Der Spieler – Teil 2

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Andreas Allgeyer, 26.01.2026
Dieses ist der zweite Teil, in dem der Erzähler nichts glaubt. Gar nichts. Alles Fake.
Teil 2
„27. August 1965. Die Beatles waren gerade auf ihre Amerikatournee. Da bot sich ihnen die Chance Elvis zu treffen. Ihr Idol. Also besuchten sie ihn in Beverly Hills. 525 Perugia Way. Das war so einfach. Unglaublich.“
Er senkte die Stimme, nahm einen Zug und griff zum Glas.
„Das Treffen war legendär. Alle hofften natürlich auf eine Session. Und vor allem – eine Aufnahme davon. Klar, oder? Die Beatles und Elvis Presley! Das ist so wie Spiderman und Superman in einem Raum. Das Crossover der Musikgeschichte.“
Pfeifend zog er die Luft ein, nahm einen weiteren Zug. Das eine Auge verdeckt, das andere trat hervor wie eine Murmel. Sein Blick war eindringlich auf mich gerichtet. Er hatte blaue Augen. Ein feuchter Glanz hatte sich darüber gelegt.
„Tatsächlich war das Treffen laut Aussagen der Beteiligten eher kühl. Die Beatles befanden sich auf der Höhe ihres Erfolgs. Elvis war die Generation davor. Das konnte gar nicht klappen. So erzählten alle. Kein Ton. Keine Session. Niemand spielte. Alle waren enttäuscht. Es funktionierte nicht. Die waren von einander gelangweilt. Die komplette Literatur – und davon gibt es ja viel – und das gesamte Netz sagen: Nope, da ist nichts, da war nichts.“
„Und? Was hat diese Geschichte mit der Platte zu tun? Mit deiner Platte? “
„Es gibt ein Dubplate.“
Ich stutzte. „Dub? Um was geht es?“
„Acetat-Platte, quasi ein Direktschnitt. Hat man gemacht, früher.“
„Was ist da drauf? Ich meine, du sagtest…“
„Ich weiß was ich sagte“. Er zog hektischer an der Zigarette, drückte sie aus. „Ist mir klar. Das Ding gibt es offiziell nicht. Aber, ich habe..hatte eine Aufnahme von Elvis und den Beatles. Nicht viel. 3 Songs.“
„Was für 3 Songs, verdammt, das ist doch Quatsch?“
Sein Auge war eine blitzende Kugel. Ganz so, als ob er mich anschreien wollte. Er nahm einen Schluck. Stank wie reiner Alkohol. Der Wodka. Zeug zum erblinden.
„Es ist eine Scheißaufnahme von Elvis und den Beatles. Fucking, verdammtes Bluegrass!“
„Es kann gar kein Bluegrass sein! Hättest du Blues gesagt…“ Ich schüttelte den Kopf. Ich hatte nicht viel Ahnung, aber Bluegrass. Oben in Beverly Hills. Mit Elvis.
„Vielleicht dachten sie, es wäre Skiffel. Was weiß den ich? Es sind drei Songs, nicht mehr. Und es sind John, Paul, George und der verdammte Ringo, die wie Schulbuben kichern und Elvis singt dazu. Es ist so.“
„Stop, das ist KI. Das ist nichts echtes. Das geht heute. Du merkst das gar nicht. Die machen das mit zwei Wörter. Und du hast deine Duette. Michael Jackson mit Prince. Led Zeppelin mit Madonna. Weiß der Fuchs. Die kriegen das hin.“
„Ich habe diese Aufnahme seit 30 Jahren!“
„Wie kamst du daran? Wieso hast du eine Aufnahme, die es nicht gibt.“
„Das war Zufall. Es war eine ganze Kiste. Die Platte war umbeschriftet. Sie lag einfach zwischen einem Haufen komischer Country-Platten. Kram, den ich noch nie gehörte hatte. 1995. Die Amis verliessen gerade Karlsruhe. Anfang des Jahres. Ich erinnere mich noch an Schnee. Mir hatte jemand einen Tipp gegeben. Bei zwei Bier. Wir schnappten uns also einen Leihwagen. Dachten, wer weiß, wieviel wir da ergattern können. So ein DJ aus einem Offiziersclub. Ich kenne mich da nicht aus. Kannte weder den Club. Noch den DJ. Der wollte einen Teil seiner Platten loswerden. Zuviel für die Rückreise. Das amerikanische Zeug interessierte ihn gar nicht so. Den europäischen Kram fand er toll. Naja, es war halt eine ganze Kiste. Mehr war es gar nicht. 120 Deutsche Mark. Es gab noch keinen Euro. Und so toll sah das Zeug nicht aus. Eigentlich hatte sich das nicht gelohnt. Hätte man auch ohne Leihwagen hinbekommen. Mit der Straßenbahn wäre es kein Problem gewesen.“
Er grinste flackernd. Für eine Moment. Abgelöst von einem starken Husten.
Nee, dachte ich.
„Wie kommst du auf die Beatles? Auf Elvis? Das kann eine Fälschung sein…“
Jetzt lachte er. Rau und verzweifelt. In der Spucke war noch Blut. Wischte sich über den Mund.
„Das war einfach…“