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Kategorie: Schallplatten

Hier geht es vor allem um Vinyl. Dabei werden weniger die technischen Eigenschaften betrachtet, als viel mehr Anekdoten zu dem Thema eingebunden.

Vinyl-Flohmarkt in der Kulturküche, Karlsruhe am 10.05.2025

Vinyl-Flohmarkt in der Kulturküche, Karlsruhe am 10.05.2025

Die Tendenz ist eindeutig. Es wird immer gigantischer. Eigentlich. Es gibt Plattenbörsen, die aufgrund ihrer Größe berühmt und berüchtigt werden. Die Dimensionen versprechen, dass alles gefunden wird, wenn man nur lange genug danach sucht.

Oft ist das Gegenteil der Fall. Je größer Plattenbörsen anwachsen, umso eher besteht die Chance, dass man genau den Händler, die Kiste oder jene Platte übersieht. Oder auf später verschiebt. Oder zwei Meter weiter zu einem Bruchteil des Preises entdeckt. Oder einfach erschlagen ist. Die Enttäuschung kann mannigfaltig sein. Vor allem dann, wenn das Glück so gegenwärtig scheint.

Plattenbörsen waren vor 40 Jahren das Ding. Veranstaltungen, auf denen sich jung und alt herumtrieb. Es ging ums Graben, Vervollständigen, günstig einkaufen und Seltenes. Und dann war plötzlich Schluss. Dann gab es CD-Börsen. Und als das nicht mehr ging, Film und DVD-Börsen mit CDs und Comics. Und vielleicht Platten.

Plattenhändler, fahrende und stationäre, verschwanden, verkauften vielleicht etwas anderes, bemühten Zweitjobs und einige wurden bis heute nicht mehr gesehen. 

Seit über einem Jahrzehnt dreht es sich. Schallplatten sind wieder Sammlerware, der Kundenkreis erstaunlich divers und von der Welle mitgerissen werden CDs und Cassetten. Es wird gepresst, dass es nur so eine Freude ist. Die Industrie feiert und freut sich. Und es ist nicht mehr ungewöhnlich, wenn Künstlerinnen dem Vinyl den Vorzug geben und auf alles andere verzichten. Oder wie im Punk plötzlich Cassetten, handlektoriert und mit spontanen Grafiken verziert, am Merchstand auftauchen.

Seit einigen Jahren organisiert der Vinylexpress an verschiedenen Orten, aber hauptsächlich in der Karlsruher Kulturküche, einen Platten-Flohmarkt. Wohlgemerkt, keine Börse. Denn die Veranstaltung ist klein, überschaubar, angenehm familiär und hervorragend kuratiert. Eingeladen sind spezialisierte Händler aus der Umgebung, bis hinein nach Frankreich. Es zeichnet sie alle ein ausgewähltes Sortiment aus .

Der Vorteil: Auf kleinem Raum finden sich Raritäten, die selbst in sortierten Läden kaum vorhanden sind. Außer man nimmt es in Kauf eine kleine Rundreise zu machen, und alle mal zu besuchen.  Dabei gibt es im Grunde keine spezifischen Genre-Grenzen. Wer HipHop oder Stoner sucht, der wird beides finden, aber auch fette brasilianische, afrikanische und jazzige Ware. Oder wie bei Specific Recordings (Metz, Frankreich) Kisten voll japanischer Geschichten, die sowohl traditionell, aber auch Independent sein können.

Vinylexpress hat als Veranstalter ein gutes Händchen für seine Anbieter. Selbst verstärkt im HipHop-Bereich unterwegs, verwundert es nicht, wenn Downtempo, Soul-Funk und Electronic auch bei den kleineren Anbietern zu den Fundgruben gehört. Das atmosphärisch Gute an der ganzen Angelegenheit ist: Bei schönem Wetter kann man sich keinen besseren Ort für einen solchen kleinen Marktplatz vorstellen. Die Kulturküche ist ein angenehmer Ort. Der schattige Hinterhof, sowie das historische Ambiente in dem Gebäude, in dem sie residiert, hat einen ruhigen, verwinkelten Charme, der sich von der hektischen und klar strukturierten Betriebsamkeit anderer Börsen unterscheidet. 

