicht betont rührig die Stärken und wirkt verhalten in seiner treibenden Kraft. Das hat sehr viel für die großen Bühnen – vor allem mit diesem gewaltigen Klang, die orchestrale Faszination, die gewagten (und gekonnten) Einsätze eines Flügelhorns, aber auch die Duette mit der Sängerin Nadja Mingirulli

Park Walker haben mit „The Extra Mile“ ein Album geschaffen, dass am „Wall of Sound“ werkelt und die Dramatik der langsamen Verzögerung in einem starken Gewand zeigt. Da schleichen sich die Balladen ein, werden unterlegt von dem Sound dreier Gitarren, um wieder zurück zu finden, den Dingen ihre Zeit zu lassen und den Blick auf die Täler und Wieser zu senken, die uns umgeben.

Ein Album fürs Verharren, Mitsingen und Ausklingen lassen. Für jenen Zeitpunkt, wenn alle noch mal stumm zusammensitzen, sich in die Augen sehen und den Tag Revue passieren lassen. 

Park Walker laden dazu ein, die Strecke nochmal zu gehen, sich das zu gönnen, dabei auf die Details zu achten und die Schönheit des Augenblicks zu schätzen.

Externe Links:

Park Walker (Webseite) – http://www.parkwalker.de

Park Walker (Instagram ) – https://www.instagram.com/anytimeparkwalker

Park Walker (Facebook) – https://www.facebook.com/anytimeparkwalker

Park Walker (Bandcamp) – https://parkwalker.bandcamp.com/music