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Schlagwort: Jazz

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026
Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Ohne Zweifel war die Handpan jenes zentrale Instrument, dass den Klang der Sonic Harmonics prägte und damit die Richtung vorbestimmte. Als eines der jüngsten, analogen Instrumente, erlangte die Handpan erst in den Jahren nach 2007 Popularität. Aus der Schweiz kommend, handelt es sich um eine Klangfarbe, die sowohl in ihrer Weite wie Tiefe sehr vertraut wirkt. 

So ist es nicht überraschend, dass sie vor allem in ruhigeren Melodien ihre Anwendung findet, und daher vermehrt in einem meditativen Bereich eingesetzt wird. Zwei auseinandergesetzte Metallschalen, deren Vertiefungen gehämmert wurden, führten dadurch zu einem Objekt, dessen Möglichkeiten erst in den letzten Jahren ständig erweitert wurden. 

Ihre Nutzung im Jazz scheint fast folgerichtig, beweist es doch, dass Beide – der Jazz und das Instrument selber – variantenreich genug sind und es mannigfaltige Optionen der Verbindung geben kann. 

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026
Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Die Sonic Harmonics, geleitet von Klaus Buchner – der eigentlich vom Saxophon kommt und damit bekannt ist, aber hier an den Handpans aktiv war – nutzten als Gruppierung mit sehr individuellen und ganz breit gefächerten Mitgliedern damit einen Sound, der an leicht beschwingte Fusion-Experimente mit Folk-Anteilen erinnert. 

Getragen von Melodien, deren Ursprung und Geschichte Klaus Buchner gerne schilderte, zeigten sich die Sonic Harmonics als Meister eines Grooves, der auf leisen Sohlen daherkommt, sich in Naturbetrachtungen zu verlieren mag, doch gerade zu liebenswert um Wohlklang bemüht ist. 

In der Korrespondenz mit dem Cello Henrik Mumms (auch Kontrabass) konnte die Handpan einen kommunikativen Sound entwickeln, der sie veredelte, den Stücken eine beruhigende Essenz verlieh und spannende Konstrukte erlaubte. 

So gab es ganz unterschiedliche Einflüsse, die zum Tragen kamen. In den Wurzeln ist afrikanische Musik, schon durch die Nähe zu den Steeldrums, naheliegend, aber auch Bezüge zu den Liedern Hildegard von Bingens waren gegeben . Letzteres vor allem mit Sarah Lipfert, die die Gruppierung mit ihrer Stimme unterstützte. 

Überhaupt zeigte sich die Band in ihren Solis und der Wahl der Kompositionen, vielseitig und durch die Persönlichkeiten der Mitglieder geprägt. Marcel Millot an den Drums, die er gedämpft, mit Fellen und Tüchern ausgestattet, akkurat, aber mit einem beeindruckend Understatement bediente, sorgte ebenso wie Henrik Mumms für eine solide, selbst in ruhigen Tönen, angenehm schwingende Basis.  

Mit  Sean Ian Guptill an der Trompete hatten sie sowieso, neben Klaus Buchner selbst, einen Frontmann, der an den richtigen Stellen den Drive zu nutzen wusste, und in den herausragenden Passagen mit Sarah Lipfert eine spannende Duettpartnerin an seiner Seite. 

Präsentierten sich die Sonic Harmonics im ersten Teil vorwiegend als eingespieltes Team mit instrumentalen Stücken, so gewann sie durch den vokalen Einsatz von Sarah Lipfert eine Komponente hinzu. 

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026
Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Sie unterstrich den Ausdruck, bereicherte durch Artikulation und brachte eine erfrischende Abwechslung in das Programm.  Das zeigte sich dann auch vor allem im letzten Drittel –  als das Tempo anzog – und  die Fähigkeiten der Sonic Harmonics nochmal zu einem weiteren Level (z.b. mit einer Komposition von Sean Ian Guptill) angehoben wurden.

