Der Spieler – Teil 7

Der Spieler – Teil 7

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der siebte Teil, in dem es viel zu Bedenken gibt, aber nichts wirklich zur Vernunft beiträgt. Andreas Allgeyer, 29.01.2026

Ich stocherte mit dem Gabel zwischen dem Krautsalat herum. War die Beilage. Draußen fuhren Straßenbahnen vorbei, suchten Rentner in den Papierkörben und standen einige Männer vor dem Barbershop. 

Ich saß hier jetzt seit einer Stunde. Hatte mich erst mit Ayran aufrecht gehalten, nun war es dieser Tee in kleinen Gläsern, der so kräftig war, dass er mir durch die Nacht helfen konnte. 

Was waren das für Menschen, die wie Vampire erst zu so späten Zeiten wach wurden?  In denen ich normalerweise schlief. Ich gähnte, schob den Teller von mir weg und lehnte mich zurück. Drehte das Glas in meinen Händen. Ich übernahm mich. Vollkommen klar. Das waren nicht die achtziger Jahre, in denen wir die Dinge einfach so regelten. 

Das Jahrtausend hatte alles von links nach rechts gedreht. Die Politik und das Wetter waren verrückt. Und beides war plötzlich spürbar. Wenn ich morgens in den Spiegel sah, erblickte ich meinen Vater. Sah ich Cörd an, sah ich einen alten Mann. Ihm ging es sicherlich genauso, wenn er mich sah.

Das war nicht lustig. Das war jeden Tag aufs Neue schmerzhaft. Mein Gesicht in der Glasscheibe wurde konkreter, je dunkler es wurde. Der Charme dieses Etablissements offenbarte sich in der grellen Ausleuchtung. Ich wirkte verkniffen, verbiestert und vollkommen humorbefreit. Ich saß da, als würde ich alle hassen. Und mein Zuhause sowieso. Der alte Mann, der nicht wußte, wohin. 

So sah das aus. Die Haare stand ab, als hätte ich Angst vor dem Friseur. Oder als könnte ich ihn mir nicht mehr leisten. Die Hose war breit, hatte Cargotasche, und gehörte zu der Art Funktionswäsche, die man ab einem gewissen Alter aus irgendwelchen praktischen Gründen trug. War kein Schönheitswettbewerb. Mich ging das alles nichts an. 

Das Smartphone lag vor mir, aber es gab nichts, auf das ich wartete. Das Internet kannte ich komplett auswendig, die sozialen Medien hatten mich angefixt wie einen Fünfzehnjährigen. Es gab Tage, da konnte ich alle beleidigen. Einfach so. Dann blockierten sie mich. Einfach so. Aber es gab ja noch 400 Millionen andere User. Teufel auch. Wer braucht sowas?

Ich sah wieder hinaus. Nicht den Hauch einer Ahnung, was ich machen sollte, wenn ich den Jungen traf. Es war schon gut, zu wissen, dass er nicht vom Erdboden verschwunden ist. Dachte ich. Mehr fiel mir nicht ein. Cörd ging es um die Platte. Mir nicht. Warum flog ein Stein durch das Fenster? Gab es überhaupt einen Zusammenhang.

Hatte das Gefühl, ich dachte zum ersten Mal an diesem Abend nach. Es klärte sich nichts, half kein bißchen, doch machte Angst. Ich hatte keinen Plan.

Kurz bevor ich aufstand, ließ ich die Gabel in der linken Tasche verschwinden. Das war das Gute an dieser Art Hose: Sie waren unförmig, aber du konntest ein Sixpack und halbautomatische Waffen darin verstecken. Ohne dass es jemand merkte. Selbst schuld, wenn sie hier Metallbesteck zu ihrem Essen austeilten. 

Die Nacht hatte eine wohltuende Kühle über die Stadt gelegt. Hier im Süden war die Luft im Sommer oft eine Art flüssige Watte, in der Schweißausbrüche dich Tag und Nacht begleiteten. 

Ich atmete durch, sah zum Club und dachte, na, dann mal wieder runter in die Maschinenhölle. 

Mehr ging mir jetzt nicht mehr durch den Kopf.

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