Zwischen all dem Angebot lädt es zum Verweilen, zum Kaffee, zum Plausch und Fachsimpeln ein. Tische, Stühle, Sessel, Bistrogelegenheiten und sogar eine Küche mit Mahlzeiten und Rückzugsorte in der Sonne und unter Bäumen sind vorhanden. Mehr kann gar nicht. Und muss auch nicht.

Der nächste Platten-Flohmarkt findet am 11.10.2025 wieder in der Kulturküche Karlsruhe , Kaiserstraße 47, 76131 Karlsruhe statt.

Mit dabei waren dieses Mal:

Externe Links:

Tulla Tonträgerhttps://www.instagram.com/tulla_tontraeger/?hl=de

Locked Groove Recordstorehttps://www.lockedgrooves.fr/

Specific Recordingshttps://specificrecordings.fr/

Mo‘s Recordshttps://mosplattenladen.de/

Krachige Plattenhttps://provinzpostille.de/krachige-platten-kontakt/

Vinylexpress KAhttps://www.instagram.com/vinylexpress_karlsruhe/

(U.v.m. – alle die ich vergessen habe – bitte melden. Ich trage nach, und vervollständige noch mit Links und Adressen. Versprochen)

Neue Single von Amber & the Moon: All is well

Neue Single von Amber & the Moon: All is well

Für handwerklich gut abgestimmt Songwriting sind sowieso bekannt. Amber & the Moon veröffentlichen vorab zu dem kommenden Album ihre Single „All is well“. (Veröffentlichungstermin: 25.04.2025)  Ausgeruht, relaxt und zurückgelehnt, mit einer spannenden Instrumentierung, die die Gitarren durch Bläsereinsatz unterstützt, ist der Song geprägt von einem Faible für die schöne Melodie. 

Ronja Pöhlmann und Jonathan Riedel, die letztes Jahr mit Rhonda auf Tour waren, haben für das neue Album einen dichten Sound kreiert, der nachfühlen lässt, wie vielschichtig daran gearbeitet wurde. Verantwortlich als Produzent zeichnet sich Ben Schadow, bisher von Rhonda und anderen Projekten bekannt, aus. Torsten Sdunek rundet an den Drums die Band ab.

Der harmonische Chorsang, verspielter Einsatz der Gitarren, Streicher im Background – das Stück nimmt sich die Zeit und den Raum, den es benötigt. Behandelt es doch die kleinen Fragen mit den großen Akzenten, die für Momente, die Stille durchbrechen um mit Nachhall zu verschwinden.

Zu sagen ist. „All is well“ hat mehrmaliges Hören verdient, um an den Details zu erkennen, wie sich ein guter Popsong entwickelt und dynamisch steigern kann, ohne in der Dramaturgie aufdringlich zu wirken. Genres und vergleichende Namen außen vor, ist es dennoch so, dass all diejenigen, die sich Ruhe, entspannte Instrumentierung gönnen und auf den Sommer freuen, damit den richtigen Soundtrack haben.

(Interview mit Amber & the Moon: https://jazznrhythm.com/interview-amber-the-moon)

(Die Single wurde freundlicherweise vorab von der Band zur Verfügung gestellt)

Plattenladen in Bergen: Apollon

Plattenladen in Bergen: Apollon

Externer Link: https://apollon.no/

Adresse: Nygårdsgaten 2A, 5015 Bergen, Norwegen

Für gebrauchte Platten gibt es in Bergen verschiedene Adressen. Allerdings waren es die Öffnungszeiten, die nicht ganz in die Tagesplanung passten. Anders sah es bei Apollon aus. Apollon hat von morgens um 10:00 bis morgens am nächsten Tag um 0:30 offen.

Das Konzept von Apollon ist bemerkenswert. Tagsüber ein normaler Plattenladen, spezialisiert auf Neuheiten. Nachts jedoch eher eine Bar, die gut gefüllt ihre Gäste neben den Plattenregale bedient. Platten kann man weiterhin kaufen, doch der Barbetrieb ist vorherrschend. 