Die Sonic Harmonics brachten Steffen Schuhmacher zum ersten Mal an den Keyboards mit, aber offenbarten dieses erst zum Schluss in der Bandvorstellung. Gemerkt hätte das allerdings sowieso niemand. Fügte er sich doch nahtlos in den Sound ein, und konnte sowohl in den leisen, wie in den treibenden Phasen die richtigen Akzente setzen.

Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026
Sonic Harmonics im Jazzclub Karlsruhe am 30.04.2026

Selbst wenn innerhalb der Band, die Geschichten hinter den Songs zu einem Running-Gag gestalteten wurden, ist es –  neben der entspannten Atmosphäre durch die Stücke – vor allem der freundschaftliche Nähe zu verdanken, die Klaus Buchner und Sean Ian Guptill, über die Bühne hinaus weitergaben, um die Herzen des Publikums zu erobern. 

So vermittelten sie gekonnt, mit ihrer Musik eine Stimmung, die ja – so die Anekdote und Aussage – die Intelligenz hob, die Menschen zueinander brachte und dem Frieden in der Welt hilfreich sein sollte. Hieß es. Glaubhaft. Unbedingt.

Besetzung:

Klaus Buchner — Handpan und Saxophon
Sarah Lipfert — Gesang
Marcel Millot — Drums
Henrik Mumm — Bass und Cello
Steffen Schuhmacher — Piano und Keys
Sean Ian Guptill — Trompete

Externe Links:

Klaus Buchner & Sonic Harmonics – https://www.klausbuchner.de/

Jazzclub Karlsruhe – https://www.jazzclub.de

Sarah Lipfert – https://www.sarahlipfert.de

Henrik Mumm – http://www.henrikmumm.de

Steffen Schuhmacher – https://keys-n-stix.de

Marcel Millot – https://millot.de

Sean Ian Guptill – https://www.instagram.com/seanguptill/

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026
Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

Lia J hatte wohl nur zwei Tage vorher von ihrer Chance erfahren als Support von Lady Blackbird in Karlsruhe auf der Bühne zu stehen. Ohne Band, nur mit Gitarre und Ukulele, sowie einer virtuellen Begleitung durch ihr Notebook, wagte sie sich auf die Bühne. 

Ein Vorprogramm war nicht angekündigt, ihr Name dem Großteil der Anwesenden unbekannt und dennoch – Lia J wusste die Bühne zu nutzen. Kraftvolle Stimme, ein unbekümmerter Charme und die Möglichkeit auf spontane Zurufe zu reagieren gehörten zu den Punkten auf ihre Habenseite. So war es kein Wunder, dass sie das Publikum, das eigentlich auf Lady Blackbird wartete kurzweilig und erfolgreich unterhielt. 

Als Singer/Songwriterin, normalerweise mit einer Band unterwegs, war es vor allem ihre Stimme, die in den Bann zog und die knappe Stunde, die ihr zur Verfügung stand, zu einem Bündel eingängiger Songs zusammen schmelzen ließ. Lia J bot ein Repertoire an, dass sich sowohl der spanischen, wie englischen Sprache bediente. 

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026
Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

In der dargebotenen Form clever ausbalancierte Popsongs, die mit der prägnanten Kraft ihres Gesangs an Persönlichkeit gewannen und in der Darbietung entsprechend schnell die Anwesenden für sie einnahmen. War dann auch kein Wunder, dass Alle zum mitsingen bereit waren, somit der Boden für Lady Blackbird vorbereitet war und alles qualitativ locker zueinander passte. 

Spricht man von Lady Blackbird, so bleibt es nicht aus, zumindestens in zwei Worten auf ihr Outfit einzugehen. Schon immer waren ihre Auftritte geprägt von ihrer Ausstrahlung und ihren phantasievollen Gestaltungen. Barfuss, bekleidet mit einer bestickten Jacke, an deren Schultern ausladende Pfauenfedern angebracht waren, offenbarte sich in Stimme und Präsenz wieder: Hier ist die Queen des aktuellen Souls, mit einem Können, das nicht viel Begleitung braucht, aber sich mit allen messen kann. 

