Der Spieler – Teil 1

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Andreas Allgeyer, am 26.01.2026
Dieses ist der erste Teil, in dem der Erzähler mit Ereignissen konfrontiert wird, die er nicht einschätzen kann.
1.Teil
Die Geschichte begann ganz einfach. Wir saßen in seiner Küche. Das Blut an seiner Hand trocknet an. Die Flasche stand zwischen uns. Seine Stimme war nur noch ein kleiner Rest von dem alten Großmaul. Ich lehnte mich zurück, kippte den Stuhl an die Wand und sah ihn schweigend an.
„Das Ding ist verdammt wichtig!“
„Verstehe!“ Ich nickte mit dem Kopf. Sah nach einem weiteren Handtuch. Viel bot die Küche nicht. Die Blutspritzer hatten wir abgewischt, aber das zertrümmerte Geschirr blieb auf dem Boden liegen. Dafür war jetzt keine Zeit.
Mit der sauberen Hand hielt er sich die Stirn. Das würde eine ganz schöne Beule geben. Sehen würde man es noch eine ganze Weile. Daran war nichts zu ändern.
Ich wollte keine Fragen stellen. Er hatte sowieso abgewunken. Kein Arzt. Keine Polizei. Niemand. So saß ich ihm gegenüber. Versuchte zu verstehen. Das Auge wurde kleiner. Würde zu schwellen.
Wir kannten das schon. Früher. Fußball. Festivals. Dummes Pack war immer da.
„Du solltest Eis darauf tun. Hast du Eis?“
Er deutete auf den Kühlschrank.
„Oben im Fach.“
Beim Öffnen wie immer. Unter dem Eisfach eine Reihe Wodka-Flaschen. Ich nahm eine heraus. Hatte Mühe die Eisakkus zu lösen. Von Kristallen fest umschlosse. Alles festgefroren, was darin lag. Eine Lachschnitte und etwas, dass in Tupperware verpackt war. Im Grunde war es egal, ob Akku oder Tupperware. Ich gab ihm das Akku.
„Keine Würfel, sorry.“
„Egal.“ Er sah sich um, griff nach dem Tabak, versuchte mit der gesunden Hand zu drehen.
„Lass das. Ich mache das.“
Er schob ihn rüber.
„Die Ratte hat mich ausgeraubt.“
„Fehlt was?“
„Blöde Frage. Er hat es einfach mitgenommen. Natürlich hat er es mitgenommen.“
Die Ratte hatte – das wußte ich – ein perfektes Dating-Profil und war viel zu jung. Es gab Vorläufer. Sie befand sich damit in einer Tradition.
Eine Träne kämpfte sich unter dem Eisakku durch.
Er wollte aufstehen. Ich hielt ihm die gedrehte Zigarette hin.
„Bleib sitzen.“
„Ich muss nachschauen, du verstehst das nicht.“
„Nein!“ Ich schüttelte den Kopf. „Ich verstehe es wirklich nicht. Wieviel Mal haben wir das schon erlebt?“
Er verzog die Mundwinkel. „In letzter Zeit nicht mehr.“
„Trotzdem. Es passiert wieder und wieder.“ Wollte ihm keine Vorwürfe machen, senkte die Stimme. „Um was geht es? Geld?“
„Nein, er hat das Album.“
„Eine Platte?“ Ich kippte nach hinten, rollte mit den Augen. Von was redeten wir hier? „Ein Platte?“
„Ja.“ Seine Stimme nahm einen hohen Ton an. In den Mundwinkeln hingen noch die Blutreste. Eine neue Zahnlücke links.
Eine Platte, dachte ich. Es waren 8000 Platten in seinen Regalen. Selbst wenn das Ding etwas wert war. Der Bursche hatte versucht ihm das Leben aus dem Leib zu prügeln, die Küche in ein Mosaik verwandelt und ihn iim Dreck liegen gelassen. .
„Es geht um die Platte! Eine Aufnahme, die es eigentlich gar nicht gibt!“
„Natürlich!“ Ich nickte mit Kopf. Hier war alle mit seinem Blut vollgespritzt. Als hätte man einfarbiges Konfetti ausgestreut. Welcher Platte, zum Donnerwetter?