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Schlagwort: Bossa Nova

Sandrine Neye & Alfred Müller in der Hemingway Lounge am 21.02.2026

Sandrine Neye & Alfred Müller in der Hemingway Lounge am 21.02.2026

Sandrine Neye & Alfred Müller in der Hemingway Lounge am 21.02.2026
Sandrine Neye & Alfred Müller in der Hemingway Lounge am 21.02.2026

Zu einer ungewöhnlichen Zeit, aber in einem durchaus bewährten Format, stellt die Hemingway Lounge Samstags Vormittags ab 11:30 KünstlerInnen vor, die ihren Auftritt in einer Art Hutkonzert bestreiten. Die Hemingway Lounge wird damit zum Anlaufpunkt für Entdeckungen und spannenden Events. Bietet in diesem Rahmen KünstlerInnen einen Raum, deren Namen man sich merken kann.

Sandrine Neye befindet sich aktuell an den Arbeiten für ihr neues (und erstes) Album, kann aber schon auf eine ganze Reihe Auftritte in verschiedenen Formationen zurückschauen. Im Zusammenhang mit den Women’s Choice Konzerte von Sandie Wollasch gehörte sie zu den Interpretinnen, die daran beteiligt waren und auffielen. 

Aber auch in einem der Ladenkonzert von Laden zwei war sie bei einer letzten Episode zu sehen und blieb im Gedächtnis haften.

Mit Alfred Müller an der Gitarre (E- und Bass) gehört sie zu den aufstrebenden Talenten, die zwischen Jazz, Pop, Neosoul und brasilianischen MPB/Bossa Nova-Rhythm eine Sprache und Richtung suchen, die in Groove und Handwerk viel Übung und vor allem Anschluss an die klassischen Namen verrät. 

In einem Konzertformat, das zwischen den Interpretationen bekannter Standards und eigenen Werken pendelte, konnte Sandrine Neye mit ihrem Songwriting überzeugen. Liess es doch viel Platz für verspielte Improvisationen, aber auch einer ganzen Palette Klangfarben, die sie in ihre Stimme legen konnte. Eine Stimme, die sich geschult und mit Leichtigkeit, durch das Repertoire ihrer Vorbilder (Whitney Houston, Adele) bewegte, um eine individuelle Version der Stücke zu kreieren. 

Sandrine Neye & Alfred Müller in der Hemingway Lounge am 21.02.2026
Sandrine Neye & Alfred Müller in der Hemingway Lounge am 21.02.2026

Die Hemingway-Lounge, mit einer Bühne, die sich in gleicher Höhe wie ihr Publikum befindet, gewann damit den Charakter einer fast privaten Jazzsession, die nahbar und kunstvoll zeigte, was allein auf der Basis zweier Gitarren und Stimme zu schaffen ist. 

Der Verzicht auf Effekte, damit bewusst und verlässlich auf die Fingerfertigkeit Alfred Müllers und dem Gesang von Sandrine Neye begrenzt, offenbarten in einigen der vorgestellten Standards eine Modernität und Zeitlosigkeit, wie man sie auch von unplugged-Aufnahmen kennt.

Ihre selbst geschriebenen Werke, die schon digital in den Streamingformaten zu finden sind, machen neugierig auf das was kommt. Das Songwriting verrät ein gutes Händchen für Rhythmus und Melodie, die Wahl der Vorbilder ist gut getroffen und durch die Zusammenarbeit mit Alfred Müller zeigte sich, dass mit den Duettpartnern immer wieder schöne Ergebnisse zu erwarten sind.

Die Arrangements, sowohl in der Zusammenstellung des Programms, aber auch in der Interpretation bewährten Materials, hatten eine Handschrift, die von einer langjährigen Liebe zu den Genres und Richtungen zeugte.

Neo-Soul, diese Richtung, die eine Soul-Variante auf der Basis fast akustischer Harmonien und Instrumentierung sein will, und damit eine Erneuerung aber auch Transparenz der Musik darstellt, möchte man das alles nennen. Aber wie alle Genres engt es langfristig die Möglichkeiten die vor Sandrine Neye liegen doch zu sehr ein. Gibt ja noch den Funk und den Jazz – und das kann sie ja auch.