Nahbar, unaufgeregt, begleitet von 3 Bandmitglieder (Gitarre und Piano, Bass und Drums) bewies sie, dass sie jedem Ruf gerecht werden konnte. So war es eine Reise durch ihre bisherigen Veröffentlichungen, auf den Kern herunter gebrochen, und eine Stippvisite in Cover und Songs ihres nächsten Albums. Material, das ihre gesanglichen Leistungen in den Vordergrund stellte und dem Funk genug Platz ließ.

Mit „Come together“ leitete sie nach der erste Hälfte in einen Instrumentalpart, den ihre Band mit Bravour meisterte, schälten sie doch die groovigsten Anteile heraus, steigerten sie furios, klangen dann eher wie eine Fusion-Band aus dem Jazz-Rock-Lager, die dem Funk nicht abschwören wollten, aber holten Lady Blackbird damit natürlich auch wieder auf die Bühne. 

Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026
Lady Blackbird (Support Lia J) im Tollhaus am 29.04.2026

Im zweiten Teil lockerte sich die Rhythmen auf, nahm das Tempo etwas zu, waren die Riffs tanzbarer – Melodien, die die Füße lockten und die weite Spannbreite ihrer Titel zeigte. Anzumerken ist, wieviel Spaß ihr das Konzert machte, wie locker sie von einer Verwechslung erzählte, die ihr die Niederländer verziehen, als sie sie diese dereinst mit „Hallo Germany!“ begrüßte. 

Die Aufregung der frühen Jahre war sichtlich gewichen und die Bühnenpräsenz vom Augenzwinkern und Flirt mit dem Publikum geprägt. Hier war die Lady, hier war der Soul, und selbst der vielbesungene „Major Tom“ wurde zu einer kleinen Hymne und dunklen Ballade.

Lady Blackbird war die Entertainerin und der klangvolle Paradiesvogel des Neo-Soul. Die Frau, die die Flagge hochhält, der die Sympathie entgegen fliegt und mit einem ausgeklügelten, guten Set aufwarten konnte. 

Externe Links:

Lady Blackbird –https://www.ladyblackbird.com

Lia J – https://lia-j.com

Tollhaus – https://www.tollhaus.de

Interview mit DJ Wendelgaard über Soul, Jazz und besondere Locations

Interview mit DJ Wendelgaard über Soul, Jazz und besondere Locations

DJ Wendelgaard
DJ Wendelgaard

Wer Norwegen kennt, vor allem im Winter, wird wissen, wie sehr das Land von geprägt ist von seinen scheinbaren endlosen Wäldern, schneebedeckten Bergen, aber auch welch eine spannende Musikkultur dort möglich ist. Meine Reise durch einen kleinen Teil Norwegens führte mich vor allem durch Konzerthallen und Plattenläden der Städte Oslo und Bergen. Geprägt von einer einzigartigen Metalkultur, hat sich in Norwegen auch eine lebendige Jazzszene und etwas, das sich Nordicana nennt, etabliert.

Im Rahmen meiner Reise lud ich Eindrücke auf diese Webseite, aber auch in Social Media, hoch Und lernte dabei DJ Wendelgaard durch einen Austausch auf den bekannten Plattformen kennen. Sie überraschte mich durch sehr eigene Events in beneidenswerten Locations. Fernab von den Tanzflächen dieser Welt bewegt sich dabei in einem Ambiente, das neidisch und staunen macht. Es ist die nicht zu unterschätzende Aufgabe des kuratierens, die in der Wirkung mit Ort und Gelegenheit einem Event zur entsprechenden Stimmung verhelfen kann. Ich wollte mehr darüber wissen, und wir verabredeten die Aufnahme eines Podcasts. 

Ich bin der langsamste, und unentschlossenste Podcaster, der sich im Netz findet, hadere immer mit der Tonqualität und so kommt es nun zu dazu, dass das, was einst als Podcast geplant war, ein transkribiertes Interview ist. 

