Der Spieler – Teil 8

Der Spieler – Teil 8

Der Spieler (Fortsetzungsroman auf Jazznrhythm.com in loser Folge)

Der Spieler ist ein Fortsetzungsroman auf den Seiten von Jazznrhythm.com. Unregelmäßig, ohne Ankündigung, oder einem festen Termin, erscheinen weitere Abschnitte.
Dieses ist der achte Teil, in dem sich ein Fremder in einer fremden Welt bewegt. Anteile kommen ihm jedoch vertraut vor.

Andreas Allgeyer, 02.02.2026

Wie erwartet, drängelten sich schon alle an der Tür. Schwarz als aktuelle Modefarbe. Sie zogen sie an E-Zigaretten und tranken Bier direkt aus der Flasche. Taten alle so als müssten sie mich ignorieren.

Nichts, was mich überraschte. Oder mir wirklich Sorge bereitete. Die meisten wirkten zu jung. Für diesen Ort. Aber das machte die Schminke und die Nacht. Schmale, weiße Gesichter. Eine Haut wie mit Gips oder Porzellan überzogen. Sie bildeten fast eine Wand, die Köpfe gesenkt und zusammen gesteckt. Spieler, die sich vorbereiteten. Alle wandten mit den Rücken zu. Manche nicht sofort, aber spätestens wenn sie mich sichteten. 

Ich konnte sie kaum unterscheiden. Für mich sahen sie alle gleich aus. 

Drängelte mich durch, schubste einige leicht, entschuldigte mich sofort lächelnd und schaffte es in den Gang hinunter in die Höhle. 

Mein Freund stand immer noch hinter der Theke. Senkte demonstrativ seinen Kopf. Wir kannten uns nicht. Noch nie gesehen aber als er kurz aufsah, blickte er nach hinten. Ich nickte, ließ die Theke links liegen und steuerte auf die Tanzfläche zu. 

Die Musik schien gleich. Vielleicht war es dasselbe Stück. Beinharte Rhythmen, die wütende Musiker mit Ölfassern und Eisenbahnschienen fabriziert hatten. Dazu eine Frauenstimme, die in einer außerirdischen Sprache eine Lyrik rezitierte. Der Boden vibrierte, die Lichter kreiselten wie Drohnen und wer auf der blank polierten Fläche des Raumes stand,  zuckte und schüttelte sich im Takt. 

An den Seiten einige Tische, an denen Männer standen. Kamen mir bekannt vor. Sie hielten sich jeweils an einem Pils und trugen Hosen und Jacken, mit denen man bequem wandern konnte. Ich sah sie nicht an. Ich wollte niemanden treffen. Keine Bekannten sehen. Von niemanden angesprochen werden. Hier traf sich Cörd mit dem Burschen? Ich schüttelte den Kopf. Was hatte nur in ihm getobt?

Auch wenn sie zu zweit an den Stehtischen standen, wirkten sie nicht so, als ob sie etwas verbindet. Niemand sprach ein Wort. Es war zu laut. Der Beat rang alles nieder. Der Lärm war ohrenbetäubend. Es gab so manches Fließband, an dem mehr Ruhe herrschte. Es waren fünf, vielleicht auch sechs von ihnen. Sie glichen sich und mir, als wären wir aus dem selben Nest gefallen oder hätten gemeinsam die Schulbank gedrückt. Irgendwas verband uns. Und das beunruhigte mich zutiefst.

Die Tanzfläche war ihre Auslage. Sie betrachteten sie unablässig. Mit zusammegekniffenen Augen, die Arme auf den Stehtisch gelehnt, mit der Hand die Flasche umschlossen. Ich hätte es genauso gemacht. Und ich konnte mir Cörd nur zu gut in dieser Rolle vorstellen. 

Die Tanzfläche zu durchqueren war eine Herausforderung der besonderen Art. Es war wohl keine Absicht, wenn ein Arm in mein Gesicht schlug.  Oder die Handkante in meiner Seite landete. Ich biss die Zähne zusammen, versuchte es zu übersehen und zu hoffte, dass meine Gesichtszüge wie einen Lächeln wirkten. 

Der Junge sah mich sofort. Mike1516. Das stand unter dem Bild aus der App. So bezeichnete er sich. Handles klingen wie Roboternamen. War nicht sonderlich einfallsreich. Menschen im Internet. Der Platz um jede Würde zu verlieren. 

Als sich unsere Blicke trafen, sah ich sein Erkennen. Und Erstaunen. Als ob ein Stromstoß durch ihn gefahren wäre, schreckte er aus seinem Sessel hoch, stand kerzengerade zwei Meter von mir entfernt auf und starrte mich an wie den Leibhaftigen. Letzterer wäre ihm wahrscheinlich lieber gewesen. 

Mike 1516 war, wenn man japanische Comics mochte, wirklich hübsch anzuschauen. Er trug einen eng geschnitten Anzug in einer Farbe, die mir mutig vorkam, aber irgendwo zwischen rosa und lila lag. Dazu ein weißes Hemd und seine Haare waren in Schnitt und Form so akkurat vor die Augen gelegt, dass man es als Kunst bezeichnen konnte. War alles nicht mein Stil, aber ich musste die Mühe und das pure Handwerk anerkennen. Er grinste mich mit makellosen Zähnen an. Er hatte sich gefangen.Es war nicht dieses furchtlose, freche Grinsen mit dem ich gerechnet hatte. Eher die verlegene Sorte, wie sie ertappte Jungs gerne präsentieren. Aber er versuchte die Situation unter Kontrolle zu bringen.

Ich hatte keinen Plan, wie gesagt. Abgesehen davon, war es schon viel zu spät. Meine Laune  war sowieso am Tiefpunkt. Das ist der Zeitpunkt, an dem ich die Steuerung übergab, weil mir nichts mehr Sorge bereiten musste.

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