Insofern wird bestimmt noch eine Menge kommen. 

Externe Links:

Sandrine Neye – https://www.instagram.com/sandrine_neye/

Alfred Müller – https://www.instagram.com/alfred_mueller_guitar/

Hemingway Lounge – https://www.hemingwaylounge.de

Tonspur Nr. 25: Alcione – „Romantica“

Tonspur Nr. 25: Alcione – „Romantica“

Alcione - Romantica
  1. Menino sem Juízo
  2. Seu Rio, Meu mar
  3. Rio Antigo
  4. Pra Que Chorar
  5. Gostoso Veneno
  6. Faca de Ponta
  7. Sufoco
  8. O Surdo
  9. Amantes da noite
  10. Nao deixe o samba morrer
  11. Recusa
  12. Cajueiro velho

Wenn man sich darauf einlässt, dann wird man feststellen, dass die Anzahl der SängerInnen in Brasilien eine unbegrenzte und unbestimmte Menge ist. Von außen betrachtet erscheint es so, als hätte jede zweite Frau in Brasilien eine Platte aufgenommen. Das ist zwar übertrieben, doch es zeigt auch folgendes: Wenn es zu einem internationalen Ruhm kommt, und eine Interpretin auch in unseren Breiten bekannt wird, dann zeichnet sie etwas herausragendes aus. Und wenn es nur der Fleiß ist. 

Alcione gehört zu den Namen, die beständig, auch über viele Jahre in unsere Breiten gelangt. Ihre Platten gehören nicht zu den MPB oder Bossa-Nova-Klassikern, die hierzulande in den Clubs gespielt werden, doch sie zeichnet eine angenehme Stimme, eine Liebe zum Samba und ein tiefes Repertoire aus. 

Alcione ist, wie einige andere Namen, eine der großen Damen des brasilianischen Musikgeschehen. Ihre kräftige Stimme, die zumeist große Orchester herausfordert und daher von ihnen begleitet wird, steht selbstbewußt für eine klare, relaxte, schwingende Ausdruckskraft, die große Bühnen, ausschweifende Revuen und klassische Arrangements benötigt. Alcione gehört damit zu jener Generation, die wir mit Tom Jobim lieben gelernt haben. Gurrender, weicher Sound mit Bläsern und Geigen. Also alles, was es braucht.

Tonspur ist eine kleine Reihe, die in kurzen und knappen Beschreibungen (maximal 200 Wörter) sich mit den Alben befasst, die ich im Laufe des Tages anhöre. Sie folgt damit keinem Genre und keiner Reihenfolge. Ist lediglich nummeriert

Dan & Dota – Tollhaus Karlsruhe, 30.11.2024

Dan & Dota – Tollhaus Karlsruhe, 30.11.2024

Als die Göttin die Musik erfand, dachte sie wahrscheinlich an Brasilien. Brasilien, dieses Land, in dem Welten aufeinander stießen und verschmolzen. 

Was dabei herauskamen, als Kulturen, Stile und Genre sich immer wieder vermischten, eroberte irgendwann in den frühen Siebzigern den Rest der bekannten Welt. Und auch wenn es keiner glaubt, so hat vieles, was die großen Entertainer dieser Zeit sangen, seinen Ursprung in Brasilien und genauer gesagt im Bossa Nova. 

Später, als ein brasilianischer Tanz namens Lambada die Welt eroberte, gab es einen berühmten Spruch (ich glaube von Claus Schreiner, aber ich möchte es nicht beschwören) der sinngemäß hieß, dass, wenn es jedes Jahr einen Modetanz wie Lambada aus Brasilien gäbe, die Welt die nächsten hundert Jahre etwas zu tun hätte. 

Gemeint war, dass der Schatz der brasilianischen Musik noch lange nicht gehoben und in Europa nur bruchstückhaft bekannt ist. 