Andreas (JAZZNRHYTHM.com): Samanta, ich freue mich sehr, dass wir unser Gespräch wiederholen können. Beim letzten Mal ist die Aufnahme leider verloren gegangen. Umso schöner ist es, dass wir heute noch einmal zusammenkommen. Beginnen wir mit einer einfachen Frage: Wie haben wir uns eigentlich kennengelernt?

Wendelgaard (DJ): Das verdanken wir deiner Norwegen-Reise. Du warst in Oslo und Bergen unterwegs und hast Konzertlocations, Plattenläden und Veranstaltungen porträtiert. Besonders dein Bericht über den Plattenladen Apollon Records in Bergen hat mich angesprochen. Ich habe mir daraufhin deinen Blog und deine Instagram-Seite angesehen und war beeindruckt von deiner Leidenschaft für Musik. So sind wir schließlich in Kontakt gekommen.

Andreas: Ich erinnere mich gut. Aufgrund deines Namens dachte ich zunächst, du würdest aus Norwegen stammen.

Wendelgaard: Das passiert tatsächlich häufig. Ich komme zwar nicht aus Norwegen, aber ich liebe Skandinavien. Seit etwa fünf oder sechs Jahren reise ich regelmäßig dorthin und verbringe viel Zeit in Norwegen und Schweden. Diese Verbundenheit spiegelt sich auch in meinem Künstlernamen wider.

Andreas: Was fasziniert dich so sehr an Skandinavien?

DJ Wendelgaard  bei Brunch and Beats im Cafe am Markt in Marburg
DJ Wendelgaard bei Brunch and Beats im Cafe am Markt in Marburg

Wendelgaard: Es ist die Kombination aus Natur, Kultur und Lebensgefühl. Die Weite der Landschaften, das besondere Licht und die Ruhe inspirieren mich. Gleichzeitig sind die Menschen offen für Kunst und neue musikalische Ideen. Diese Mischung hat mich von Anfang an begeistert.

Andreas: Als ich mich näher mit deiner Arbeit beschäftigt habe, fiel mir auf, dass du an außergewöhnlichen Orten auflegst – nicht in Clubs, sondern in stilvollen und exklusiven Locations. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Wendelgaard: Sehr gern. Ein besonders prägendes Engagement hatte ich in den historischen Frescohallen in Bergen. Dort habe ich klassischen Jazz auf Vinyl aufgelegt. Die Atmosphäre war einzigartig – die Musik fügte sich perfekt in die Architektur und das Ambiente ein. Es war ein unvergesslicher Moment für mich.

Andreas: Wird bei solchen Veranstaltungen getanzt, oder steht die Musik eher im Hintergrund?

Wendelgaard: Beides ist möglich. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Atmosphäre. Die Musik begleitet das Essen und die Gespräche, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Es geht um Genuss und Entspannung.

Andreas: Ein ähnliches Setting hattest du auch in Schweden, richtig?

Wendelgaard: Ja, in Strömstad, das oft als „schwedische Riviera“ bezeichnet wird. Dort habe ich in einem Spa- und Resort-Hotel Lounge-Musik auf Vinyl gespielt. Die Musik fügte sich harmonisch in die Umgebung ein und schuf eine besondere Stimmung.

Andreas: Wie kommst du zu solchen Engagements?

Wendelgaard: Sowohl durch eigene Initiative als auch durch Anfragen. Wenn ich eine Location entdecke, die mich inspiriert, spreche ich die Betreiber an. Oft entsteht daraus eine Zusammenarbeit. Gleichzeitig melden sich Veranstalter bei mir über Social Media oder Empfehlungen.

Andreas: Für viele Veranstalter dürfte das ein Experiment sein.

Wendelgaard: Das stimmt. Der erste Auftritt ist immer eine Art Versuch. Doch die Resonanz ist meist sehr positiv. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn Menschen die Musik genießen und gemeinsam besondere Momente erleben.