Apollon führt auf den ersten Blick ein gepflegtes Sortiment Pop/Rock, hat aber auch eine breite Sammlung Heavy Metal, Hip-Hop und Electronic. Was nicht sofort auffällt und ich nachts beim ersten Besuch fast übersehen habe, war der große Anteil norwegischer Musik aller Richtungen, der sich in Schubladen unterhalb von Pop und Rock verbarg. Lokale MusikerInnen haben eine eigene Schublade, in der ich zum Beispiel „Embla & the Karidotter“ fand. 

Aber auch Silja Sol, deren Auftritt ich vor einigen Tagen verpasste.

Apollon ist ausgesprochen gut ausgestattet, die wichtigsten Veröffentlichungen sind in Fächern rund um die Bar und oberhalb der Platten eingeordnet. Auch Jazz ist im hinteren Bereich präsent und ebenfalls ausgewiesen ist der Norsk-Anteil.  Ich hatte es in einem anderen Bericht schon erwähnt: Skandinavischer, aber vor allem auch norwegischer, Jazz hat in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen. Doch – bedingt durch das umtriebige ACT-Label – ist der Bezug in Deutschland nicht sonderlich schwer. Die Platten sind gut vertreten, leicht auffindbar, und in jedem gepflegten Handel erhältlich.

Die Idee, eine Plattenhandlung an eine Bar zu koppeln, ist verführerisch. Tagsüber und nachts schienen beide Konzepte voneinander zu profitieren. Zugegeben, wenn die Bar voll ist, dann übersieht man so manches. Aber atmosphärisch absolut eine Empfehlung. 

Plattenläden in Oslo – 2ter Teil

Plattenläden in Oslo – 2ter Teil

Neseblod Records

Schweigaards Gate 56

Externer Link: https://neseblodrecords.bigcartel.com/

Neseblod Record Store, Oslo,2025

Wenn man es nicht übertreiben will, und auch verspricht, nichts internationales zu kaufen – sich nur auf die lokalen Acts zu konzentrieren – dann darf Neseblod Records nicht dazwischen kommen. 

Neseblod Records ist legendär, wichtig und einen Besuch wert. Es gibt Stimmen, die besagen, das genauso ein Plattenladen aussehen muss. Klein, eher eng, vollgestopft bis zur letzten Ecke, mit einem Keller der Katakomben gleicht. 

Die Grundfarbe der T-Shirts, die überall hängen, der Tasche und überhaupt allem ist schwarz. Und das aus gutem Grund. Neseblod ist ein Tempel und Museum, aber auch eine wichtige Anlaufstelle, für alle, die die härtere Gangart mögen. Metal in allen Spielarten, Punk, Hardcore, sowie alles außen rum und mittendrin, ist der Schwerpunkt.

Die Platten stehen gepresst in den Regalen, die Kassetten und CDs klettern zur Decke hoch, und dazwischen finden sich Bücher über obskure Punkfanzines, der Geschichte des Metals allgemein, des Death- und Blackmetals sowieso und T-Shirts, T-Shirts, TS-Shirts. 

Natürlich sind alle großen Namen vertreten, und man muss in den Keller runter, weil da unten ein Thron aus Stein steht, komische Bereiche mit abgesperrten Gittertüren sind, Schilder, die auf Black-Metal verweisen, und Spuren eines Brandes zu sehen sind.

Neseblod Record Store, Oslo, 2025 Basement

Es geht das Gerücht um, das Neseblod abgebrannt sei. Das Internet erzählt davon. Tatsächlich, so der Besitzer ist das ein Jahr her, und es ging nur um den Keller. Als ich letztes Mal darin war, wurde im Keller noch gearbeitet. Es sieht nicht viel anders aus, aber die Arbeiten scheinen beendet. Man muss Zeit mitnehmen, die Muse sich tief einzugraben, und sollte Kenntnis von der Sache haben. 

Mitgenommen habe ich eine Platte von den Cramps. Damit natürlich meinen eigenen Schwur gebrochen. Die Cramps sind definitiv nicht regional, aber mindestens so legendär wie der Laden und, verflixt, ich vermisse sie immer wieder.

Ob ihr ein Faible für die Richtungen habt, die hier angeboten werden, oder nur mal reinschnuppern wollt – gönnt euch Neseblod. Es ist dunkel, es ist heimelig, es ist pure und wichtige Geschichte. Eine Lektion, die man in Oslo einfach mitnehmen muss.

Neseblod Record Store, Oslo 2025