Seit vielen Jahren ist Dota eine Art Botschafterin der brasilianischen Musik. Ihre Musik wurde schon in den 2000er Jahren mit Erstaunen dem Bossa Nova zugeordnet, obwohl sie für die beiden wichtigsten Bestandteile, Text und Musik, selbst verantwortlich war. Und vor allem: Sie sang zumeist deutsch. 

Die aktuelle Tournee basiert auf der Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Musiker Danilo Guilherme, die scheinbar bis in das Jahr 2003 zurück reicht, als die beiden MusikerInnen sich kennenlernten und so gut verstanden, dass es im Grunde zu einem Album hätte führen sollen. Und in diesem Sinne ist das Album und die Tournee eine verspätete Premiere, die alle Eigenschaften, dieser brasilianisch-deutschen Verbindung in sich vereinen möchte. 

So wurde eine andere große Dame der brasilianischen Musik, die sich in Deutschland angesiedelt hat, Zelia Fonseca gebeten, Vorgruppe in Solofunktion zu spielen, aber auch unterstützend bei den schönsten Stellen der Show mitzuwirken. 

Brasil-Portugiesisch ist keine sehr populäre Sprache in Deutschland, um so bemerkenswerter ist es, dass der Funke dieser angenehmen Sprache und der Spielfreude auf der Bühne innerhalb von Minuten bei der Eröffnung übersprang. Man muss Zelias Spiel Respekt zollen, dass sie es virtuos schaffte, schon im zweiten Beitrag die Anwesenden zum Mitsingen der Zeilen zu bewegen. Und sie taten es mit wachsender Begeisterung für die Songs, die Zelia auf ihrer akustischen Gitarre selbst begleitete. Nur mit dieser auf der Bühne, reduziert auf 3 Lieder, war zu spüren, dass sie niemand gehen lassen wollte. Das Versprechen und die Tatsache, dass sie wiederkam, gehörte zu den versöhnlichsten Augenblicken.

Diese Tournee, die das Album „De Repente Fortaleza“ präsentiert, ist auf lediglich 6 Shows ausgelegt, und man merkte den Musikern in jeder Minute an, dass es für weitere 50 an Begeisterung gereicht hätte. Das Zusammenspiel, mit deutschen Übersetzungen, Textschnipsel, dem wunderbaren Gesang der Drummerin und überhaupt Danilos sanfter, erzählender und manchmal fast rappender Vortragsweise, beinhaltet die Wärme und Herzlichkeit, von der man gar nicht wußte, wie sehr man sie vermisst hatte. 

Allen ist anzumerken, dass sie, trotz einem verwirrenden Sprachkonglomerat, das sich durch die Ansagen, wie wohl auch durch die Proben zieht, gerne und herzlichst in ihren Songs daheim sind. So wechseln die Kompositionen zwischen den Beteiligten ab, und ergänzen sich dennoch in Ausdruck und Spielweise. 

Es gibt sicherlich viele MusikerInnen, die den Bossa Nova nach Deutschland transportieren, ihn vorstellen, für sich interpretieren, und ganz erstaunliches darin leisten, doch in seiner Natürlichkeit, die eine Unterscheidung zwischen dem Ursprung und der Leistung ihn in einer anderen Sprache zu manifestieren und zu erweitern, nicht mehr zulässt, hat Dota eine Klasse erreicht, die mittlerweile ihre eigene ist. Ihr Engagement für die brasilianische Musik ist herausragend, und ihr dabei zu zuschauen und Zeuge davon zu werden, ein Fest, bei dem man jede vergangene Minute bedauert, weil man ja durchaus noch drei weitere Stunden gerne teilhaben möchte. Was für ein gut gelaunte, eingespielte Band, die immer wieder zurück auf die Bühne geholt wurde. Man wollte sie ungern gehen lassen und wird sie mit Sicherheit mit der gleichen Begeisterung wieder begrüßen, wenn sie das nächste mal in Karlsruhe sind.