DJ Wendelgaard In der SPIN Bar - Listening Bar in München
DJ Wendelgaard In der SPIN Bar – Listening Bar in München

Andreas: Welche Rolle spielt Vinyl in deiner Arbeit?

Wendelgaard: Eine sehr große. Vinyl hat eine besondere Klangqualität und vermittelt ein Gefühl von Authentizität. Außerdem verleiht es den Veranstaltungen eine zusätzliche Wertigkeit. Das bewusste Auflegen von Schallplatten passt hervorragend zu stilvollen und ruhigen Settings.

Andreas: Welche Künstler finden sich typischerweise in deinen Sets?

Wendelgaard: Vor allem Klassiker des Jazz: Nina Simone, Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, Nat King Cole und Blossom Dearie. Auch Frank Sinatra und Dean Martin gehören dazu. Ergänzend spiele ich Künstler wie Gregory Porter, Norah Jones oder George Benson.

Andreas: Du bist musikalisch sehr vielseitig.

Wendelgaard: Ja, ich bleibe offen. Selbst Fleetwood Mac integriere ich gelegentlich in Lounge-Sets. Stücke wie „Dreams“ passen hervorragend in eine entspannte Atmosphäre.

Andreas: Das zeigt, wie fließend die Grenzen zwischen Jazz, Lounge und Pop sein können.

Wendelgaard: Genau. Entscheidend ist die Wirkung eines Songs. Wenn er zur Stimmung beiträgt, findet er seinen Platz im Set.

Andreas: Wie reagieren die Gäste auf deine Musik?

Wendelgaard: Oft sprechen sie mich an, wenn sie ein Stück wiedererkennen. Viele verbinden persönliche Erinnerungen mit der Musik. Das macht solche Momente besonders emotional und schön.

Andreas: Zu welchen Tageszeiten finden deine Auftritte statt?

Wendelgaard: Meist tagsüber – zum Frühstück, Brunch oder Dinner. Jazz ist vielseitig und eignet sich für viele Gelegenheiten.

Andreas: Spricht deine Musik ein bestimmtes Publikum an?

Wendelgaard: Nein, sie ist generationsübergreifend. Die gleichen Menschen, die abends im Club tanzen, genießen tagsüber entspannte Jazzmusik.

Andreas: Wie bist du selbst zur Musik gekommen?

Wendelgaard: Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem Musik allgegenwärtig war. Das Radio lief ständig, und ich wurde mit unterschiedlichsten Genres vertraut. Musik war immer ein Bestandteil des Lebens.

Andreas: Gab es einen konkreten Moment, der dich zum Auflegen brachte?

Wendelgaard: Ja, in Schweden. In einem Secondhandladen entdeckte ich rund dreißig Jazzplatten für jeweils einen Euro. Ich nahm sie alle mit und fragte mich anschließend, was ich mit ihnen tun sollte. Mir wurde klar, dass Musik gehört werden muss – und so begann meine Reise als DJ.

Andreas: Wann hattest du deinen ersten Auftritt?

Wendelgaard: Ein Bekannter vermittelte mir einen Gig in einer Bar in Köln. Dort konnte ich erstmals auflegen und merkte sofort, wie viel Freude mir das bereitete.

Andreas: Deine Musik richtet sich eher an Genießer als an Tänzer.

Wendelgaard: Genau. Wenn getanzt wird, dann eher langsam – und manchmal hilft auch ein Glas Wein. (lacht)

Andreas: Du verbringst viel Zeit in Skandinavien. Wie verteilt sich das?

Wendelgaard: Etwa 30 Prozent meiner Zeit verbringe ich in Norwegen und Schweden, den Rest überwiegend in Köln und Umgebung.

Andreas: Wie erlebst du die Jahreszeiten im Norden?

Wendelgaard: Die Winter sind lang und dunkel, während die Sommer von nahezu endlosen Tagen geprägt sind. Beide Extreme haben ihren eigenen Reiz und inspirieren mich auf unterschiedliche Weise.

Andreas: Bergen hat dich besonders beeindruckt.

Wendelgaard: Ja, es ist eine echte Jazzstadt mit einem eigenen Jazzfestival. Die Offenheit gegenüber neuen Klängen ist faszinierend.

DJ Wendelgaard
DJ Wendelgaard

Andreas: Während meiner Norwegenreise fiel mir auf, dass das Land stark von Heavy Metal geprägt ist. Umso überraschender war deine Jazzpräsenz.

Wendelgaard: Das macht den Reiz aus. Skandinavien ist musikalisch vielseitig – von Metal bis Free Jazz. Diese Vielfalt ist inspirierend.

Andreas: Welche musikalischen Einflüsse prägen dich besonders?

Wendelgaard: Neben den Jazzklassikern schätze ich auch Bossa Nova, Swing und Lounge-Musik. Entscheidend ist für mich die emotionale Wirkung.

Andreas: Gibt es besondere Momente, die dir in Erinnerung geblieben sind?

Wendelgaard: Ja, wenn Gäste lächelnd zuhören oder sich für die Musik bedanken. Diese Augenblicke sind unbezahlbar.

Andreas: Du schaffst also Klangräume, die Erinnerungen entstehen lassen.

Wendelgaard: Das ist ein schönes Bild – und genau das ist mein Ziel.

Andreas: Zum Abschluss eine Gegenfrage: Welche musikalische Entdeckung hat dich zuletzt überrascht?

Wendelgaard: Eine musikalische Entdeckung, die zwar schon ein paar Jahre her ist, aber mich bis heute immer wieder begeistert, ist die US-amerikanische Jazz-Pop-Band Lake Street Dive. Die Musiker mischen herausragend Jazz, Pop und auch Soulelememte und setzen mit ihren guten Texten noch einen oben drauf. Ich bin nachhaltig begeistert von der musikalischen Leichtfüßigkeit und Authentizität. Welche musikalische Entdeckung ist es denn bei dir?

Andreas: Mich beeindrucken immer wieder junge Bands in kleinen Karlsruher Locations wie dem KOHI oder dem nun. Zuletzt haben mich Flora Falls, Paula Paula und die Punkband Sexbeat nachhaltig beeindruckt. Außerdem freue ich mich auf ein Wohnzimmerkonzert der Singer-Songwriterin Anne P.

Wendelgaard: Das klingt wunderbar. Ich bin gespannt auf deinen Bericht.

Andreas: Samantha, vielen Dank für das inspirierende Gespräch.

Wendelgaard: Ich danke dir. Es hat mir große Freude bereitet.

Andreas: Bis zum nächsten Mal.

Wendelgaard: Sehr gern. Auf Wiedersehen!

Externe Links:

DJ Wendelgasard – https://linktr.ee/dj.wendelgaard?

Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026

Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026

Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026
Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026

Mittlerweile ist es eine Institution, ein wiederkehrendes Ereignis und ein Versprechen für Qualität: Das Vereinsheim. In Gestaltung, Aufführung und überhaupt der ganzen Konzeption einmalig, behauptet sich das Künstlerkollektiv um Nico Schnepf (Tasten), David Maier (Moderation und Gesang) und Rouven Eller (Technik und Multimedia) tapfer gegen den regulären Konzertbetrieb. Machen sie doch alles anders, und vollkommen gegen die Regeln.

Das Vereinsheim gründet – so beschrieben sie es nun selber – für fünf Tage eine Band aus kreativen Individuen, die fast sessionartig miteinander proben, und jeweils zwei Auftritte an zwei Abenden in Mannheim und Karlsruhe bestehen bleibt. Danach löst sich das Vereinsheim wieder auf. Was passierte ist Geschichte. Was jedoch genau in diesem Zeitraum geschieht, ist genauso Plattform, wie Experiment und wird von der unglaublichen Lässigkeit der Präsentation getragen.