Baden Powell canta Vinicius de Moraes e Paolo Cesar Pinheiro

Baden Powell canta Vinicius de Moraes e Paolo Cesar Pinheiro

Wenn ich über brasilianische Musik berichte, dann gibt es zwei Dinge zu beachten: Ich verstehe kein Wort der Sprache. Kann maximal erahnen um was es geht, weil die ständige Wiederholung natürlich irgendwann mal dazu führt, dass man das Gefühl hat, etwas zu verstehen. Aber es ist nicht so. Und ich bin mir durchaus bewußt, dass mir damit etwas ganz essentielles der brasilianischen Musik verloren geht. Ich sitze mit einem offenen Mund da, wenn ich bei manchen Konzerten erfahre, um was in den Songs geht, die ich schon seit Jahren höre.

Und das andere ist: Es gibt, in meinen Augen, keine schlechte Platte von Baden Powell. Daher kaufe ich diese ohne vorher zu wissen, was mich daheim erwartet. Und ich habe das Gefühl es reiht sich ein Meisterwerk an das nächste. 

Die meisten Baden Powell Platten, die heute erscheinen, sind Compilations oder sehr sorgfältig kuratierte Werke, in den beflissen durch seine Geschichte geführt wird. Das ist gut, und zeigt, wie wichtig er war, und welchen Einfluss er auf Gitarristen bis heute hat.

Viele Aufnahmen sind sehr reduziert auf ihn, seine Gitarre und lassen ihm den notwendigen Raum zur Improvisation. Hier unterscheidet sich „Canta Vincius de Moares e Paolo César Pinheiro“. Baden Powell interpretiert hier ausschließlich die Texte der zwei Poeten Vincius de Moares (1913-1980) und Paolo César Pinheiro (1949-). Die Musik und die Arrangements stammen von ihm. Eingebunden in eine Band aus Andre Appino (Drums), Luigi Trussardi und Sam Kelly, Nilton Marcelino, Vilton Vasconcelos ist das Gitarrenspiel Baden Powells mehr Begleitung seines eigenen Gesangs.

Baden Powells Stimme zeichnet sich durch eine angenehme Sanftheit aus, die die Texte teils schmeichelnd wiedergibt, aber auch in eine melodische Erzählweise, die man heute, weil rhythmisch und dennoch entschloss, wahrscheinlich eine Art Rap nennen würde. Aber 1977 spielte Rap in Brasilien noch keine Rolle, von daher hinkt der Vergleich. 

Ungewöhnlich ist das dichte Arrangement, dass viele Elemente der traditionellen brasilianischen Musik vereinigt, und dabei auch eine Art Response, sowie treibende Percussions integriert. Wie so viele Werke wurde auch „Canta Vincius de Moares e Paolo César Pinheiro“ im Europa, quasi im Exil aufgenommen. Umso überraschender und beeindruckender ist es, wie sehr es in den Traditionen der brasilianischen Musik verwurzelt ist. 

Spricht man in Europa von brasilianischer Musik, dann handelt es sich normalerweise um Bossa Nova, Samba und MPB. Dabei ist sie viel reicher und bunter, als ich es hier darstellen könnte. MPB (Musica Popular Brasileira) stellt hier den größten Anschluss an die westliche Musik dar, da sie eigentlich aus einer direkten Linie der anglo-amerikanischen Musik in den Bossa Nova einfloss. Aber auf diesem Weg etwas ganz eignes wurde.

Die Vermischung ist so gelungen, dass ich gerade bei dieser Platte die größten Schwierigkeiten hätte, sie einzuordnen. Unabhängig davon, dass alle Stücke qualitativ hinsichtlich ihres Gesangs und der Begleitung auf einem hohen Niveau spielen, bedient sich Baden Powell aller Genrearten und Elemente, die zwischen Samba und MPB liegen. 

Was ich mir jetzt noch wünsche, dass ist eine Neu-Edition dieser wunderschönen Platte, mit allen Übersetzungen und Hinweisen zu den beiden Textern. Aber das wünsche ich mir eigentlich bei jeder brasilianischen Platte.

Externer Link: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Baden_Powell_de_Aquino