Der Charme des Vereinsheim liegt in der Vorstellung der Talente, die aus ganz anderen Konstellationen bekannt sind und hier mit der Wucht eines kleinen Orchesters Großes leisten. So zauberte Nico Schnepf an seinen Keyboards einen groovigen, fast nostalgischen Sound, der im Soul beheimatet ist, mit Disco flirtet und im schönsten Clubjazz verharrt. Ein dicker, fetter Klangteppich, der von David Maier gerne mit Charme und einer schlafwandlerischen Professionalität genutzt wurde. 

Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026
Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026

Unterstützt von Multiinstrumentalisten wie  Lui Hill (Drums), Joel Fonsegrive (Bass und mehr), Tomek Witiak (Gitarre und mehr) und Julian Meyer-Hauff (Blasinstrumente und mehr), sowie Liv Solveig (Geige und Vocals) formten sie aus dem swingenden Gemenge etwas Fettes, das auch gerne für die Füße und die schnippenden Finger funktionieren wollte.

Doch das Vereinsheim brachte – wie immer – sein eigenes Wohnzimmer mit. Platzierte die Musizierenden in Sesseln. In einer Runde, in deren Mitte der Platz für die eingeladenen Interpreten frei blieb. So wurde das Publikum zu anwesenden Gästen, die sich um die Spielenden versammelten, ihnen nahe war, auf der gleichen Ebene agierte und keine Bühne, keine Absperrung, keine Distanz mochte dabei stören.

Neben einem jovialen Ton, der Fähigkeit durch ein Programm zu führen – als würde es lässig aus dem Ärmel geschüttelt – ist es diese Nähe, die mit einer beeindruckenden Multimedia-Show, den Reiz des Vereinsheim ausmacht. Das Publikum fühlt sich beteiligt, aufgenommen und als Teilnehmer einer Konstellation, die es nur zweimal im Jahr gibt.

Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026
Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026

Dieses Mal war Liv Solveig dabei, die mit ihrer Geige und Stimme einen Teil ihres neuen Albums präsentieren konnte. So kraftvoll, energisch und druckvoll im Detail, aber vor allem mit dem richtigen Material, um zu überzeugen. Eine Songwriterin, die im Wechselspiel mit ihrem Saiteninstrument, die Unterstützung sichtlich genoß. In dieser Kombination ist es auch eine der Eigenschaften des Vereinsheims, den Songs jene Farbigkeit zu verleihen, die ihnen gebührt. Hier sei vor allem auch die Leistung Julian Meyer-Hauff zu erwähnen, dessen Töne swingend Akzente setzte.

Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026
Das Vereinsheim (mit Liv Solveig, Das Paradies, Lui Hill, Joël Fonsegrive, Tomek Witiak und Julian Maier-Hauff) im Tollhaus am 19.04.2026

Wie rund und gleichzeitig flexibel sich diese Arbeit gestalten konnte, zeigte sich auch bei den Songs von „Das Paradies“. Der – keine Band, sondern ein einzelner Interpret mit Gitarre – eine fast fröhliche, leichtfüßige Version seiner Songs präsentierte. Und damit einen Ton traf, der sich in das Vereinsheim einfügte, als gehöre er genau dahin.

Überhaupt ist es der harmonische, satte Sound, der ein homogenes, rundes Ding schuf. Als gehörte alles zusammen, genau hierher und jetzt und sofort. Instinktiv schaffen es die beiden musikalischen Köpfe hinter der Geschichte sich genau die Namen zu schnappen, die sie ergänzen und das Thema veredeln.

Angekündigt hat sich das Vereinsheim mit einer neuen Show für den 5/6 Dezember diesen Jahres. Wer es verpasst, an dem wird das Unwiederholbare vorbeiziehen. Ist dann halt so. Aber kann man ja vermeiden.

Externe Links:

Das Vereinsheim – https://www.dasvereinsheim.com

Liv Solveig – https://livsolveig.com

Das Paradies – https://www.dasparadies.org

Julian Meyer Hauff – https://www.julianmaierhauff.com

Lui Hill – https://www.instagram.com/luihill/

Joel Fonsegrive – https://www.joelfonsegrive.com

Tomek Witiak – https://tomekwitiak.com